Regulatory im Advent – Teil III

In den ersten beiden Teilen unserer “Regulatory im Advent”-Reihe haben wir Ihnen unseren persönlichen Rückblick auf das Jahr 2020 präsentiert. Bevor wir uns in der nächsten Woche in den Urlaub zwischen den Jahren verabschieden, möchten wir diesen dritten Teil unserer Reihe nutzen, um einmal einen Ausblick auf das neue Jahr 2021 zu wagen, in dem bedeutende regulatorische Neuerungen bevorstehen.

 

 
CRR II – Endspurt bis zur Erstanwendung 

Die mit Sicherheit für alle Banken bedeutendste Neuregelung, die im Jahr 2021 (in weiten Teilen) in Kraft tritt, ist die CRR II. Dem regelmäßigen Leser dieses Blogs kann man hierzu mit Sicherheit nicht mehr viel Neues erzählen, wir haben in den letzten 18 Monaten umfangreich über alle wesentlichen Bestandteile berichtet. 

Das heißt aber nicht, dass das Thema bereits abgehakt werden kann. Vielmehr setzt im neuen Jahr der Endspurt für die Umsetzung an. Einerseits gilt es nach wie vor, sicherzustellen, dass alle relevanten Bestandteile der teilweise sehr kleinteiligen Änderungen identifiziert worden sind. Andererseits stehen noch verschiedene Ausarbeitungen der EBA sowie deren Veröffentlichung im EU Amtsblatt aus, die Einfluss auf die Umsetzung haben werden. 

Während also in Bezug auf die CRR II die Umsetzung bereits in vollem Gange ist (und wir Ihnen hierbei gerne jede notwendige Unterstützung zukommen lassen), kündigt sich bereits das nächste Thema an, das mit Sicherheit noch größere Auswirkungen auf die Bankenlandschaft haben wird.

Basel IV / CRR III – Totgesagte leben länger

Seit Veröffentlichung der Finalisierung der Basel III-Reformen (a.k.a. Basel IV) durch den Basler Ausschuss Ende 2017 sind mittlerweile mehr als drei Jahre vergangen. Ein für 2020 angekündigter erster Entwurf einer EU-Umsetzung in Form einer CRR III ist unter dem Eindruck der COVID-Pandemie auf 2021 verschoben worden. Sofern es bei diesem Zeitplan bleibt, sollten wir spätestens im Sommer erste belastbare Informationen haben, wie sich die EU Kommission die Umsetzung von Basel IV in der EU vorstellt. Interessant dürften hier insbesondere die Themen sein, bei denen eine Abweichung von oder Konkretisierung der Basler Vorgaben wahrscheinlich erscheint – die Bewertung von Immobiliensicherheiten oder der Anwendungsbereich der CVA Risk Capital Charge sind nur zwei der zahlreichen Beispiele hierfür.

Sobald der Entwurf vorliegt, sollten Banken in jedem Fall ihre bestehenden Proberechnungen kritisch reflektieren und im Idealfall erneut durchführen, um belastbare Zahlen für die künftigen Kapitalanforderungen zu erhalten. Dies ist schon allein deshalb notwendig, um insbesondere bei langlaufenden Geschäften rechtzeitig Transparenz zu haben und die steigenden Kapitalkosten ggf. direkt im Pricing zu berücksichtigen. Dass diese es in sich haben, hat nicht zuletzt die jüngste Veröffentlichung der Ergebnisse des Basel Monitoring durch die EBA per Ende 2019 gezeigt:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Quelle: BASEL III MONITORING EXERCISE – RESULTS BASED ON DATA AS OF 31 DECEMBER 2019 (EBA/Rep/2020/33)

Die Grafik zeigt den Anstieg der Kapitalanforderungen aufgrund der Finalisierung von Basel III, bezogen auf eine repräsentative Stichprobe von Banken aus der EU. Insbesondere zeigt sich, dass der Anstieg im Durchschnitt zwar bei ca. 10% liegt, abhängig von Größe und Geschäftsmodell aber deutliche Ausschläge nach oben möglich sind. Nur eine detaillierte Proberechnung kann hier die notwendige Transparenz über die individuellen Auswirkungen schaffen. Selbstverständlich werden daher auch unsere bestehenden PwC Tools zeitnah an diese neuen Entwürfe angepasst, damit wir unsere Mandanten weiterhin bei ihren Proberechnungen unterstützen können. Und auch die bewährte Basel IV Academy wird im kommenden Jahr aktualisiert und fortgesetzt werden.

FinStabDEV – die jüngste Zutat im Buchstabensalat

Neben einer Vielzahl von europäischen und internationalen Regulierungsanforderungen verfolgten im Jahr 2020 alle Institute, die Wohnimmobiliendarlehen an natürliche Personen vergeben, die Konsultation einer neuen nationalen Meldeanforderung: die sogenannte Finanzstabilitätsdatenerhebungsverordnung (kurz: FinStabDEV).

Das Bundesministerium der Finanzen eröffnete bereits im Dezember 2019 die Konsultation der Verordnung mit dem Ziel, Datenlücken im Bereich von Wohnimmobiliendarlehen zu schließen und somit die Finanzstabilität in diesem Bereich weiter zu stärken und Risiken frühzeitig zu erkennen. Während der ursprüngliche Zeitplan eine Finalisierung der Anforderungen in 2020 und eine Erstmeldung für das Jahr 2021 vorsah, wurde hiervon aufgrund der COVID-19 Pandemie Abstand genommen. Der genaue Zeitplan wurde jedoch nicht weiter konkretisiert, so dass aktuell Unklarheit zum genauen Zeitplan herrscht. Es erscheint jedoch realistisch, dass die Finalisierung der Anforderungen erst im Jahr 2021 erfolgt.

Nichtsdestotrotz sollten sich Institute frühzeitig mit der zukünftigen Meldeanforderung, die aktuell 19 Attribute umfasst, auseinandersetzen. Die Details der Anforderungen, zum Beispiel die Kennzeichnung einer Restschuldversicherung, können zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht in den Systemen vorliegen und somit eine vollständig automatisierte Meldeumsetzung – ohne die vorherige Schaffung von neuen Kennzeichen und Lieferstrecken – verhindern. Es empfiehlt sich daher auch bereits vor der Finalisierung der Anforderungen einen Überblick über die Datenverfügbarkeit zu erlangen und aufgrund der abteilungsübergreifenden Anforderungen Zuständigkeiten zu klären. So kann sichergestellt werden, dass die voraussichtlich einjährige Umsetzungsfrist optimal genutzt wird, um die Meldefähigkeit sicherzustellen.

IFR/IFD – alles bleibt anders für Wertpapierfirmen 

Während für Banken das Thema CRR II die große Umsetzungsherausforderung in 2021 darstellt, wird für die Wertpapierfirmen – Wertpapierhandelsbanken und Finanzdienstleister – das Äquivalent in Form von IFR und Wertpapierfirmengesetz (WpFG) die Aktivitäten in 2021 maßgeblich beeinflussen. Wie bereits in einem ausführlichen Blog-Beitrag dargelegt, kommen insbesondere auf mittelgroße Wertpapierfirmen umfangreiche neue Verpflichtungen in allen Bereichen des Aufsichtsrechts zu.

Hier besteht vielfach noch umfangreicher Umsetzungsbedarf und auch zahlreiche Konkretisierungen der EBA oder auch der deutschen Aufsicht – beispielsweise eine abgespeckte Form der MaRisk für Wertpapierfirmen – stehen noch aus. Umso wichtiger ist es daher, rechtzeitig ein Gefühl für die Auswirkungen zu bekommen – sei es in Form von Benchmarking oder Proberechnungen für die K-Faktoren. Unsere bisherigen Gap-Analysen bei Wertpapierfirmen zeigen, dass die Regelungen noch zahlreiche auslegungsbedürftige Vorgaben enthalten. Sollten Sie hierzu Interesse an einem Austausch haben, kommen Sie gerne auf uns zu.

MaRisk 2021

Und wo das Stichwort MaRisk schon gefallen ist: auch hier stehen Neuigkeiten ins Haus. Einerseits wird bereits aktuell eine Novellierung konsultiert, die im ersten Quartal 2021 zu einem Ergebnis führen soll. Gleichzeitig ist bereits absehbar, dass eine weitere Konsultation in 2021 erfolgen wird, die insbesondere der Umsetzung der EBA Leitlinien zu Loan Origination and Monitoring dienen soll.

Wie Sie sehen, hält auch das Jahr 2021 eine Vielzahl an Neuerungen und Herausforderungen im Bereich des Bankenaufsichtsrechts bereit. Selbstverständlich werden wir Sie hier – an gewohnter Stelle – über die aktuellsten Veröffentlichungen und Entwicklungen auf dem Laufenden halten und wir freuen uns sehr auf viele interessante Gespräche und gemeinsame Projekte mit Ihnen.

Zunächst stehen jetzt aber erst einmal hoffentlich besinnliche Feiertage und die oftmals so wertvolle Pause zwischen den Jahren an. In diese verabschieden wir uns nächste Woche mit dem vierten und letzten Beitrag unserer “Regulatory im Advent”-Beitragsreihe.

 

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