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EBA Leitlinien zur Definition des Schuldnerausfall – definition of default

Im letzten Jahr hat die European Banking Authority (EBA) mit der Überarbeitung des Internal Rating Based Approach (IRB-Ansatz) begonnen. In einem Diskussionspapier (EBA Discussion Paper on the Future of the IRB Approach, EBA/DP/2015/15) hat sie die möglichen Maßnahmen zur Überarbeitung des IRB-Ansatzes vorgestellt. Ein Aspekt betrifft die Definition des Schuldnerausfalls. NĂ€here AusfĂŒhrungen dazu enthĂ€lt der im September 2015 veröffentlichte Entwurf einer Leitlinie gemĂ€ĂŸ Art 178 (7) CRR fĂŒr Zwecke des Internal-Rating Based Approach (IRB-Ansatzes) und des Kreditrisikostandardansatzes (KSA) – EBA Guidelines on the application of the definition of default (EBA/CP/2015/15). Dieser Entwurf ergĂ€nzt den RTS zu Art 178 (6) CRR, in dem festgelegt wird, nach welchen Kriterien eine MaterialitĂ€tsschwelle fĂŒr die ÜberfĂ€lligkeit einer Forderung festzulegen ist (RTS on the materiality threshhold past due (EBA/CP/2014/32)).

Parallel dazu hat die EBA eine quantitative und qualitative Analyse (QIS) eingeleitet, um die Auswirkungen von RTS und Leitlinie auf die aufsichtsrechtlichen Kapitalanforderungen und die Kalibrierung der Risikoparameter zu erheben. Schwerpunkt der QIS ist unter anderem die Frage nach den Möglichkeiten der Institute, eine Datenhistorie aufgrund der angepassten Ausfalldefinition zu sammeln (EBA QIS on default definition instructions).

Hintergrund

Die Ausfalldefinition beeinflusst die Eigenmittelanforderungen nach der CRR sowohl im IRB-Ansatz als auch nach dem Standardansatz. Im Rahmen des IRB-Ansatzes ist die Ausfalldefinition der AnknĂŒpfungspunkt fĂŒr die SchĂ€tzung der Risikoparameter und die Berechnung der erwarteten Verluste. Im KSA ist die Ausfalldefinition ausschlaggebend fĂŒr die Zuordnung der Forderungen zur KSA-Forderungsklasse „Ausgefallene Positionen“ und die damit verbundene besondere Risikogewichtung.

In der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass die nationalen Aufsichtsbehörden die Ausfalldefinition unterschiedlich umgesetzt haben, was teilweise zu unterschiedlichen Ausfallzeitpunkten fĂŒhren kann. Vor allem grenzĂŒberschreitend tĂ€tige Bankengruppen können durch einheitliche Vorgaben entlastet werden, da sich der Aufwand fĂŒr die Einhaltung unterschiedlicher Vorschriften reduziert.

Die wesentlichen Kriterien des Ausfalls im Überblick

1. ÜberfĂ€lligkeit (past-due)

FĂŒr die Feststellung einer ÜberfĂ€lligkeit durch ZĂ€hlung von Verzugstagen legen die RTS (EBA/CP/2014/13 s.o.) nĂ€here Bestimmungen fest. ErgĂ€nzend dazu stellen die Leitlinien detaillierte Regelungen auf, wie bei besonderen Konstellationen zu verfahren ist. Dazu gehören die FĂ€lle, in denen der Schuldner das vertragliche Recht hat, den RĂŒckzahlungsplan zu Ă€ndern, auszusetzen oder zu verschieben. DarĂŒber hinaus werden technisch bedingte AusfĂ€lle, die nicht zu einem Schuldnerausfall fĂŒhren, auf wenige AnwendungsfĂ€lle begrenzt.

2. Hinweise darauf, dass eine Verbindlichkeit nicht beglichen wird (Indications for unlikeliness to pay)

Nach Art 178 (3) CRR sind bestimmte Elemente als Hinweis darauf anzusehen, dass eine Verbindlichkeit wahrscheinlich nicht beglichen wird. Dazu gehören unter anderem erhebliche Kreditanpassungen seitens des Instituts, krisenbedingte Restrukturierung der Verbindlichkeit oder ein Insolvenzantrag durch den Schuldner bzw. das Institut. Die Leitlinien stellen klar, wie die einzelnen Elemente anzuwenden sind. FĂŒr alle Elemente und Kriterien, die die Institute bei ihrer Beurteilung der Ausfallwahrscheinlichkeit berĂŒcksichtigen, gilt, dass die Prozesse und Methoden der Beurteilung eindeutig definiert und festgelegt sein mĂŒssen.

  • Spezifische Kreditrisikoanpassungen / Specific credit risk adjustments (SCRA)

Die Leitlinien stellen in ErgĂ€nzung der „Standards on the specification of the calculation of specific and general credit risk adjustments“ (Delegierte VO (EU) No 183/2014) klar, dass die dort genannten FĂ€lle der spezifischen Kreditrisikoanpassungen (z.B. fĂŒr in der Gewinn- und Verlustrechnung erfasste Verluste fĂŒr zum beizulegenden Zeitwert bewertete Instrumente, die gemĂ€ĂŸ dem geltenden Rechnungslegungsrahmen eine kreditrisikobedingte Wertminderung aufweisen und fĂŒr Verluste infolge aktueller oder vergangener Ereignisse, die sich auf eine signifikante einzelne Risikoposition oder auf Risikopositionen auswirken, die zwar fĂŒr sich genommen nicht signifikant sind, aber einzeln oder kollektiv bewertet werden) als erhebliche BonitĂ€tsverschlechterung anzusehen und damit als Hinweis auf einen wahrscheinlichen Ausfall zu behandeln sind.

Spezifische Kreditrisikoanpassungen fĂŒr Verluste, fĂŒr die historische Werte darauf hinweisen, dass der Verlust eingetreten ist, das Institut aber noch nicht erkennen kann, welche Risikoposition davon betroffen ist, werden nach den Leitlinien nicht als Hinweis auf eine Ausfallwahrscheinlichkeit gewertet, da sie (noch) keinem einzelnen Kreditnehmer zugewiesen werden können.

Weiterhin sehen die Leitlinien vor, dass Kredite, die zukĂŒnftig nach IFRS 9 dem „stage 3“ zugeordnet werden, immer als ausgefallen zu behandeln sind.

  • VerĂ€ußerung von Verbindlichkeiten/ Sale of credit obligations

Soweit die VerĂ€ußerung nicht im Zusammenhang mit der Verschlechterung der BonitĂ€t der Verbindlichkeit steht, sondern z.B. aufgrund eines erhöhten LiquiditĂ€tsbedarfs des Instituts oder aus strategischen GrĂŒnden erfolgt, sollen Verluste aus diesen VerĂ€ußerungsgeschĂ€ften nicht als Hinweis auf einen Ausfall gewertet werden. Umgekehrt sollen Institute bei VerĂ€ußerungen, die unmittelbar im Zusammenhang mit einer BonitĂ€tsverschlechterung stehen, die Wesentlichkeit des Verlustes analysieren und bei Überschreiten einer MaterialitĂ€tsschwelle (5%) als Ausfallhinweis einordnen.

  • Krisenbedingte Restrukturierung / Distressed restructuring

Die krisenbedinge Restrukturierung sollte auch die FĂ€lle von Stundungsmaßnahmen/forbearance einschließen, die nach den ITS an die Aufsicht zu melden sind(DVO (EU) 2015/227 und DVO (EU) 680/2014). Soweit gestundete Forderungen voraussichtlich zu verminderten finanziellen Verpflichtungen fĂŒhren, sollten sie als ausgefallen eingestuft werden. Dazu wird ein Barwertvergleich der potentiellen Zahlungsströme durchzufĂŒhren sein. Der Schwellenwert fĂŒr die verminderte finanzielle Verpflichtung soll nicht grĂ¶ĂŸer als 1 % sein.

  • Insolvenz (bankruptcy) und zusĂ€tzliche Hinweise fĂŒr Ausfallwahrscheinlichkeiten

Die Leitlinien enthalten Anhaltspunkte dafĂŒr, was unter einer der Insovenz vergleichbaren Maßnahme zu verstehen ist. Institute können zudem weitere Indikatoren als Hinweis fĂŒr eine Ausfallwahrscheinlichkeit heranziehen, die unter anderem den spezifischen Charakter der Risikopositionen berĂŒcksichtigen (z.B. Verbindungen innerhalb einer Gruppe von verbundenen Kreditnehmern).

 3. Verwendung externer Daten bei der VerlustdatenschÀtzung (Application of the definition of default in the external data)

Greifen die Institute fĂŒr die Beurteilung des Schuldnerausfalls auf externe Daten zurĂŒck, muss geprĂŒft werden, ob die in den externen Datenquellen verwendete Ausfalldefinition einerseits mit der Definition des Art. 178 CRR und andererseits mit den institutseigenen Definitionen und Kriterien ĂŒbereinstimmt. Bei Abweichungen sind entsprechende Anpassungen in den externen Daten vorzunehmen oder es ist nachzuweisen, dass die Auswirkungen dieser Abweichungen auf alle Risikoparameter und Eigenkapitalanforderungen so geringfĂŒgig sind, dass auf Anpassungen verzichtet werden kann. Sind die Abweichungen nicht unerheblich können, aber durch Anpassungen der externen Daten nicht ausgerĂ€umt werden können, mĂŒssen die Institute eine Sicherheitsspanne bei der SchĂ€tzung der Risikoparameter einkalkulieren, die diese Abweichungen mit berĂŒcksichtigt.

4. Kriterien fĂŒr eine ZurĂŒcksetzung des Ausfallstatus (Return to non-defaulted status)

Bevor eine Risikoposition wieder aus dem Ausfallstatus herausgenommen werden kann, mĂŒssen bestimmte Mindestanforderungen erfĂŒllt sein:

  • Mindestbeobachtungsphase von 3 Monaten, wĂ€hrend der kein Ausfallereignis eintreten darf.
  • Analyse von Verhalten und finanzieller Situation des Schuldners wĂ€hrend dieser Phase.
  • Abschließende EinschĂ€tzung der Mindestbeobachtungsphase, ob eine Verbesserung der KreditqualitĂ€t tatsĂ€chlich eingetreten ist und diese dauerhaft ist, so dass eine ZurĂŒcksetzung des Ausfallstatus gerechtfertigt ist.

Bei krisenbedingten Restrukturierungen gilt eine Beobachtungsphase von mindestens 1 Jahr

5. Konsistente Ausfalldefinition (Consistency in the application of the definition of default)

Die Ausfalldefinition muss einheitlich innerhalb der eigenen Organisationstruktur angewendet werden. Dazu gehört insbesondere, dass der Ausfall eines Schuldners im Hinblick auf alle seine Positionen in allen relevanten IT-Systemen des Instituts, innerhalb der Gruppe und an verschiedenen geografischen Standorten einheitlich identifiziert wird. Stehen rechtliche Hindernisse einer einheitlichen Definition innerhalb der Gruppe entgegen (z.B. Verbraucherschutz oder Bankgeheimnis), mĂŒssen die Institute ihre jeweiligen Aufsichtsbehörden darĂŒber informieren und die Erheblichkeit dieser Inkonsistenzen sowie ihre Auswirkungen auf die Risikoparameter schĂ€tzen. Ist eine einheitliche gruppenweite Identifizierung sehr aufwĂ€ndig , weil z.B. eine zentrale Datenbank oder andere Mechanismen entwickelt werden mĂŒssen, dĂŒrfen die Institute nur dann darauf verzichten, wenn sie darlegen können, dass die Auswirkungen abweichender Definitionen nur geringfĂŒgig sind.

6. Anwendung der Ausfalldefinition im MengengeschÀft (Application of the definition of default for retail exposures)

Bei Risikopositionen aus dem MengengeschĂ€ft dĂŒrfen Institute die Ausfalldefinition auf einzelne KreditfazilitĂ€ten und nicht auf die gesamten Verbindlichkeiten des Kreditnehmers anwenden (Art 178 Abs. 1 CRR). Zur Klarstellung sehen die Leitlinien vor, dass Institute mit IRB-Ansatz die KreditfazilitĂ€ten entsprechend der Risikopositionsklasse „MengengeschĂ€ft“ in Übereinstimmung mit Art 147 (5) CRR bestimmen. Das Gleiche gilt auch fĂŒr angekaufte Unternehmensforderungen, fĂŒr die nach Art 153 Abs. 6 CRR die Regelungen aus dem MengengeschĂ€ft angewendet werden dĂŒrfen.

Ob die Institute die Ausfalldefinition auf die gesamten Verbindlichkeiten des Kreditnehmers oder nur auf einzelne KreditfazilitĂ€ten anwenden, mĂŒssen sie in Übereinstimmung mit ihrem internen Risikomanagement entscheiden. Allerdings sollen nach den Leitlinien vergleichbare Retailpositionen bzw. gleichartige Kundenkreise auch einheitlich behandelt werden.

Bei Anwendung der Ausfalldefinition auf der Ebene der einzelnen KreditfazilitĂ€ten, gibt es keine automatische „Ansteckung“ zwischen den Forderungen gegenĂŒber diesem Kreditnehmer. Soweit aber ein bedeutender Anteil der Gesamtforderungen ausfĂ€llt, können Institute erwĂ€gen, dies als Hinweis auf einen Ausfall oder eine erhöhte Ausfallwahrscheinlichkeit eine Ausfallwahrscheinlichkeit definieren. In diesem Zusammenhang greifen die Leitlinien den Gedanken des sog. „pulling-effect“ auf, der bereits mit den ITS on forbearance and non-performing exposures eingefĂŒhrt wurde. Überschreiten die ausgefallenen Positionen gegenĂŒber einem Kreditnehmer eine bestimmte Schwelle, sollen gegenĂŒber diesem Kreditnehmer alle (weiteren) Positionen als ausgefallen eingestuft werden. Die Leitlinien schlagen hierfĂŒr in Übereinstimmung mit dem ITS on forbearance eine Schwelle von 20% der ausstehenden Forderungen vor. Um die Ansteckungseffekte bei gemeinsamen Kreditverpflichtungen von mehreren Schuldnern zu regeln wird ebenfalls die EinfĂŒhrung einer (noch nĂ€her zu bestimmenden) MaterialitĂ€tsschwelle vorgeschlagen.

7. Dokumentation

Um sicherzustellen, dass die Ausfalldefinition richtig festgelegt und einheitlich angewendet wird, erwarten Aufseher von den Instituten eine detaillierte Dokumentation, die auch die Handhabung und Anwendung der Hinweise auf eine Ausfallwahrscheinlichkeit beinhaltet. Insbesondere sollen die Prozesse, Informationsquellen und Verantwortlichkeiten fĂŒr die Identifizierung der einzelnen Ausfallhinweise beschrieben werden. DarĂŒber hinaus sollen die Institute ein Verzeichnis aller aktuellen und vorherigen Versionen der Ausfalldefinitionen fĂŒhren.

8. Internal Governance

FĂŒr Institute, die den IRB Ansatz nutzen, mĂŒssen die Ausfalldefinitionen durch das Leitungsorgan bzw. einem benannten Ausschuss und die GeschĂ€ftsleitung (vgl. Art 189 CRR) genehmigt werden. Die Interne Revision prĂŒft regelmĂ€ĂŸig die Funktionsweise und EffektivitĂ€t der vom Institut verwendeten Prozesse zur Identifizierung des Schuldnerausfalls in Übereinstimmung mit Art 191 CRR.

Auswirkungen

Die in den Leitlinien vorgeschlagenen Änderungen betreffen sowohl Institute, die den KSA-Ansatz verwenden als auch Institute mit IRB-Ansatz. GrundsĂ€tzlich ist festzuhalten, dass zumindest die IRB Institute in Deutschland mit aufsichtlich genehmigten Ratingverfahren die Anforderungen der Leitlinien eigentlich bereits weitgehend in den vorhandenen Prozessen integriert haben sollten. FĂŒr die KSA Institute könnte der Implementierungs- und Dokumentationsaufwand umfangreicher sein, um sicherzustellen, dass AusfĂ€lle konsistent und rechtzeitig erkannt werden können.

 

 

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