Die geänderten Fonds-Bestimmungen im Überblick – was bis zur Inkraftsetzung noch zu tun ist!

Mit der Inkraftsetzung der CRR II ergeben sich wesentliche Änderungen bei der Ermittlung der Kapitalanforderungen für Anteile an Investmentfonds. Diese richten sich sowohl an Banken, die direkt in Investmentvermögen investiert sind als auch an Asset Manager, die für Banken die Ermittlung der bankaufsichtsrechtlichen Kapitalanforderungen der von Ihnen verwalteten Fonds übernehmen.

Was zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der CRR II im Juni 2019 noch in weiter Ferne zu sein schien, rückt mehr und mehr in greifbare Nähe. Bis zum Erstanwendungszeitpunkt der neuen Anforderungen an Investmentanteile am 28. Juni 2021 verbleiben demnach nur noch wenige Monate, in denen sich Banken und Kapitalverwaltungsgesellschaften auf die neuen Anforderungen vorbereiten können.

Die Herausforderungen aus der angepassten Berechnungslogik sowie weitere daraus resultierende Herausforderungen haben wir bereits in unserem Whitepaper CRR II to go für Sie aufbereitet. Vor allem die erhöhte Granularität der geforderten Daten und die Neuregelung, bei fehlender Transparenz ein Risikogewicht von 1.250% (statt bisher 100% bzw. 150%) zu berücksichtigen, zwingt die Banken und Kapitalverwaltungsgesellschaften dazu, sich mit den neuen Anforderungen auseinanderzusetzen.

Der folgende Blogbeitrag soll Ihnen nochmals die wesentlichen Änderungen und die Notwendigkeit einer Zusammenarbeit zwischen Banken und Kapitalverwaltungsgesellschaften aufzeigen.

zum Vergrößern bitte anklicken

Die CRR II stellt Banken und Kapitalverwaltungsgesellschaften vor wesentliche Herausforderungen

Die Gespräche mit unseren Kunden, und damit sowohl Banken als auch Kapitalverwaltungsgesellschaften, haben gezeigt, dass in der Branche ähnliche Herausforderungen in der Umsetzung der CRR II-Anforderungen gesehen werden.

Dazu gehört vor allem die korrekte Anwendung der angepassten Berechnungslogiken nach Artikel 132 CRR II. Während bisher im Transparenzansatz ein durchschnittliches (relatives) Risikogewicht zu ermitteln war, erfolgt nach dem neuen Ansatz künftig die Ermittlung der (absoluten) risikogewichteten Aktiva. Obwohl dies für Banken bereits gelebte Praxis sein dürfte, wird dies insbesondere bei der Zulieferung der Werte durch die Kapitalverwaltungsgesellschaften Anpassungsbedarf mit sich bringen. Eine neue Herausforderung in diesem Zusammenhang wird die Kenntnis der genauen Beteiligungsquote der investierten Bank an der OGA Position sein, die erforderlich ist, um die maßgebliche RWA auf Bankebene zu ermitteln.

Institute, die den Wert der zugrundeliegenden Vermögenswerte des OGA zu Anschaffungskosten bilanzieren, haben darüber hinaus die Möglichkeit, einen sog. alternativen Transparenzansatz nach Art. 132 Abs. 7 CRR – unter Sicherstellung der gleichen Transparenz- und Datenanforderungen – anzuwenden. Für diese Institute würde die Anwendung des Transparenzansatzes nach Art. 132a Abs. 1 CRR II bei steigenden Marktwerkten zu steigenden Eigenkapitalanforderungen führen, gleichzeitig hat dies jedoch keinerlei Auswirkungen auf den Eigenmittelbetrag noch den damit verbundenen Risikopositionswert. Das hat zur Folge, dass HGB-Anwender stille Reserven in Fonds mit Eigenkapital unterlegen müssten. Mit der Anwendung des alternativem Transparenzansatzes wird dieser Effekt abgemildert. Gleichzeitig ist aber sicherzustellen, dass bei der Fondsdurchschau die Berechnung des alternativen Transparenzansatzes korrekt vorgenommen wird, da diese sich entsprechend von der des Transparenzansatzes nach Art. 132a Abs. 1 CRR unterscheidet.

Für Asset Manager, die die Berechnung für die investierten Institute als Service Offering übernehmen, bedeutet dies insgesamt einen Zusatzaufwand und eine klare Abgrenzung der unterschiedlichen Berechnungsmethoden voneinander.

Neu ist auch, dass, wenn Banken auf die Berechnungen Dritter zurückgreifen, die Multiplikation des risikogewichteten Positionsbetrags mit einem Faktor von 1,2 zu erfolgen hat. Auf die Berücksichtigung dieses Faktors kann jedoch verzichtet werden, wenn sichergestellt wird, dass das Institut uneingeschränkten Zugriff auf die Berechnungen bzw. die zugrundeliegenden Informationen des Dritten hat. Zwischen Banken und den „Dritten“ muss also ein kontinuierlicher und granularer Informationsaustausch vereinbart werden, um den 20%-Aufschlag vermeiden zu können.

Neu eingeführt und mit einem hohen initialen Aufwand verbunden, ist auch die neue Berechnung des Kontrahentenausfallrisikos bzw. des EAD für Derivate, die künftig nach dem neuen Standardansatz (SA-CCR bzw. simplified SA-CCR) oder der modifizierten Ursprungsrisikomethode zu erfolgen hat. Da der anzuwendende Ansatz abhängig vom Brutto-Derivatevolumen der jeweiligen Bank ist, besteht die Notwendigkeit, das Kontrahentenausfallrisiko innerhalb des OGA ebenfalls gemäß der entsprechen Methode zu ermitteln.

Hieraus ergibt sich weiterer Abstimmungsbedarf zwischen der investierten Bank und dem Asset Manager, der als Dritter im Sinne des Artikel 132 Abs. 4 CRR II die Berechnung übernimmt, da die angewandte Berechnungsmethode auch kompatibel mit der Verpflichtung der Bank sein muss, die ihrerseits die verwendete Methode auf Gesamtbankebene anwenden und in den Meldebögen ausweisen muss.

Sind Sie auf die kommenden Herausforderungen ab Juni 2021 vorbereitet?

Auch wenn die hier beschriebenen Anpassungen bei der Ermittlung der risikogewichteten Positionsbeiträge für Anteile an OGA Positionen bereits bekannt sein sollten, wird deutlich, dass es bis zur ersten Anwendung im Juni 2021 durchaus noch einige Herausforderungen zu meistern gilt, die insbesondere die Schnittstelle zwischen Banken und Kapitalverwaltungsgesellschaften betreffen. Wir empfehlen daher, dass Banken und Kapitalverwaltungsgesellschaften miteinander in den Austausch gehen sollten, um eine einheitliche Auslegung der neuen CRR II-Anforderungen sicherstellen und sich bestmöglich auf den Erstanwendungszeitpunkt vorbereiten zu können. Gerne unterstützen wir Sie bei der Interpretation der CRR II-Anforderungen für OGA Positionen und der korrekten Aufbereitung der neuen Berechnungsweisen.

Unser Team Reporting Services aus dem Fachbereich Regulatory Management unterstützt Banken und Asset Manager bereits seit 2014 bei der Erstellung und Prüfung des Fondsreportings und behält stets sämtliche regulatorische Anforderungen im Blick. Gleichzeitig sind unsere Experten in zahlreichen Gremien vertreten und damit bestens mit den aktuellen Diskussionen und Auslegungsentscheidungen vertraut. Gern übernehmen wir auch für Sie die mit dem Fondsreporting verbundenen Services und unterstützen Sie bei der Interpretation und Beantwortung offener Fragestellungen rund um die aufsichtsrechtliche Betrachtung von Fonds. Sprechen Sie uns gern an!

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.