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Konsultation zum Handelsbuch ‚Äď Baseler Ausschuss zu Marktpreisrisiken, Handelsbuchabgrenzung und Standardmethoden

Anfang Mai hat der Baseler Ausschuss f√ľr Bankenaufsicht ein Konsultationspapier zur umfassenden √úberarbeitung der Handelsbuchregelungen („Fundamental Review of the Trading Book ‚Äď consultative document„) ver√∂ffentlicht. Hierdurch sollen in der Finanzmarktkrise deutlich gewordene Schw√§chen der aktuellen Handelsbuch-Regelungen adressiert werden. Die √úberarbeitung umfasst nicht nur die internen Modelle zur Ermittlung der Marktpreisrisiken, sondern auch die Abgrenzung des Handelsbuchs und die aufsichtlich vorgegebenen Standardmethoden f√ľr alle Risikoarten. Daher betreffen die Neuerungen auch Institute ohne umfangreiche Handelsaktivit√§ten.

Die vorgeschlagenen Neuregelungen sehen auch k√ľnftig eine Unterscheidung von Anlage- und Handelsbuch vor. Sie enthalten keine Vorschriften zur Kapitalunterlegung von Zins√§nderungsrisiken im Anlagebuch; das Thema bleibt jedoch auf der Agenda des Baseler Ausschusses.

Kritikpunkte an den bisherigen Regelungen

Nicht erst in der Finanzmarktkrise zeigten sich deutliche Schwächen an den bisherigen Regelungen zur Abgrenzung des Handelsbuchs und der Kapitalunterlegung von Marktrisikopositionen (§ 1a KWG, §§ 294 bis 318 SolvV). Insbesondere die Abgrenzung von Anlage- und Handelsbuch eröffnet Instituten einen Ermessensspielraum, der zu regulatorischer Arbitrage genutzt werden kann, da die Kapitalunterlegung einer Position in Anlage- und Handelsbuch deutlich voneinander abweichen können. Gleichzeitig ist die Abgrenzung, die im Wesentlichen auf der Fähigkeit und dem Willen eines Instituts zum Handel in dem betroffenen Instrument beruhte, schwer objektiv zu beurteilen und beeinträchtigt die internationale Vergleichbarkeit.

Neben der Abgrenzung des Handelsbuchs stehen die Methoden zur Ermittlung der Kapitalunterlegung im Handelsbuch in der Kritik. Derzeit haben die Institute hier ein Wahlrecht zwischen regulatorisch vorgegebenen Standardmethoden und internen Marktpreisrisikomodellen. Die Standardmethoden sollen auch kleineren Instituten die M√∂glichkeit geben, mit vertretbarem Aufwand die Kapitalanforderungen f√ľr Marktpreisrisiken zu ermitteln („one size fits all„). Hiermit einher geht jedoch eine stark simplifizierte Messung des Risikos, die oft auf pauschalen Risikogewichten beruht.

Weitaus kritischer noch werden die internen Marktpreisrisikomodelle gesehen. Insbesondere die Nutzung sogenannter Value at Risk (VaR)-Modelle hat zu einer deutlichen Untersch√§tzung des Risikos von Handelsbuch-Positionen beigetragen und in der Finanzmarktkrise prozyklisch gewirkt. Die als Reaktion hierauf vorgenommenen Anpassungen (Stress-VaR, IRC – Basel 2.5 bzw. CRD III) haben aus Sicht vieler Beobachter hingegen zu einer zu starken Fragmentierung der Kapitalanforderungen und zu einer mehrfachen Unterlegung von Risiken gef√ľhrt.

Schließlich sieht der Baseler Ausschuss auch die Bewertung insbesondere von illiquiden und komplexen Produkten als problematisch an. Abhängig von der weiteren Entwicklung könnte es hier zu verstärkten Abweichungen zwischen handelsrechtlichen und regulatorischen Wertansätzen kommen.

Abgrenzung des Handelsbuchs

Um die in Kritik geratene Abgrenzung von Anlage- und Handelsbuch zu reformieren konsultiert der Baseler Ausschuss zwei verschiedene Ans√§tze. Der erste („trading-evidence-based„) basiert auf der aktuellen Regelung und versucht die Abgrenzung dadurch objektiver zu gestalten, dass neben der Handelsabsicht auch ein empirischer Nachweis f√ľr tats√§chliche Handelsaktivit√§ten verlangt wird. Im Gegensatz dazu sieht der zweite Ansatz („valuation-based„) vor, dass alle zum fair value bilanzierten Finanzinstrumente dem Handelsbuch zugeordnet werden. Dies h√§tte den Vorteil, dass f√ľr alle Finanzinstrumente, bei denen Marktpreisrisiken GuV-wirksam oder √ľber die Neubewertungsr√ľcklage in den regulatorischen Eigenmitteln erfasst werden, diese Risiken auch mit Kapital unterlegt werden. Andererseits w√ľrden sich durch den verwendeten Bilanzierungsstandard Auswirkungen auf den Umfang des Handelsbuchs ergeben. Und es w√ľrde zu einer ¬†deutlichen Abweichung zwischen Handelsbuch und den mit Handelsabsicht gehaltenen Finanzinstrumenten gem√§√ü internem Risikomanagement kommen.

Ber√ľcksichtigung der Liquidit√§t von Handelsbuchpositionen

Ein weiterer Kritikpunkt an den aktuellen Regelungen zur Kapitalunterlegung von Marktpreisrisiken ist die Vernachl√§ssigung der Liquidit√§t der betroffenen Positionen. Insbesondere bei Nutzung interner Marktpreisrisikomodelle wird implizit unterstellt, dass alle Risiken innerhalb von zehn Tagen geschlossen werden k√∂nnen. Dies hat sich in der Finanzmarktkrise als nicht haltbare Pr√§misse erwiesen und wurde deshalb unter CRD III im Rahmen der „Incremental Risk Charge“ (ICR) auch schon teilweise adressiert (vgl. dazu auch den Blogbeitrag: ‚ÄěUmsetzung der CRD III in deutsches Recht ‚Äď Eigenmittelunterlegung im Handelsbuch, Widerverbriefung und Offenlegung‚Äú vom 08.07.2011).

Das Baseler Konsultationspapier sieht vor, dass bei der IRC bereits eingef√ľhrte Konzept des Liquidit√§tshorizonts auf alle Handelsbuchpositionen zu √ľbertragen. Daf√ľr sollen Liquidit√§tshorizonte f√ľr Risikofaktoren bestimmt und in f√ľnf Kategorien zwischen zehn Tagen und einem Jahr eingeordnet werden. Die Zuordnung hat durch die Institute zu erfolgen, unter Ber√ľcksichtigung regulatorischer Untergrenzen. Die jeweilige Kategorie hat dann Auswirkungen auf die H√∂he der Kapitalanforderung.

Weiterhin konsultiert der Baseler Ausschuss M√∂glichkeiten, Endogenit√§t zu ber√ľcksichtigen, also die Auswirkungen von Verk√§ufen aus besonders gro√üen oder in wenigen Positionen konzentrierten Portfolios auf den Marktpreis.

Standardmethoden

Mit den grundlegenden √Ąnderungen bei den Standardmethoden f√ľr Marktpreisrisiken soll die Risikosensitivit√§t erh√∂ht werden.

Der sogenannte „partial risk factor-Ansatz sieht vor, dass alle Handelsbuchpositionen in vorgegebene Klassen eingeordnet werden. F√ľr jede dieser Klassen wird die Kapitalanforderung anhand von vorgegebenen Risikogewichten und Korrelationsannahmen bestimmt. Die Aggregation der Kapitalanforderungen √ľber die Klassen erfolgt ebenfalls anhand vorgegebener Korrelationsannahmen. Dabei sollen die aufsichtlich vorgegebenen Parameter so kalibriert werden, dass Konsistenz zu den auf Basis von Stress-Parametern gesch√§tzten Expected-Shortfall-Werten der internen Marktpreisrisikomodelle besteht.

Abweichend werden beim „fuller risk factor-Ansatz ¬†Zuordnungen von Positionen zu Risikofaktoren anstelle von Instrumenten-Klassen vorgenommen. Je Risikofaktor wird die Nettoposition bestimmt und mittels der internen Pricing-Modelle des Instituts eine Sensitivit√§t gegen√ľber √Ąnderungen des Risikofaktors bestimmt. Die Aggregation der Kapitalanforderung √ľber Risikofaktoren sowie die Kalibrierung erfolgen analog dem partial risk factor-Ansatz.

Interne Marktpreisrisikomodelle

In Bezug auf die Nutzung interner Marktpreisrisikomodelle sieht das Konsultationspapier vor, dass die Zulassung der Aufsicht f√ľr die Nutzung solcher Modelle k√ľnftig auf Ebene des Instituts und bis zur Ebene einzelner Handelstische erfolgen soll. Hierdurch soll sichergestellt werden, dass nur f√ľr solche Produkte eine Nutzung interner Marktpreisrisikomodelle zul√§ssig ist, bei denen die Zuverl√§ssigkeit des internen Modells √ľber Backtesting nachgewiesen werden kann. Sofern nur einzelne Risikofaktoren eines Handelstisches nicht angemessen modelliert werden k√∂nnen, soll hierf√ľr eine separate Kapitalunterlegung erfolgen.

Bei den modellierbaren Risikofaktoren der Handelstische, f√ľr die die Nutzung eines internen Modells zugelassen wird, soll die Nutzung von Value-at-Risk-Modellen abgel√∂st werden durch den Expected Shortfall (ES) als Risikoma√ü. Der Vorteil von ES liegt darin, dass er spezifischere Aussagen √ľber die Risiken extrem seltener Ereignisse zul√§sst. Die Kalibrierung des ES-Modells soll anhand von Daten aus einer Stressperiode erfolgen, in Anlehnung an den bereits heute zu rechnenden Stress-VaR.

Konsultiert wird auch die Frage, ob Migrations- und Ausfallrisiken weiterhin separat mit¬† Kapital zu unterlegen sind (analog dem bereits zu berechnenden IRC) oder ob sie als separater Risikofaktor in der ES-Berechnung ber√ľcksichtigt werden sollen.

Daneben sieht das Konsultationspapier auch neue Regelungen zur Aggregation von Risiken √ľber verschiedene Risikoklassen vor. Hier wird sowohl die Berechnung des Diversifikationseffektes als auch seine maximal zul√§ssige H√∂he durch aufsichtliche Vorgaben bestimmt.

Schlie√ülich wird √ľberlegt, einen auf der Standardmethode basierenden Floor f√ľr die Kapitalanforderungen aus internen Modellen einzuf√ľhren. Institute, die die interne Modelle Methode nutzen, sollen eine Parallelrechnung mittels der Standardmethoden vornehmen und die Ergebnisse an die Aufsicht melden.

Und wie geht es weiter ?

Die Möglichkeit der Kommentierung des Papiers besteht bis zum 7. September 2012. Neben grundsätzlichen Kommentaren hat der Baseler Ausschuss insbesondere um die Beantwortung von zehn spezifischen Fragen zu dem Regelungsentwurf gebeten. An zahlreichen Stellen werden innerhalb des Konsultationspapiers mehrere Möglichkeiten beschrieben und nach Feedback zu den Vor- und Nachteilen gefragt.

Alle eingehenden Kommentare sollen auf der Homepage des Baseler Ausschusses ver√∂ffentlicht werden und in einen weiteren, detaillierteren Regelungsentwurf einflie√üen. Ebenso sollen die Neuregelungen im Rahmen von quantitativen Auswirkungsstudien (QIS) ber√ľcksichtigt werden, um eine angemessene Kalibrierung der neuen Kapitalanforderungen sicher zu stellen.

Aussagen √ľber die k√ľnftige H√∂he der Kapitalunterlegung sind zum aktuellen Stand noch nicht m√∂glich. Die Kapitalanforderungen sollen erst im Rahmen der quantitativen Auswirkungsstudien kalibriert werden. Deutliche Auswirkungen auf die Institute ergeben sich jedoch in jedem Fall durch die Ausweitung des Handelsbuchs unter dem valuation-based-approach, der Einf√ľhrung und Genehmigung neuer interner Modelle wie auch durch die vollst√§ndig neu zu implementierenden Standardmethoden.

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G20 macht den Weg frei – Die Beschl√ľsse von Seoul

Die aktuellen Beschl√ľsse des G20-Gipfels in Seoul haben den Reformen Basel III zugestimmt. Im Wesentlichen wurden die Vorarbeiten des Baseler Ausschusses best√§tigt (Basel III auf der Zielgeraden). Damit ist der Weg frei f√ľr die geplanten Eigenkapitalversch√§rfungen: die Erh√∂hung der Mindestquote von zwei auf 4,5% und bis 2019 dann auf 7%. Gleiches gilt f√ľr die Liquidit√§tsvorschriften. Ihre Einf√ľhrung bis 2018 entsprechend dem Zeitplan des Baseler Ausschusses ist auch beschlossen.

Offen bleibt jedoch die Frage nach den f√ľr systemrelevante Gro√übanken (systemically important financial institutions) geltenden Regelungen. Klar ist, dass systemrelevante Banken strengeren Vorschriften unterliegen werden. Mit der Ausarbeitung der Regeln im Einzelnen sind weiterhin der Financial Stability Board (FSB) und Baseler Ausschuss beauftragt. F√ľr international systemrelevante Banken soll bis Ende 2011 ein Regelwerk vorliegen, f√ľr die national relevanten Banken ist Ende 2012 der ausschlaggebende Termin.

Zur Umsetzung der in Seoul beschlossenen Regelungen hat die europ√§ische Kommission bereits angek√ľndigt, im M√§rz 2011 einen entsprechenden Vorschlag zu machen. Die gesetzgeberischen werden in eine weitere √Ąnderungen Eigenkapitalrichtlinie (dann „CRD IV“) m√ľnden. Bereits jetzt l√§uft ein Konsultationsverfahren zur Festlegung der antizyklischen Kapitalpuffer.
Es bleibt also spannend.

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