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Neues aus Basel zu den Capital Floors

Am 22. Dezember 2014 veröffentlichte der Basler Ausschuss fĂŒr Bankenaufsicht ein Konsultationspapier ĂŒber einen neuen Standard zur Festlegung von Untergrenzen fĂŒr die Mindesteigenmittelanforderungen („Capital floors: the design of a framework based on standardised approaches“). Der neue Standard soll die bisherige Regelung zum sogenannten Basel I – Floor ersetzen, der beispielsweise in Art. 500 CRR kodifiziert ist. Das Konsultationspapier ist Teil einer Reihe von neuen Standards, die dazu dienen sollen, die ZuverlĂ€ssigkeit und Vergleichbarkeit von risikogewichteten Kapitalquoten in Zukunft zu verbessern. Die Konsultationsphase lĂ€uft bis zum 27. MĂ€rz 2015.

Hintergrund

Im Juli 2013 und Dezember 2013 hatte der Baseler Ausschuss bereits Studien zur Vergleichbarkeit der risikogewichteten Aktiva fĂŒr Kreditrisiken und Marktpreisrisiken (BCBS 256 und BCBS 267) veröffentlicht. Allgemein kann festgehalten werden, dass die Nutzung interner Modelle zu stark abweichenden Kapitalanforderungen der Banken fĂŒhrt. Dies ist regulatorisch nicht erwĂŒnscht, da Positionen mit gleichartigen Risiko zu annĂ€hernd gleichen Kapitalanforderungen fĂŒhren sollten. Dies begrĂŒndet aus Sicht des Baseler Ausschusses die Notwendigkeit eines Floors. Dieser soll sicherstellen, dass ein Mindesteigenmittelniveau eingehalten wird und die UnschĂ€rfen, die mit der Nutzung interner Modelle-AnsĂ€tzen einhergehen, begrenzt werden. Die Neuregelungen zu den Capital Floors werden durch zusĂ€tzliche Baseler Projekte zur Weiterentwicklung der bankaufsichtlichen Regulierungen begleitet (wie die vollstĂ€ndige Überarbeitung der StandardansĂ€tze im Bereich der Kreditrisiken einschließlich der Verbriefungen, der Kontrahentenrisiken, der Marktpreisrisiken und der operationellen Risiken). Die vorgeschlagenen Überarbeitungen sollen zu einer genaueren Messung der Risiken bei Anwendung der Standardverfahren fĂŒhren. DarĂŒber hinaus dienen die nach den Standardverfahren ermittelten Kapitalanforderungen dem Aufseher zukĂŒnftig auch bei Banken, die interne Modelle nutzen, dazu die Kapitaluntergrenze zu bestimmen. Der Baseler Ausschuss sieht die neuen Vorschriften auch als eine ErgĂ€nzung der im Basel-III-Rahmenwerk eingefĂŒhrten Leverage Ratio.

Wesentliche Inhalte

Das Konsultationspapier beschĂ€ftigt sich im Wesentlichen mit der grundsĂ€tzlichen Gestaltung der neuen Untergrenzen fĂŒr die Eigenmittelanforderungen. Im Mittelpunkt des Papiers steht

  • die konzeptionelle Gestaltung des Capital Floors auf Ebene einzelner Risikoarten oder der gesamten RWA,
  • die Abbildung der Unterschiede bei der BerĂŒcksichtigung von Kreditrisikoanpassungen in dem neuen Kreditrisikostandardansatz und dem auf internen Ratings basierenden Ansatz sowie
  • die Wahl des fĂŒr die Bestimmung der Untergrenze zu verwendenden Ansatzes.

Die Höhen der verschiedenen Kapitaluntergrenzen soll erst spĂ€ter nach einer diesbezĂŒglichen Quantitative Impact Study (QIS) festgelegt werden. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die KomplexitĂ€t der Berechnung der Capital Floors im Vergleich zum Basel I-Floor auf jeden Fall erhöht wird. Somit sind auch Modelle-Banken gezwungen, sich intensiv mit den neuen Baseler StandardansĂ€tzen auseinanderzusetzen.

Aggregationsumfang bei den Risikokategorien

GrundsĂ€tzlich werden zwei Arten von Untergrenzen diskutiert, mit denen der Baseler Ausschuss seine intendierten Ziele erfĂŒllen könnte: Risk Category-based Floors und Aggregate RWA-based Floor. Bei dem Risk Category-based Floors-Ansatz wird fĂŒr jede bedeutende Risikokategorie, also fĂŒr Kredit- und Marktrisiken sowie operationelle Risiken, eine Untergrenze festgelegt. Die Untergrenzen wirken in diesem Fall wie ein durchschnittliches Mindest-Risikogewicht fĂŒr die genannten Risikoarten. Dieser Ansatz verhindert eine Verrechnung der Eigenmittelanforderungen zwischen den Risikoarten. Die Gesamtuntergrenze ist fĂŒr die jeweilige Risikoart die Summe der jeweils höheren Eigenmittelanforderung nach dem neuen Floor-Standardansatz oder dem internen Modelle-Ansatz. Beim alternativen Aggregate RWA-based Floor-Ansatz schlĂ€gt der Baseler Ausschuss vor, die Untergrenze auf die Gesamtsumme der risikogewichteten Aktiva zu beziehen. Die aggregierte Untergrenze ist nicht so einschrĂ€nkend wie die Untergrenzen fĂŒr die verschiedenen Risikobereiche und wĂŒrde deshalb auf einem höheren Niveau festgelegt, um fĂŒr beide AnsĂ€tze die gleiche Mindesteigenmittelanforderung zu erzielen.

Behandlung von Wertberichtigungen

Die regulatorische Behandlung von Wertberichtigungen ist je nach der Anwendung des Standardansatz oder des IRB-Ansatzes unterschiedlich. Hieraus folgt, dass fĂŒr die Floor-Ermittlung Anpassungen notwendig werden, fĂŒr die der Basler Ausschuss zwei Optionen vorstellt. Die erste Option wĂ€re eine Anpassung im Kapital, im Gegensatz zur zweiten Option, die eine Anpassung bei den risikogewichteten Aktiva beschreibt. Welche der beiden Option sich im finalen Standard durchsetzen wird, ist dabei noch offen.

Wahl des relevanten Standardansatzes

Zur Berechnung der Untergrenzen fĂŒr die Mindesteigenmittelanforderungen fĂŒr Banken wird, wie auch im derzeitigen Verfahren, auf ein standardisiertes Verfahren abgestellt. Dabei ist noch offen, wie man mit den unterschiedlichen lĂ€nderspezifischen ErmessungsspielrĂ€umen in der Anwendung der StandardansĂ€tze umgeht. In der aktuellen Konsultationsfassung sind keine lĂ€nderspezifischen Anpassungen vorgesehen.

Wie geht es weiter?

Nach Abschluss der Konsultation und Auswertung der Kommentare soll noch in diesem Jahr zur Kalibrierung der Untergrenzen eine Quantitative Impact Study (QIS) durchgefĂŒhrt werden. Die Ergebnisse der Konsultation und der QIS werden in ein zweites Konsultationspapier eingehen, das Ende 2015 veröffentlicht werden soll. Ein endgĂŒltiger Baseler Standard wird im Jahr 2016 erwartet. Die Baseler Regelungen zu den Floors mĂŒssen dann noch in das europĂ€ische Aufsichtsrecht ĂŒbernommen werden.

Basel IV? Neuer Standardansatz zur Messung des Kreditrisikos

Im Dezember 2014 hat das Basel Committee on Banking Supervision (BCBS) einen Vorschlag fĂŒr die Überarbeitung des Kreditrisikostandardansatzes (BCBS: Revisions to the Standardised Approach for credit risk (bcbs 307)) veröffentlicht. Die VorschlĂ€ge stehen noch bis Ende MĂ€rz 2015 zur Konsultation.

Hintergrund

Die VorschlĂ€ge zur Revision des Kreditrisikostandardansatzes stehen in engem Zusammenhang mit den bereits vorher gestarteten Überarbeitungen der StandardansĂ€tze fĂŒr das operationelle Risiko sowie die Standardverfahren bei den Marktpreisrisiken und dem Kontrahentenrisiko. Insgesamt betrachtet soll die Überarbeitung der StandardansĂ€tze dazu fĂŒhren, dass die Kapitalanforderungen dem inhĂ€renten Risiko entsprechend kalibriert werden und die Standardverfahren eine geeignete Alternative bzw. ErgĂ€nzung der Internen Modelle darstellen. Die neuen VorschlĂ€ge stellen eine substantielle Überarbeitung der Risikomessverfahren zur Ermittlung der Eigenkapitalanforderungen dar. Diese Neuerungen – von vielen schon als Basel IV bezeichnet – werden fĂŒr alle, d.h. auch fĂŒr die IRB Banken mit erheblichem Implementierungsaufwand verbunden sein. Schließlich denkt der Baseler Ausschuss darĂŒber nach, die neuen Standardverfahren auch fĂŒr die sogenannte „Floorberechnung“ zu nutzen.

Die wesentlichen Ansatzpunkte der Überarbeitung

  • Abkehr von der AbhĂ€ngigkeit von externen Ratings

Als wesentliche Schwachstellen der bisherigen Regelungen zum Kreditrisikostandardansatz hat der BCBS die AbhĂ€ngigkeit von externen Ratings identifiziert. Insbesondere die im Zusammenhang mit externen Ratings verbundenen negativen Auswirkungen auf die StabilitĂ€t des Finanzsektors, die sich beispielsweise aus einem sprunghaftem Anstieg der Risikogewichte („cliff effects“) oder sog. Herdenverhalten der Finanzinstitute ergeben, sollen kĂŒnftig vermieden werden. Hinzu kommt, dass ein großer Anteil an Unternehmensforderungen kein externes Rating hat. Dieser Problematik will der BCBS begegnen, in dem die Risikogewichte fĂŒr Bankforderungen und Unternehmensforderungen an bestimmte Risikotreiber geknĂŒpft werden.

FĂŒr Bankforderungen sind diese Risikotreiber die harte Kernkapitalquote (capital adequacy ratio CET1) und eine sog. net non-performing assets ratio (net NPA ratio), mit deren Hilfe eine EinschĂ€tzung ĂŒber die QualitĂ€t der Aktiva vorgenommen werden soll. Entsprechend der ermittelten Quoten ergeben sich dann Risikogewichte zwischen 30% und 300%. Im Vergleich zu den heute ĂŒblichen 20% Risikogewicht fĂŒr Banken in Deutschland bzw. in der EU wird dieser Vorschlag deutlich höhere Eigenkapitalanforderungen fĂŒr Bankforderungen nach sich ziehen. Zudem werden Banken nicht umhin kommen, die beiden Quoten auch unterjĂ€hrig zu veröffentlichen. Darauf hat der Baseler Ausschuss bereits in seinem Konsultationspapier hingewiesen.

FĂŒr Unternehmensforderungen sind ausschlaggebende Risikotreiber der Umsatz (revenue) und der Verschuldungsgrad (leverage). Davon abhĂ€ngig wird ein Risikogewicht von 60 – 300% anzusetzen sein, im Vergleich zu dem derzeit meist genutzten 100% Risikogewicht.

  • Verbesserung der GranularitĂ€t und der RisikosensitivitĂ€t

Bestimmten Forderungsklassen sind pauschalierte Risikogewichte zugeordnet und es stehen zu wenig Risikostufen zur VerfĂŒgung, um zwischen den tatsĂ€chlichen Risikoprofilen angemessen zu unterscheiden. Daher sieht der aktuelle Vorschlag eine Überarbeitung der Forderungsklassen vor. Insbesondere fĂŒr die Nutzung des (beibehaltenen) Risikogewichts von 75% fĂŒr Retail-Forderungen sollen strengere Kriterien definiert werden: Als zusĂ€tzliches Diversifizierungs-Kriterium dĂŒrfen Forderungen gegenĂŒber einem Schuldner nicht mehr als 0,2% des gesamten „Regulatory Retail Portfolio“ betragen. Neu eingefĂŒhrt wird auch fĂŒr den Standardansatz die Risikokategorie der „Spezialfinanzierungen“ (Specialised lending) mit einem Risikogewicht zwischen 120% (fĂŒr Projekt- und Objektfinanzierungen, Rohstoffhandelsfinanzierungen, Finanzierungen von Mietimmobilien) und 150% (Finanzierungen bei Grunderwerb, Erschließung und Bau) – alternativ (wenn höher) auch das Risikogewicht der Forderungsklasse Unternehmen.

  • Anpassung der Kalibrierung der Risikogewichte

Die Risikogewichte sollen unter anderem fĂŒr Wohnimmobilienkredite risikosensibler werden. Anstatt des bislang angesetzten pauschalen Risikogewichts von 35% sollen die Risikogewichte von durch Wohnimmobilien besicherte Forderungen in AbhĂ€ngigkeit von der „Loan-to-Value“ (LTV)-Quote ermittelt werden. Diese Quote ergibt sich aus dem VerhĂ€ltnis von gesamter Forderungshöhe zum Wert des Sicherungsobjekts. Die danach abzuleitenden Risikogewichte betragen zwischen 25% – 100%. FĂŒr Wohnimmobilienkredite gegenĂŒber Privatpersonen wird bei der Berechnung der LTV als zusĂ€tzlicher Risikotreiber die KapitaldienstfĂ€higkeit des Kreditnehmers im Rahmen einer sog. „Debt-Service-Coverage-Ratio (DSC)“ zu berĂŒcksichtigen sein. Diese ergibt sich aus dem Kapitaldienst des Schuldners im VerhĂ€ltnis zu seinem Einkommen. Unter BerĂŒcksichtigung der DSC können sich dann Risikogewichte zwischen 25% und 80% ergeben.

Gewerbliche Immobilienkredite und ihre kĂŒnftige Behandlung sind dagegen noch offen. Im Konsultationspapier werden zwei Varianten vorgeschlagen:

In Variante A werden die gewerblichen Immobilien nicht als Sicherheiten berĂŒcksichtigt. Vielmehr orientiert sich das Risikogewicht an den unbesicherten Unternehmensforderungen (60%-300%). In bestimmten (nationalen) AusnahmefĂ€llen (entwickelte und etablierte MĂ€rkte, besondere Sicherungsobjekte) können in engen Grenzen bevorzugte Risikogewichte von 50% zum Tragen kommen.

Variante B dagegen berĂŒcksichtigt die bei Wohnimmobilien eingefĂŒhrte LTV und leitet danach Risikogewichte zwischen 75% und 120% ab.

  • Verbesserung der Vergleichbarkeit der Kapitalanforderungen und Reduzierung der Diskrepanz zum IRB Ansatz

Die Überarbeitung der Kreditminderungstechniken ist ein weiterer Ansatzpunkt der aktuellen VorschlĂ€ge. Die Anzahl der fĂŒr KSA-Banken zur VerfĂŒgung stehenden Methoden soll reduziert werden. Dies betrifft vor allem die Nutzung bankeigener SchĂ€tzungen von haircuts, sowie Value-at-risk AnsĂ€tze fĂŒr bestimmte Wertpapierleihe-/Repo-Transaktionen (SFTs) oder die Nutzung Interner Modelle fĂŒr SFTs und besicherte Transaktionen mit OTC-Derivaten.

 

Weitere Entwicklung – Basel IV?

Die Überarbeitung des Kreditrisikostandardansatz ist noch nicht abgeschlossen: Forderungen an Staaten und Zentralbanken werden in dem aktuellen Papier nicht berĂŒcksichtigt und sind Gegenstand einer separaten Überarbeitung. Das BCBS wird eine Auswirkungsstudie durchfĂŒhren und anhand der dann gesammelten Daten die Überarbeitung vorantreiben. Die hierfĂŒr erforderlichen DatenblĂ€tter ergĂ€nzen die regelmĂ€ĂŸigen halbjĂ€hrlichen Basel III-Monitoring Abfragen.

Insgesamt ist die Überarbeitung des Kreditrisikostandardansatz Teil einer Reihe von laufenden Konsultationen und Überarbeitungen, die zusammen eine bedeutende Revision des Basel III Rahmenwerks darstellen werden:

Damit schließt sich der Kreis der Überarbeitung insoweit, als der Baseler Ausschuss plant, dass alle Institute die Risiken fĂŒr die Eigenkapitalanforderungen sowohl nach dem Standardverfahren als auch ggf. nach den eigenen internen Modellen ermitteln sollen.

Auf die Banken kommt also ein erheblicher Mehraufwand fĂŒr die Implementierung der neuen Anforderungen zu. KSA Banken mĂŒssen ihre bisher von externen Ratings abhĂ€ngigen Zuordnungen durch die neuen Risikotreiber ersetzen und Anpassungen bei den Kreditrisikominderungstechniken vornehmen. Im Bereich der Governance sind Anweisungen, Prozesse und Kontrollen zu ĂŒberarbeiten. Da die Standardverfahren fĂŒr die Ermittlung des Floors genutzt werden, mĂŒssen auch IRB Banken mit erheblichem Zusatzaufwand rechnen. Zudem verfĂŒgen IRB Banken, die den fortgeschrittenen IRB nutzen, bis dato nicht unbedingt ĂŒber die erforderlichen Prozesse zur ErfĂŒllung der regulatorischen Anforderungen an die Risikominderungstechniken im Standardansatz. Einem eventuell erforderlichen zusĂ€tzlichen Kapitalbedarf ist bei den Kapitalplanungsprozessen Rechnung zu tragen.

Neue Details zur Leverage Ratio – Framework and disclosure requirements

Das Basel Committee on Banking Supervision (BCBS) hat am 26. Juni 2013 ein Konsultationspapier zu den Anforderungen an die Leverage Ratio sowie die damit zusammenhÀngenden  Offenlegungspflichten veröffentlicht (Revised Basel III Leverage Ratio framework and disclosure requirements). Noch bis zum 20. September 2013 stehen die VorschlÀge zur Konsultation.

Hintergrund

Im ursprĂŒnglichen Basel III Rahmenwerk war vorgesehen, dass wĂ€hrend einer Übergangs- bzw. Beobachtungsphase zur EinfĂŒhrung der Leverage Ratio beginnend ab Januar 2011 die Auswirkungen der zunĂ€chst festgelegten RichtgrĂ¶ĂŸe von 3% getestet werden sollte (dazu auch unser Blog-Beitrag vom 13.09.2010: „Basel III auf der Zielgeraden – Die finalen Quoten und Termine„). Nach Ablauf der Testphase soll dann die Leverage Ratio endgĂŒltig kalibriert werden. Bereits ab 2015 mĂŒssen die Institute die Elemente ihrer Leverage Ratio offenlegen. Das aktuelle Konsultationspapier prĂ€zisiert Fragestellungen im Hinblick auf den Konsolidierungskreis und auf die Berechnung der Quote. Dabei geht es vor allem um den Nenner der Formel, der das relevante Exposure umfasst (sogenannte Exposure Measure). Ziel ist dabei vor allem, auch dann eine Vergleichbarkeit zu schaffen, wenn unterschiedliche Rechnungslegungsstandards (z.B. US-GAAP und IFRS) zum Einsatz kommen.

Exposure Measure

Die Leverage Ratio wird gebildet als Quotient aus dem Kernkapital  Tier 1  (KapitalmessgrĂ¶ĂŸe – Capital Measure) und dem Gesamtengagement (Engagement-MessgrĂ¶ĂŸe – Exposure measure). Letzteres umfasst bilanzielle, außerbilanzielle und derivative Positionen.

Konsolidierungskreis der einzubeziehenden Exposures

Im aktuellen Vorschlag des BCBS werden Details zur Einbeziehungen von Beteiligungen im Konsolidierungskreis erlÀutert. Beteiligungen innerhalb des Konsolidierungskreises (aufsichtsrechtlich & bilanzrechtlich) können unter bestimmten Voraussetzungen verrechnet werden, um eine doppelte Anrechnung zu vermeiden.

Behandlung von Derivaten und damit verbundener Sicherheiten

Im Rahmen der Leverage Ratio sollen alle aus Derivatepositionen resultierenden Exposures erfasst werden: Das sind zum einen Forderungen, die sich aus den zugrundeliegenden VertrĂ€gen ergeben und zum anderen solche aus dem Kontrahentenrisiko. Derivative Forderungen werden mit den Wiederbeschaffungskosten und einem Add-on fĂŒr  potenzielle zukĂŒnftige Forderungen angesetzt. Dabei können bilaterale Netting-Regeln berĂŒcksichtigt werden, erhaltene oder hingegebene Sicherheiten jedoch nicht.

Behandlung von Kreditderivaten beim Sicherungsgeber

FĂŒr die als Sicherungsgeber verkauften Kreditderivate soll dem Verschuldungsrisiko der Bank durch die Einbeziehung des vollen Nominalwerts des zugrundeliegenden Engagements Rechnung getragen werden.  Dieser Wert durch erworbene Kreditderivate kann reduziert bzw. verrechnet werden, soweit Referenzschuldner und Rangfolge gleich sind.

Behandlung von WertpapierfinanzierungsgeschĂ€ften – Securities financing transactions

Securities financing transactions (SFT) werden ebenfalls in die Exposure Measure einbezogen. AbhĂ€ngig davon, ob die Bank in eigenem Namen (principal) oder fĂŒr andere WertpapierfinanzierungsgeschĂ€fte abschließt (Agent), ergeben sich verschiedene Berechnungs- und Verrechnungsmethoden. Keinesfalls ist aber der reinen Rechnungslegungspraxis zu folgen. Vielmehr sollen die Unterschiede in den Rechnungslegungsstandards eliminiert werden.

Außerbilanzielle Risiken

Außerbilanzielle Positionen mĂŒssen in die Exposure Measure einbezogen werden. Beispielhaft werden hier  u.a. unwiderrufliche Kreditzusagen (inklusive LiquiditĂ€tsfazilitĂ€ten), unmittelbare Kreditsubstitute, Akzepte, standby letters of credit, Handelsakkreditive oder noch nicht abgewickelte WertpapiergeschĂ€fte genannt. Da aus diesen Positionen bedeutende Leverage-Effekte resultieren können, soll bei der Einbeziehung ein einheitlicher Kreditumrechnungsfaktor (credit conversion factor(CCF)) von 100 % angewendet werden. Ausnahmen gelten nur fĂŒr bedingungslos kĂŒndbare Zusagen: Diese können mit einem CCF von 10% angesetzt werden.

Offenlegung

Damit die Leverage Ratio als VergleichsgrĂ¶ĂŸe dienen kann, mĂŒssen Banken fĂŒr die Veröffentlichung ab 01. Januar 2015 einheitliche Templates zur Offenlegung und Meldung ihrer Leverage Ratio verwenden. Vorzulegende Dokumente sind dabei:

  • Zusammengefasste Vergleichstabelle (summary comparison table), die einen Vergleich zwischen den bilanzierten Vermögenswerten und der Engagement-MessgrĂ¶ĂŸe fĂŒr die Leverage Ratio ermöglicht sowie einen Überblick ĂŒber die Unterschiede gibt
  • Allgemeines Template zur Offenlegung (common disclosure template), welches eine detailliertere Aufgliederung der wesentlichen Elemente der Leverage Ratio  umfasst
  • Informationen zur Überleitung (reconciliation requirement), mit denen Banken die Ursachen fĂŒr wesentliche Unterschiede zwischen bilanziellen  Vermögenswerten in der Rechnungslegung  und den nach der Leverage Ratio angesetzten bilanziellen Gesamtengagements darlegen

Die erforderlichen Angaben sollen im selben Rhythmus und zeitgleich mit AbschlĂŒssen veröffentlicht werden. Große Banken mĂŒssen aber davon unabhĂ€ngig nach den Anforderungen der SĂ€ule 3 bestimmte Mindestangaben vierteljĂ€hrlich offenlegen.

Die Finanzberichterstattung der Bank muss entweder die Offenlegungsanforderungen bezĂŒglich der Leverage Ratio einschließen oder zumindest direkt darauf verlinken. Über die Webseiten oder öffentlich zugĂ€ngliche aufsichtsrechtliche Berichte mĂŒssen die Banken ein laufendes Archiv fĂŒr die Templates vorangegangener BerichtszeitrĂ€ume bereithalten.

EndgĂŒltige Kalibrierung bei 3% ?

Im ursprĂŒnglichen Basel III Rahmenwerk wurde die Leverage Ratio zunĂ€chst mit einer Quote von 3% angesetzt, wobei wĂ€hrend der Beobachtungsphase geprĂŒft werden sollte, ob die vorgeschlagene Ausgestaltung und Kalibrierung einer Leverage Ratio ĂŒber einen gesamten Kreditzyklus sowie fĂŒr die verschiedenen GeschĂ€ftsmodelle  der Banken angemessen ist (Basel III: Ein globaler Regulierungsrahmen fĂŒr widerstandsfĂ€higere Banken und Bankensysteme Dezember 2010 (rev. Juni 2011) Tz 165). Dagegen wird im aktuellen Konsultationspapier betont, dass das BCBS weiterhin eine Kennzahl von 3% fĂŒr die Leverage Ratio testet – ohne auf die Frage einer möglichen Anpassung nach unten (oder oben) einzugehen.

Neues aus Basel zum Verbriefungsregelwerk – Revisions to the Basel Securitisation Framework

Am 18. Dezember 2012 hat das Basel Committe on Banking Supervision ein Konsultationspapier zur Überarbeitung des Verbriefungsregelwerks (Revisions to the Basel Securitisation Framework – consultative document) veröffentlicht. Die Konsultationsphase lĂ€uft bis zum 15. MĂ€rz 2013.

Hintergrund

WĂ€hrend die Änderungen am Verbriefungsregelwerk nach dem Ausbruch der Finanzmarktkrise 2009 lediglich „Erste-Hilfe-Maßnahmen“ zur Behebung der grĂ¶ĂŸten identifizierten SchwĂ€chen darstellten, wird mit dem Änderungsvorschlag eine grundlegende Überarbeitung des Verbriefungsregelwerks vorgenommen. Im Laufe der Krise erfolgten in 2009  einerseits Nachjustierungen bei den Risikogewichten, insbesondere fĂŒr Verbriefungspositionen des Handelsbuchs und Wiederverbriefungspositionen, sowie andererseits eine Reihe von operationellen Anforderungen (due-diligence Anforderungen) und ein Selbstbehalt fĂŒr Initiatoren von Verbriefungstransaktionen eingefĂŒhrt. Das eigentliche Defizit, nĂ€mlich das blinde Vertrauen auf externe Ratings, wurde mit den damaligen Änderungen nicht behoben. Dies soll nun mit der vorliegenden Konsultation nachgeholt werden.

Wesentliche Inhalte

Im Folgenden sollen die wesentlichen ÄnderungsvorschlĂ€ge kurz vorgestellt werden.

Die Konsultation beinhaltet u.a.:

  • eine neue Rangfolge in der die zur VerfĂŒgung stehenden verschiedenen BerechnungsansĂ€tze anzuwenden sind,
  • Änderungen bei den bestehenden BerechnungsansĂ€tze fĂŒr die Ermittlung der Eigenkapitalunterlegung von Verbriefungspositionen und
  • die EinfĂŒhrung neuer BerechnungsansĂ€tze, insbesondere auch als RĂŒckfallposition zur 1.250% Gewichtung.

Sowohl fĂŒr die Änderung der bestehenden BerechnungsansĂ€tze als auch fĂŒr die neue Rangfolge bei der Anwendung der AnsĂ€tze werden Alternativen vorgeschlagen.

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass

  • die Berechnung der Eigenkapitalanforderungen fĂŒr Verbriefungspositionen zukĂŒnftig komplexer wird,
  • die ĂŒberarbeiteten AnsĂ€tze ĂŒberwiegend als neues Kriterium die Laufzeit des zugrundeliegenden Forderungspools und ggf. die Tranchendicke berĂŒcksichtigen und
  • die Kapitalanforderungen differenzierter ausfallen und dabei tendenziell fĂŒr höherrangige Tranchen steigen (Mindestrisikogewicht 20 %), wĂ€hrend sie im Gegenzug bei mezzaninen und unteren Tranchen weniger schnell zu einer 1.250% Gewichtung bzw. zum Kapitalabzug fĂŒhren.

Die differenzierteren Kapitalanforderungen sollen insbesondere bisherige Fehlanreize durch sogenannte regulatorische „Klippeneffekte“ reduzieren und regulatorische Arbitrage verhindern.

Vorschlag einer neuen Rangfolge fĂŒr die Anwendung der verschiedenen BerechnungsansĂ€tze

Die Berechnung der Eigenkapitalunterlegung von Verbriefungspositionen war bisher relativ  einfach. Sobald ein externes Rating vorlag, war dieses als Grundlage fĂŒr die Eigenkapitalunterlegung heranzuziehen (Rating Based Approach – RBA). War die Position nicht extern geratet, bestand fĂŒr KSA-Verbriefungspositionen die Möglichkeit der Durchschau, wenn die Zusammensetzung des zugrundeliegenden Pools bekannt war. FĂŒr ABCP Programme und qualifizierte LiquiditĂ€tsfazilitĂ€ten bestanden spezielle Regelungen. FĂŒr IRBA-Verbriefungspositionen konnte zusĂ€tzlich ein abgeleitetes Rating ermittelt oder der aufsichtliche Formelansatz (Supervisory Formula Approach – SFA) bzw. in bestimmten FĂ€llen das interne Einstufungsverfahren (Internal Assessment Approach – IAA) angewendet werden. Lagen die Voraussetzungen fĂŒr die Anwendung dieser alternativen BerechnungsansĂ€tze nicht vor, war die Position mit 1.250% zu gewichten oder vom Kapital abzuziehen.

Galt bisher der absolute Vorrang des RBA, werden nunmehr folgende Alternativen zur Konsultation gestellt:

  • Alternative A: Anwendungsvorrang fĂŒr einen ĂŒberarbeiteten SFA und subsidiĂ€r die Anwendung eines ĂŒberarbeiteten RBA bzw. vereinfachten SFA je nach AusĂŒbung eines nationalen Wahlrechts durch die jeweilige Jurisdiktion
  • Alternative B: nach Wahl des Instituts die Anwendung eines ĂŒberarbeiteten RBA bzw. ĂŒberarbeiteten SFA nur fĂŒr senior und high-quality Tranchen, wĂ€hrend auf alle anderen Tranchen ein neuer Concentration Ratio Approach anzuwenden ist.

Bei beiden Alternativen wird zusĂ€tzlich zur bisher geltenden RĂŒckfalllösung einer 1.250% Gewichtung bzw. Kapitalabzug ein neuer sogenannter Backstop Concentration Ratio Approach (im Folgenden BCRA) eingefĂŒhrt.

Anpassungen der bestehenden und EinfĂŒhrung neuer BerechnungsansĂ€tze fĂŒr die Ermittlung der Eigenkapitalunterlegung von Verbriefungspositionen

Änderungen des Rating Based Approach – RBA

Nach dem RBA gelten bisher unterschiedliche Mappingtabellen fĂŒr KSA- und IRBA-Verbriefungspositionen, die anhand des externen Ratings bestimmen, welches Risikogewicht fĂŒr eine Verbriefungsposition anzuwenden ist. Die IRBA-Mappingtabelle ist dabei differenzierter als die KSA-Mappingtabelle und stellt auf zusĂ€tzliche Kriterien wie Höchstrangigkeit der betreffenden Tranche und GranularitĂ€t des zugrundeliegenden Forderungspools ab.

Basel schlĂ€gt mit dem Konsultationspapier nunmehr vor, einheitliche Mappingtabellen fĂŒr KSA- und IRBA-Verbriefungspositionen einzufĂŒhren. FĂŒr langfristige Ratings soll sich die neue Mappingtabelle an der bisherigen IRBA-Mappingtabelle orientieren. ZusĂ€tzlich sollen neben dem Kriterium der Höchstrangigkeit aber nunmehr auch die Tranchendicke und die durchschnittliche Laufzeit des zugrundeliegenden Forderungspools fĂŒr die Festlegung der Höhe des Risikogewichts eine Rolle spielen. Das Kriterium der GranularitĂ€t wird hingegen gestrichen.

FĂŒr kurzfristige Ratings, also insbesondere im Bereich von ABCP-Programmen, soll eine einheitliche Mappingtabelle fĂŒr KSA- und IRBA-Verbriefungspositionen gelten, die sich an der bisherigen KSA-Mappingtabelle orientiert.

Änderung des Supervisory Formula Approach – SFA

Der bisher existierende SFA soll in zwei Varianten aufgeteilt werden, einen Modified Supervisory Formula Approach (MSFA) und einen Simplified Supervisory Formula Approach (SSFA). Beide neu vorgeschlagenen Varianten unterscheiden sich vom bisherigen SFA. Der MSFA soll, wie der bisherige SFA, nur fĂŒr IRBA-Institute gelten.

In der Berechnungsformel des MFSA wird nunmehr ebenfalls die Laufzeit der zugrundeliegenden Forderung berĂŒcksichtigt. Ferner werden bestimmte in der Berechnungsformel enthaltene aufsichtliche Parameter deutlich angepasst.

FĂŒr den SSFA werden Ă€hnliche Parameter, wie fĂŒr den MSFA benötigt. Allerdings entfĂ€llt das Kriterium der Laufzeit. Als Ausgleich dafĂŒr werden andere Parameter so angepasst, dass gewĂ€hrleistet ist, dass die Risikogewichte nach dem SSFA in jedem Fall höher ausfallen als nach dem MSFA. Der SSFA ist auch fĂŒr KSA-Institute anwendbar.

EinfĂŒhrung eines neuen Concentration Ratio Approach based on KIRB (CRKIRB)

FĂŒr die zweite Alternative der Rangfolge der in Betracht kommenden BerechnungsansĂ€tze soll ein sogenannter CRKIRB eingefĂŒhrt werden. Wie bereits oben dargestellt, wĂ€re dieser Ansatz lediglich auf solche Tranchen anzuwenden, bei denen es sich nicht um „senior, high quality“ Tranchen handelt. Weitere Voraussetzung ist, dass es sich um ein IRBA-Institut handelt und es in der Lage ist, die IRBA-Kapitalanforderungen fĂŒr das zugrundeliegende Portfolio (KIRB) zu berechnen.

EinfĂŒhrung eines neuen Backstop Concentration Ratio Approach (BCRA)

Schließlich soll unter beiden vorgeschlagenen Varianten der Rangfolge der BerechnungsansĂ€tze vor einer Risikogewichtung von 1.250% ein neuer Berechnungsansatz als RĂŒckfalllösung eingefĂŒhrt werden, der BCRA. Parameter der Berechnungsformel des BCRA sind die zugrundeliegenden Forderungen, die nach den GrundsĂ€tzen des KSA risikogewichtet werden, der Rang der Tranche sowie die Tranchendicke.

Wiederverbriefungen

FĂŒr Wiederverbriefungen soll allein der BCRA anwendbar sein, wobei in der Berechnungsformel besondere Parameter speziell fĂŒr Wiederverbriefungspositionen gesetzt werden, um in jedem Fall ein konservatives Risikogewicht zu erreichen.

Wie geht es weiter?

Neben der Konsultation soll im ersten Quartal 2013 eine Quantitative Impact Study (QIS) durchgefĂŒhrt werden. HierfĂŒr wird der Baseler Ausschuss noch eine „technical note“ mit Einzelheiten zur Berechnung der Kapitalanforderungen nach dem ĂŒberarbeiteten RBA veröffentlichen. Bereits jetzt lassen sich jedoch anhand der Vorgaben aus dem Konsultationspapier SchĂ€tzungen ĂŒber die Höhe der kĂŒnftigen Kapitalanforderungen durchfĂŒhren. Ebenso kann bereits jetzt begonnen werden, die VerfĂŒgbarkeit der benötigten Inputparameter fĂŒr die Berechnungen zu prĂŒfen. Eine generelle Aussage, ob die Kapitalunterlegung mittels der neuen Verfahren tendenziell ĂŒber oder unter den aktuellen Werten liegen wird, ist jedoch nicht möglich, sondern stark von dem betroffenen Portfolio abhĂ€ngig.

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