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Liquidit√§tsmeldewesen im Wandel ‚Äď Teil 1: die Delegierte Verordnung zur Liquidity Coverage Ratio

Als Folge der Finanzmarktkrise der Jahre 2007 ff. steht das Liquidit√§tsrisiko vermehrt im Fokus des bankaufsichtsrechtlichen Meldewesens. W√§hrend in vielen anderen Bereichen nach dem Inkrafttreten der CRR zum 1. Januar 2014 eine kurze Verschnaufpause eingetreten ist, stehen in Bezug auf das Liquidit√§tsmeldewesen auch in 2015 und 2016 zahlreiche Neuerungen an. Im Fokus dieses Beitrags steht die Delegierte Verordnung (EU) 2015/61 zu den Liquidit√§tsdeckungsanforderungen (‚ÄěLiquidity Coverage Ratio‚Äú ‚Äď LCR), die im Oktober 2014 durch die EU erlassen wurde (D-VO 2015/61). Sie konkretisiert die bestehenden Vorgaben f√ľr die LCR auf europ√§ischer Ebene. Die Anforderungen sind zum 1. Oktober 2015 umzusetzen.

Hintergrund

Die CRR enth√§lt bereits Regelungen zur Meldung der Bestandteile der LCR. Aufgrund der fehlenden Erfahrung mit einer verbindlichen Liquidit√§tsvorgabe auf EU-Ebene wurde jedoch keine verbindliche Mindestquote eingef√ľhrt. Stattdessen wurde √ľber Art. 460 CRR festgehalten, dass erst nach einer Analyse der Auswirkungen der LCR auf den Bankensektor und die Realwirtschaft detailliertere Vorgaben zur LCR erarbeitet und in Form einer Delegierten Verordnung Seitens der EU Kommission erlassen werden sollten (vgl. auch Erw√§gungsgrund 101 der CRR).

Urspr√ľnglich waren hierf√ľr ein Erlass der Delegierten Verordnung bis Juni 2014 und ein Inkrafttreten 6 Monate sp√§ter vorgesehen. Vor dem Hintergrund der erforderlichen Analysen und Abw√§gungen der Interessenlagen hat sich dieser Zeitplan der EU Kommission jedoch um ein halbes Jahr verschoben.

Wesentliche √Ąnderungen durch die Delegierte Verordnung

Aufbau und Zusammensetzung des Liquiditätspuffers

Die Delegierte Verordnung enth√§lt wesentlich konkretere Vorgaben zu den Verm√∂genswerten, die als hochliquide Aktiva (‚ÄěHigh Quality Liquid Assets‚Äú ‚Äď HQLA) im Z√§hler der LCR anrechenbar sind. Sie werden je nach Kreditqualit√§t und Liquidit√§t in Level 1, Level 2A und Level 2B unterteilt. Ebenso konkretisiert die Delegierte Verordnung die Bewertungsabschl√§ge, die auf die Aktiva der verschiedenen Stufen vorzunehmen sind und zwischen 0% und 55% liegen. Schlie√ülich sieht die D-VO 2015/61 auch Kappungsgrenzen f√ľr die Aktiva der einzelnen Stufen vor, durch die sichergestellt wird, dass der Liquidit√§tspuffer immer √ľberwiegend aus Level 1 HQLA besteht und nur zu maximal 15% aus Level 2B Aktiva.

  • ¬†Allgemeine Anforderungen

Auch bei den allgemeinen Anforderungen an liquide Aktiva wurden √Ąnderungen vorgenommen, die sich jedoch oft auf Details bzw. Klarstellungen beschr√§nken. Im direkten Vergleich mit den korrespondierenden Regelungen der CRR f√§llt insbesondere auf, dass die Anforderung an die Zentralbankf√§higkeit ersatzlos gestrichen wurde ‚Äď ein Kriterium das gerade in der Praxis von vielen Instituten aufgegriffen worden war, da es vergleichsweise einfach zu operationalisieren ist.

  • ¬†Operative Vorgaben

Auch bei den operativen Vorgaben wurden zahlreiche Pr√§zisierungen der bestehenden Regelungen vorgenommen. So werden beispielsweise konkrete Kriterien genannt, anhand derer die ausreichende Diversifizierung des Liquidit√§tspuffers nachzuweisen ist. Ebenso werden verschiedene M√∂glichkeiten genannt, anhand derer die Kontrolle durch die Liquidit√§tsmanagementfunktion operationalisiert werden kann. Und auch f√ľr das in der Praxis oft vernachl√§ssigte Thema ‚ÄěTestverk√§ufe‚Äú wird im Gegensatz zur CRR eine explizite Strategie gefordert, so dass der Verweis auf die regelm√§√üige Durchf√ľhrung von Repo-Gesch√§ften √ľber HQLA alleine k√ľnftig nicht mehr ausreichen d√ľrfte. Level 1 Aktiva sind hiervon grunds√§tzlich ausgenommen.

In Bezug auf die Denominierung der HQLA in Fremdw√§hrungen enth√§lt die Delegierte Verordnung weiterhin die Anforderung der Konsistenz zu den Nettozahlungsmittelabfl√ľssen, verlangt also nicht die Einhaltung einer Mindestquote in jeder W√§hrung, in der Nettozahlungsmittelabfl√ľsse bestehen. Hier sind die Institute gefragt, den Begriff der Konsistenz f√ľr sich auszulegen. Der Bericht der European Banking Authority (EBA) √ľber die Definition der HQLA (Report on appropriate uniform definitons of extemely high quality liquid assets (extremely HQLA) and high quality assets (HQLA) and on operational requirements for liquid assests under Article 509(3) and (5) CRR) aus 2013 hat die √úberarbeitung der operativen Anforderungen ma√ügeblich mit gepr√§gt.

  • ¬†Anrechnungsm√∂glichkeiten

Bei den hochliquiden Aktiva f√ľhrt die Kommission – analog den Vorgaben des Baseler Ausschusses (Basel III: Mindestliquidit√§tsquote und Instrumente zur √úberwachung des Liquidit√§tsrisikos BCBS 238) – eine Dreiteilung in die Kategorien Level 1, 2A und 2B ein. Bei den einzelnen Bestandteilen der drei Stufen weicht sie jedoch zum Teil deutlich von den Vorgaben aus Basel ab. Dies betrifft insbesondere die Anrechnungsm√∂glichkeit gedeckter Schuldverschreibungen. Die Anrechnung ist zun√§chst abh√§ngig von verschiedene Kriterien (Bonit√§tsstufe, Qualit√§t und Transparenz des Deckungsstocks, Emissionsvolumen). Grunds√§tzlich k√∂nnen sich gedeckte Schuldverschreibungen jedoch f√ľr jede Aktivaklasse qualifizieren; auch f√ľr die Aktiva der Stufe 1.

Zudem sieht die Delegierte Verordnung bei den Level 2B Aktiva weitreichende Anrechnungsm√∂glichkeiten vor. √úber diese Stufe k√∂nnen sich beispielsweise bestimmte Verbriefungspositionen f√ľr den Puffer qualifizieren, sofern der Verbriefungspool aus Forderungen aus Hypothekendarlehen, dem Mengengesch√§ft, KMU oder Kfz-Finanzierungen besteht ‚Äď mit entsprechend h√∂heren Abschl√§gen zwischen 25-35%.

Die bewussten Abweichungen zu den Basler Vorgaben sollen sicherstellen, dass eine ausreichende Diversifizierung des Liquiditätspuffers erzielt werden kann und die Institute nicht gezwungen sind, in einzelne Assetklassen zu investieren um die LCR einhalten zu können.

Auswirkungen auf die Zahlungsmittelabfl√ľsse

Wie bei den qualitativen und operationellen Anforderungen an die HQLA kommt es in Bezug auf die Zahlungsmittelabfl√ľsse nicht zu gro√üen Verschiebungen, wohl aber zu einer Reihe von Detail√§nderungen durch die Delegierte Verordnung.

Abgrenzung von Privatkundeneinlagen

  • weniger stabile Privatkundeneinlagen

Nachdem bereits die EBA und die BaFin im Januar 2013 bzw. März 2013 Richtlinien zur Abgrenzung weniger stabiler Privatkundeneinlagen veröffentlicht haben, werden diese nun wiederum durch die EU-Kommission genauer spezifiziert. Da hiermit eine konkrete Vorgabe in Form einer EU-Verordnung vorliegt, entfällt die Notwendigkeit zur Umsetzung der EBA Guidelines (Guidelines on retail deposits subject to different outflows for purposes of liquidity reporting (EBA/GL/2013/01)) und des BaFin Merkblatts zu den Anforderungen an die Kategorisierung von Privatkundeneinlagen gemäß Artikel 421 (1) bis (3) CRR durch die Institute.

Die Risikofaktoren, aus denen ein erh√∂htes Abflussrisiko abgeleitet wird, bleiben unver√§ndert (H√∂he der Einlage, reines Internetkonto, besondere Zinskonditionen, f√§llige Termingeldeinlagen, Fremdw√§hrungseinlagen). Im Gegensatz zu den Vorgaben der EBA wird eine Einlage jedoch erst ab 500.000¬†‚ā¨, nicht bereits ab 100.000¬†‚ā¨ als risikoreich angesehen und das Zusammenspiel der verschiedenen Risikofaktoren wurde vereinfacht. Hingegen bleibt es bei der Vorgabe von Abflussraten f√ľr Einlagen mit erh√∂htem Abflussrisiko in H√∂he von 10 bis 15% und 15 bis 20% und damit bei einem Ermessensspielraum f√ľr die Institute, der im Rahmen der SREP Pr√ľfungen genauer beleuchtet werden d√ľrfte.

  • stabile Privatkundeneinlagen

Die Definition der stabilen Privatkundenlagen, f√ľr die eine erleichterte Abflussrate von 5% angesetzt werden kann, wird ann√§hernd unver√§ndert √ľbernommen.

Schlie√ülich sieht die Delegierte Verordnung, ebenfalls analog der Baseler Vorgaben, eine weitere Erleichterung f√ľr die Zeit ab 2019 vor: Die EU-Kommission kann, nach Antrag bei der zust√§ndigen Aufsichtsbeh√∂rde, eine Abflussrate f√ľr einlagengesicherte Einlagen unter 100.000¬†‚ā¨ von 3% statt 5% genehmigen.

Auswirkungen auf die Zahlungsmittelzufl√ľsse

  • Obergrenze f√ľr Zahlungsmittelzufl√ľsse

Mit der Einf√ľhrung einer Obergrenze f√ľr die Zahlungsmittelzufl√ľsse in H√∂he von 75% der Zahlungsmittelabfl√ľsse in der CRR wurden alle Institute gezwungen, auch bei einer vollst√§ndig fristenkongruenten Refinanzierungsstruktur einen Liquidit√§tspuffer von 25% der Zahlungsmittelabfl√ľsse zu halten.

  • Ausnahmeregelungen f√ľr die Limitierung von Zufl√ľssen

√úber die Delegierte Verordnung wird nun f√ľr einige Gesch√§ftsmodelle und Konstellationen eine Ausnahmeregelung er√∂ffnet. Intragruppenforderungen, die auch bei der Berechnung der Eigenmittelquote privilegiert werden, sowie bestimmte F√∂rderdarlehen k√∂nnen vollst√§ndig von der Kappung ausgenommen werden. Gleiches gilt f√ľr vertragliche Zufl√ľsse bei Leasing- und Factoring- Unternehmen; die Zustimmung der Aufsicht vorausgesetzt. Eine Obergrenze von 90% kann f√ľr Unternehmen mit Hauptaktivit√§ten in der Finanzierung von Autok√§ufen bzw. der Vergabe von Konsumentenkredite erfolgen.

 Die nächsten Schritte

Banken m√ľssen bis zum Inkrafttreten der Delegierten Verordnung am 1. Oktober 2015 ihre bestehende LCR-Umsetzung genau unter die Lupe nehmen. Insbesondere aus den zahlreichen Detail√§nderungen der Delegierten Verordnung resultiert regelm√§√üig Anpassungsbedarf mit Relevanz f√ľr die H√∂he der LCR-Quote.

Ebenso m√ľssen die Institute bereits ab dem 1. Oktober in der Lage sein, die LCR-Quote nach den Vorgaben der Delegierten Verordnung berechnen zu k√∂nnen. Die damit einhergehende Meldepflicht wird voraussichtlich jedoch erst in 2016 in Kraft treten, weil die aktualisierten Meldeb√∂gen nicht vorher im Amtsblatt der EU erscheinen bzw. die datentechnischen Voraussetzungen nicht geschaffen sein werden. Ein finaler Entwurf der EBA f√ľr die neuen Meldeb√∂gen liegt bereits vor. Die √ľberarbeiteten Formulare enthalten erstmals auch die anzuwendenden Abschlags-, Abfluss- und Zuflussfaktoren, die auf die jeweiligen Meldepositionen anzuwenden sind sowie den Ausweis der tats√§chlichen LCR-Quote. In den bisherigen Formularen war dem Anwender hingegen nicht ersichtlich, welche Quote die zust√§ndige Beh√∂rde aus den gemeldeten Positionen ermittelte.

Unangetastet bleibt durch die Delegierte Verordnung der Zeitplan. Ausgehend von 60% der LCR, die ab 1. Oktober 2015 einzuhalten sind, wird die Mindestquote bis 2018 auf 100% erh√∂ht; ggf. kann die EU Kommission auch erst in 2019 eine Quote von 100% verlangen. Bis zur Vollumsetzung in 2019 k√∂nnen die zust√§ndigen Aufseher jedoch eine h√∂here Quote festlegen. Zus√§tzlich wird den zust√§ndigen Aufsichtsbeh√∂rden √ľber den SREP die M√∂glichkeit einger√§umt, institutsindividuell eine h√∂here Quote als 100% vorzusehen, sofern Defizite in der Liquidit√§tsausstattung bestehen.

 

Ihr Ansprechpartner f√ľr Fragen zum Liquidit√§tsmeldewesen bei PwC FS Regulatory Management: Stefan R√∂th

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