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Die neuen Regelungen des Fundamental Review of the Trading Book (FRTB) umfassen alle Elemente des Marktrisikorahmenwerks: die Abgrenzung zwischen Anlagebuch und Handelsbuch, einen neuen Standardansatz zur Messung der Marktrisiken sowie umfassende Änderungen am Interne-Modelle-Ansatz.

Zusätzlich enthält die CRR II die Vorgabe, dass Institute, die in großem Umfang Marktrisiken ausgesetzt sind, bereits ab 2020 Informationen nach dem neuen Standardansatz melden sollen. Aufgrund der Komplexität der notwendigen Berechnungen sowie der Nutzung institutsintern ermittelter Sensitivitäten stellt diese kurzfristige Umsetzungsanforderung eine Herausforderung für zahlreiche Banken dar.

Konsultationspapier der Europäischen Kommission – Ansätze zur Ermittlung der Eigenmittelunterlegung des Marktpreisrisikos und Berechnung des Kontrahentenrisikos

Am 26. Mai 2016 hat die Europäische Kommission ein Konsultationspapier zum Thema Verhältnismäßigkeit der zukünftigen Eigenmittelunterlegung des Markpreisrisikos sowie zur Überprüfung der Exposure Berechnung bei Kontrahentenrisiken (Consultation Document: Proportionality in the future market risk capital requirements and the review of the original exposure method) veröffentlicht.

Hintergrund

Die Europäische Kommission hat ein Konsultationspapier zur Berücksichtigung der Vorschläge des Baseler Ausschusses zur Überarbeitung des Marktrisikorahmenwerks („Fundamental Review of the Trading Book“ – FRTB) und der Methoden zur Messung des Kontrahentenausfallrisikos in einer künftigen Novellierung der CRR veröffentlicht. Insbesondere in Bezug auf den FRTB hinterfragt die Kommission, ob der vorgeschlagene neue Standardansatz auch für Institute die nur in geringem Umfang Handelsgeschäfte betreiben, angemessen ist. In Bezug auf das Kontrahentenrisiko soll geklärt werden, ob der neue Standardansatz für Kontrahentenrisiken („Standardized Approach for Counterparty Credit Risk“ – SA-CCR) durch alle Institute anzuwenden sein wird, oder ob weiterhin die bestehenden Verfahren (insbesondere Marktbewertungsmethode, Ursprungsrisikomethode) unter bestimmten Bedingungen angewendet werden dürfen.

Trotz Abwägung der Vor- und Nachteile der verschiedenen Ansätze kann die Kommission noch keine klare Empfehlung geben, welcher Ansatz verwendet werden soll bzw. ob grundsätzlich mehrere Ansätze zur Auswahl stehen sollten und die Entscheidung den Banken überlassen bleibt.

Wesentliche Inhalte

1. Verhältnismäßigkeit bei der Berechnung des Marktpreisrisikos

Zurzeit besteht für Banken, die keine wesentlichen Handelsaktivitäten vorweisen, die Möglichkeit, im Rahmen der Berechnung der Eigenmittelunterlegung im Marktrisiko gemäß Artikel 94 CRR die Verfahren zur Messung des Kreditrisikos zu nutzen. Diese Ausnahmeregelung gilt nur für Handelsbuchpositionen, jedoch nicht für Währungsrisiken und Rohstoffrisiken.

Voraussetzung für die Nutzung dieser Ausnahmeregelung ist die Einhaltung zweier Schwellenwerte, zum einen die absolute Größe der Handelsaktivitäten (im Regelfall < 15 Mio. Euro, immer < 20 Mio. Euro) und zum anderen die relative Größe der Handelsaktivitäten (im Regelfall < 5% der Bilanzsumme, immer < 6% der Bilanzsumme). Dazu untersucht die Kommission momentan sowohl die Höhe des Schwellenwertes, die genutzten Begriffsdefinitionen sowie die Anwendung der Kreditrisiko-Regeln für Handelsaktivitäten, um sicherzustellen dass diese auch unter den FRTB-Regelungen noch angemessen sind.

Verglichen mit den zurzeit genutzten Standardansätzen im Marktrisiko nach CRR bringt der FRTB Standardansatz wesentliche Veränderungen mit sich. Die erhöhte Risikosensitivität des FRTB Standardansatzes bedingt eine Erhöhung der Komplexität des Verfahrens – vgl. Blogbeitrag vom 22. Januar 2016: „Finalisierung des Baseler Regelwerks zum Fundamental Review of the Trading Book – Minimum Capital Requirements for Market Risk. Mögliche Alternativen zu diesem neuen Standardansatz, insbesondere für kleinere Institute, wären eine vereinfachte Version des neuen Standardansatzes bzw. die weitere Nutzung des aktuellen Standardansatzes innerhalb des Marktpreisrisikos.

2. Überprüfung der Ursprungsrisikomethode

Die Ursprungsrisikomethode (vormals: Laufzeitmethode), die als vereinfachtes Verfahren zur Berechnung des Kreditäquivalenzbetrags für Derivate dient und ähnliche Charakteristika wie die Marktbewertungsmethode aufweist, kann nur von Banken verwendet werden, die die obengenannten Anforderungen an geringe Handelsbuchaktivitäten erfüllen. Jedoch ist dieses Verfahren lediglich bei Zins- sowie Währungsderivaten anwendbar, sodass in der Praxis nur sehr wenige Banken davon Gebrauch machen. Folglich muss bei sämtlichen anderen Derivaten die Marktbewertungsmethode oder ein fortgeschrittener Ansatz genutzt werden. Da es sich hierbei um einen einfachen Berechnungsansatz handelt, sind die ermittelten Kreditäquivalenzbeträge wenig risikosensitiv. Vor diesem Hintergrund überprüft die EU Kommission, ob an der Ursprungsrisikomethode festgehalten wird, oder ob sie zu Gunsten anderer Ansätze (Marktbewertungsmethode, SA-CCR) abgeschafft werden soll.

3. Ersetzung der Marktbewertungsmethode und der Standardmethode durch den SA-CCR

Die Kommission erwartet weiterhin Feedback von den Banken, um eine finale Entscheidung treffen zu können, ob der SA-CCR eingeführt werden soll bzw. wenn ja, ob die Marktbewertungsmethode bzw. die Standardmethode weiterhin bestehen bleiben können oder abgeschafft werden sollen.

Fazit

Banken sollten die Konsultation nutzen, um sich genauer mit den verschiedenen, oben aufgeführten Ansätzen auseinanderzusetzten. Hierdurch können qualitative sowie quantitative Erkenntnisse über die Anwendung der verschiedenen Methoden an die Kommission übermittelt werden.

Finalisierung des Baseler Regelwerks zum Fundamental Review of the Trading Book – Minimum Capital Requirements for Market Risk

Der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht (BCBS) hat am 14. Januar 2016 den finalen Standard zur Ermittlung der Eigenkapitalanforderungen für Marktpreisrisiken (Minimum capital requirements for market risk, BCBS 352) veröffentlicht. Damit findet die im Mai 2012 gestartete und sich über mehrere Konsultationspapiere erstreckende Diskussion über eine grundlegende Überarbeitung der Handelsbuchvorschriften („Fundamental review of the trading book“) ihren Abschluss. Das Rahmenwerk sieht eine Umsetzung auf nationaler Ebene bis Januar 2019 vor. Die Institute haben bis Ende 2019 Zeit die neuen Anforderungen umzusetzen.
Die grundsätzliche Zielsetzung des Baseler Ausschusses ist dabei seit dem ersten Konsultationspapier unverändert (dazu unser Regulatory Blog Beitrag: „Konsultation zum Handelsbuch – Baseler Ausschuss zu Marktpreisrisiken, Handelsbuchabgrenzung und Standardmethoden“ vom 15. Mai 2012)
Das finale Regelwerk enthält wesentliche Änderungen zu drei Regelungsbereichen: Handelsbuchabgrenzung, Marktpreisrisikostandardansatz und Interne Modelle für Marktpreisrisiken.

Abgrenzung des Handelsbuches

Die Definition des Handelsbuches ist insbesondere für die Ermittlung der Kapitalanforderung für Marktpreisrisiken von Bedeutung, da diese Risiken im Anlagebuch (mit Ausnahme von Fremdwährungs- und Rohwarenrisiken) nicht mit Eigenkapital unterlegt werden. Bislang basiert die Abgrenzung der Bücher auf der nicht ausreichend konkretisierten Definition einer Handelsabsicht. Alle Positionen, die nicht mit einer Handelsabsicht gehalten werden, sind grundsätzlich dem Bankbuch zuzuordnen. Der Baseler Ausschuss hat dieses Vorgehen im finalen Regelwerk wie folgt geändert:

  • Vorgaben für eine zwingende Zuordnung zum Handels- bzw. Bankbuch für explizit genannte Geschäftsarten bzw. wenn ein bestimmter Haltegrund gegeben ist. So sind z.B. alle Handelstischpositionen zwingend dem Handelsbuch zuzuordnen. Anteile an einem Fonds mit fehlender Durchschaumöglichkeit, nicht-börsennotierte Eigenkapitaltitel oder Derivate auf Bankbuchpositionen sind hingegen zwingend dem Bankbuch zuzuordnen.
  • Definition bestimmter Geschäfte, die der Baseler Ausschuss in begründeten und vorab genehmigten Ausnahmefällen nicht unter dem Handelsbuch sieht. Darunter fallen z.B. Anteile an Fonds mit täglicher Durchschau, Handelspositionen gemäß Rechnungslegung und börsennotierte EK-Titel. Die Aufsicht behält sich das Recht vor, jederzeit eine Umwidmung von einzelnen Positionen veranlassen zu können.
  • Begrenzung der institutseigenen Entscheidung zu Umwidmung von Positionen zwischen den Büchern. Eine Umwidmung soll grundsätzlich nur noch in Ausnahmefällen zugelassen werden.
  • Definition von Anforderungen, die an einen Handelstisch gestellt werden. So ist ein Handelstisch durch eine Gruppe von Händlern und Konten mit einer klar definierten Geschäftsstrategie und definiertem Risikomanagement gekennzeichnet. Jeder Handelstisch ist dabei vom Aufseher vorab zu genehmigen.
  • Spezifische Anforderungen an den internen Risikotransfer zwischen Anlage- und Handelsbuch.

Insgesamt wird deutlich, dass der neue Standard einen intensiveren Einbezug des Aufsehers vorsieht. Darüber hinaus erhöhen sich die Anforderungen an die Datenbereitstellung sowie die Dokumentation. Somit sind z.B. die Einstufung der Positionen und das Vorgehen bei einer Umwidmung in internen Richtlinien festzuhalten und jährlich zu aktualisieren und der Aufsicht bzw. teilweise zunächst der internen Revision zur Genehmigung vorzulegen.
Die neuen Vorgaben für die Handelsbuchabgrenzung sind auch für sogenannte Nichthandelsbuchinstitute von großer Bedeutung. Diese Institute sollten sich bereits jetzt intensiv mit den Vorgaben beschäftigen. Das betrifft sowohl die potentiellen Auswirkungen auf die derzeitige Einordnung der vorhandenen Geschäfte zum Handels-bzw. Anlagebuch wie auch die Behandlung zukünftig anstehender Aktivitäten.

Marktpreisrisikostandardansatz

Im Vordergrund des überarbeiteten Marktpreisrisikostandardansatzes steht vor allem die erhöhte Berücksichtigung der Risikosensitivität. Die finalen Anforderungen zeigen, dass die Erfüllung dieses Ziels grundsätzlich mit einem Anstieg der Komplexität und damit auch der benötigten Datenqualität bei den Instituten einhergeht. Darüber hinaus verfolgt die Überarbeitung das Ziel, die durch die Finanzkrise aufgezeigten Schwächen zu beheben und eine internationale Vergleichbarkeit zwischen den Instituten herzustellen.
Das finale Rahmenwerk enthält – sowohl im Vergleich zu dem bisherigen Rahmenwerk wie auch zum dritten Konsultationspapier aus Dezember 2014 (Fundamental review of the trading book: outstanding issues – consultative document, BCBS 305) – deutlichen Veränderungen in der Struktur und Kalibrierung des Standardansatzes. In den meisten Fällen wird dies zu einem signifikanten Anstieg der Kapitalanforderung für Marktpreisrisiken führen. Die im Jahr 2015 durch den Baseler Ausschuss durchgeführte Auswirkungsstudie quantifizierte den Kapitalanstieg dabei bereits um 40%. Die wesentlichen Änderungen betreffen:

  • Änderung in der Zusammensetzung der Eigenmittelanforderung. In Zukunft ermittelt sich die Eigenmittelanforderung aus der Summe der bereits durch die Konsultation bekannten Risikoarten (Delta-, Vega-, Gamma- und Default Risiko) und einen pauschalen Add-on für alle durch den Standardansatz nicht erfassten Positionen (Residual Risk Add-on).
  • Änderungen bei der Berechnung des Curvature-Risikos und Beseitigung von mathematischen Fehlern.
  • Anwendung der neuen Berechnungslogik für Fremdwährungs- und Rohwarenpositionen auch im Bankbuch. Wie bisher unterscheidet das Regelwerk für die Ermittlung von Fremdwährungs- und Rohwarenrisiken nicht zwischen Bankbuch- und Handelsbuchpositionen. Insoweit kommt der überarbeitete Standardansatz für alle Positionen zur Anwendung.
  • Einführung einer Korrelationsszenario-Analyse um das Risiko von steigenden und fallenden Korrelationen in Stresszeiten zu adressieren. Bei dieser sind die Banken dazu angehalten insgesamt drei Korrelationsshifts zu betrachten (hohe Korrelation, mittlere Korrelation und niedrige Korrelation).
  • Überarbeitung der Methodik zur Berechnung der Korrelationen für das Delta- und Gamma- (Curvature)-Risiko. Gesonderte Korrelationsanforderungen bestehen, anders als in den vorherigen Konsultationen, für das Vega Risiko.
  • Anpassungen bei der Definition der Sensitivitäten, auf die der Standardansatz abstellt. Die von den Banken erwarteten Validierungsvorschriften dieser Sensitivitäten sind allerdings auch im finalen Rahmenwerk nicht vorhanden.

Interne Modelle

Die zwei wesentlichen Änderungen in Bezug auf die Nutzung interner Marktpreisrisikomodelle sind die Ablösung des VaR Verfahrens durch die Expected Shortfall Methodik sowie die Möglichkeit, Modelle zukünftig auch auf einzelne Handelstische einzuschränken. Gleichwohl muss grundsätzlich eine Parallelrechnung des Standardansatzes erfolgen, da dieser u.a. als Rückfallgröße, Benchmark und Rekalibrierungsbasis dient.
Die durch das finale Papier entstehenden bzw. sich ändernden Offenlegungsvorschriften sind nicht Teil dieses Standards, sondern werden vom Baseler Ausschuss in einem separaten Papier zur Konsultation gestellt werden.

Mehr zu diesen Themen in Kürze hier im Regulatory Blog von PwC.

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