Non-Performing Exposures und Anforderungen an Kapital- und Datenmanagement

Non-Performing Exposures (NPE) stehen im Zentrum vielschichtiger regulatorischer Änderungen. Angefangen von der neuen Ausfalldefinition, die zum 1.1.2021 in Kraft tritt, bis hin zu den Anforderungen an das NPE-Management, die aufsichtsrechtliche Kapitalvorsorge sowie die erweiterten Reporting- und Offenlegungsvorgaben. Gemeinsam ist diesen Anforderungen, dass über alle Bausteine hinweg ein klares Ziel verfolgt wird: CRR-Institute sollen potenzielle NPEs risikoreduzierend managen sowie Bilanz und Kapital zeitnah entlasten, bspw. durch die Verwertung von Sicherheiten, oder die Veräußerung am Markt.

Die neue aufsichtsrechtliche Kapitalvorsorge ist dabei sicherlich einer der wesentlichsten Anreize für Banken, dieses Ziel im Sinne des Regulators umzusetzen. Handlungsimplikationen starten mit einer Selbst-Einschätzung der Banken in Bezug auf:

  • Kapitalmanagement unter Berücksichtigung der zusätzlichen NPE-Kapitalanforderungen als Grundlage für eine schwankungsarme und vorausschauende Kapitalplanung
  • Datenmanagement und aufsichtsrechtliches Reporting als Grundlage für die interne Steuerung und die mindestens jährliche Abstimmung mit der Aufsicht

Im folgenden Beitrag stehen die NPE-Kapitalanforderungen im Vordergrund. Die wesentlichen Inhalte und Themenfelder der EBA-Guideline Anforderungen finden Sie im Risk Blog Beitrag: „EBA veröffentlicht Guidelines on management of non-performing and forborne exposures” vom 07. Dezember 2018.

 „Prudential Backstop“ ergänzt „True and fair view“ und handelsrechtliches Vorsichtsprinzip

Mit der aufsichtsrechtlichen Kapitalvorsorge für NPEs, dem sogenannten Prudential Backstop, führen Regulator und Aufsicht eine neue Steuerungsgröße ein. Maßgeblich ist, dass diese über die bilanziellen Wertberichtigungen und Abschreibungen sowie originäre aufsichtsrechtliche Kapitalabzugspositionen hinausgehen kann.

Für direkt von der EZB beaufsichtigte Banken gilt diese zusätzliche Kapitalanforderung bereits heute, kodifziert in der Ergänzung zum EZB Leitfaden für Banken zu notleidenden Krediten.

Zudem verhandeln EU Rat und Parlament aktuell den Vorschlag der EU-Kommission für eine Verordnung des Europäischen Parlaments und des Rates zur Änderung der CRR (EU, Nr. 575/2013) im Hinblick auf die Mindestdeckung notleidender Risikopositionen. Diese EU-Vorgaben werden voraussichtlich bis zum 2. Halbjahr 2019 verbindlich eingeführt und sind künftig von allen CRR-Instituten anzuwenden.

Methodisch weichen die aktuell im Trilog verhandelten EU-Vorgaben und die EZB-Erwartungen in Teilen voneinander ab. Gemeinsam ist beiden Regularien, dass sowohl unbesicherte als auch besicherte NPEs innerhalb vorgegebener Fristen vollständig im harten Kernkapital verarbeitet werden sollen. Dabei liegt die Herausforderung für das künftige NPE- und Kapitalmanagement, wie ein einfaches Beispiel zeigt, in der vorausschauenden Erfassung und Steuerung von Änderungen der in die Berechnung eingehenden Parameter. Im Wesentlichen sind das:

  • Anteil unbesichertes/besichertes Exposure
  • Wert der Sicherheiten
  • Höhe der bilanziellen Wertberichtigung
  • Originäre aufsichtsrechtliche Kapitalabzüge
  • Ablauf der regulatorisch vorgegebenen Zeitfrist

Ausgangspunkt des folgend skizzierten Beispiels ist ein NPE, dem eine immobilienbesicherte Forderung zugrunde liegt. Folgende Daten liegen vor:

Im ersten Teil ist die Forderung vollständig besichert. Daraus resultiert im Jahr 2021 ein Prudential Backstop in Höhe von €120 TSD. Dabei umfasst der Prudential Backstop bilanzielle Wertberichtigungen, originäre aufsichtsrechtliche Vorsorgen sowie die aufsichtsrechtliche NPE-Kapitalvorsorge . Da im Beispiel keine anderweitige Vorsorge gebildet wurde, wird der Prudential Backstop als aufsichtsrechtliche Kapitalvorsorge vollständig vom harten Kernkapital abgezogen.

Im zweiten Teil wird ein Teil der Forderung als unbesichert eingestuft. Ursache ist eine Veränderung des Sicherheitenwertes im Zuge eines makroökonomisch adversen Szenarios. Aufgrund einer bilanziellen Wertberichtigungen in Höhe von €30 TSD liegt die zusätzliche aufsichtsrechtliche Kapitalvorsorge bei €108 TSD. Gleichzeitig steigt der Prudential Backstop im Jahr 2021 von €120 TSD auf €138 TSD. Damit sind, gegenüber dem Baseline-Szenario, zusätzlich + €18 TSD im Kapital zu verarbeiten – im Beispiel als bilanzielle Wertberichtigung (€30 TSD) sowie aufsichtsrechtliche Kapitalvorsorge (€108 TSD).

Bereits an diesem einfachen Beispiel wird deutlich, wie wichtig ein auf das Kapitalmanagement abgestimmtes Sicherheiten-, Risikovorsorge- und NPE-Management ist, um die Anforderungen aus dem Prudential Backstop schwankungsarm und vorausschauend – je nach Risikoprofil – zu berücksichtigen: Über die Veränderung bei bestehendem NPE hinaus, kann eine nicht unwesentliche Schwankung des Kapitalbedarfs auch aus neuen NPEs resultieren. Nach Einschätzung der EZB liegt darin eines der höchsten Risiken für die Stabilität des Finanzsystems im Jahr 2019, und kann – abhängig von der Positionierung – auch Banken mit einer aktuell geringen NPE-Ratio betreffen. Bei einer mindestens monatlichen Berechnungsfrequenz ist die zusätzliche aufsichtsrechtliche Kapitalvorsorge als Abzugsposition vom harten Kernkapital gemäß COREP zu melden. Ergänzend erwartet die Aufsicht weitere Informationen zur Entwicklung der NPEs.

Handlungsimplikationen

In der Gesamtschau wird deutlich, dass die aufsichtsrechtliche Kapitalvorsorge neue Anforderungen an das Kapital- und Datenmanagement Ihrer Bank stellt. Mit Blick auf die künftigen Steuerungsanforderungen zeigen unsere Proberechnungen, dass die Auswirkungen von Bank zu Bank – beeinflusst auch durch die aktuelle Positionierung und das Sicherheitenmanagement – sehr unterschiedlich sein können.

Zu den Herausforderungen, denen sich die Banken im Rahmen der Umsetzung stellen, zählt neben einer ersten belastbaren Auswirkungsanalyse auch das Herausarbeiten des institutsindividuellen Anpassungsbedarfs, unter Berücksichtigung der weiteren NPE-Bausteine. Beispielsweise wirkt sich die neue Default Definition über das Unlikeliness-to-Pay-Kriterium regelmäßig auf den NPE-Bestand aus. Folgerichtig zielen die Institute bereits bei der Umsetzung darauf ab, die Anforderungen an das Zusammenspiel der genannten Parameter so zu implementieren, dass die Schwankungsbreite der zusätzlichen Kapitalanforderungen reduziert wird, um eine effektive Nutzung und Steuerung des harten Kernkapitals auch in adversen Szenarien sicherzustellen.

Um in einem ersten Schritt, und für die Kommunikation mit der Aufsicht, die im Beispiel beschriebenen Auswirkungen auf Ihr hartes Kernkapital zu analysieren, werden sämtliche in die Berechnung eingehenden Parameter benötigt. Dabei gilt es NPE, das aus ökonomischer Sicht der Bank nicht Gegenstand des Prudential Backstop ist, bspw. weil es sich in einer Gesundungsphase befindet, aus den Daten herauszufiltern. Diese Analysen und Einschätzungen erfolgen künftig im Rahmen eines laufenden Self-Assessments durch die Banken und bilden die Grundlage für die mindestens jährliche Abstimmung zur NPE-Kapitalvorsorge mit der Aufsicht. Sollte die Aufsicht im Ergebnis zu einer anderen Einschätzung als die Bank kommen, können im Rahmen des SREP zusätzliche Kapitalanforderungen resultieren.

Sie haben Fragen zu den Änderungen im Detail? Gerne unterstützen wir Sie bei der weiteren Aufarbeitung und der Analyse der Auswirkungen für Ihr Institut. Sprechen Sie uns einfach an.

 

 

Dr. Matthias Maucher

Telefon: +49 711 25034 3557

Mobil: +49 151 4317 4217

matthias.maucher@pwc.com

 

 

Stefan Röth

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