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Meldewesen-Know-How: praxisnahes Wissen im bankaufsichtlichen Meldewesen

Euroforum-Akademie: „Der zertifizierte Meldewesen-Experte“ mit PwC-Beteiligung vom 25. – 29. März 2019

Meldewesen Know-how in den Instituten deckt viele Aspekte ab: Meldungen von Liquidität, Eigenmittel, Risiken, Leverage Ratio, FINREP sowie Groß- und Millionenkredite, AnaCredit oder die neue Schattenbankenleitlinie. Meldewesenexperten müssen die aktuellen Anforderungen nach CRR/CRD IV und auch schon geplanten Neuerungen mit „Basel IV“ auf dem Radar haben. Im Rahmen der Euroforum-Akademie bieten die PwC-Regulatory Experten einen kompakten und praxisnahen Überblick über die wichtigen Themen im Meldewesen.

AnaCredit Benchmark-Studie: Ein analytischer Querschnitt durch Europas aktuelle AnaCredit-Projektlandschaft

Ab 2018 sind CRR Institute zur Meldung granularer Kreditdaten – benannt werden 95 Datenfelder zu Krediten ab 25 TEUR – an das EZB Kreditregister verpflichtet (dazu ausfĂĽhrlich unser Regulatory Blog Beitrag: „AnaCredit – Finale Verordnung zum Analytical Credit Dataset der EZB veröffentlicht“ vom 23. Mai 2016). Damit geht die EZB einen weiteren groĂźen Schritt in Richtung einer Harmonisierung statistischer Meldeanforderungen und einer transparenten, vergleichbaren und konsistenten Datenlandschaft bei Banken in der Eurozone.

In der Praxis läuft die Umsetzung „auf Hochtouren“. PwC befragte Bereichs-, Abteilungs- und Projektleiter von 48 Banken aus 9 verschiedenen europäischen Ländern zum Stand des Umsetzungsprojekts, den aufgetretenen Herausforderungen und dem langfristigen Ausblick hinsichtlich der AnaCredit Anforderungen.

Im Ergebnis lieĂźen sich drei fundamentale Erkenntnisse herausfiltern:

1. DatenverfĂĽgbarkeit:

Der Traum von der „Meldung auf Knopfdruck“, der bei Betätigung in Echtzeit alle nötigen Datenfelder schnell und unkompliziert zusammenfĂĽhrt, liegt in weiter Ferne. In der Realität ist ein aufwendiges Anbinden von bis zu 30 Quellsystemen erforderlich, um die Datenanforderungen zu erfĂĽllen. Rund 27% der AnaCredit-Attribute sind noch nicht im System verfĂĽgbar, 16% wurden nicht einmal in Papierform erhoben. Allerdings sehen die Banken dem Thema derzeit selbstbewusst entgegen und erwarten eine zeitgerechte ErfĂĽllung der Datenanforderungen. Die Grafik zeigt, in welchem Umfang die Daten in den Banksystemen vorliegen.

 

 

2. Datenqualität:

In der Breite wird die Datenqualität als für die Meldung ausreichend, wenn auch nicht bei jedem Attribut optimal, eingeschätzt. Insbesondere Unternehmenskennzahlen (Umsatz, Unternehmensgröße etc.) und Sicherheiten-Daten sind regelmäßig nicht in der notwendigen Qualität vorhanden. Banken erwarten überdies manuelle sowie elektronische Korrekturerfordernisse auf Meldeebene.

3. Umsetzungskosten:

Der Budgetbedarf reicht von wenigen hunderttausend Euro für weniger komplexe Institute bis hin zu über sechs Millionen Euro für große, komplexe Institute. Ausschlaggebend für die Höhe der Kosten ist vielmehr die Struktur der Bank (Geschäftsmodell, IT-Architektur, Filialen in der EU) als ihre Größe (Anzahl Geschäfte oder Bilanzsumme).

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass AnaCredit-Projekte wesentlichen Einfluss auf die Veränderung operativer Geschäftsprozesse haben werden, zudem aber auch strategische Auswirkungen, Optionen und Chancen mit sich bringen. In diesem Zusammenhang erwarten befragte Führungskräfte durch AnaCredit eine allgemeine Verbesserung der Datenqualität sowie ein Befüllung neuer und bestehender Datawarehouse-Architekturen mit Daten, die dann auch für weitere Analysen (Vertriebscontrolling, Risikomanagement) genutzt werden sollten.

Mehr Informationen zu den Ergebnissen der Studie erhalten Sie bei unseren PwC-Experten zum Thema AnaCredit.

Ihre Ansprechpartner:

Andrea Glatzel

Friedemann Loch

Sebastian L. Sohn.

Eine englischsprachige Zusammenfassung der Studie können Sie hier abrufen.

AnaCredit – Anordnung der Deutschen Bundesbank zur Umsetzung von AnaCredit in Deutschland

Am 18. Mai 2016 wurde vom EZB-Rat die Verordnung fĂĽr die Erhebung granularer Kreditdaten durch das Europäische System der Zentralbanken (ESZB) – Analytical Credit Dataset (AnaCredit) beschlossen (Einzelheiten dazu Regulatory Blog Beitrag: „AnaCredit – Finale Verordnung zum Analytical Credit Dataset der EZB veröffentlicht“ vom 26. Mai 2016).

Die nationale Anordnung der Deutschen Bundesbank, die die Auslegung der europäischen AnaCredit-Vorgaben für Meldepflichtige in Deutschland umfasst, liegt seit Juli 2016 vor (Mitteilung Nr. 8001/2016: Anordnung einer Kreditdatenstatikstik (AnaCredit)).

Kreditinstitute werden Kredite gegenĂĽber juristischen Personen ab 25.000 EUR melden mĂĽssen. Eine erste Testmeldung ist in Deutschland fĂĽr das 2. Halbjahr 2017 vorgesehen, erste Echtdaten-Meldungen sind ab Januar 2018 vorgesehen.

EZB-Verordnung

Aus der finalen EZB-Verordnung vom 18. Mai 2016 werden die folgenden Anforderungen und Details fĂĽr die AnaCredit-Umsetzung in Deutschland ĂĽbernommen:

  • Erste vollumfängliche Meldung per September 2018 (die Bundesbank sieht vorgezogene Meldetermine in Deutschland vor!)
  • Meldepflicht fĂĽr Kredite an juristische Personen ab 25.000 EUR (inkl. umgekehrte Wertpapierpensionsgeschäfte und gegebene Einlagen bei anderen Instituten)
  • Meldung ausschlieĂźlich von juristischen Personen, natĂĽrliche Personen dĂĽrfen nicht gemeldet werden
  • 95 AnaCredit-Attribute (davon 6 Identifier und 89 fachliche Merkmale)

Nationale Anordnung der Deutschen Bundesbank

Im Juli 2016 erfolgte die nationale Anordnung der Deutschen Bundesbank. Diese ist anwendbar für die AnaCredit-Meldepflicht von in Deutschland gebietsansässigen Kreditinstituten sowie gebietsansässigen Zweigniederlassungen ausländischer Kreditinstitute. Die nationale Anordnung sieht die folgenden Auslegungen und Ergänzungen zur europäischen AnaCredit-Verordnung vor:

1. Zeitplanung:

  • Erste Testmeldungen sollen ab dem 2. Halbjahr 2017 erfolgen (nach ersten Indikationen der Deutschen Bundesbank werden ausschlieĂźlich Test- und keine produktiven Daten erwartet).
  • Vertragspartner-Stammdaten sind zum Meldestichtag 31.01.2018 erstmals zu melden.
  • Kreditdaten sind erstmalig zum 31.03.2018 meldepflichtig.

 2. Meldeerleichterungen:

  • “Grandfathering”: FĂĽr 17 Attribute aus den Dimensionen „Kunden“ und „Vertrag“ entfällt grundsätzlich die Meldepflicht fĂĽr das Bestandsgeschäft. Kommt es mit einem solchen Kunden zu Neugeschäft ab September 2018, sind entsprechende Attribute des Kunden nachzuerheben und zu melden.
  • Weitere Meldeerleichterungen fĂĽr einzelne Attribute sind zudem fĂĽr bestimmte Konstellationen, beispielsweise dem Servicing unterliegende oder ausgebuchte Geschäfte, vorgesehen.
  • Nach AnkĂĽndigung der Deutschen Bundesbank werden voraussichtlich 750 kleine Banken lediglich einen reduzierten Umfang melden mĂĽssen (kumuliertes Volumen < 2% des nationalen AnaCredit-Volumens; max. 26 Attribute zu melden).

3. Weitere Vorgaben:

  • Kein Verzicht auf die Meldepflicht fĂĽr Auslandsfilialen bzw. Vermeidung von Doppelmeldungen in der Eurozone vorgesehen (Meldeerleichterungen lediglich bei einzelnen Attributen).
  • Zur Identifikation gleicher Vertragspartner bei unterschiedlichen Banken werden sogenannte nationale Kennungen angefordert. FĂĽr deutsche Kunden ist hierfĂĽr die jeweilige Registernummer des Handels-, Vereins-, Genossenschafts- oder Partnerschaftsregisters vorgesehen. Bei ausländischen Kunden sind entweder die von der dortigen Zentralbank im Rahmen von AnaCredit festgelegten relevanten nationalen Kennungen (Euro-Zone) oder eine von der EZB festgelegte Kennung (fĂĽr Kunden auĂźerhalb des Euro-Raums) zu melden.
  • Nach aktuellem Stand sind kein Feedback Loop und keine RĂĽcklieferungen von Daten durch die Bundesbank vorgesehen.

Fazit

Die Bundesbank folgt ihren bisherigen Indikationen und insbesondere der Ankündigung, die erstmaligen Meldetermine deutlich vorzuziehen. Dies verkürzt den Implementierungszeitraum sowohl für deutsche Banken als auch für deutsche Filialen ausländischer Banken um bis zu 8 Monate.

Positiv für deutsche Meldepflichtige ist dagegen der teilweise Verzicht auf die Meldung bestimmter Attribute für das Bestandsgeschäft („Grandfathering“), die sonst wohl zu erheblichen Nacherfassungsaufwänden geführt hätten. Für kleinere Banken (unterhalb der „2%-Grenze“) wurden nach Darstellung der Bundesbank zudem die auf Basis der Verordnung und der Bedarfe der Datennutzer maximal möglichen Meldeerleichterungen gewährt.

Wie die Deutsche Bundesbank werden nun weitere nationale Zentralbanken der Eurozone ihre nationalen Anforderungen definieren und veröffentlichen. Multinational tätige Banken und ihre Auslandsniederlassungen unterliegen somit gegebenenfalls unterschiedlichen Meldezeitpunkten, verschiedenen Meldeumfängen sowie abweichenden Meldeerleichterungen und -ergänzungen je Land und müssen für Filialen in der Eurozone ggf. sogar Doppelmeldungen (im Sitzland der Filiale und im Sitzland der Bank) abgeben.

Für Banken, die über Niederlassungen in mehreren Ländern der Eurozone verfügen, führt dies zur erheblichen Herausforderung, die verschiedenen nationalen Anforderungen in ihrem (ggf. zentralen) Meldewesen umsetzen zu müssen.

Mit Blick auf den verbleibenden Zeitraum bis zur Erstmeldung von AnaCredit sollten insbesondere größere Banken bereits mit der Konzeption der AnaCredit-Umsetzung begonnen haben. Alle anderen Institute sollten spätestens mit dem Vorliegen der nationalen Anordnung eine Analyse bestehender Lücken im Meldewesen durchführen, um ggf. erforderliche Anpassungsbedarfe rechtzeitig zu identifizieren und eine sach- und zeitgerechte Umsetzung zum ersten Meldetermin sicherzustellen.

Mehr zu den Herausforderungen fĂĽr Banken und das UnterstĂĽtzungsangebot von PwC finden Sie auf unserer Seite: „Analytical Credit Dataset – das granulare Kreditregister der EZB ab 2017/2018„.

Ihre Ansprechpartner zum Thema AnaCredit bei PwC:

Friedemann Loch

Andrea Glatzel

Sebastian Laurentius Sohn

 

 

AnaCredit – Finale Verordnung zum Analytical Credit Dataset der EZB veröffentlicht

Am 18. Mai 2016 wurde die Verordnung über die Erhebung granularer Kredit- und Kreditrisiko-Daten (ECB Regulation on the collection of granular credit and credit risk data) vom EZB-Rat verabschiedet und am 20. Mai 2016 veröffentlicht.

Der Verordnung ging der am 4. Dezember 2015 veröffentlichte Verordnungsentwurf voraus (vergl. Blogbeitrag „AnaCredit – 2. Update“), dem eine „Beobachtungsphase“ zur Meldung von Beobachtungen an die EZB (bis Ende Januar 2016) sowie ein Austausch zwischen der EZB, nationalen Zentralbanken und Vertretern der Kreditwirtschaft in unterschiedlichen Formaten folgten.

Die Verordnung ECB/2016/13, das Begleitdokument mit ergänzenden Erläuterungen („Explanatory Note“) sowie die Ergebnisse der Beobachtungsphase können auf der EZB-Website zu AnaCredit abgerufen werden.

Wesentliche Ă„nderungen

Im Vergleich zu dem Verordnungsentwurf vom 4. Dezember 2015 enthält die finale Version die folgenden wesentlichen Änderungen:

  • Erste vollumfängliche Meldung per September 2018
  • Erste Stammdatenmeldung ab Anfang 2018 (Festlegung durch nationale Zentralbank)
  • Entfall der gesonderten Meldegrenze fĂĽr Non-Performing Exposures
  • Meldung ausschlieĂźlich von juristischen Personen
  • 95 AnaCredit-Attribute (gegenĂĽber 101 im Verordnungsentwurf)
  • Klarstellungen bei meldepflichtigen Geschäften sowie bei den Definitionen von Attributen und Ausprägungen

Ă„nderungen im Bereich der Meldepflichten

Die erste vollumfängliche AnaCredit-Meldung ist für September 2018 angefordert, eine erste Stammdaten- und Testmeldung kann durch die nationale Zentralbank ab Anfang 2018 angefordert werden. Der Verordnungsentwurf sah dafür März 2018 (erste Gesamtmeldung) bzw. 3. Quartal 2017 (Stammdaten-/Testmeldung) vor.

Mit Entfall der niedrigeren Meldegrenze fĂĽr notleidende Engagements sind kĂĽnftig alle Kredite, bestimmte (aktivische) Einlagen und Reverse RePos ab einem kumulierten Betrag von 25.000 EUR pro Kunde meldepflichtig.

Kreditderivate sind lediglich als erhaltene Sicherheiten zu melden, stellen jedoch kein als Instrument meldepflichtiges AnaCredit-Geschäft dar. Ebenfalls nicht meldepflichtig sind Geschäftsarten, die ausschließlich außerbilanzielles Geschäft darstellen (z. B. Garantien).

Mit der finalen Verordnung erfolgt eine klare Einschränkung zu meldender Kunden auf juristische Personen. Die im Verordnungsentwurf enthaltene darüber hinausgehende Meldepflicht für Quasi-Kapitalgesellschaften und sonstige nicht natürliche Personen ist in der finalen Verordnung nicht mehr vorgesehen.

Ă„nderungen bei den zu meldenden Attributen

Der Verordnungsentwurf enthielt in der Attributeliste noch eine Reihe von Hinweisen bzw. Erläuterungen, die mit dem generellen Umfang an zu meldenden Geschäften bzw. Attributen nicht übereinstimmten. Der jetzt veröffentlichte Text wurde an den entsprechenden Stellen angepasst.

Gegenüber dem Verordnungsentwurf sind in der Attributeliste Derivate sowie privatkundenbezogene Attribute und Ausprägungen entfallen. Stellenweise wurden Rechtsverweise zu bestehenden Anforderungen, insbesondere im Kontext von FINREP-bezogenen Attributen und Ausprägungen, nachgeschärft.

Hinzu kommt eine geänderte Darstellung von Konzernhierarchien bei Unternehmenskunden: Im Verordnungsentwurf wurde bereits die ID des hierarchisch höchsten Mutterunternehmens abgefragt, dies wird nun ergänzt um das Attribut ID des direkten Mutterunternehmens sowie bei Auslandsniederlassungen die ID des Unternehmenshauptsitzes („Head office undertaking identifier“).

Nationale Auslegungen und Meldeerleichterungen

Die spezifischen Meldeanforderungen enthalten gegenüber dem Entwurf erweiterte und präzisierte nationale Auslegungsoptionen sowie mögliche Grandfathering-Regelungen, die ebenfalls durch die nationale Zentralbank festzulegen sind. Diese könnten zum Entfall erheblichen Nacherfassungsaufwands für zu meldendes Bestandsgeschäft führen, beispielsweise bei Vertragskonditionen, historische Sicherheitenwerte und Kundendaten wie Konzernhierarchie und Unternehmenskennzahlen.

Weitere Meldeerleichterungen sind, teils als nationale Auslegungsoptionen, auch für Servicing-Konstellationen, ausländische Kunden und Auslandsniederlassungen vorgesehen.

In Deutschland werden die nationalen Auslegungen durch die Deutsche Bundesbank festgelegt.

Herausforderungen und Handlungsbedarf

Nachdem ein großer Teil der deutschen Banken bereits Vorstudien durchführt oder abgeschlossen hat, ist mit Vorliegen der finalen Verordnung nun eine „Delta-Analyse“ der Anforderungen an die AnaCredit-Umsetzung erforderlich. Diese sollte folgende zentrale Fragestellungen beantworten:

  • Welche Anforderungen haben sich im Detail geändert?
  • Sind bestehende Prämissen und Auslegungen durch die Anforderungen der Verordnung zu hinterfragen?
  • Wie mĂĽssen bestehende Ergebnisse des AnaCredit-Projekts (z. B. Grob-, Fachkonzept oder Datenanbindung) angepasst und aktualisiert werden?
  • Wie wirken sich diese Ă„nderungen auf die bisherige Projektplanung (z. B. Aufwandsschätzung) und identifizierte Abhängigkeiten aus (z. B. zu anderen regulatorischen Projekten)?
  • Welche Themen und Anforderungen sind nach wie vor unklar und sollten bspw. im Rahmen eines möglichen Frage-Antwort-Prozesses oder ĂĽber die bestehenden Dialog-Formate der Banken mit der Aufsicht adressiert werden?

Banken, die noch kein AnaCredit-Projekt gestartet haben, sollten spätestens jetzt – auch mit Blick auf die erstmalige Stammdatenmeldung Anfang 2018 – ihre Handlungsbedarfe identifizieren und eine belastbare Umsetzungsplanung aufstellen.

Die finale Verordnung bestätigt die bisherigen Einschätzungen, dass die größten Herausforderungen für die betroffenen Institute darin liegen werden, die melderelevanten Daten aus verschiedenen Bereichen (Kredit, Rechnungswesen, Meldewesen etc.) und Systemen zusammenzufügen und in der erforderlichen Granularität und Qualität vorzuhalten. Dabei sind auch Schnittstellen zu bereits bestehenden bzw. laufenden Projekten im Meldewesen, Risikomanagement und Rechnungswesen zu berücksichtigen. Beispielhaft können an dieser Stelle Umsetzungsprojekte zu den Themen BCBS 239 (“Risikodatenaggregation und Reporting”), IFRS 9 und basierend auf entsprechenden Verweisen der finalen Attributeliste insbesondere auch FINREP genannt werden.

Ausblick

In den nächsten Wochen ist mit ersten Aussagen der Deutschen Bundesbank zu nationalen Auslegungsfragen im Kontext der finalen Verordnung zu rechnen. Zu einem früheren Zeitpunkt wurde bereits die Initiierung eines Frage-Antwort-Prozesses, vergleichbar mit dem Vorgehen bei anderen Meldewesen-Anforderungen, angekündigt.

Die Verordnung umfasst nur die erste Stufe der AnaCredit-Umsetzung. Somit sind verschiedene zuvor kommunizierte komplexe Anforderungen wie z.B. die konzernweite Konsolidierung von Informationen oder die Meldung von derivativen und außerbilanziellen Geschäften nicht unmittelbar in der Verordnung behandelt. Die Verordnung kündigt lediglich weitere Ausbaustufen von AnaCredit an, denen jeweils ein zweijähriger Implementierungszeitraum vorangestellt sein soll.

Parallel soll in Deutschland die Empfehlung des Ausschusses für Finanzstabilität (AFS) vom Juni 2015 zur Erhebung granularer Daten zu Immobilienfinanzierungen umgesetzt werden. Diese wird abweichend von AnaCredit voraussichtlich auch Privatpersonen umfassen. Erste detailliertere Indikationen zu diesen Planungen werden in der Branche für den Sommer dieses Jahres erwartet.

Ihre Ansprechpartner zum Thema AnaCredit bei PwC:

Friedemann Loch

Andrea Glatzel

Sebastian Laurentius Sohn

Mehr Informationen zum Thema AnaCredit finden Sie auch auf unserer Webseite: Analytical Credit Dataset – das granulare Kreditregister der EZB ab 2017/2018

Never ending story ? – Update zum Millionenkreditmeldewesen

Die Deutsche Bundesbank, die Bundesanstalt fĂĽr Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) und das Bundesfinanzministerium (BMF) haben in einer gemeinsamen Mitteilung zu den zum 1. Januar 2017 geplanten Ă„nderungen im Millionenkreditmeldewesen Stellung genommen.

Hintergrund

 Parallel zu der CRD IV-Umsetzung in 2014 haben sich auch im Millionenkreditmeldewesen wesentliche Neuerungen ergeben. Neben der bereits zum 1. Januar 2015 in Kraft getretenen reduzierten Millionenkreditgrenze von € 1 Mio sollen der maßgebliche Kreditbegriff erweitert bzw. bestimmte Ausnahmen vom Kreditbegriff abgeschafft und neue, detailliertere Meldeformate eingeführt werden. Diese ursprünglich für Anfang 2015 vorgesehenen Änderungen wurden durch das Gesetz zur Anpassung von Gesetzen auf dem Gebiet des Finanzmarktes jedoch auf den 1. Januar 2017 verschoben (siehe dazu Regulatoy Blog Beitrag: „Gesetz zur Anpassung von Gesetzen auf dem Gebiet des Finanzmarktes – Finanzmarktanpassungsgesetz“ vom 12. August 2014). Der Grund für die damalige Verschiebung war, dass ein erhöhter Aufwand für die Umstellungsarbeiten durch das zeitlich parallel von der EZB entwickelte Meldewesenkonzept „AnaCredit“ vermieden werden sollte.

AnaCredit und Millionenkreditmeldewesen

Mittlerweile sind die Arbeiten auf europäischer Ebene zum Aufbau der Kreditdatenbank AnaCredit vorangeschritten. Im Dezember 2015 wurden mit dem Verordnungsentwurf der EZB (ECB Regulation on the collection of granular credit and credit-risk data – AnaCredit) die Voraussetzungen für die statistischen Datenanforderungen und Meldepflichten der Stufe 1 geschaffen (siehe ausführlicher dazu Regulatory Blog Beitrag: „AnaCredit – 2. Update zum Analytical Credit Dataset der EZB“ vom 8. Dezember 2015). Darin ist eine Meldepflicht für umfangreiche Kredit- und Kreditrisikodaten auf Einzelvertragsebene ab März 2018 vorgesehen (zum Thema auch: „Analytical Credit Dataset – das granulare Kreditregister der EZB ab 2017/2018“ auf unseren FS-Branchenseiten).

Allerdings liegen die finalen Anforderungen der AnaCredit-VO noch nicht vor, ebenfalls noch offen sind Details zu den weiteren ab 2019 geplanten Implementierungsphasen von AnaCredit.

Zeitplan fĂĽr weitere Ă„nderungen im Millionenkreditmeldewesen

Vor dem Hintergrund der nunmehr absehbaren Umsetzungsaufwendungen und der genannten Unsicherheiten der weiteren AnaCredit-Implementierungsstufen haben sich Deutsche Bundesbank, BaFin und BMF darauf verständigt, dass die Umsetzung der geplanten weiteren Änderungen im Millionenkreditmeldewesen letztmalig um weitere zwei Jahre auf den 1. Januar 2019 verschoben werden soll. Zusätzlich soll begleitend mit der Fortentwicklung der Meldeanforderungen für die AnaCredit-Verordnung national geprüft werden, ob und inwieweit das Millionenkreditmeldewesen mit der AnaCredit-Verordnung konvergiert und abgelöst werden kann.

AnaCredit – 2. Update zum Analytical Credit Dataset der EZB

Am 04. Dezember 2015 veröffentlichte die Europäische Zentralbank (EZB) ihren Verordnungsentwurf (Draft Regulation on the collection of granular credit and credit risk data) zum Aufbau einer granularen Kreditdatenbank (Analytical Credit Dataset, kurz: AnaCredit). Ziel der Datenerhebung ist die Sammlung granularer Kreditdaten zum Aufbau einheitlicher Statistiken, die der EZB und dem Europäischen System der Zentralbanken vor allem für geldpolitische Zwecke dienen. Darüber hinaus können AnaCredit-Daten grundsätzlich auch für bankaufsichtliche Zwecke genutzt werden.

Für den Verordnungsentwurf gibt es keine Konsultationsphase, allerdings können bis zum 29. Januar 2016 Beobachtungen an die EZB gemeldet werden. Eine finale Version der Verordnung ist somit erst ab Februar 2016 zu erwarten.

Im Gegensatz zu den ursprünglichen Planungen enthält der Verordnungsentwurf nur noch Datenanforderungen für statistische Zwecke und regelt lediglich die Meldepflichten der Stufe 1. Weitere Planungen hinsichtlich einer vollständigen Anwendung auch aufsichtsrechtlicher AnaCredit-Anforderungen sind nicht Gegenstand des Entwurfes.

Im Verordnungsentwurf sind Wahlrechte für nationale Zentralbanken bei der Ausgestaltung der Anforderungen im Detail vorgesehen. Zudem sind ergänzende inhaltliche Anforderungen von Seiten der Deutschen Bundesbank möglich.

Wer unterliegt der Meldepflicht?

Meldepflichtig sind Kreditinstitute sowie Zweigniederlassungen („branches“) von Kreditinstituten, die in einem anderen Mitgliedstaat des Euro-Währungsgebiets niedergelassen sind (Reporting Agents). Darüber hinaus müssen die Reporting Agents auch Kredite ihrer Zweigniederlassungen aus Nicht-EU-Ländern melden.

Meldevorschriften fĂĽr andere Finanzinstitutionen oder Meldungen auf konsolidierter Ebene sind in dem Entwurf nicht mehr enthalten.

Die Daten werden der jeweils zuständigen nationalen Zentralbank gemeldet, welche diese wiederum an die EZB weiterleitet.

Welche Daten werden gemeldet?

Der Entwurf sieht als meldepflichtige Positionen lediglich Kredite und Einlagen vor. Derivate, Kreditderivate und auĂźerbilanzielle Positionen sind vom Umfang des Verordnungsentwurfs ausgenommen.

Es werden nur Daten zu Krediten gegenüber juristischen Personen erhoben. Eine Meldung von Krediten gegenüber Privatpersonen ist nicht vorgesehen. Inwieweit derartige Kreditnehmer in Zukunft meldepflichtig sind, lässt der Entwurf noch offen.

Die Meldeschwelle beträgt unverändert gegenüber dem bisherigen Diskussionsstand 25.000 Euro, wobei sich dieser Betrag auf die Summe aller relevanten Instrumente gegenüber einem Kreditnehmer bezieht. Sofern dieser Betrag überschritten wird, ist die Meldung der einzelnen Kredite („loan-by-loan“) notwendig. Notleidende Kredite sind bereits ab einer Meldegrenze von 100 EUR zu melden.

Für ein Instrument müssen bis zu 94 fachliche Attribute übermittelt werden sowie 7 Identifier-Attribute (insgesamt 101 Attribute). Dazu zählen unter anderem die Art und Höhe des Kredits, das Fälligkeitsdatum, die Restschuld, die Währung des Kredits, die Art und Höhe des Zinssatzes, Wertberichtigungen, die Gegenparteien und ihre jeweilige Rolle zu dem Instrument, die Art und Höhe von Sicherheiten und Garantien sowie die Ausfallwahrscheinlichkeit. Die Datenattribute werden in zehn Tabellen gemeldet, die ein zusammenhängendes Datenmodell der AnaCredit-Meldung bilden.

Im Vergleich zu den bisher veröffentlichten Informationen zu den notwendigen Attributen wurde die Anzahl von ca. 121 auf 101 Attribute reduziert.

Die Reduktion der Datenanforderung bezieht sich einerseits auf Informationen, die fĂĽr bankaufsichtliche Zwecke als relevant angesehen wurden (z.B. risikogewichtete Aktiva). Diese liegen bei Banken in der Regel auf granularer Ebene vor, sodass sich in Bezug auf die geringere Anzahl an geforderten Datenfeldern hierbei keine wesentliche Reduktion im Umsetzungsaufwand ergibt. Andererseits gibt es wesentliche Ă„nderungen, die fĂĽr Banken eine Reduktion des Umstellungsaufwandes darstellen werden. So sind z.B. historische Vertragsbeziehungen – anders als in den von der Bundesbank im Mai 2015 veröffentlichten Informationen vorgesehen – im Verordnungsentwurf nicht mehr angefordert (zu den VorentwĂĽrfen bzw. Indikationen vgl. auch die Regulatory Blog Beiträge: “Analytical Credit Dataset (AnaCredit)” und “AnaCredit – Update zum Analytical Credit Dataset“).

Wann und in welchen Abständen werden die Daten gemeldet?

Vom Reporting Agent müssen Informationen zu Krediten gemeldet werden, die das Kreditinstitut selbst oder eine seiner Zweigniederlassungen – ungeachtet ihres Sitzlandes – gewährt hat. Der Verordnungsentwurf bezeichnet diese als Observed Agents.

Ebenfalls unverändert zum bisherigen Diskussionsstand ist eine monatliche bzw. quartalsweise Meldung vorgesehen. Monatlich zu meldende Daten müssen der EZB spätestens 30 Arbeitstage nach Monatsende vorliegen (bei Observed Agents außerhalb des Euro-Währungsraums 35 Arbeitstage). Vierteljährlich zu meldende Daten sind spätestens 15 Arbeitstage nach den festgelegten Einreichungsterminen zu übermitteln (bei Observed Agents außerhalb des Euro-Währungsraums 20 Arbeitstage).

Die erste Meldung wird für Daten, die sich auf den 31. März 2018 beziehen, erfolgen. Eine Testphase wird ab dem 30. Juni 2017 durch die nationalen Zentralbanken initiiert werden.

Herausforderungen und Handlungsbedarf

Mit der Veröffentlichung des Verordnungsentwurfs ist spätestens jetzt der Zeitpunkt erreicht, zu dem Banken mit Vorstudien zur Umsetzungsplanung beginnen sollten. Instituten, die bereits Projektaktivitäten gestartet haben, bietet der Verordnungsentwurf eine stabile Grundlage für die Planung der entsprechenden Umsetzungsprojekte. Auf Basis der jetzt verfügbaren Informationen werden die größten Herausforderungen für die betroffenen Institute darin liegen, die melderelevanten Daten aus verschiedenen Bereichen (Kredit, Rechnungswesen, Meldewesen etc.) und Systemen zusammenzufügen und in der erforderlichen Granularität und Qualität vorzuhalten. Dabei sind auch Schnittstellen zu bereits bestehenden bzw. laufenden Projekten im Meldewesen, Risikomanagement und Rechnungswesen zu berücksichtigen. Beispielhaft können an dieser Stelle Umsetzungsprojekte zu den Themen BCBS 239 (“Risikodatenaggregation und Reporting”) und FINREP genannt werden, welche ebenfalls hohe Ansprüche an Qualität, Granularität und Konsistenz von rechnungslegungs- und risikobezogenen Daten stellen.

Wenngleich der Verordnungsentwurf nur die erste Stufe der AnaCredit-Implementierung regelt und somit verschiedene komplexe Anforderungen wie z.B. die Konsolidierung von Informationen oder die Meldung von derivativen und außerbilanziellen Geschäften nicht behandelt sind, so ist unverändert davon auszugehen, dass diese Anforderungen zu einem späteren Zeitpunkt von den Banken umzusetzen sind. Daraus ergibt sich hinsichtlich des Umsetzungsaufwandes lediglich eine Streckung des Umsetzungszeitplans gegenüber bisherigen Indikationen und nicht unbedingt eine Reduzierung des Gesamtaufwandes.

Ihre Ansprechpartner zum Thema AnaCredit bei PwC FS Regulatory Management :

Friedemann Loch

Andrea Glatzel

Sebastian Laurentius Sohn

 

 

AnaCredit – Update zum Analytical Credit Dataset

Über den Beschluss der EZB (EZB/2014/6) zu den Vorbereitungsmaßnahmen zur Aufbau einer granularen Kreditdatenbank (Analytical Credit Dataset, kurz: AnaCredit) habe ich bereits ausführlich im Regulatory Blog informiert (Regulatory Blog Beitrag: „Analytical Credit Dataset (AnaCredit)“ vom 29. September 2014). Das AnaCredit Projekt dient dazu, harmonisierte Kreditdaten sowohl für Zwecke der Zentralbankfunktion (geldpolitische Analysen, Sicherheitenmanagement, Finanzstabilität etc) als auch für bankaufsichtliche Aufgaben zu nutzen.

In einem aktuellen Brief zum Entwicklungsstand des AnaCredit Projekts teilt die EZB mit, dass der zugrundeliegende Verordnungsentwurf nach wie vor in Bearbeitung ist. Die EZB richtet derzeit eine eigene Webseite zum Hintergrund, Anwendungsbereich und Umsetzungsfahrplan von AnaCredit ein, die Informationen und Hilfestellung ĂĽber Frequently Asked Questions bereitstellen wird.

Im Hinblick auf die aus AnaCredit folgenden Meldepflichten ist derzeit ein dreistufiges Verfahren geplant:

  • Ende 2017

Soloebene: Meldung der Daten zu Krediten an Unternehmen (legal entities)

  • Mitte 2019

Gruppenebene (consolidated basis on significant institutions): Meldung der Daten gegenĂĽber Unternehmen

  • Mitte 2020

Anonymisierte Informationen zu Wohnungsbaukrediten an Privathaushalte und Kredite an Einzelunternehmen

Die Meldeschwelle wird weiterhin mit TEU 25 angegeben; die Meldung umfasst Kredite, Derivate und auĂźerbilanzielle Positionen auf Kreditnehmerebene.

FĂĽr kleinere Institute sind zudem Erleichterungen dahingehend vorgesehen, dass ihnen mehr Zeit fĂĽr die Implementierung der Anforderungen zugestanden werden soll.

Analytical Credit Dataset (AnaCredit)

Mit Beschluss vom 24. Februar 2014 (EZB/2014/6) hat die EZB festgelegt, welche Vorbereitungsmaßnahmen für eine granulare Kreditdatenbank (Analytical Credit Dataset, kurz: AnaCredit) im Euroraum getroffen werden sollen. Der Beschluss soll sicherstellen, dass die nationalen Zentralbanken des Eurosystems bis Ende 2016 eine granulare Kreditdatenbank betreiben und Angaben zu Krediten an die EZB übertragen werden können. Darauf aufbauend ist eine gemeinsame europäische Kreditdatenbank zu entwickeln, die von den Mitgliedern des Eurosystems genutzt werden kann und die granulare Kreditdaten für alle Mitgliedsstaaten enthält.

VorbereitungsmaĂźnahmen

Konkret sieht die EZB folgende VorbereitungsmaĂźnahmen vor:

  1. Identifizierung von Nutzeranforderungen und Schätzung der Kosten

  2. Bestimmung und Verbesserung der granularen Datensätze

  3. Organisation der Übermittlung von granularen Datensätzen in der Vorbereitungsphase

  4. Standards zur Übermittlung, Erstellung, Speicherung und Verwendung der Datensätze

  5. Aufstellung eine Zeitplans fĂĽr die nationalen Zentralbanken und die EZB

  6. Ăśberwachung der Fortschritte

Die zentralen Kreditregister der einzelnen nationalen Zentralbanken des ESZB sollen dabei im Wesentlichen zwei Zwecken dienen. Zum einen sollen sie die Entwicklung und Erstellung von neuen Statistiken der ESZB (z.B. für wertgeminderte Vermögenswerte und deren Rückstellung) unterstützen. Zum anderen sollen sie zur Verbesserung der Qualität von bestehenden Statistiken (z.B. Statistik über Kreditlinien, aufgeschlüsselt nach Sektor des Geschäftspartners oder durch Immobilien besicherte Kredite) beitragen. Die Daten können von der EZB zur Durchführung der Bankenaufsicht oder für geldpolitische Maßnahmen verwendet werden, um so die Stabilität des Finanzsystems zu überwachen.

Inhaltliche Anforderungen

Die granularen Kreditdatenbanken umfassen einzelne Informationen ĂĽber Kreditrisiken von Kreditinstituten oder sonstigen kreditgewährenden Finanzinstituten gegenĂĽber Kreditnehmern. Die EZB strebt im Rahmen des AnaCredit Projekts einen „loan by loan“-Ansatz an, also die Meldung auf Basis des einzelnen Kredits. Der genaue Umfang und die Granularität der „harmonisierten Daten“ ist noch genauer zu spezifizieren, wobei das im Anhang des EZB Beschlusses veröffentliche Meldeschema als erster Anhaltspunkt betrachtet werden kann. Die Informationen können demnach in die nachfolgenden vier Teilbereiche eingeteilt werden:

  1. Attribute des Kreditgebers – Kreditgeber Kennung

  2. Attribute des Kreditnehmers – u.a. Kennung, Wohnsitzland, Sektor und Größe

  3. Variablen der Kreditdaten – u.a. Währung, Art der Sicherheit, Ursprungs- und Restlaufzeit

  4. Messgrößen der Kreditdaten – u.a. Kreditlinien, Rückstände und Ausfallwahrscheinlichkeit für Institute die den IRBA Ansatz verwenden

In einem ersten Schritt kann hierfĂĽr auf bereits verfĂĽgbare Informationen aus bestehenden Kreditregistern zurĂĽckgegriffen werden (in Deutschland das Millionenkreditmeldewesen). Auf Basis des EZB Beschlusses erfolgte die erste Ăśbermittlung der Millionenkreditdaten Ende März 2014 fĂĽr die Stichtage 30. Juni und 31. Dezember 2013. Alle weiteren Ăśbermittlungen werden vom Ausschuss fĂĽr Statistik (Statistics Committee (STC)) des ESZB organisiert. Das STC stellt sicher, dass die erhobenen Daten im Einklang mit dem jeweiligen Stand der zum Ăśbermittlungszeitpunkt abgeschlossenen Vorarbeiten stehen. Der Beschluss lässt derzeit noch offen, ab wann die Institute die ersten granularen Kreditdaten ĂĽbermitteln sollen; die erste Umsetzungsstufe der AnaCredit-Datenbank soll bis Ende 2016 abgeschlossen sein. Bis dahin sollen u.a. Umfragen der Aufsichtsbehörden bei einzelnen teilnehmenden Instituten durchgefĂĽhrt werden, in denen mögliche Ausprägungen des Meldeumfangs durchgespielt und fĂĽr die Zwecke einer Aufwandsschätzung herangezogen werden sollen. In den derzeit gefĂĽhrten Diskussionen zum EZB-Beschluss zeichnen sich neben der konzeptionellen Ă„nderung („loan-by-loan“-Ansatz) insbesondere die folgenden Veränderungen gegenĂĽber dem Millionenkreditmeldewesen nach § 14 KWG ab:

  1. Eine deutlich geringere Meldeschwelle im Vergleich zum Millionenkreditmeldewesen (1 bzw. 1,5 Mio EUR). Diskutiert wird bspw. eine Meldeschwelle von 50 TEUR.

  2. Eine höhere Granularität der Stamm- und Betragsdatenabfragen gegenüber dem aktuellen Millionenkreditmeldewesen

  3. Eine höhere Meldefrequenz (monatlich statt wie im Millionenkreditmeldewesen quartalsweise) verbunden mit verkürzten Einreichungsfristen

Die deutschen Aufsichtsbehörden sowie der Gesetzgeber haben auf den EZB-Beschluss und die sich abzeichnenden Veränderungen in der Kreditdatenerfassung reagiert und die ursprĂĽnglich bereits fĂĽr 2015 vorgesehenen Veränderungen im Millionenkreditmeldewesen im Rahmen des „Gesetzes zur Anpassung von Gesetzen auf dem Gebiet des Finanzmarktes“ vorerst auf den 1.1.2017 verschoben (vgl. § 64r Abs. 10 KWG – dazu auch unser Regulatory Blog Beitrag: „Gesetz zur Anpassung von Gesetzen auf dem Gebiet des Finanzmarktes – Finanzmarktanpassungsgesetz“ vom 12. August 2014). Sie gehen ausweislich der BegrĂĽndungen zur Gesetzesänderung ebenfalls davon aus, dass sich AnaCredit insbesondere aufgrund des „loan-by-loan“-Ansatzes konzeptionell vom Millionenkreditmeldewesen unterscheiden und demgegenĂĽber bedeutend granularer sein werde. Vor diesem Hintergrund wurde sowohl die Erweiterung des relevanten Millionenkreditbegriffs als auch die EinfĂĽhrung neuer granularer Betragsdatenformate um zwei Kalenderjahre verschoben.

Herausforderungen und Handlungsbedarf

Eine Herausforderung für die betroffenen Institute wird es dabei sein, die melderelevanten Daten aus verschiedenen Bereichen (Risikomanagement, Kredit, Meldewesen etc.) und Systemen zusammenzufügen und in der erforderlichen Granularität und Qualität vorzuhalten. Mit der Einführung von AnaCredit wird es folglich zu weiterem Implementierungsaufwand für die Institute kommen.

Die betroffenen Institute sollten frĂĽhzeitig, d.h. sobald sich weitere Einzelheiten des EZB-Beschlusses abzeichnen, den individuellen Handlungsbedarf identifizieren und entsprechende organisatorische MaĂźnahmen einleiten, um eine Meldefähigkeit bereits vor 2016 sicherstellen zu können. Dabei sind auch Schnittstellen zu bereits bestehenden bzw. laufenden Projekten im Meldewesen und Risikomanagement zu berĂĽcksichtigen. Beispielhaft können an dieser Stelle Umsetzungsprojekte zu den Themen BCBS 239 („Risikodatenaggregation und Reporting“) und FINREP genannt werden, welche ebenfalls hohe AnsprĂĽche an Qualität, Granularität und Konsistenz von rechnungslegungs- und risikobezogenen Daten stellen.

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