Liquiditätsmeldewesen im Wandel – Teil 4: Die EBA Guidelines zu Funding Plans

Die European Banking Authority (EBA) hat am 19. Juni 2014 ihre finalen Leitlinien hinsichtlich einheitlicher Definitionen und Templates für Funding Pläne von Kreditinstituten veröffentlicht ( Guidelines on harmonised definitions and templates for funding plans of credit institutions under Recommendation A4 of ESRB/2012/2 (EBA/GL/2014/04)). Das neue Berichtswesen dient der Überwachung und Beurteilung von Refinanzierungsplänen. Damit setzt die EBA eine Empfehlung des European Systemic Risk Boards (ESRB) um (Empfehlung des Europäischen Ausschusses für Systemrisiken vom 20. Dezember 2012 zur Finanzierung von Kreditinstituten (ESRB/2012/2)).

Hintergrund

Ausgangslage der ESRB-Empfehlung sind mangelnde Informationen der Finanzaufsichten über die Realisierbarkeit von zukünftigen Refinanzierungen auf Institutsebene. Zugleich ermöglichen, nach Ansicht des ESRB, aggregierte Planzahlen unter Berücksichtigung von Entwicklungsszenarien der Refinanzierungsmärkte die Identifizierung von zukünftigen Marktinstabilitäten. Informationsbedarf besteht zudem hinsichtlich der Neuentwicklung und den Beständen von innovativen Refinanzierungsinstrumenten. Diese können in Zeiten angespannter Finanzmärkte Unsicherheiten bei Investoren, sowohl im Hinblick auf die Instrumente selbst als auch auf die Solvabilität von Kreditinstituten, hervorrufen. Daneben haben laut dem ESRB einlagenähnliche Produkte, die nicht von der Einlagensicherung gedeckt sind, während der Finanzkrise mit besonderer Volatilität reagiert.

Aus diesen Informationsbedürfnissen und Erkenntnissen fordert das ESRB von den zuständigen Aufsichtsbehörden,

  • eine intensive Überwachung und Einschätzung der Refinanzierungs- und Liquiditätsrisiken sowie die Identifizierung innovativer und einlagenähnlicher Produkte,
  • die Beurteilung der aggregierten Refinanzierungspläne hinsichtlich ihrer Durchsetzbarkeit und Auswirkungen auf das Bankensystem sowie die Kreditversorgung der Realwirtschaft und
  • die Überwachung der Pläne von Instituten, die ihre Abhängigkeit von Refinanzierungsquellen durch öffentliche Gelder reduzieren.

Anwendungsbereich

Die Meldung der „Funding Plans“ Meldebögen ist ausschließlich auf der höchsten national verfügbaren aufsichtsrechtlichen Konsolidierungsebene (z.B. inländische Institutsgruppe) anzufertigen.

Berichterstattung

Die Berichterstattung soll jährlich jeweils mit dem Stichtag 31.12. erfolgen. Als Einreichungstermin ist der 31.03. des Folgejahres vorgesehen.

Meldeformulare

Die Meldebögen sind in drei Teilbereiche aufgeteilt. Grundsätzlich ist die Erhebung von Ist- und Planzahlen für den aufsichtsrechtlichen Konsolidierungskreis erforderlich. Bis auf wenige Ausnahmen hat die Planung über einen Zeithorizont von drei Jahren zu erfolgen. Die meldepflichtigen Positionen und die damit einhergehende Granularität orientieren sich an den FINREP-Positionen.

Teilbereich I

Ziel des ersten Teilbereichs ist es, einen Gesamtüberblick über die Bilanzplanung zu erhalten. In drei Abschnitten sind Ist- und Planzahlen offenzulegen. Der Abschnitt Aktiva wird nach Forderungen an Haushalte, Nichtbanken, Finanzunternehmen und nicht aufsichtsrechtlich konsolidierte Konzerngesellschaften unterteilt. Je Gegenpartei nimmt die Granularität durch weitere Unterkategorien zu. Gleichermaßen sind Kasse und Zentralbankguthaben, Repos sowie Derivate darzustellen. Analog sind Angaben im Abschnitt Passiva erforderlich. Hinzu kommen Abfragen nach der Art und Fristigkeit von Einlagen. Im dritten Abschnitt sind Ist- und Planzahlen der Liquiditätskennziffern LCR und NSFR darzulegen.

Teilbereich II

Der zweite Teilbereich umfasst vier Abschnitte.

  • Ziel des ersten Abschnittes ist eine Bestandsaufnahme sowie die Identifikation von Veränderungen spezifischer Refinanzierungsquellen. Darzustellen sind derzeitige und geplante Einlagen, die durch ein Einlagensicherungssystem gedeckt bzw. nicht gedeckt sind. Darüber hinaus sind die Ist- und Planzahlen von ungesicherten, einlagenähnlichen Finanzinstrumenten, Einlagen von Finanzierungsquellen aus dem öffentlichen Sektor und Einlagen innovativer Finanzierungsinstrumente zu berichten.
  • Abschnitt Zwei soll die Beurteilung der Tragfähigkeit von Finanzierungsplänen unter Preisgesichtspunkten ermöglichen. Dafür sind derzeitige und zukünftige Zinserträge und Zinsaufwendungen einzelner Forderungen und Refinanzierungsinstrumenten darzulegen. Die Granularität der Kategorien orientiert sich an den Bilanzposten des ersten Teilbereichs.
  • Mit Einführung des dritten Abschnittes wird das Ziel verfolgt, strukturelle Währungsinkongruenzen zu erkennen. Neben der Berichtswährung sind Bestände und geplante Änderungen der zwei größten Währungen zu melden, wenn sie einen Anteil von 5% an der Bilanzsumme überschreiten. Die Abgrenzung der Meldepositionen orientiert sich an der Bilanzstruktur des ersten Teilbereichs.
  • Strukturelle Änderungen der Bilanz aufgrund bevorstehender Umstrukturierungsmaßnahmen sind im vierten Abschnitt darzustellen. Die Granularität der Meldepositionen lehnt sich an die Bilanzposten des ersten Teilbereichs an.

Teilbereich III

Zuletzt sind im dritten Teilbereich die im Rahmen der aufsichtsrechtlichen Konsolidierung erfassten Unternehmen mit ihrem jeweiligen LEI-Code anzugeben.

Herausforderungen für die Institute

Die bilanzorientierten Meldebogenpositionen referenzieren grundsätzlich auf FINREP-Positionen. Währenddessen sich die tatsächlichen Bestände aus dem vorhandenen Datenhaushalt größtenteils extrahieren lassen, erweist sich die Kalkulation von Planzahlen als zunehmende Herausforderung für die Institute. Die verpflichtende Planungsgranularität auf Basis von FINREP-Konten geht meist über die bei den Instituten vorhandene Planungslogik hinaus. Dabei sind die Planungsprozesse und Prämissen zwischen den einzelnen Unternehmen des aufsichtsrechtlichen Konsolidierungskreises aufeinander abzustimmen und im Rahmen der konsolidierten Meldung zu berücksichtigen. Als Konsequenz der Bilanzpostenplanung ergibt sich der Bedarf, auch kurzfristige Refinanzierungen (insbesondere das kurzfristige Interbankengeschäft) für einen Zeithorizont von drei Jahren zu planen. Diese Bestände sind in der Regel sehr volatil und sind in ihrer Art abhängig von Gegebenheiten auf dem Kapitalmarkt, was im Rahmen des Planungsprozesses die Institute vor große Herausforderungen stellt.

Neben Planzahlen für Bilanzpositionen sind u.a. durchschnittliche Zinssätze auf Basis der jeweils eingehenden Geschäfte zu prognostizieren. Auslaufende Geschäfte sind herauszurechnen und geplante Bestände durch Prolongation mit einem neuen Zinssatz zu versehen. Im Gegensatz zur FinaRisikoV, die Planzahlen zum Zinsergebnis fordert, sind im Rahmen der „Funding Plans“ Zinssätze für unterschiedliche Kontrahentengruppen zu planen. Sofern keine Zinserträge bzw. Zinsaufwendungen auf Bilanzpositionsebene geplant werden, ist ein geplantes Zinsergebnis auf einzelne FINREP-Positionen zurück zu verteilen.

Auch zusätzliche qualitative Daten sind gefragt. Beispielsweise ist ein Regelwerk für Zinsprognosen vorzuhalten. In Anlehnung an die prognostizierten Zinssätze soll es Aufschluss über die Gründe der vorliegenden Zinsmeinung geben. Die Nutzung von innovativen Refinanzierungsprodukten macht andererseits Angaben zu den Basiswerten, der Struktur, den Laufzeiten und den Kontrahenten erforderlich.

Als problematisch erweist sich auch die weit gefasste Auslegung und Abgrenzung einzelner Begriffe in den Leitlinien und Templates. Beispielsweise wird die Angabe einer „all in yield“ für die Preisfestsetzung gefordert. Eine Auflistung möglicher innovative Refinanzierungsinstrumente sowie einlagenähnlicher Produkte ist in den Guidelines nicht gegeben. Aktuelle Bestände und Produktneuentwicklungen sind somit auf eine mögliche Relevanz anhand der vorgegebenen Definitionen zu prüfen und in den Planungsprozess einzubeziehen. Einlagenähnliche Instrumente werden beispielsweise definiert als Finanzinstrumente, die einer Einlage ähneln, aber anderen Risiken unterliegen als eine Einlage, da sie nicht der Einlagensicherung unterliegen. Dies umfasst u.a. Produkte, die einen nominellen oder inflationsbereinigten Kapitalerhalt mit einer variablen Vergütungskomponente kombinieren und an Retail-Kunden veräußert werden.

Ausblick

Für die folgenden Meldetermine ist es geplant, die Meldeanforderung für Institute in eine Verordnung zu überführen. Derzeit legt die BaFin fest, welche Institute die „Funding Plans“ Meldebögen melden müssen und fordert die Daten gem. § 44 KWG an.

Ihr Ansprechpartner für Fragen zum Liquiditätsmeldewesen bei PwC FS Regulatory Management: Stefan Röth

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