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Die finale EBA Leitlinie zur Offenlegung der IFRS 9 Übergangsregelungen

Am 27. Dezember 2017 wurde die Anpassung der CRR hinsichtlich der Übergangsbestimmungen zur Abmilderung der Effekte aus der IFRS 9 Einführung auf die regulatorischen Eigenmittel im Amtsblatt der Europäischen Union veröffentlicht (vgl. dazu auch Regulatory Blog: „Fast Track“ – CRR Übergangsbestimmungen für die IFRS 9-Auswirkungen auf die regulatorischen Eigenmittel“ vom 17. Januar 2018). Die damit in Verbindung stehenden finalen Leitlinien für die neuen Offenlegungsanforderungen hat die Europäische Bankenaufsichtsbehörde (EBA) am 12. Januar 2018 (Guidelines on uniform disclosures under Article 473a of Regulation (EU) No 575/2013 as regards the transitional period for mitigating the impact of the introduction of IFRS 9 on own funds (EBA/GL/2018/01)) veröffentlicht.

Die Leitlinien legen ein einheitliches Format für die Offenlegung der Auswirkungen der Übergangsregelungen für IFRS 9 und der Expected Credit Loss Modelle fest (ECLs, die mit den Rechnungslegungsstandards, die gemäß Artikel 6 (2) der Verordnung (EU) Nr. 1606/2002 implementiert wurden, vergleichbar sind), um eine Konsistenz in der Offenlegung hinsichtlich Risiko Gewichtete Aktiva , Kapital und Verschuldung zu erreichen.

Die Offenlegungsanforderungen sind für alle Institute, die ihre Abschlüsse im Einklang mit den internationalen Rechnungslegungsstandards erstellen oder eine analoge ECL Bilanzierung anwenden und sich zur Anwendung der Übergangsregelungen für IFRS 9 und ähnliche ECL Modelle entschieden haben, verpflichtend. Institute die sich gegen die Anwendung der Übergangsregelungen für IFRS 9 und ähnliche ECL Modelle entschieden haben, sollen dies qualitativ erläutern, sowie potentielle Änderungen hinsichtlich dieser Entscheidung in den Folgejahren offenlegen.

Die Leitlinie zielt darauf ab, die Offenlegungsanforderungen mit Blick auf Transparenz und Vergleichbarkeit zu harmonisieren und zu spezifizieren. Dazu hat die EBA eine detaillierte quantitative Offenlegungstabelle (IFRS 9 –FL) veröffentlicht. Des Weiteren sollen die relevanten Bestandteile der Übergangsregelung und wesentliche Veränderungen qualitativ erläutert werden.

Die Offenlegungstabelle liefert einen Überblick über Eigenmittel, hartes Kernkapital, Kernkapital, RWA, harte Kernkapitalquote, Kernkapitalquote, Gesamtkapitalquote und Verschuldungsquote unter Anwendung der IFRS 9 sowie ähnliche ECL Modelle. Institute sollen in der Tabelle die Kennzahlen einmal unter Anwendung der Übergangsregelungen für IFRS 9 und ähnliche ECL Modelle und einmal unter der finalen Anwendung der IFRS 9 und ähnliche ECL Modelle offenlegen. Die Offenlegung vergangenheitsbezogener Kennzahlen ist nicht notwendig, wenn das Template zum ersten Mal veröffentlicht wird.

Die Häufigkeit der Offenlegung bestimmt sich nach der Absätzen 25, 26 und 27 der EBA Guideline 2014/14, die durch die EBA/GL/2016/11 insbesondere hinsichtlich der Offenlegungsanforderungen zu Eigenmitteln, RWA und LR geändert wurden. Die Leitlinien gelten ab dem 20. März 2018 bis zum Ende der Übergangsperiode. Die erste Anwendung der Leitlinien erfolgt daher bei einer vierteljährlichen Offenlegung bereits für den Offenlegungsbericht zum Stichtag 31. März 2018. Dies führt für die Banken mit einem vierteljährlichen Offenlegungsturnus nicht nur zu einem erhöhten Aufwand aufgrund der neuen Übergangsbestimmungen in der COREP Meldung, sondern auch zu einer zusätzlichen quantitativen sowie qualitativen Anforderung im Offenlegungsbericht.

Sie haben weitere Fragen zur Offenlegung der IFRS 9 Übergangsregelungen?

Gerne unterstützen wir Sie bei der weiteren Aufarbeitung der neuen Offenlegungsanforderungen und der Analyse der Auswirkungen für Ihr Institut. Sprechen Sie einfach unseren Experten an:

 

Peter Büttel

Telefon: +49 69 9585 2056

Mobil:    +49 160 97800859

peter.buettel@pwc.com

 

„Fast Track“ – CRR Übergangsbestimmungen für die IFRS 9-Auswirkungen auf die regulatorischen Eigenmittel

Am 27. Dezember 2017 wurde die Anpassung der CRR hinsichtlich der Übergangsbestimmungen zur Abmilderung der Effekte aus der IFRS 9 Einführung auf die regulatorischen Eigenmittel (Art. 473a CRR) im Amtsblatt der Europäischen Union veröffentlicht (EU-Verordnung 2017/2395). Die CRR-Anpassung trat am 28. Dezember 2017 in Kraft und kann ab dem 01. Januar 2018 als Wahlrecht angewendet werden.

Hintergrund

Mit der CRR-Übergangsbestimmung reagiert die EU auf einen möglichen, signifikanten CET1-Rückgang, der durch die Einführung der IFRS 9 Regelungen bei der Berechnung der Risikovorsorge für Finanzinstrumente für Geschäftsjahre, die ab dem 01. Januar 2018 beginnen, verursacht werden kann. Der IFRS 9 Standard setzt hierbei die Vorgaben der G20 Finanzminister für eine vorausschauende Bildung von Risikovorsorge durch die Einführung eines Expected Credit Loss (ECL) Modells um, das eine deutlich höhere Risikovorsorge im Vergleich zu IAS 39 im Erstanwendungszeitpunkt oder bei einer Verschlechterung der makroökonomischen Gesamtsituation zu einem späteren Zeitpunkt zur Folge haben kann (vgl. dazu Accounting FS Blog: „Das Expected Credit Risk Model nach IFRS 9“ vom 13. Januar 2015).

Die Übergangsvorschriften im Detail

Die EU sieht daher sowohl Übergangsregelungen zur Abmilderung des Erstanwendungseffektes (im Vergleich zur IAS 39 Risikovorsorge) als auch eines möglichen Folgeeffektes für nicht ausgefallene Positionen (im Vergleich zu dem Zeitpunkt der Erstanwendung) vor und verbindet somit einen statischen Ansatz für die Erstanwendungseffekte mit einem dynamischen Ansatz für Folgeeffekte. Der Übergangszeitraum beträgt fünf Jahre, beginnend ab dem 01. Januar 2018, wobei keine vollständige Neutralisierung der IFRS 9 Effekte in den regulatorischen Eigenmitteln während des Übergangszeitraums vorgesehen ist. Die Phase-In Faktoren betragen deswegen 95% in 2018, 85% in 2019, 70% in 2020, 50% in 2021 und 25% in 2022. Die letztendliche Umsetzung der Übergangsvorschriften innerhalb der EU folgt somit nur in Teilen den Empfehlungen der EBA, welche sich zum einen für einen ausschließlich statischen Ansatz, zum anderen für einen kürzeren Übergangszeitraum von vier Jahren ausgesprochen hatte (vgl. Accounting FS Blog: „EBA-Meinung zu den Übergangsvorschriften aufgrund von IFRS 9“ vom 08. März 2017).

Die Übergangsvorschriften sehen eine Berechnung eines Phase-In Betrages vor, welcher getrennt für KSA- und IRBA-Portfolien zu ermitteln ist. Verbriefungen sind von den Phase-In Regelungen ausgeschlossen. Die Übergangsregeln sind für IRB-Banken in den Fällen besonders wichtig, wenn aufgrund von IFRS 9 ein Überschuss der bilanziellen Risikovorsorge über die regulatorisch erwarteten Verluste (Wertberichtigungsüberschuss) entsteht oder sich der Wertberichtigungsüberschuss erhöht. Dieser Wertberichtigungsüberschuss wird GuV-wirksam zu Lasten des Eigenkapitals und damit des CET1 gebildet. Nach den CRR Vorgaben kann der Wertberichtigungsüberschuss aber nur als Tier 2 Kapital angerechnet werden. Durch Anwendung der Übergangsvorschriften wird dieser Effekt gedämpft. Für KSA-Portfolien bieten die Übergangsvorschriften grundsätzlich eine deutliche Erleichterung, da der negative CET 1 Effekt aus der Bildung der Risikovorsorge abgemildert wird. Die Inanspruchnahme der Übergangsregelung macht eine Korrektur nicht nur des CET1, sondern auch weiterer Positionen erforderlich. Das betrifft insbesondere die KSA-Bemessungsgrundlagen, das Tier 2-Kapital und Abzüge für aktive latente Steuern (DTA), die ebenfalls durch IFRS 9 beeinflusst werden können. Insoweit kann die Anwendung Übergangsregelungen eine gewisse prozessuale Komplexität mit sich bringen.

Offenlegung

Die Nutzung der Erleichterungen ist mit einer Offenlegung der Kapitalquoten und der Leverage Ratio mit und ohne Anwendung der Übergangsvorschriften verbunden. Dazu hat die EBA hat am 12. Januar 2018 die finale Guideline mit einem detaillierten Offenlegungstemplate veröffentlicht (Leitlinien zur einheitlichen Offenlegung gemäß Artikel 473a der VO(EU) Nr. 575/2013 in Bezug
auf Übergangsbestimmungen zur Verringerung der Auswirkungen der Einführung des IFRS 9 auf die Eigenmittel (EBA/GL/2018/01)).

Voraussetzung für die Anwendung der Übergangsvorschriften

Institute müssen die Aufsichtsbehörden bis zum 01. Februar 2018 darüber informieren, ob sie die Übergangsregeln anwenden oder nicht. Die anfänglich getroffene Entscheidung können die Institute – mit vorherigen Genehmigung der Aufsichtsbehörden – einmalig während des Übergangszeitraums revidieren und so z.B. bei einer anfänglichen Nicht-Anwendung auch zu einem späteren Zeitpunkt auf die Übergangsregeln zurückgreifen. Dies könnte insbesondere für Institute interessant sein, bei denen ein deutlicher Anstieg der Risikovorsorge aus einer möglichen Verschlechterung der ökonomischen Gesamtsituation resultiert. Die Anwendung der Übergangsregeln für den Erstanwendungseffekt (statisches Element) kann dabei unabhängig von der Entscheidung über die Anwendung der Übergangsregeln für den Folgeeffekt (dynamisches Element) getroffen werden. Dagegen können die Übergangsbestimmungen für den Folgeeffekt nur gemeinsam mit dem Erstanwendungseffekt angewendet werden.

Vorteile der Nutzung der Übergangsvorschriften

Die Übergangsbestimmungen können eine deutliche Entlastung von den negativen CET1-Effekten aufgrund von IFRS 9 bewirken. Dabei ist jedoch zu beachten, dass neben den Kapitalquoten unter Berücksichtigung der Übergangsvorschriften auch die „Fully-Loaded“ Kapitalquoten d.h. die Kapitalquoten ohne Nutzung der Erleichterungen an die Aufsicht zu melden und offenzulegen sind. Erfahrungsgemäß orientieren sich die Stakeholder nur an den Fully-Loaded Kapitalquoten der Institute. Die Übergangsvorschriften sind insofern vor allem dann interessant, wenn damit ein Verstoß gegen die Mindesteigenkapitalanforderungen (gem. SREP) auf Phase-in-Basis verhindert werden kann. Während die Vorteile einer Nutzung der Übergangsvorschriften im Erstanwendungszeitpunkt möglicherweise noch überschaubar sind, kann sich dies bei einer deutlichen Verschlechterung der ökonomischen Gesamtsituation wegen der stark prozyklischen Wirkung von IFRS 9 deutlich anders darstellen. Insofern ist abzuwägen, ob nicht eine Nutzung der Übergangsvorschriften von Anfang an sinnvoll ist. Auch bei anfänglicher Nichtnutzung der Übergangsvorschriften erscheint es ratsam, die erforderlichen Voraussetzungen zu schaffen, um den Effekt weiter beobachten und ggf. später von der Übergangsvorschrift Gebrauch machen zu können.

Hinweis

Darüber hinaus enthält die CRR Ergänzungsverordnung weitere Übergangsbestimmungen im Hinblick auf die Behandlung bestimmter Forderungen gegenüber öffentlichen Stellen im Large Exposure Regime (Art. 293 Abs. 4 – 7 CRR), worüber wir Sie in Kürze in einem unserem Regulatory Blog informieren werden.

 

EBA Stress Test 2018 – PwC Event with speakers from the EBA, European banking institutions and our PwC stress testing experts

In June, the European Banking Authority (EBA) published its 2018 EU-wide stress test draft methodology, the related templates and the list of banks covered.

49 EU banks have been nominated by the EBA to participate in the exercise but the ECB has already required additional SSM banks to participate as well.

The final methodology will be published as the exercise is launched, at the beginning of 2018, with the results to be published in mid-year 2018.

The methodology covers all relevant risk areas and, for the first time, will incorporate IFRS 9 accounting standards. This will present banks with additional challenges, from producing IFRS 9 compliant figures as of January 1st, 2018 to calculating stressed risk parameters (PD, LGD, lifetime EL) and stage migration.

The results will inform the 2018 Supervisory Review and Evaluation Process (SREP), challenging banks‘ capital plans and leading to relevant supervisory outcomes. The exercise will also provide enhanced transparency so that market participants can compare and assess the resilience of EU banks on a consistent basis.

To help guide you through this critical exercise, please join us to hear about:

  • The 2018 EU-wide stress test, the main changes from 2016 and the supervisory context
  • The main methodological changes impacting and affecting credit risk and the other areas.
  • Ways of handling the implementation of IFRS 9 in the stress testing methodology
  • How best to integrate the stress tests with the capital framework and other processes and best practice

To address your questions and provide insights, we have invited a prominent group of speakers from the EBA and European banking institutions. In addition, PwC stress testing experts will be in attendance and present throughout the event.

More information on our PwC EBA Stress Test 2018 event and registration at: www.pwc-events.com/eba-stress-test

We hope to see you in Frankfurt am Main.

Yours sincerely,

Martin Neisen 
Partner
Stefan Röth 
Senior Manager

Basel IV-Channel – Episode 22: Validation of IFRS 9 Impairment Framework

One of our Basel IV-Channel Special Editions was dedicated to the similiarities and differences between IFRS 9 and Basel IV regulatory requirements. Now, our latest Basel IV-Channel Special Edition covers the challenges regarding the validation of IFRS 9 models.

The Basel IV-Channel:

„Validation of IFRS 9 Impairment Framework“

focus on the validation of IFRS 9 models and the audit by supervisors, internal or external auditors.

Our PwC Experts presents the general areas of the validation of IFRS 9 Models, covering the major components of such models including the validation of the PD and LGD risk parameters. They guide you through the concept of staging and discuss how the PwC IFRS audit teams will face challenges due to upcoming IFRS 9 with the IFRS 9 Audit tool.

The Basel IV-Channel Episode is ready for you at the following link: PwC Basel IV Channel

You missed a Basel IV-Channel Episode ?

No problem – all of our Basel IV-Channel Episodes are available on Youtube.

You need more information on Basel IV ?

On our Basel IV Website you will find information and contact persons.

We look forward to welcoming you to our next Basel IV-Channel.

Best regards,

Martin Neisen

Global Basel IV Leader

 

EBA zu Übergangsvorschriften und Risikovorsorge bei der Einführung von IFRS 9

Die European Banking Authority (EBA) hat am 06. März 2017 ihre Position bezüglich Übergangsvorschriften zur Berücksichtigung der Risikovorsorge nach IFRS 9 in den ersten Jahren nach der Erstanwendung veröffentlicht (Opinion on transitional arrangements and credit risk adjustments due to the introduction of IFRS 9 (EBA/Op/2017/02)).

Hintergrund

Am 22. November 2016 hat die EU der Implementierung von IFRS 9 und damit der Ablösung von IAS 39 zur Bilanzierung und Bewertung von Finanzinstrumenten zugestimmt. Für die Bewertung von Krediten ist damit auch der Wechsel vom sogenannten „incurred loss“ model zum „expected credit loss“ model (ECL) verbunden. Allerdings besteht die Sorge, dass dieser Wechsel bei der erstmaligen Einführung von IFRS 9 ab Januar 2018 zu ungewollten negativen Auswirkungen auf die Eigenkapitalquoten und damit letztlich auf die Fähigkeit der Banken zur Kreditvergabe führen könnte (zu den Auswirkungen ausführlich Regulatory Blog Beitrag: „An der Schnittstelle zwischen IFRS 9 und Aufsichtsrecht“ vom 06. September 2016).

 Statischer vs. dynamischer Ansatz

Die EBA bevorzugt entgegen den Vorschlägen der EU einen statischen Ansatz bei der Einführung der IFRS 9 und den damit verbundenen Auswirkungen.

Risikovorsorge

Nach Ansicht der EBA sollten die Effekte auf die Risikovorsorge nach IFRS 9 nicht voll neutralisiert werden sollte, wie es aktuell der Entwurf der CRR II vorschlägt.

Übergangsregelung

Nach Ansicht der EBA sollte die Anwendung der Übergangsregelung verpflichtend (baseline regulatory requirement) sein, um eine einheitliche Handhabung zu gewährleisten.

Mehr Einzelheiten zum Thema können Sie in unserem Accounting FS Blog nachlesen.

EU Kommission veröffentlicht Entwürfe zu CRD V, CRR II und BRRD – Teil 1: Finalisierung von Basel III

Am Mittwoch, den 23. November 2016, hat die EU Kommission erste Entwürfe der überarbeiteten Fassungen der Capital Requirements Directive (CRD V), Capital Requirements Regulation (CRR II) und der Bank Recovery and Resolution Directive (BRRD) veröffentlicht. Die drei Dokumente bilden die Ausgangsbasis für die sich anschließenden Verhandlungen mit dem EU Parlament und dem Rat und erlauben einen ersten Ausblick auf die regulatorischen Herausforderungen für die Jahre nach 2017.

Inhaltlich lassen sich die vorgesehenen Änderungen der CRR einerseits nach Themen unterscheiden, die als Finalisierung von Basel III klassifiziert werden können. Dies umfasst z.B. die Einführung einer verbindlichen Mindestquote für die Leverage Ratio und die Net Stable Funding Ratio (NSFR) oder die Ergänzung der Regelungen für die Sanierung und Abwicklung von Instituten um die Vorgaben zur Total Loss Absorbing Capacity (TLAC) für global systemrelevante Banken. Darüber hinaus enthalten die Entwürfe andererseits Anpassungen, die inhaltlich dem Thema Basel IV zuzurechnen sind, beispielsweise die Einführung eines Standardverfahrens für Kontrahentenrisiken, die Neufassung der Regelungen für Marktpreisrisiken im Rahmen des Fundamental Review of the Trading Book („FRTB“) oder auch Regelungen für Investmentfonds. Im Vergleich zu bisherigen Umsetzung von Regelungen aus Basel ist zu erkennen, dass dem Thema der Proportionalität deutlich mehr Bedeutung beigemessen wird, um insbesondere den zahlreichen kleineren Instituten in der EU entgegen zu kommen.

Eine Einführung der Regelungen ist nicht vor dem Jahr 2019 zu erwarten. Gleichzeitig enthalten die Vorschläge bereits heute teilweise erhebliche Übergangsregelungen, sodass die vollumfängliche Umsetzung bis weit über das Jahr 2020 hinausgehen wird.

Hinsichtlich der Umsetzung ist zu berücksichtigen, dass wesentliche Sachverhalte von Basel IV wie die Neufassung des Kreditrisiko-Standardansatzes, Änderungen im Bereich der IRB-Ansätze und insbesondere die Festlegung eines „Floors“ für die Effekte aus der Anwendung des IRB auf Baseler Ebene bisher noch nicht final verabschiedet sind. Diese Themen sollen nach einer Finalisierung auf Baseler Ebene über einen weiteren Änderungsentwurf der CRR umgesetzt werden, der zeitlich voraussichtlich noch etwas weiter in der Zukunft liegen wird.

Dieser Blog-Beitrag befasst sich mit der Finalisierung der Basel III–Regelungen, die in dem Entwurf der CRR enthalten sind. Weitere Teile, die in den kommenden Tagen veröffentlicht werden, richten den Fokus auf die Themen Sanierung und Abwicklung sowie Basel IV.

1. Feste Vorgabe einer Net Stable Funding Ratio (NSFR)

Neben der kurzfristigen Liquiditätsdeckungsquote („LCR“) stellt die Einführung einer langfristigen Verschuldungsquote „Net Stable Funding Ratio (NSFR)“ die zweite wesentliche Komponente der im Rahmen von Basel III auf Baseler Ebene eingeführten Liquiditätsvorschriften dar. Im Gegensatz zu Basel enthält die aktuelle CRR lediglich die Vorgabe, einzelne Positionen zu ermitteln und zu melden, ohne konkrete Quoten vorzugeben (dazu auch unser Regulatory Blog Beitrag: „Liquiditätsmeldewesen im Wandel – Teil 2: Finales Papier des Baseler Ausschusses zur Net Stable Funding Ratio“ vom 05. November 2015). Der Entwurf der CRR II enthält einen neuen Abschnitt in Teil sechs (Liquidität), der die Einführung einer verbindlichen Mindestquote im Bereich der NSFR vorsieht. Im direkten Vergleich mit den Baseler Vorschriften ergeben sich keine wesentlichen Unterschiede.

Die NSFR errechnet sich als Verhältnis der verfügbaren stabilen Refinanzierung (available stable funding, ASF) zu der benötigten stabilen Refinanzierung (required stable funding, RSF). Neben diesen grundsätzlichen Vorgaben enthält die CRR II Anforderungen an die genaue Ermittlung von ASF und RSF.

2. Leverage Ratio von 3%

Die im Rahmen von Basel bereits festgelegte Mindest-Verschuldungsquote in Höhe von 3 % wird auch in der überarbeiteten CRR in gleicher Höhe von 3% übernommen. Ein zusätzlicher Aufschlag für global systemrelevante Banken ist, auch auf Baseler Ebene, noch in Diskussion. Zudem sind die zuständigen Aufsichtsbehörden für die Beaufsichtigung der Grundsätze und Prozesse der Institute zur Steuerung der Verschuldung verantwortlich und können auf dieser Basis zusätzliche Aufschläge auf die Leverage Ratio festlegen.

Analog zu den Baseler Vorgaben werden derivative Geschäfte über einen leicht abgewandelten Standardansatz für Kontrahentenrisiken (SA-CCR) abgebildet. Die Änderungen beziehen sich auf Einschränkungen bei der Berücksichtigung von Sicherheiten. Es ist somit erforderlich, dass Banken den SA-CCR – zumindest in Komponenten – für die Zwecke der Leverage Ratio noch einmal parallel berechnen.

Im Rahmen der aktuellen CRR wurde bereits darauf hingewiesen, dass den Auswirkungen einer Verschuldungsquote auf Geschäftsmodelle von Banken mit anscheinend geringerem Risiko besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden soll. Um bestimmte negative Auswirkungen zu vermeiden, sieht die CRR II vor, öffentliche Förderkredite von Förderbanken, Durchleitungsdarlehen und öffentlich garantierte Exportkredite unter bestimmten Bedingungen von der Berücksichtigung in der Leverage Ratio-Berechnung auszunehmen.

Weitere Änderungen der CRR beinhalten Themen, die auch Gegenstand des Baseler Konsultationspapiers zur LeverageRatio (BCBS 365) sind (dazu unser Regulatory Blog Beitrag: „Baseler Papier zur Überarbeitung der Regelungen für die Leverage Ratio“ vom 13. April 2016).

Zusammenfassend ist festzustellen, dass auch im Bereich der Leverage Ratio noch weiterer Umsetzungsbedarf besteht. Darüber hinaus stellt Einhaltung einer Leverage Ratio von 3 % für viele Banken eine Herausforderung dar und führt dazu, dass die Leverage Ratio als ein weiterer KPI in die Gesamtbanksteuerung aufzunehmen ist.

3. Weitere Änderungen

Privilegierung von Forderungen

Während die aktuellen Regelungen aus Basel keine gesonderte Behandlung für Forderungen an kleinere und mittlere Unternehmen („KMU“) vorsehen, wurde in der CRR ein so genannter „KMU-Faktor“ in Höhe von 0,7619 eingeführt. Die im Rahmen des KSA oder IRB ermittelten Eigenkapitalanforderungen für KMU werden mit diesem Faktor multipliziert, um die in der CRR damals neu eingeführten Kapitalpuffer – zumindest teilweise – zu kompensieren. Die Verwendung des Faktors ist allerdings auf KMU eingeschränkt und betraglich auf ein Gesamtexposure gegenüber dem KMU in Höhe von EUR 1,5 Mio beschränkt. Auf Baseler Ebene ist aktuell im Rahmen der Neufassung des Kreditrisiko-Standardansatzes erstmalig eine Privilegierung von Forderungen an KMU über eine Anrechnung in Höhe von 85 % vorgesehen, diese soll allerdings ohne betragliche Begrenzung erfolgen.

Der Entwurf für die neue CRR sieht nach wie vor für Kredite mit einem Gesamtvolumen bis zu 1,5 Mio EUR einen SMESupporting Factor in Höhe von 76,12% vor. Die leichte Verringerung des Faktors gegenüber dem heutigen Stand ist vermutlich nicht durch die Kommission beabsichtigt. Darüber hinausgehende Beträge werden wie folgt privilegiert:

  • Positionen von bis zu 1,5 Mio EUR an risikogewichteten Aktiva (RWA) erhalten weiterhin den supporting factor in Höhe von 76,12%
  • Ein hierüber hinausgehender Anteil einer Forderung erhält einen supporting factor von 85%.

In der Anpassung dieses Faktors ist bereits eine Berücksichtigung von „voraussichtlichen“ Anpassungen des Kreditirisko-Standardansatzes in Basel zu sehen. Es wird somit nicht zu einer „doppelten Berücksichtigung“ des KMU-Faktors kommen, sondern zu einer Erweiterung der bisherigen Regelungen um das „Element aus Basel IV“ für Beträge ab EUR 1,5 Mio EUR RWA. Im Vergleich zu den Baseler Vorgaben sind die Regelungen auf der Ebene der CRR somit sowohl materiell (teilweise 76,12 % statt 85 %) als auch hinsichtlich des Anwendungsbereiches (KSA und IRB statt nur KSA) vorteilhafter als Basel.

Neben der Ausweitung des KMU-Faktors enthält der Entwurf für die CRR eine weitere Form der Privilegierung, zu der es keine direkte Vorgabe aus Basel gibt. Für bestimmte Positionen zur Finanzierung von Infrastrukturprojekten und anderen öffentlichen Vorhaben wird es ohne betragliche Begrenzung einen weiteren „supporting factor“ in Höhe von 75% geben, der sowohl für KSA als auch für IRB-Positionen anwendbar ist. Unter die Privilegierung fallen Finanzierungen, die die folgenden Anforderungen erfüllen:

  • Die Positionen sind den Forderungsklassen Unternehmen oder Spezialfinanzierungen zuzuordnen und nicht ausgefallen
  • Bestimmte Anforderungen ähnlich den Vorgaben für Spezialfinanzierungen, aber angepasst auf öffentliche Aufträge, werden erfüllt
  • Die vertraglichen Vereinbarungen stellen Einflussrechte des Kreditgebers sowie die Kreditqualität sicher
  • Anforderungen an die Qualität und das Risikomanagement des Projekts, seine Entwicklung und die operationelle Phase sind erfüllt
  • Zudem sieht die CRR II spezifische Kriterien für den Typ des Objekts und die erzeugten Zahlungsströme vor

Aufsichtsrechtliches Meldewesen

Für kleinere Institute sind im Rahmen des Entwurfs der CRR im aufsichtsrechtlichen Meldewesen nach Art. 99 Erleichterungen hinsichtlich der Meldeintervalle vorgesehen. Institute mit einer Bilanzsumme von bis zu 1,5 Mrd. EUR müssen einige COREP- und FINREP-Meldungen nur noch jährlich einreichen. Darüber hinaus wird die EBA beauftragt, bis zum 31.12.2019 im Rahmen eines Reports an die EU-Kommission die Kosten für die Implementierung der aufsichtsrechtlichen Vorgaben bei den Banken zu ermitteln. Weiterhin werden durch die CRD V bestimmte Institute, die von EU Mitgliedsländern gegründet wurden und die der Finanzierung öffentlicher Aufgaben dienen, unter bestimmten Bedingungen vom Anwendungsbereich ausgenommen. Hierbei wird unter anderem auf die Bilanzsumme abgestellt. Insoweit fallen Institute, die von der EZB beaufsichtigt werden (SSM-Banken) nicht unter diese Ausnahmeregelungen.

Offenlegungsvorschriften

Im Bereich der Offenlegungsvorschriften lässt sich ebenfalls das von der Kommission verfolgte Proportionalitätsprinzip gut erkennen. In Abhängigkeit der Größe und Komplexität der Institute wird der Umfang und die Frequenz der Offenlegung angepasst werden. Hierzu werden Institute in drei Klassen unterteilt (große, kleine und andere Institute). Für diese Klassen kommen jeweils unterschiedliche Offenlegungsumfänge und -frequenzen zur Anwendung. Darüber hinaus wurden in Bezug auf die vorzunehmenden inhaltlichen Angaben weitere Präzisierungen und Angleichungen an die Baseler Vorschriften vorgenommen. (dazu auch Regulatory Blog Beitrag: „EBA Entwurf zu den Leitlinien für die Offenlegung unter Teil 8 der CRR“ vom 12. August 2016).

IFRS 9

Aufgrund der Einführung von IFRS 9 ist davon auszugehen, dass sich insbesondere in Bezug auf den Umfang der zu bildenden Risikovorsorge gegebenenfalls Änderungen erhebliche Änderungen geben wird, die sich auch auf die aufsichtsrechtlichen Kapitalquoten auswirken werden. (dazu auch unser Regulatory Blog Beitrag: „An der Schnittstelle zwischen IFRS 9 und Aufsichtsrecht“ vom 06. September 2016).

In dem Entwurf der CRR II sind erste Ansätze zu finden, um gegebenenfalls entstehende „Kliff-Effekte“ aufgrund plötzlich gestiegener Rückstellungen zu vermeiden. Es ist vorgesehen, die Unterschiede zwischen dem 12-Monats Expected Loss (regulatorische Berechnung) und der bilanziellen Risikovorsorge auf Basis des Expected Loss over Lifetime über eine Rückrechnung zu kompensieren, die sich über einen Zeitraum von mehreren Jahren jeweils verringert und letztendlich (analog zu den phase-in-Regelungen im Bereich der aufsichtsrechtlichen Eigenmittel) auslaufen zu lassen. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt fehlen allerdings noch Hinweise, wie diese Berechnungen für Institute vorzunehmen sind, die den Kreditrisiko-Standardansatz nutzen und somit aufsichtsrechtlich keine PD bzw. EL-Werte ermitteln oder einen Wertberichtigungsvergleich durchführen.

Investment Firms und Finanzholdinggesellschaften

In Bezug auf die Behandlung von Investment Firms unterscheidet die CRR II zwischen systemrelevanten und nicht systemrelevanten Investment Firms. Während systemrelevante Investment Firms die CRR II gelten soll ist vorgesehen, dass für nicht systemrelevante Investment Firms bis Ende 2017 separate verbindliche Vorgaben für die Beaufsichtigung zu erlassen sind. Bis dahin gilt für diese die CRR in ihrer aktuellen Fassung. Auch in diesem Regelungspunkt lässt sich somit in gewissem Umfang ein Proportionalitätsprinzip erkennen.

Für (gemischte) Finanzholdinggesellschaften sind ebenfalls Änderungen hinsichtlich der Beaufsichtigung vorgesehen. Aktuell unterliegen diese Gesellschaften lediglich einer Beaufsichtigung im Rahmen der Konsolidierung, wenn sie Muttergesellschaften von CRR Instituten sind. Zukünftig ist vorgesehen, diese auch direkt zu beaufsichtigen und ihnen auch eine direkte Verantwortlichkeit für die Einhaltung der Anforderungen auf Gruppenebene zu übertragen.

Weitere Informationen

Mehr Informationen zu den EU Vorschlägen finden Sie demnächst im Regulatory Blog.

Haben Sie Fragen zu einzelnen Themen ? Hier finden Sie unsere Ansprechpartner.

Die Aufzeichnung unseres Webcasts rund um CRR II und CRD IV: „Finalisierung von Basel III und 50 % Basel IV” im Rahmen des Basel IV-Channels können Sie auf Youtube unter pwc.baselIVchannel ansehen.

Basel IV-Channel: Episode 9 – IFRS 9 und IRBA Risikoparameter

Wir setzen den Blick über den Tellerrand fort: Nachdem wir im letzten Basel IV-Channel die Schnittstellen von IFRS 9 und Aufsichtsrecht aufgezeigt haben, vertiefen wir in einem zweiten Channel-Beitrag das Thema IFRS 9 und Aufsichtsrecht.

Unser nächster Basel IV-Channel befasst sich am

11. November 2016 um 15 Uhr

mit dem Thema: „Special Edition Teil II: Gemeinsamkeiten und Unterschiede von IFRS 9 und IRBA Risikoparametern“.

Wir laden Sie herzlich ein, sich kostenfrei und unverbindlich zu dem genannten Termin anzumelden. Hier geht es direkt zur Anmeldeseite für unseren Basel IV-Channel. (Alle Teilnehmer der vorherigen Veranstaltungen erhalten automatisch eine Einladung per E-Mail). Bitte melden Sie sich unter dem Menüpunkt „Anmeldung“ zu diesem Termin an. Sie werden live durch die Veranstaltung geführt. Der Channel wird ca. 15 bis 30 Minuten dauern.

Eine Vorschau auf die folgenden Channel-Beiträge können Sie unter „Termine und Themen“ jederzeit nachschauen.

Sie haben eine Folge des Basel IV-Channels verpasst ?

Kein Problem – es besteht die Möglichkeit sich unter folgendem Link eine Aufzeichnung des Live-Webcasts auf unserem Youtube-Channel anzuschauen.

Wir freuen uns, Sie zu unserem nächsten Termin begrüßen zu dürfen.

Herzlichst Ihr

Martin Neisen,

Global Basel IV Leader

Basel IV-Channel: Episode 7 – Auswirkungen von IFRS 9 auf das Regulatory Reporting

Basel IV and more !

Nachdem der Fokus des Basel IV-Channels zuletzt auf den Ansätzen zur Risikomessung lag, wollen wir den Themenkreis rund um Basel IV erweitern. Zwei der folgenden Termine werden wir dem Thema IFRS 9 im Aufsichtsrecht widmen.

Unser nächster Basel IV-Channel befasst sich am

14. Oktober 2016 um 15 Uhr

mit dem Thema: „Special Edition I: Auswirkungen von IFRS 9 auf das Regulatory Reporting“.

Werfen Sie mit uns einen Blick auf die Schnittstellen von IFRS 9 und Aufsichtsrecht und die daraus resultierenden Konsequenzen und Herausforderungen.

Wir laden Sie herzlich ein, sich kostenfrei und unverbindlich zu dem genannten Termin anzumelden. Hier geht es direkt zur Anmeldeseite für unseren Basel IV-Channel. (Alle Teilnehmer der vorherigen Veranstaltungen erhalten automatisch eine Einladung per E-Mail). Bitte melden Sie sich unter dem Menüpunkt „Anmeldung“ bis spätestens einen Tag vor dem jeweiligen Termin an. Sie werden live durch die Veranstaltung geführt. Der Channel wird ca. 15 bis 30 Minuten dauern.

Eine Vorschau auf die folgenden Channel-Beiträge können Sie unter „Termine und Themen“ jederzeit nachschauen.

Sie haben eine Folge des Basel IV-Channels verpasst ?

Kein Problem – es besteht die Möglichkeit sich unter folgendem Link eine Aufzeichnung des Live-Webcasts auf unserem Youtube-Channel anzuschauen.

Wir freuen uns, Sie zu unserem nächsten Termin begrüßen zu dürfen!

Herzlichst Ihr

Martin Neisen,

Global Basel IV Leader

An der Schnittstelle zwischen IFRS 9 und Aufsichtsrecht

Das IASB hat am 24. Juli 2014 den endgültigen internationalen Rechnungslegungsstandard zur Bilanzierung von Finanzinstrumenten (IFRS 9) verabschiedet, der die bestehenden Vorschriften von IAS 39 ablöst. Die verpflichtende Anwendung des neuen Standards ist für die Geschäftsjahre ab dem 01. Januar 2018 vorgesehen.

Der erwartete Zeitpunkt für die Indossierung des IFRS 9 in europäisches Recht (EU-Endorsement) wurde von der europäischen Beratungsgruppe für Finanzberichterstattung (European Financial Reporting Advisory Group, EFRAG) auf das zweite Halbjahr 2016 verschoben.

Wesentliche aufsichtsrechtliche Auswirkungen des IFRS 9

Während die Rechnungslegung nach IFRS die Vermittlung entscheidungsrelevanter Informationen als Zielsetzung verfolgt, stehen die Erhaltung der Stabilität des Finanzsystems sowie der Einlegerschutz im Fokus der bankaufsichtlichen Normen. Diese Ziele sollen vor allem durch die Begrenzung der übernommenen Risiken zur Vermeidung einer Bankinsolvenz erreicht werden.

Trotz der unterschiedlichen Zielsetzungen sind die Bankenregulierung und die Rechnungslegung eng miteinander verflochten. Zum einen bilden Informationen aus dem Einzel- bzw. Konzernabschluss die Grundlage für die regulatorische Eigenkapital- und RWA-Berechnung. Zum anderen nutzen Banken derzeit vielfach die regulatorisch ermittelten Ausfallwahrscheinlichkeiten und Verlustquoten bei Ausfall als Grundlage für die Bildung von Portfoliowertberichtigungen.

Die Änderungen der Rechnungslegung mit der Einführung des IFRS 9 haben auf die folgenden aufsichtlichen Themengebiete teilweise wesentliche Auswirkungen :

  • Je nach Nutzung des oder des IRBA insbesondere aufgrund des erwarteten gestiegenen Wertberichtigungsbedarfs deutliche Verschlechterung der regulatorischen Kapitalquoten
  • Deutliche Verschiebungen innerhalb des Wertberichtigungsvergleichs bei IRBA-Instituten aufgrund frühzeitiger und höherer Bildung von Risikovorsorge möglich
  • Veränderung der Buchwerte für potenzielle Abzugspositionen von den regulatorischen Eigenmitteln (z.B. Beteiligungspositionen und aktivische Steuerlatenzen)
  • Veränderung der Bemessungsgrundlage für die Berechnung der Eigenmittelanforderungen sowie für Leverage Ratio und Large Exposure
  • Neue Zusammensetzung und Berechnung der Prudential Filters aufgrund des Wegfalls der AfS-
  • Prudent Valuation aufgrund der zunehmenden Fair Value Bewertung
  • Gezielte Umsetzung und Ausübung von Anforderungen und Wahlrechten, um die Unterschiede in der Ausfalldefinition zwischen der Rechnungslegung und dem Aufsichtsrecht möglichst zu minimieren, zur Bestimmung von Überfälligkeiten ggfs. prozessual in der Rechnungslegung berücksichtigt werden können
  • Anpassung der Meldetemplates für FINREP an die neuen IFRS 9 Vorgaben

Dabei stellen insbesondere die Auswirkungen aufgrund der Neuklassifizierung und Bewertung der finanziellen Vermögenswerte sowie die Auswirkungen bei der Behandlung der tendenziell höheren Risikovorsorge und dem Wertberichtigungsvergleich die Institute vor große Herausforderungen und bringen akuten Handlungsbedarf mit sich.

Auswirkungen der Neuklassifizierung und Bewertung der finanziellen Vermögenswerte

Änderungen in der regulatorischen Bemessungsgrundlage ergeben sich aufgrund der ggfs. neuen Klassifizierung und Bewertung der finanziellen Vermögenswerte nach IFRS 9. Zuvor nach IAS 39 fair value bewertete Vermögenswerte gegebenenfalls nach IFRS 9 zu at cost bewertet werden und vice versa. Die unterschiedliche Kategorisierung und damit auch Bewertung der Instrumente kann Veränderungen in der Höhe und der Zusammensetzung der Geschäfte für die Berechnung der „Prudential Filters“ bzw. der „Prudent Valuation“ nach sich ziehen [1].

Die IFRS 9 Vorschriften sehen insgesamt vier Bewertungsklassen vor:

  1. a) zu fortgeführten Anschaffungskosten (amortised cost, AC),
  2. b) zum beizulegenden Zeitwert mit Erfassung von Wertänderungen in der GuV (fair value through profit or loss, FVPL) und
  3. c) zum beizulegenden Zeitwert mit Erfassung von Wertänderungen im sonstigen Ergebnis ohne recycling (fair value through other comprehensive income, FVOCI (ohne recycling)) und mit recycling (fair value through other comprehensive income, FVOCI (mit recycling)).

Die Klassifizierung eines Instruments stützt sich auf die folgenden Kriterien:

  • Das Geschäftsmodell des Unternehmens zur Steuerung der Vermögenswerte,
  • Die Ausgestaltung der vertraglich vereinbarten Zahlungsströme

Diese Kriterien bringen eine stärkere Verknüpfung der Rechnungslegung mit dem (Risiko-) Management mit sich. In Bezug auf das Kriterium des Geschäftsmodells können drei Fälle vorkommen. Diese sind „Halten“, „Halten und Verkaufen“, und das Geschäftsmodell „Handel“, bei dem beispielsweise Portfolien mit werden oder zur Maximierung der Zahlungsströme durch Steuerung auf fair value Basis dienen, die zum FVPL zu bewerten sind.

An dieser Stelle entstehen signifikante Wechselwirkungen mit anderen regulatorischen Reformen, insbesondere mit der anstehenden strengeren Abgrenzung von Handelsbuch und Anlagebuch (Minimum capital requirements for market risk). Darüber hinaus kann das Geschäftsmodell „Halten“ nach IFRS 9 die operativen Anforderungen (Art. 417 CRR), sowie den Liquditätspuffer, beeinträchtigen, weil die Instrumente mit Halteabsicht nach der IFRS 9 Logik nicht regelmäßig in großem Umfang verkauft werden können.

Auswirkungen bei der Behandlung der Risikovorsorge und beim Wertberichtigungsvergleich

Die Rechnungslegungsvorschriften zur Bildung der Risikovorsorge auf finanzielle Vermögenswerte ändern sich weitgehend mit den neuen Bilanzierungsvorgaben. Diese Änderungen ziehen im Weiteren Auswirkungen auf den aufsichtsrechtlichen Wertberichtigungsvergleich nach sich. Bislang erfolgte die Ermittlung der Risikovorsorge basierend auf dem „Incurred Loss“ Ansatz nach IAS 39 und erfasste lediglich bereits eingetretene Verluste. Dieser Ansatz wird in IFRS 9 durch den Expected Credit Loss (ECL) Ansatz ersetzt, der auf erwartete Verluste abstellt und ein dreistufiges Modell für die Bestimmung der Kreditrisikovorsorge vorsieht. In der ersten Stufe sind alle Instrumente bei Zugang entsprechend dem Geschäftsmodell zu amortised cost („Halten“) oder zu fair value through other comprehensive income mit recycling („Halten und Verkaufen“) einzuordnen. Für die Bildung der Risikovorsorge wird der 12-Monats-EL zu Grunde gelegt [2]. Zu jedem Bilanzstichtag ist für die relevanten Instrumente zu prüfen, ob eine signifikante Erhöhung des Ausfallrisikos vorliegt. Weist ein Instrument am Bilanzstichtag eine signifikante Erhöhung des Kreditrisikos im Vergleich zum Zugangszeitpunkt auf, wird dieses Instrument in die zweite Stufe eingeordnet. In dieser Stufe orientiert sich die Risikovorsorge an den erwarteten Verlusten aus Ausfallereignissen über die gesamte Laufzeit des Instruments (lifetime EL). Alle Vermögenswerte, bei denen ein klarer Hinweis auf Wertminderung vorliegt, befinden sich in der dritten Stufe. Die Bestimmung der Risikovorsorge erfolgt wie bei der Stufe 2 über den so genannten lifetime EL. Die Berücksichtigung eines Instruments in Stufe 2 bzw. 3 führt in der Praxis – insbesondere für die Instrumente mit langer Laufzeit – sowohl zu einer erheblichen Erhöhung der Risikovorsorge im Vergleich zu den bisherigen IAS 39 Regelungen als auch zu einer der Risikovorsorgebewertung.

Zudem wird der Ausfall durch den Drei-Stufen-Ansatz nach IFRS 9 grundlegender definiert, als dies derzeit in der Regulatorik der Fall ist. Dies führt insbesondere aufgrund der direkten Bildung von Risikovorsorge bei Zugang (12-Monats-EL) sowie der weiteren Risikovorsorgebildung (liftetime EL) bei einer signifikanten Erhöhung des Kreditrisikos ( zu einer unterschiedlichen operationellen Umsetzung. Bei einem klaren Hinweis auf Wertminderung (Stufe 3) werden keine nennenswerten Unterschiede erwartet.

IFRS 9 soll eine frühzeitigere und ausreichende Bildung von Risikovorsorge sicherstellen. Die höhere bilanziellen Risikovorsorge kann nennenswerte Veränderungen bei der aufsichtlichen Behandlung von Kreditrisikoanpassungen nach sich ziehen. Dies betrifft insbesondere die IRB-Institute. Bei diesen ist bei dem Vergleich vom aufsichtsrechtlichen EL [3] und bereits gebildeter Kreditrisikovorsorge (Wertberichtigungsvergleich) ein Anstieg des Überschussbetrags zu erwarten. Das kann so weit gehen, dass die höhere Risikovorsorge den nach bankenaufsichtsrechtlichen Vorgaben ermittelten 12 Monats-EL vollständig abdecken bzw. übersteigen könnte. Ergibt der Wertberichtigungsvergleich einen Überschuss der Kreditrisikoanpassungen im IRB, kann der Unterschiedsbetrag maximal bis zu 0,6 % der risikogewichteten Aktiva (RWA) lediglich dem Ergänzungskapital zugerechnet werden.

In der Rechnungslegung belastet die nach IFRS 9 zusätzlich zu bildende Risikovorsorge die GuV und damit letztlich das zur regulatorischen Kapitalquote heranziehbare Kapital. .

Ausblick

Die European Banking Authority (EBA) hat am 22. September 2015 ein Konsultationspapier mit Leitlinien zur Anwendung der Ausfalldefinition unter Art. 178 CRR veröffentlicht, das auch die Behandlung von Wertberichtigungen nach IFRS 9 . Nach der Finalisierung der Konsultation wird sich herausstellen, welche konkreten Auswirkungen auf die Ausfalldefinition im Rechnungslegungskontext entstehen. Da die Ausfalldefinition die Grundlage für die Schätzung der wichtigsten Inputparameter für den aufsichtsrechtlichen EL bildet, ist eine konsistente und vergleichbare Definition sehr wichtig. In diesem Zusammenhang ist die Bestimmung des Zeitpunkts der signifikanten Erhöhung des Ausfallrisikos ein entscheidender Werttreiber des neuen IFRS Wertminderungsmodells.

Vor diesem Hintergrund wären ebenfalls die Geschäfts- und Risikostrategie sowie die aktuellen Planungsprozesse der Banken auf potenzielle Anpassungen hin zu untersuchen.

[1] Hinsichtlich der „Prudential Filters“ ist hervorzuheben, dass die „Available for Sale“ Kategorie fällt nach IFRS 9 wegfällt.

[2] 12-Monats-EL ist der Anteil des für die gesamte Restlaufzeit erwarteten Verlusts (lifetime EL), der sämtliche erwarteten Zahlungsausfälle berücksichtigt, die auf einem für die nächsten 12 Monate erwarteten Ausfallereignis beruhen.

[3] Der regulatorische EL soll anhand der „Through-the-Cycle“ Methode und gemäß dem „downturn“ LGD geschätzt werden, der in der Regel zu einem konservativeren und glatteren EL führt. Der bilanzielle EL soll hingegen durch die „Point-in-Time“ Schätzwerte die aktuelle Wirtschaftslage wiederspiegeln.

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