BCBS zur aufsichtsrechtlichen Behandlung von Krypto-Assets

Der Basler Ausschuss für Bankenaufsicht (BCBS) hat am 12. Dezember 2019 ein Diskussionspapier zur aufsichtsrechtlichen Behandlung von Krypto-Assets veröffentlicht (Designing a prudential treatment for crypto-assets (BCBS 490)). Das Diskussionspapier behandelt insbesondere die Merkmale und Risiken von Krypto-Assets, wie Liquiditätsrisiko, Kreditrisiko, Marktrisiko, operationelles Risiko (einschließlich Betrug und Cyberrisiken), Risiko der Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung sowie Rechts- und Reputationsrisiken. Ebenso stellt es Überlegungen an, um einen möglichen aufsichtsrechtlichen Rahmen zu schaffen. Auffällig ist hierbei vor allem ein recht vorsichtiger und konservativer Ansatz des Ausschusses im Umgang mit risikoreichen Krypto-Assets. Kommentare zum Diskussionspapier können bis zum 13. März 2020 beim Ausschuss eingereicht werden. Diese Chance sollte genutzt werden, da sie Einfluss auf die Meinungsbildung des Ausschusses und die weitere Ausarbeitung der aufsichtsrechtlichen Behandlung von Krypto-Assets haben werden. Trotz der teilweise noch zurückhaltenden Aussagen des Basler Ausschuss ist absehbar, dass weitere Veröffentlichungen mit konkreten Vorgaben zur Behandlung von Crypto-Assets folgen werden.

Krypto-Assets im Finanzmarkt

Krypto-Assets sind digitale Vermögenswerte, deren Übertragung über Blockchain-Technologie erfolgt. Diese treten in unterschiedlichen Formen auf und umfassen insbesondere Kryptowährungen und digitale Token, die über Initial Coin Offerings (ICOs) ausgegeben werden.

Krypto-Assets gewinnen im Finanzmarkt immer mehr an Bedeutung. Sie befinden sich in rasantem Wachstum, sodass sie mittlerweile ein Potential zur Gefährdung der Finanzstabilität entwickeln und hierdurch Risiken für Banken einhergehen, welche der Ausschuss bereits mit Newsletter (Statement on crypto assets) vom 13. März 2019 gesehen hat. Der Ausschuss sieht aufgrund dessen die Notwendigkeit einer konservativen aufsichtsrechtlichen Behandlung von Krypto-Assets durch Finanzmarktteilnehmer.

Banken und Finanzdienstleistungsinstitute haben vielfältige Möglichkeiten unmittelbar als auch mittelbar mit Krypto-Assets in Berührung zu kommen. Sie können u.a. Eigenhandel mit ihnen betreiben, im Auftrag von Kunden mit ihnen handeln, einen eigenen Handelsplatz für Krypto-Assets einrichten oder als Verwahrer dieser Werte fungieren. Das Kryptoverwahrgeschäft stellt dabei seit dem 01. Januar 2020 durch die Umsetzung der vierten EU-Geldwäscherichtlinie eine Finanzdienstleistung dar, die einer Erlaubnis der BaFin bedarf.

Bisherige Bemühungen der Emittenten in Bezug auf Krypto-Assets umfassten die Reduzierung der Volatilität durch Verankerung an ein Referenzobjekt. Des Weiteren gibt es Initiativen für die Rücknahme oder den Rückkauf durch eine juristische Person, wobei die sogenannten „Stablecoins“ hinsichtlich ihrer tatsächlichen Stabilität noch nicht vollständig getestet wurden. Auch hierzu will der Basler Ausschuss, sofern notwendig, weitere Regelungen entwickeln. Darüber hinaus gibt es auch Bemühungen zu digitalen Währungen durch Zentralbanken, welche jedoch nicht Teil des Diskussionspapiers sind.

Ebenso fasst der Ausschuss die Merkmale, Funktionen und potentiellen Wertquellen zusammen und beschäftigt sich mit zusätzlichen Faktoren, die das Risikoprofil beeinflussen können.

Welche Risiken bringen Krypto-Assets mit sich?

Der Ausschuss sieht für Finanzmarktteilnehmer wie Banken vor allem folgende finanzielle und nicht finanzielle Risiken, die sich aus Krypto-Assets ergeben können (zum Vergrößern bitte anklicken):

  • Liquiditätsrisiko: bei der Umwandlung von Krypto-Assets in eine FIAT-Währung. Dies kann zu einem Wertverlust führen oder sogar unmöglich sein. Darüber hinaus kann in einem Stress-Szenario ein Liquiditätsrisiko gegeben sein, wenn Banken eigene Krypto-Assets emittieren oder ggf. Einzahlungen von Krypto-Assets entgegennehmen.
  • Marktrisiko: durch die hohe Volatilität der Krypto-Assets und daraus resultierende Schwierigkeiten der Preisfindung.
  • Kredit- und Kontrahentenrisiko: wenn ein Krypto-Asset an eine rechtliche Verpflichtung geknüpft ist oder Kredite an Unternehmen vergeben werden, die sich in der „Krypto-Branche“ bewegen. Letzteres bringt die Gefahr mit sich, dass das Ausfallrisiko des Kreditnehmers nicht angemessen beurteilt werden kann.
  • Cyber- und operationelle Risiken: durch Schwachstellen in der Informationssicherheit oder in Betriebssystemen. Bspw. können Cyber-Angriffe dazu führen, dass Kunden keinen Zugriff mehr auf ihre Krypto-Assets haben oder diese verlieren.
  • Rechtliche Risiken: aufgrund der aktuell herrschenden Rechtsunsicherheit und dem dadurch möglicherweise falschem Umgang mit bspw. Vorschriften des Verbraucherschutzes, der Bekämpfung der Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung und bank- und kapitalmarktrechtlichen Vorschriften. Hinzu kommen unterschiedliche rechtliche Regelungen in Bezug auf Krypto-Assets in verschiedenen Ländern.
  • Reputationsrisiken: Der Eintritt eines der o.g. Risiken kann unter Umständen Folgen für die Reputation der Bank haben.
  • Risiken ausgehend von Dritten: Sind Dritte in bankinternen Prozessen involviert, sei es als Entwickler oder Unterstützer, geht von diesen ebenso ein Risiko aus.
  • Umsetzungsrisiken: bei notwendig werdenden internen Änderungen an Systemen und Kontrollen

Konservativer Vorschlag zur Behandlung von high risk Krypto-Assets

In seinem Diskussionspapier erarbeitet der Ausschuss einen Vorschlag zur Behandlung von high risk Krypto-Assets und stellt vor, wie diese Bestände im Handels- bzw. Anlagebuch behandelt werden können. Auffällig dabei ist, dass der Ausschuss äußerst konservativ mit high risk Krypto-Assets umgehen würde und hierdurch ein deutliches Misstrauen gegenüber Krypto-Assets zeigt.

Der Vorschlag sieht innerhalb des Anlagebuchs einen vollständigen Abzug der Positionen vom harten Kernkapital (Tier 1) vor. Als Sicherheiten werden Krypto-Assets nicht anrechenbar sein. Auch innerhalb des Handelsbuchs würden die Positionen dem Äquivalent eines vollständigen Abzuges im Rahmen des Marktrisikos und des CVA-Risikos unterliegen. Zusätzlich kann der Restrisiko-Aufschlag im Rahmen des FRTB Standardansatzes vorzuhalten sein. Darüber hinaus kommt eine Kreditrisikominderung für Krypto-Assets nicht in Betracht. Bereits dieser Ansatz zeigt deutlich, wie skeptisch der Ausschuss gegenüber Krypto-Assets ist und welch hohe Unsicherheit hinsichtlich der Werthaltigkeit von Krypto-Assets unter Stress herrscht.

Für das Kontrahentenausfallrisiko würde das EAD nach dem SA-CCR auf der Grundlage der Wiederbeschaffungskosten und einem einfachen Ansatz für das sog. „potential future exposure“ (PFE) in Höhe von 50 Prozent des Nominalwerts zu berechnen sein. Die Nutzung der internen Modelle Methode wird hierbei – ebenso wie für das Markt- und das CVA-Risiko – nicht gestattet sein (zum Vergrößern bitte anklicken).

Im Rahmen der Liquidity Coverage Ratio (LCR) und der Net Stable Funding Ratio (NSFR) wären Krypto-Assets nicht als hochliquide Aktiva (HQLA) zugelassen. Sie würden einem Liquiditätszufluss von 0 % und als Verbindlichkeiten einem Liquiditätsabfluss von 100 % unterliegen. Sie erfordern im Rahmen der NSFR eine stabile Refinanzierung (RSF) von 100 %, während Verbindlichkeiten mit einer Restlaufzeit von weniger als einem Jahr einem verfügbaren stabilen Finanzierungsfaktor (ASF) von 0 % unterliegen würden.

In der Leverage Ratio müssen die Positionen voll mit Ihrer Bemessungsgrundlage einbezogen werden. Auch die Regeln zu Großkreditgrenzen müssen eingehalten werden. Des Weiteren sollten Banken einer vierteljährlichen Pflicht zur Veröffentlichung detaillierter Informationen über alle wesentlichen Krypto-Assets unterliegen, insbesondere hinsichtlich der Risikobeträge dieser Positionen, Eigenkapitalanforderungen und deren bilanzieller Behandlung.

Des Weiteren beschäftigt sich der Ausschuss mit einer möglicherweise notwendigen aufsichtsrechtlichen Behandlung anderer Arten von Krypto-Assets, wie solche für Intra- und Interbankenabrechnungen und solchen, die Stabilisierungstools verwenden, die mit anderen Assets verknüpft sind.

Der Ausschuss betont des Weiteren erneut, dass Banken, die sich für Krypto-Assets entscheiden, die Risiken von Krypto-Assets sehr konservativ steuern sollten. Er erwartet, dass die Prozesse zur Risikoermittlung und des Risikomanagements an die Risiken der Krypto-Assets angepasst werden, sowie eine hohe technische Expertise in den Banken verfügbar ist. Es wird ebenso erwartet, dass die Aufsichtsbehörden früh über Aktivitäten in Bezug auf Krypto-Assets informiert werden sollen und dass diese bei unzureichender Risikominderung Maßnahmen ergreifen.

Sie haben Fragen zum Diskussionspapier im Detail? Gerne unterstützen wir Sie bei der weiteren Aufarbeitung des Diskussionspapiers. Möchten Sie zu den einzelnen Fragen Stellung nehmen und benötigen Unterstützung hierbei oder möchten Sie bereits zum jetzigen Zeitpunkt analysieren, welche Auswirkungen bei einer derartig strengen aufsichtsrechtlichen Behandlung der Krypto-Assets für Ihr Institut zu erwarten sind?

Sprechen Sie uns gern an.

 

 

 

Stefan Röth

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Jana Bagirian

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