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Das neue Banking Package (Teil 4): ZurĂŒcklehnen verboten! KSA und IRBA sind nicht erst durch „Basel IV“ betroffen!

Am 15. Februar 2019 hat der Rat der EuropĂ€ischen Union die finalen EntwĂŒrfe zur Änderung des Banking Package, darin unter anderem die finalen EntwĂŒrfe der CRR II und der CRD V gebilligt. Im vierten Teil unserer Beitragsserie zum neuen Banking Package möchten wir Ihnen die Änderungen der CRR II in Bezug auf das Kreditrisiko vorstellen. Sowohl im Kreditrisikostandardansatz (KSA) als auch in dem auf internen Ratings basierenden Ansatz (IRBA) kommt es dabei zu Anpassungen. Die bedeutendste Änderung betrifft jedoch die Behandlung von Anteilen an Investmentfonds im Anlagebuch. Der Beitrag schließt mit einem kurzen Abriss ĂŒber die bereits am 1. Januar 2019 in Kraft getretenen neuen Verbriefungsregelungen.

Finalisierung von Basel III oder Basel IV: Die nĂ€chste Generation der risikogewichteten Aktiva – Teil I: KSA und IRBA

Am 7. Dezember 2017 hat der Baseler Ausschuss fĂŒr Bankenaufsicht die neuen Regelungen zur Ermittlung von risikogewichteten Aktiva finalisiert (Regulatory Blog Beitrag: „Basel IV Big Bang oder Basel III End Game: Neue Basel IV-Regeln zwingen Banken zur ÜberprĂŒfung ihrer Unternehmensstrategie“ vom 07. Dezember 2017). Vorausgegangen waren zum Teile zĂ€he Verhandlungen, insbesondere ĂŒber die Höhe des sogenannten Capital Floors. Die Veröffentlichung enthĂ€lt die ĂŒberarbeiteten Vorgaben zum Kreditrisikostandardansatz (KSA), dem auf internen Ratings basierenden Ansatz (IRBA), der CVA Risk Capital Charge sowie fĂŒr das operationelle Risiko. Zudem wird ein verbindlicher Floor fĂŒr Banken mit internen Modellen eingefĂŒhrt.

Durch die Veröffentlichung wird die umfassende Überarbeitung der bankaufsichtsrechtlichen Regelungen vervollstĂ€ndigt, die bereits neue Vorgaben beispielsweise fĂŒr Verbriefungen, Derivate (SA-CCR) und Marktrisiken (FRTB) umfasst.

Im Folgenden wird ein Überblick ĂŒber die wesentlichen Neuerungen im Vergleich zu den jeweiligen Konsultationspapieren aus Basel bzw. den aktuell geltenden Regelungen der CRR gegeben. Teil I unseres Beitrags befasst sich mit den Änderungen, die den Kreditrisikostandardansatz (KSA) und den auf internen Ratings basierenden Ansatz (IRBA) betreffen. Der zweite Teil unseres Beitrags erlĂ€utert die Änderungen im Zusammenhang mit der CVA Risk Capital Charge, den operationellen Risiken und den Floor-Regelungen.

Kreditrisikostandardansatz (KSA)

Durch die finalen BeschlĂŒsse vom 7. Dezember 2017 zu den Basel IV Reformen haben sich fĂŒr den Kreditrisikostandardansatz gegenĂŒber dem letzten Konsultationspapier (BCBS 347) noch einmal wesentliche Änderungen ergeben. Der Baseler Ausschuss kommt nun den Banken entgegen und hat an vielen Stellen die fĂŒr die Ermittlung der Eigenmittelanforderungen zu berĂŒcksichtigenden Risikogewichte angepasst. Insoweit ist grundsĂ€tzlich im Vergleich zum BCBS 347 eine Reduzierung des RWA Anstiegs zu erwarten.

In der Forderungsklasse Banken wurde neben der Kalibrierung der Risikogewichte ein neues Grade (A+) fĂŒr Forderungen, fĂŒr die kein Rating verwendet wird, bei denen aber die regulatorischen Mindestkapitalanforderungen sowie die Leverage Ratio deutlich ĂŒbertroffen werden, eingefĂŒhrt. Das neue Risikogewicht in Höhe von 30% liegt somit aber weiterhin ĂŒber dem heute im Regelfall anzuwendenden Risikogewicht auf Basis des Sitzlandprinzips von 20% bei Forderungen an ungeratete deutsche Institute. UnabhĂ€ngig vom Vorliegen eines Ratings bleibt es zudem bei der prĂ€ferierten Behandlung von gedeckten Schuldverschreibungen.

Auch fĂŒr Forderungen gegenĂŒber Unternehmen wurden die Risikogewichte in der finalen Version nach unten korrigiert. Als Unterkategorie zu Unternehmen wird mit den Spezialfinanzierungen eine neue Risikopositionsklasse eingefĂŒhrt. Im Vergleich zum letzten Konsultationspapier wurden die Risikogewichte fĂŒr diese um jeweils 20 Prozentpunkte reduziert. Somit liegen die Risikogewichte jetzt zwischen 80% und 130%, wobei ein Risikogewicht von 80% nur fĂŒr Projektfinanzierungen in der operativen Phase zur Anwendung kommt, wenn diese bestimmte QualitĂ€tsmerkmale erfĂŒllen. Ein Risikogewicht von 130% kommt hingegen zur Anwendung, wenn das finanzierte Projekt noch nicht operativ genutzt wird, sondern noch in Erstellung ist.

Die wohl grĂ¶ĂŸten Änderungen gibt es im Bereich Immobilienfinanzierungen. Sowohl fĂŒr die durch Wohnimmobilien besicherten Forderungen als auch bei den durch Gewerbeimmobilien besicherten Forderungen wurde der Loan-to-Value (LTV) Ansatz umgesetzt. Im Vergleich zum BCBS 347 sind auch hier die Risikogewichte reduziert worden. Gleichzeitig hat man das Realkreditsplitting, unter Sicherstellung des Hard Tests, beibehalten. Bei der Finanzierung des Erwerbs oder der Erstellung von Immobilien (Acquisition, Development and Construction – ADC) gibt es eine Erleichterung fĂŒr durch Wohnimmobilien besicherte Forderungen, bei denen bestimmte QualitĂ€tsmerkmale erfĂŒllt werden (z.B. Abschluss von Vorverkaufs- und VorvermietungsvertrĂ€ge im gewissen Umfang, Vorhandensein von ausreichendem Eigenkapital). Das Risikogewicht wurde reduziert und betrĂ€gt noch 100% anstelle von 150%. Je nach Wahl des Ansatzes (LTV oder Realkreditsplitting) sind die Auswirkungen durch die Institute zu analysieren, da abhĂ€ngig von der Zusammensetzung des Portfolios beide AnsĂ€tze Vorteile bieten können. So ist das Realkreditsplitting beispielsweise bei hohen BeleihungswertauslĂ€ufen vorteilhafter als der LTV-basierte Ansatz, wĂ€hrend bei LTVs zwischen 70% und 80% der LTV-basierte Ansatz zu niedrigeren Risikogewichten fĂŒhrt als das Realkreditsplitting.

Bei Beteiligungsrisikopositionen ist eine Unterkategorie fĂŒr nicht gelistete, hochvolatile bzw. spekulative Beteiligungen eingefĂŒhrt worden. Diesen ist zukĂŒnftig ein Risikogewicht von 400% zuzuweisen. Nachrangige Positionen und auch TLAC Verbindlichkeiten erhalten ein Risikogewicht von 150%. FĂŒr alle anderen Beteiligungspositionen bleibt es bei einem Risikogewicht von 250%, wie bereits durch BCBS 347 vorgeschlagen. Somit kommt es zu einem signifikanten Anstieg im Vergleich zu den Vorgaben des aktuellen KSA, die ein Risikogewicht von 100% vorsehen.

Mit „Transactors“ wird es im MengengeschĂ€ft eine neue Unterkategorie geben, welcher beispielsweise Kreditkartenforderungen zuzuordnen sind. Dieser Risikopositionsklasse kann im Gegensatz zum allgemeinen Risikogewicht von 75 %im MengengeschĂ€ft ein Risikogewicht von 45% zugeordnet werden, sofern die dieser Risikopositionsklasse zugeordneten Forderungen innerhalb der letzten 12 Monate immer fristgerecht bedient wurden.

Des Weiteren wurde der Multiplikator von 1,5 fĂŒr den Fall von WĂ€hrungsinkongruenzen aus BCBS 347 beibehalten. Der anzuwendende Kreditkonversionsfaktor fĂŒr unbedingt kĂŒndbare Linien wurde auf 10% (bisher 0%) festgelegt, bei nicht unbedingt kĂŒndbaren Linien betrĂ€gt er laufzeitunabhĂ€ngig 40% (bisher 20% bzw. 50%). Weiterhin wurden die Risikogewichte fĂŒr ausgefallene Positionen gegenĂŒber dem Konsultationspapier angepasst und entsprechen jetzt wieder weitgehend den aktuellen Regelungen der CRR.

Auf internen Ratings basierender Ansatz (IRBA)

Die finalen Basel IV Regelungen sehen EinschrĂ€nkungen im Anwendungsbereich des IRB Ansatzes vor, die allerdings nicht so weit gehen, wie in der Konsultationsphase angedacht. So wird die Nutzung des IRB Ansatzes fĂŒr Beteiligungspositionen grundsĂ€tzlich untersagt. FĂŒr Forderungen an Banken und an große Unternehmen mit einem Umsatz von mehr 500 Mio Euro wird der fortgeschrittene IRBA wegfallen, der einfache IRB Ansatz (SchĂ€tzung der PD, nicht aber von LGD und CCF) aber weiterhin zulĂ€ssig bleiben. FĂŒr Unternehmen unterhalb der genannten Schwelle sowie das MengengeschĂ€ft bleiben einfacher und fortgeschrittener IRBA zulĂ€ssig. Das Gleiche gilt auch fĂŒr Spezialfinanzierungen und Forderungen an Zentralstaaten.

Neben den Vorgaben zum IRB-Anwendungsbereich sieht der Baseler Ausschuss auch geĂ€nderte Vorgaben fĂŒr die ParameterschĂ€tzung vor. So wird die Mindest-PD von aktuell 0,03% auf 0,05% erhöht. Im einfachen IRBA vermindern sich die vorgegebenen Werte fĂŒr die LGD sowohl bei besicherten Positionen wie auch im Fall von unbesicherten Unternehmensforderungen (40% anstelle von aktuell 45%). Und auch im fortgeschrittenen IRB Ansatz ergeben sich Änderungen, so beispielsweise der LGD-Floor fĂŒr unbesicherte Positionen in Höhe von 25%.

Schließlich entfĂ€llt der IRBA Skalierungsfaktor von 1,06 ersatzlos.

Einen Überblick ĂŒber die Neuerungen im Zusammenhang mit CVA Risk Capital Charge, operationellen Risiken und den Floor-Regelungen finden Sie demnĂ€chst im zweiten Teil unseres Beitrags: „Finalisierung von Basel III oder Basel IV: die nĂ€chste Generation der risikogewichteten Aktiva“.

Sie haben Fragen rund um Basel IV?

Auf unserer Basel IV Webseite finden Sie Informationen und Ansprechpartner.

 

Finale EBA Leitlinien und RTS zur Definition des Schuldnerausfalls

Die European Banking Authority (EBA) hat die Ausfalldefinition nach Art 178 CRR finalisiert. Die Harmonisierung der Ausfalldefinition erfolgt im Rahmen der Überarbeitung des IRB Ansatzes (RTS on the assessment methodology for IRB approach, EBA/RTS/2016/03). Zugleich ist die Definition auch fĂŒr Banken relevant, die den KSA nutzen; daraus ergibt sich die Zuordnung in die Risikopositionsklasse ausgefallene Forderungen. Die aktuelle Überarbeitung umfasst neben den finalen Leitlinien zur Definition des Schuldnerausfalls (Guidelines on the application of the definition of default under Article 178 CRR, (EBA/GL/2016/07)) auch die ergĂ€nzenden RTS zur Festlegung der MaterialitĂ€tsschwelle fĂŒr ĂŒberfĂ€llige Forderungen (RTS on the materiality theshold for credit obligation past due under Article 178 CRR, (EBA/RTS/2016/06).

Hintergrund

Vorangegangen waren umfangreiche Konsultationen und Auswirkungsanalysen, um die einzelnen Ausfallkriterien nĂ€her zu bestimmen (siehe hierzu auch Blog-Beitrag: „EBA Leitlinien zur Definition des Schuldnerausfall – definition of default“ vom 08. Februar 2016)

RTS on materiality threshold for past due credit obligations

Ziel des Standards ist es, innerhalb der verschiedenen Jurisdiktionen eine einheitliche MaterialitĂ€tsschwelle fĂŒr ĂŒberfĂ€llige Forderungen festzulegen. Dabei können die nationalen Aufsichtsbehörden auch die lokalen Besonderheiten berĂŒcksichtigen.

Die MaterialitĂ€tsschwelle umfasst ein absolutes und ein relatives Limit. Sind beide zusammen fĂŒr 90 aufeinanderfolgende Tage erreicht, ist die MaterialitĂ€tsschwelle ĂŒberschritten. FĂŒr Forderungen, die durch Wohn- oder KMU-Gewerbeimmobilien in der Retail-Forderungsklasse besichert sind, sowie fĂŒr Forderungen gegenĂŒber öffentlichen Stellen, können die zustĂ€ndigen Behörden wie schon bisher den Zeitraum auf 180 aufeinanderfolgende Tage verlĂ€ngern (vgl. Art 178 Abs. 1 b) CRR).

Absolutes Limit

Das absolute Limit wird erreicht, wenn die Summe aller ĂŒberfĂ€lligen Forderungen des Schuldners im Zusammenhang mit seinen Kreditverpflichtungen 500 EUR ĂŒberschreitet (bei Retailforderungen 100 EUR).

Relatives Limit

FĂŒr die relative Grenze werden die ĂŒberfĂ€lligen Kreditforderungen ins VerhĂ€ltnis zu den gesamten Forderungen gegenĂŒber dem Schuldner gesetzt. Liegt der Anteil der ĂŒberfĂ€lligen Forderungen ĂŒber 1%, ist das relative Limit ĂŒberschritten. Nationale Aufsichtsbehörden können das Limit bis zu einem Prozentsatz von 2,5 anheben, wenn sie dies unter (nationalen) Risikoaspekten fĂŒr erforderlich halten.

Umsetzungsfrist

Die MaterialitĂ€tsschwellen mĂŒssen bis Ende 2020 in den Instituten implementiert werden.

Guidelines on the application of the default definition

Die Leitlinien stellen klar, welche Anforderungen an die Anwendung von Artikel 178 CRR gelten. Insbesondere definieren sie die Ausfall-Kriterien gemĂ€ĂŸ Art 178 CRR nĂ€her, wie zum Beispiel.:

  • ÜberfĂ€lligkeit,
  • Hinweise darauf, dass eine Verbindlichkeit nicht beglichen wird,
  • die Verwendung externer Daten bei der VerlustdatenschĂ€tzung,
  • Kriterien fĂŒr eine ZurĂŒcksetzung des Ausfallstatus sowie
  • die Anwendung der Ausfalldefinition im MengengeschĂ€ft nĂ€her.

DarĂŒber hinaus legen die Guidelines umfangreiche Anforderungen an die Dokumentation und die Internal Governance im Zusammenhang mit der Ausfalldefinition fest (zum Thema ausfĂŒhrlich unser Blog-Beitrag: „EBA Leitlinien zur Definition des Schuldnerausfall – definition of default“ vom 08. Februar 2016).

Neben Klarstellungen im Hinblick auf diese Kriterien haben sich Änderungen gegenĂŒber dem Konsultationsentwurf vor allem durch die jetzt eingefĂŒgte mögliche Sonderbehandlung von Staatskrediten, Forderungen gegenĂŒber Behörden oder öffentlichen Stellen ergeben. Da hier die RĂŒckzahlung der Forderungen von administrativen Akten abhĂ€ngen kann, die unter UmstĂ€nden lĂ€nger dauern als ursprĂŒnglich angenommen, können Institute in diesen spezifischen FĂ€llen einen Zahlungsverzug erst nach Ablauf von 180 Tagen (gegenĂŒber sonst 90 Tagen) annehmen.

Umsetzungsfrist

Die Frist zur Umsetzung der Guidelines lĂ€uft bis zum 01. Januar 2021. SpĂ€testens bis dahin mĂŒssen alle Institute – auch die KSA Banken – die Anforderungen der Guidelines in den internen Prozessen und IT-Systemen implementiert haben. IRB-Institute mĂŒssen zudem ihre RisikoparameterschĂ€tzungen prĂŒfen und ggfs. anpassen. Änderungen unterliegen den Anforderungen der RTS zur Beurteilung der Wesentlichkeit von Erweiterungen und Änderungen des auf internen Beurteilungen basierenden Ansatzes und des fortgeschrittenen Messansatzes (Delegierte VO (EU) 529/2014 vom 12. MĂ€rz 2014)). Soweit eine Zustimmung oder Genehmigung der nationalen Aufsichtsbehörde erforderlich ist, sollen die Institute mit der jeweiligen Aufsichtsbehörde eine entsprechende Frist zur Einholung vereinbaren.

Herausforderungen

Wichtig ist festzuhalten, dass von diesem RTS und den Guidelines alle Institute – auch die KSA Banken – betroffen sind. Zwar wird ihnen eine großzĂŒgige Umsetzungsfrist gewĂ€hrt, aber bis dahin ist auch eine umfangreiche Agenda abzuarbeiten. Eine detaillierte Analyse, inwieweit die aktuellen Ausfalldefinitionen den EBA-Vorgaben entsprechen und die daraus folgenden Anpassungen der Prozesse und Systeme sind unumgĂ€nglich. Die historischen Ausfallraten mĂŒssen (neu) kalkuliert werden, Auswirkungen auf RWA ggfs. neu geschĂ€tzt werden. DarĂŒber hinaus muss eine Konsistenz zu weiteren Überarbeitungen im Rahmen von Basel IV, wie beispielsweise die intendierten Anpassungen bei der Verwendung des IRBA-Ansatzes, sichergestellt werden.

Basel IV Channel: Online EinfĂŒhrung in den KSA revised

Der Basel IV Channel geht in die nÀchste Runde und zwar am

8. April 2016 um 15 Uhr mit dem Thema „Revisions to the Standardised Approach for Credit Risk – second consultative document“.

Wir laden Sie herzlich ein, sich kostenfrei und unverbindlich zu dem genannten Termin ĂŒber den folgenden Link anzumelden: Hier geht es direkt zur Anmeldeseite fĂŒr unseren Basel IV Channel! (Alle Teilnehmer des ersten Channels erhalten automatisch eine Einladung per e-mail). The Basel IV Channel in English is scheduled for April 29, 2016 –  more Information will be available soon.

Sie werden live durch die Veranstaltung gefĂŒhrt.

Die Regelungen zur Berechnung von Eigenkapitalanforderungen von Kreditrisiken – bei den meisten Banken die wichtigste der aufsichtsrechtlich mit Kapital zu unterlegenden Risikoarten – wurde zuletzt im Rahmen von Basel II umfassend neu geregelt. SpĂ€testens nach Ausbruch der Finanzmarktkrise der Jahre 2007 wurde zunehmend Kritik an der mangelnden RisikosensitivitĂ€t des KSA und insbesondere der Nutzung externer Ratings laut. Der Baseler Ausschuss reagierte hierauf durch die Veröffentlichung von zwei Konsultationspapieren zur Überarbeitung des KSA. Sie zielen auf eine höhere RisikosensitivitĂ€t ab, ohne gleichzeitig die KomplexitĂ€t des Standardansatzes zu erhöhen. Ferner soll durch die Überarbeitung die Vergleichbarkeit der Kapitalanforderungen von Banken erhöht werden. Zum einen sollen Unterschiede in der Eigenmittelunterlegung bei Anwendung des KSA und des IRB-Ansatzes verringert werden, zum anderen möchte der Baseler Ausschuss nationale ErmessensspielrĂ€ume bei der Anwendung des KSA begrenzen.

Die nĂ€chsten Termine und Themen fĂŒr den Basel IV Channel stehen fest:

13. Mai 2016 „Revised Market Risk Framework Part 1: SBA – Sensitivities-Based Approach“

17. Juni 2016 „Revised Market Risk Framework Part 2: Internal Models Approach“

Wir freuen uns, Sie zu unserem nĂ€chsten Termin begrĂŒĂŸen zu dĂŒrfen!

Herzlichst,

Ihr Martin Neisen,

Global Basel IV Leader

Mehr Informationen rund um Basel IV erhalten Sie auch auf unserer Webseite: Willkommen in der Welt von Basel IV

EBA Leitlinien zur Definition des Schuldnerausfall – definition of default

Im letzten Jahr hat die European Banking Authority (EBA) mit der Überarbeitung des Internal Rating Based Approach (IRB-Ansatz) begonnen. In einem Diskussionspapier (EBA Discussion Paper on the Future of the IRB Approach, EBA/DP/2015/15) hat sie die möglichen Maßnahmen zur Überarbeitung des IRB-Ansatzes vorgestellt. Ein Aspekt betrifft die Definition des Schuldnerausfalls. NĂ€here AusfĂŒhrungen dazu enthĂ€lt der im September 2015 veröffentlichte Entwurf einer Leitlinie gemĂ€ĂŸ Art 178 (7) CRR fĂŒr Zwecke des Internal-Rating Based Approach (IRB-Ansatzes) und des Kreditrisikostandardansatzes (KSA) – EBA Guidelines on the application of the definition of default (EBA/CP/2015/15). Dieser Entwurf ergĂ€nzt den RTS zu Art 178 (6) CRR, in dem festgelegt wird, nach welchen Kriterien eine MaterialitĂ€tsschwelle fĂŒr die ÜberfĂ€lligkeit einer Forderung festzulegen ist (RTS on the materiality threshhold past due (EBA/CP/2014/32)).

Parallel dazu hat die EBA eine quantitative und qualitative Analyse (QIS) eingeleitet, um die Auswirkungen von RTS und Leitlinie auf die aufsichtsrechtlichen Kapitalanforderungen und die Kalibrierung der Risikoparameter zu erheben. Schwerpunkt der QIS ist unter anderem die Frage nach den Möglichkeiten der Institute, eine Datenhistorie aufgrund der angepassten Ausfalldefinition zu sammeln (EBA QIS on default definition instructions).

Hintergrund

Die Ausfalldefinition beeinflusst die Eigenmittelanforderungen nach der CRR sowohl im IRB-Ansatz als auch nach dem Standardansatz. Im Rahmen des IRB-Ansatzes ist die Ausfalldefinition der AnknĂŒpfungspunkt fĂŒr die SchĂ€tzung der Risikoparameter und die Berechnung der erwarteten Verluste. Im KSA ist die Ausfalldefinition ausschlaggebend fĂŒr die Zuordnung der Forderungen zur KSA-Forderungsklasse „Ausgefallene Positionen“ und die damit verbundene besondere Risikogewichtung.

In der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass die nationalen Aufsichtsbehörden die Ausfalldefinition unterschiedlich umgesetzt haben, was teilweise zu unterschiedlichen Ausfallzeitpunkten fĂŒhren kann. Vor allem grenzĂŒberschreitend tĂ€tige Bankengruppen können durch einheitliche Vorgaben entlastet werden, da sich der Aufwand fĂŒr die Einhaltung unterschiedlicher Vorschriften reduziert.

Die wesentlichen Kriterien des Ausfalls im Überblick

1. ÜberfĂ€lligkeit (past-due)

FĂŒr die Feststellung einer ÜberfĂ€lligkeit durch ZĂ€hlung von Verzugstagen legen die RTS (EBA/CP/2014/13 s.o.) nĂ€here Bestimmungen fest. ErgĂ€nzend dazu stellen die Leitlinien detaillierte Regelungen auf, wie bei besonderen Konstellationen zu verfahren ist. Dazu gehören die FĂ€lle, in denen der Schuldner das vertragliche Recht hat, den RĂŒckzahlungsplan zu Ă€ndern, auszusetzen oder zu verschieben. DarĂŒber hinaus werden technisch bedingte AusfĂ€lle, die nicht zu einem Schuldnerausfall fĂŒhren, auf wenige AnwendungsfĂ€lle begrenzt.

2. Hinweise darauf, dass eine Verbindlichkeit nicht beglichen wird (Indications for unlikeliness to pay)

Nach Art 178 (3) CRR sind bestimmte Elemente als Hinweis darauf anzusehen, dass eine Verbindlichkeit wahrscheinlich nicht beglichen wird. Dazu gehören unter anderem erhebliche Kreditanpassungen seitens des Instituts, krisenbedingte Restrukturierung der Verbindlichkeit oder ein Insolvenzantrag durch den Schuldner bzw. das Institut. Die Leitlinien stellen klar, wie die einzelnen Elemente anzuwenden sind. FĂŒr alle Elemente und Kriterien, die die Institute bei ihrer Beurteilung der Ausfallwahrscheinlichkeit berĂŒcksichtigen, gilt, dass die Prozesse und Methoden der Beurteilung eindeutig definiert und festgelegt sein mĂŒssen.

  • Spezifische Kreditrisikoanpassungen / Specific credit risk adjustments (SCRA)

Die Leitlinien stellen in ErgĂ€nzung der „Standards on the specification of the calculation of specific and general credit risk adjustments“ (Delegierte VO (EU) No 183/2014) klar, dass die dort genannten FĂ€lle der spezifischen Kreditrisikoanpassungen (z.B. fĂŒr in der Gewinn- und Verlustrechnung erfasste Verluste fĂŒr zum beizulegenden Zeitwert bewertete Instrumente, die gemĂ€ĂŸ dem geltenden Rechnungslegungsrahmen eine kreditrisikobedingte Wertminderung aufweisen und fĂŒr Verluste infolge aktueller oder vergangener Ereignisse, die sich auf eine signifikante einzelne Risikoposition oder auf Risikopositionen auswirken, die zwar fĂŒr sich genommen nicht signifikant sind, aber einzeln oder kollektiv bewertet werden) als erhebliche BonitĂ€tsverschlechterung anzusehen und damit als Hinweis auf einen wahrscheinlichen Ausfall zu behandeln sind.

Spezifische Kreditrisikoanpassungen fĂŒr Verluste, fĂŒr die historische Werte darauf hinweisen, dass der Verlust eingetreten ist, das Institut aber noch nicht erkennen kann, welche Risikoposition davon betroffen ist, werden nach den Leitlinien nicht als Hinweis auf eine Ausfallwahrscheinlichkeit gewertet, da sie (noch) keinem einzelnen Kreditnehmer zugewiesen werden können.

Weiterhin sehen die Leitlinien vor, dass Kredite, die zukĂŒnftig nach IFRS 9 dem „stage 3“ zugeordnet werden, immer als ausgefallen zu behandeln sind.

  • VerĂ€ußerung von Verbindlichkeiten/ Sale of credit obligations

Soweit die VerĂ€ußerung nicht im Zusammenhang mit der Verschlechterung der BonitĂ€t der Verbindlichkeit steht, sondern z.B. aufgrund eines erhöhten LiquiditĂ€tsbedarfs des Instituts oder aus strategischen GrĂŒnden erfolgt, sollen Verluste aus diesen VerĂ€ußerungsgeschĂ€ften nicht als Hinweis auf einen Ausfall gewertet werden. Umgekehrt sollen Institute bei VerĂ€ußerungen, die unmittelbar im Zusammenhang mit einer BonitĂ€tsverschlechterung stehen, die Wesentlichkeit des Verlustes analysieren und bei Überschreiten einer MaterialitĂ€tsschwelle (5%) als Ausfallhinweis einordnen.

  • Krisenbedingte Restrukturierung / Distressed restructuring

Die krisenbedinge Restrukturierung sollte auch die FĂ€lle von Stundungsmaßnahmen/forbearance einschließen, die nach den ITS an die Aufsicht zu melden sind(DVO (EU) 2015/227 und DVO (EU) 680/2014). Soweit gestundete Forderungen voraussichtlich zu verminderten finanziellen Verpflichtungen fĂŒhren, sollten sie als ausgefallen eingestuft werden. Dazu wird ein Barwertvergleich der potentiellen Zahlungsströme durchzufĂŒhren sein. Der Schwellenwert fĂŒr die verminderte finanzielle Verpflichtung soll nicht grĂ¶ĂŸer als 1 % sein.

  • Insolvenz (bankruptcy) und zusĂ€tzliche Hinweise fĂŒr Ausfallwahrscheinlichkeiten

Die Leitlinien enthalten Anhaltspunkte dafĂŒr, was unter einer der Insovenz vergleichbaren Maßnahme zu verstehen ist. Institute können zudem weitere Indikatoren als Hinweis fĂŒr eine Ausfallwahrscheinlichkeit heranziehen, die unter anderem den spezifischen Charakter der Risikopositionen berĂŒcksichtigen (z.B. Verbindungen innerhalb einer Gruppe von verbundenen Kreditnehmern).

 3. Verwendung externer Daten bei der VerlustdatenschÀtzung (Application of the definition of default in the external data)

Greifen die Institute fĂŒr die Beurteilung des Schuldnerausfalls auf externe Daten zurĂŒck, muss geprĂŒft werden, ob die in den externen Datenquellen verwendete Ausfalldefinition einerseits mit der Definition des Art. 178 CRR und andererseits mit den institutseigenen Definitionen und Kriterien ĂŒbereinstimmt. Bei Abweichungen sind entsprechende Anpassungen in den externen Daten vorzunehmen oder es ist nachzuweisen, dass die Auswirkungen dieser Abweichungen auf alle Risikoparameter und Eigenkapitalanforderungen so geringfĂŒgig sind, dass auf Anpassungen verzichtet werden kann. Sind die Abweichungen nicht unerheblich können, aber durch Anpassungen der externen Daten nicht ausgerĂ€umt werden können, mĂŒssen die Institute eine Sicherheitsspanne bei der SchĂ€tzung der Risikoparameter einkalkulieren, die diese Abweichungen mit berĂŒcksichtigt.

4. Kriterien fĂŒr eine ZurĂŒcksetzung des Ausfallstatus (Return to non-defaulted status)

Bevor eine Risikoposition wieder aus dem Ausfallstatus herausgenommen werden kann, mĂŒssen bestimmte Mindestanforderungen erfĂŒllt sein:

  • Mindestbeobachtungsphase von 3 Monaten, wĂ€hrend der kein Ausfallereignis eintreten darf.
  • Analyse von Verhalten und finanzieller Situation des Schuldners wĂ€hrend dieser Phase.
  • Abschließende EinschĂ€tzung der Mindestbeobachtungsphase, ob eine Verbesserung der KreditqualitĂ€t tatsĂ€chlich eingetreten ist und diese dauerhaft ist, so dass eine ZurĂŒcksetzung des Ausfallstatus gerechtfertigt ist.

Bei krisenbedingten Restrukturierungen gilt eine Beobachtungsphase von mindestens 1 Jahr

5. Konsistente Ausfalldefinition (Consistency in the application of the definition of default)

Die Ausfalldefinition muss einheitlich innerhalb der eigenen Organisationstruktur angewendet werden. Dazu gehört insbesondere, dass der Ausfall eines Schuldners im Hinblick auf alle seine Positionen in allen relevanten IT-Systemen des Instituts, innerhalb der Gruppe und an verschiedenen geografischen Standorten einheitlich identifiziert wird. Stehen rechtliche Hindernisse einer einheitlichen Definition innerhalb der Gruppe entgegen (z.B. Verbraucherschutz oder Bankgeheimnis), mĂŒssen die Institute ihre jeweiligen Aufsichtsbehörden darĂŒber informieren und die Erheblichkeit dieser Inkonsistenzen sowie ihre Auswirkungen auf die Risikoparameter schĂ€tzen. Ist eine einheitliche gruppenweite Identifizierung sehr aufwĂ€ndig , weil z.B. eine zentrale Datenbank oder andere Mechanismen entwickelt werden mĂŒssen, dĂŒrfen die Institute nur dann darauf verzichten, wenn sie darlegen können, dass die Auswirkungen abweichender Definitionen nur geringfĂŒgig sind.

6. Anwendung der Ausfalldefinition im MengengeschÀft (Application of the definition of default for retail exposures)

Bei Risikopositionen aus dem MengengeschĂ€ft dĂŒrfen Institute die Ausfalldefinition auf einzelne KreditfazilitĂ€ten und nicht auf die gesamten Verbindlichkeiten des Kreditnehmers anwenden (Art 178 Abs. 1 CRR). Zur Klarstellung sehen die Leitlinien vor, dass Institute mit IRB-Ansatz die KreditfazilitĂ€ten entsprechend der Risikopositionsklasse „MengengeschĂ€ft“ in Übereinstimmung mit Art 147 (5) CRR bestimmen. Das Gleiche gilt auch fĂŒr angekaufte Unternehmensforderungen, fĂŒr die nach Art 153 Abs. 6 CRR die Regelungen aus dem MengengeschĂ€ft angewendet werden dĂŒrfen.

Ob die Institute die Ausfalldefinition auf die gesamten Verbindlichkeiten des Kreditnehmers oder nur auf einzelne KreditfazilitĂ€ten anwenden, mĂŒssen sie in Übereinstimmung mit ihrem internen Risikomanagement entscheiden. Allerdings sollen nach den Leitlinien vergleichbare Retailpositionen bzw. gleichartige Kundenkreise auch einheitlich behandelt werden.

Bei Anwendung der Ausfalldefinition auf der Ebene der einzelnen KreditfazilitĂ€ten, gibt es keine automatische „Ansteckung“ zwischen den Forderungen gegenĂŒber diesem Kreditnehmer. Soweit aber ein bedeutender Anteil der Gesamtforderungen ausfĂ€llt, können Institute erwĂ€gen, dies als Hinweis auf einen Ausfall oder eine erhöhte Ausfallwahrscheinlichkeit eine Ausfallwahrscheinlichkeit definieren. In diesem Zusammenhang greifen die Leitlinien den Gedanken des sog. „pulling-effect“ auf, der bereits mit den ITS on forbearance and non-performing exposures eingefĂŒhrt wurde. Überschreiten die ausgefallenen Positionen gegenĂŒber einem Kreditnehmer eine bestimmte Schwelle, sollen gegenĂŒber diesem Kreditnehmer alle (weiteren) Positionen als ausgefallen eingestuft werden. Die Leitlinien schlagen hierfĂŒr in Übereinstimmung mit dem ITS on forbearance eine Schwelle von 20% der ausstehenden Forderungen vor. Um die Ansteckungseffekte bei gemeinsamen Kreditverpflichtungen von mehreren Schuldnern zu regeln wird ebenfalls die EinfĂŒhrung einer (noch nĂ€her zu bestimmenden) MaterialitĂ€tsschwelle vorgeschlagen.

7. Dokumentation

Um sicherzustellen, dass die Ausfalldefinition richtig festgelegt und einheitlich angewendet wird, erwarten Aufseher von den Instituten eine detaillierte Dokumentation, die auch die Handhabung und Anwendung der Hinweise auf eine Ausfallwahrscheinlichkeit beinhaltet. Insbesondere sollen die Prozesse, Informationsquellen und Verantwortlichkeiten fĂŒr die Identifizierung der einzelnen Ausfallhinweise beschrieben werden. DarĂŒber hinaus sollen die Institute ein Verzeichnis aller aktuellen und vorherigen Versionen der Ausfalldefinitionen fĂŒhren.

8. Internal Governance

FĂŒr Institute, die den IRB Ansatz nutzen, mĂŒssen die Ausfalldefinitionen durch das Leitungsorgan bzw. einem benannten Ausschuss und die GeschĂ€ftsleitung (vgl. Art 189 CRR) genehmigt werden. Die Interne Revision prĂŒft regelmĂ€ĂŸig die Funktionsweise und EffektivitĂ€t der vom Institut verwendeten Prozesse zur Identifizierung des Schuldnerausfalls in Übereinstimmung mit Art 191 CRR.

Auswirkungen

Die in den Leitlinien vorgeschlagenen Änderungen betreffen sowohl Institute, die den KSA-Ansatz verwenden als auch Institute mit IRB-Ansatz. GrundsĂ€tzlich ist festzuhalten, dass zumindest die IRB Institute in Deutschland mit aufsichtlich genehmigten Ratingverfahren die Anforderungen der Leitlinien eigentlich bereits weitgehend in den vorhandenen Prozessen integriert haben sollten. FĂŒr die KSA Institute könnte der Implementierungs- und Dokumentationsaufwand umfangreicher sein, um sicherzustellen, dass AusfĂ€lle konsistent und rechtzeitig erkannt werden können.

 

 

Neues aus Basel zu den Capital Floors

Am 22. Dezember 2014 veröffentlichte der Basler Ausschuss fĂŒr Bankenaufsicht ein Konsultationspapier ĂŒber einen neuen Standard zur Festlegung von Untergrenzen fĂŒr die Mindesteigenmittelanforderungen („Capital floors: the design of a framework based on standardised approaches“). Der neue Standard soll die bisherige Regelung zum sogenannten Basel I – Floor ersetzen, der beispielsweise in Art. 500 CRR kodifiziert ist. Das Konsultationspapier ist Teil einer Reihe von neuen Standards, die dazu dienen sollen, die ZuverlĂ€ssigkeit und Vergleichbarkeit von risikogewichteten Kapitalquoten in Zukunft zu verbessern. Die Konsultationsphase lĂ€uft bis zum 27. MĂ€rz 2015.

Hintergrund

Im Juli 2013 und Dezember 2013 hatte der Baseler Ausschuss bereits Studien zur Vergleichbarkeit der risikogewichteten Aktiva fĂŒr Kreditrisiken und Marktpreisrisiken (BCBS 256 und BCBS 267) veröffentlicht. Allgemein kann festgehalten werden, dass die Nutzung interner Modelle zu stark abweichenden Kapitalanforderungen der Banken fĂŒhrt. Dies ist regulatorisch nicht erwĂŒnscht, da Positionen mit gleichartigen Risiko zu annĂ€hernd gleichen Kapitalanforderungen fĂŒhren sollten. Dies begrĂŒndet aus Sicht des Baseler Ausschusses die Notwendigkeit eines Floors. Dieser soll sicherstellen, dass ein Mindesteigenmittelniveau eingehalten wird und die UnschĂ€rfen, die mit der Nutzung interner Modelle-AnsĂ€tzen einhergehen, begrenzt werden. Die Neuregelungen zu den Capital Floors werden durch zusĂ€tzliche Baseler Projekte zur Weiterentwicklung der bankaufsichtlichen Regulierungen begleitet (wie die vollstĂ€ndige Überarbeitung der StandardansĂ€tze im Bereich der Kreditrisiken einschließlich der Verbriefungen, der Kontrahentenrisiken, der Marktpreisrisiken und der operationellen Risiken). Die vorgeschlagenen Überarbeitungen sollen zu einer genaueren Messung der Risiken bei Anwendung der Standardverfahren fĂŒhren. DarĂŒber hinaus dienen die nach den Standardverfahren ermittelten Kapitalanforderungen dem Aufseher zukĂŒnftig auch bei Banken, die interne Modelle nutzen, dazu die Kapitaluntergrenze zu bestimmen. Der Baseler Ausschuss sieht die neuen Vorschriften auch als eine ErgĂ€nzung der im Basel-III-Rahmenwerk eingefĂŒhrten Leverage Ratio.

Wesentliche Inhalte

Das Konsultationspapier beschĂ€ftigt sich im Wesentlichen mit der grundsĂ€tzlichen Gestaltung der neuen Untergrenzen fĂŒr die Eigenmittelanforderungen. Im Mittelpunkt des Papiers steht

  • die konzeptionelle Gestaltung des Capital Floors auf Ebene einzelner Risikoarten oder der gesamten RWA,
  • die Abbildung der Unterschiede bei der BerĂŒcksichtigung von Kreditrisikoanpassungen in dem neuen Kreditrisikostandardansatz und dem auf internen Ratings basierenden Ansatz sowie
  • die Wahl des fĂŒr die Bestimmung der Untergrenze zu verwendenden Ansatzes.

Die Höhen der verschiedenen Kapitaluntergrenzen soll erst spĂ€ter nach einer diesbezĂŒglichen Quantitative Impact Study (QIS) festgelegt werden. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die KomplexitĂ€t der Berechnung der Capital Floors im Vergleich zum Basel I-Floor auf jeden Fall erhöht wird. Somit sind auch Modelle-Banken gezwungen, sich intensiv mit den neuen Baseler StandardansĂ€tzen auseinanderzusetzen.

Aggregationsumfang bei den Risikokategorien

GrundsĂ€tzlich werden zwei Arten von Untergrenzen diskutiert, mit denen der Baseler Ausschuss seine intendierten Ziele erfĂŒllen könnte: Risk Category-based Floors und Aggregate RWA-based Floor. Bei dem Risk Category-based Floors-Ansatz wird fĂŒr jede bedeutende Risikokategorie, also fĂŒr Kredit- und Marktrisiken sowie operationelle Risiken, eine Untergrenze festgelegt. Die Untergrenzen wirken in diesem Fall wie ein durchschnittliches Mindest-Risikogewicht fĂŒr die genannten Risikoarten. Dieser Ansatz verhindert eine Verrechnung der Eigenmittelanforderungen zwischen den Risikoarten. Die Gesamtuntergrenze ist fĂŒr die jeweilige Risikoart die Summe der jeweils höheren Eigenmittelanforderung nach dem neuen Floor-Standardansatz oder dem internen Modelle-Ansatz. Beim alternativen Aggregate RWA-based Floor-Ansatz schlĂ€gt der Baseler Ausschuss vor, die Untergrenze auf die Gesamtsumme der risikogewichteten Aktiva zu beziehen. Die aggregierte Untergrenze ist nicht so einschrĂ€nkend wie die Untergrenzen fĂŒr die verschiedenen Risikobereiche und wĂŒrde deshalb auf einem höheren Niveau festgelegt, um fĂŒr beide AnsĂ€tze die gleiche Mindesteigenmittelanforderung zu erzielen.

Behandlung von Wertberichtigungen

Die regulatorische Behandlung von Wertberichtigungen ist je nach der Anwendung des Standardansatz oder des IRB-Ansatzes unterschiedlich. Hieraus folgt, dass fĂŒr die Floor-Ermittlung Anpassungen notwendig werden, fĂŒr die der Basler Ausschuss zwei Optionen vorstellt. Die erste Option wĂ€re eine Anpassung im Kapital, im Gegensatz zur zweiten Option, die eine Anpassung bei den risikogewichteten Aktiva beschreibt. Welche der beiden Option sich im finalen Standard durchsetzen wird, ist dabei noch offen.

Wahl des relevanten Standardansatzes

Zur Berechnung der Untergrenzen fĂŒr die Mindesteigenmittelanforderungen fĂŒr Banken wird, wie auch im derzeitigen Verfahren, auf ein standardisiertes Verfahren abgestellt. Dabei ist noch offen, wie man mit den unterschiedlichen lĂ€nderspezifischen ErmessungsspielrĂ€umen in der Anwendung der StandardansĂ€tze umgeht. In der aktuellen Konsultationsfassung sind keine lĂ€nderspezifischen Anpassungen vorgesehen.

Wie geht es weiter?

Nach Abschluss der Konsultation und Auswertung der Kommentare soll noch in diesem Jahr zur Kalibrierung der Untergrenzen eine Quantitative Impact Study (QIS) durchgefĂŒhrt werden. Die Ergebnisse der Konsultation und der QIS werden in ein zweites Konsultationspapier eingehen, das Ende 2015 veröffentlicht werden soll. Ein endgĂŒltiger Baseler Standard wird im Jahr 2016 erwartet. Die Baseler Regelungen zu den Floors mĂŒssen dann noch in das europĂ€ische Aufsichtsrecht ĂŒbernommen werden.

Basel IV? Neuer Standardansatz zur Messung des Kreditrisikos

Im Dezember 2014 hat das Basel Committee on Banking Supervision (BCBS) einen Vorschlag fĂŒr die Überarbeitung des Kreditrisikostandardansatzes (BCBS: Revisions to the Standardised Approach for credit risk (bcbs 307)) veröffentlicht. Die VorschlĂ€ge stehen noch bis Ende MĂ€rz 2015 zur Konsultation.

Hintergrund

Die VorschlĂ€ge zur Revision des Kreditrisikostandardansatzes stehen in engem Zusammenhang mit den bereits vorher gestarteten Überarbeitungen der StandardansĂ€tze fĂŒr das operationelle Risiko sowie die Standardverfahren bei den Marktpreisrisiken und dem Kontrahentenrisiko. Insgesamt betrachtet soll die Überarbeitung der StandardansĂ€tze dazu fĂŒhren, dass die Kapitalanforderungen dem inhĂ€renten Risiko entsprechend kalibriert werden und die Standardverfahren eine geeignete Alternative bzw. ErgĂ€nzung der Internen Modelle darstellen. Die neuen VorschlĂ€ge stellen eine substantielle Überarbeitung der Risikomessverfahren zur Ermittlung der Eigenkapitalanforderungen dar. Diese Neuerungen – von vielen schon als Basel IV bezeichnet – werden fĂŒr alle, d.h. auch fĂŒr die IRB Banken mit erheblichem Implementierungsaufwand verbunden sein. Schließlich denkt der Baseler Ausschuss darĂŒber nach, die neuen Standardverfahren auch fĂŒr die sogenannte „Floorberechnung“ zu nutzen.

Die wesentlichen Ansatzpunkte der Überarbeitung

  • Abkehr von der AbhĂ€ngigkeit von externen Ratings

Als wesentliche Schwachstellen der bisherigen Regelungen zum Kreditrisikostandardansatz hat der BCBS die AbhĂ€ngigkeit von externen Ratings identifiziert. Insbesondere die im Zusammenhang mit externen Ratings verbundenen negativen Auswirkungen auf die StabilitĂ€t des Finanzsektors, die sich beispielsweise aus einem sprunghaftem Anstieg der Risikogewichte („cliff effects“) oder sog. Herdenverhalten der Finanzinstitute ergeben, sollen kĂŒnftig vermieden werden. Hinzu kommt, dass ein großer Anteil an Unternehmensforderungen kein externes Rating hat. Dieser Problematik will der BCBS begegnen, in dem die Risikogewichte fĂŒr Bankforderungen und Unternehmensforderungen an bestimmte Risikotreiber geknĂŒpft werden.

FĂŒr Bankforderungen sind diese Risikotreiber die harte Kernkapitalquote (capital adequacy ratio CET1) und eine sog. net non-performing assets ratio (net NPA ratio), mit deren Hilfe eine EinschĂ€tzung ĂŒber die QualitĂ€t der Aktiva vorgenommen werden soll. Entsprechend der ermittelten Quoten ergeben sich dann Risikogewichte zwischen 30% und 300%. Im Vergleich zu den heute ĂŒblichen 20% Risikogewicht fĂŒr Banken in Deutschland bzw. in der EU wird dieser Vorschlag deutlich höhere Eigenkapitalanforderungen fĂŒr Bankforderungen nach sich ziehen. Zudem werden Banken nicht umhin kommen, die beiden Quoten auch unterjĂ€hrig zu veröffentlichen. Darauf hat der Baseler Ausschuss bereits in seinem Konsultationspapier hingewiesen.

FĂŒr Unternehmensforderungen sind ausschlaggebende Risikotreiber der Umsatz (revenue) und der Verschuldungsgrad (leverage). Davon abhĂ€ngig wird ein Risikogewicht von 60 – 300% anzusetzen sein, im Vergleich zu dem derzeit meist genutzten 100% Risikogewicht.

  • Verbesserung der GranularitĂ€t und der RisikosensitivitĂ€t

Bestimmten Forderungsklassen sind pauschalierte Risikogewichte zugeordnet und es stehen zu wenig Risikostufen zur VerfĂŒgung, um zwischen den tatsĂ€chlichen Risikoprofilen angemessen zu unterscheiden. Daher sieht der aktuelle Vorschlag eine Überarbeitung der Forderungsklassen vor. Insbesondere fĂŒr die Nutzung des (beibehaltenen) Risikogewichts von 75% fĂŒr Retail-Forderungen sollen strengere Kriterien definiert werden: Als zusĂ€tzliches Diversifizierungs-Kriterium dĂŒrfen Forderungen gegenĂŒber einem Schuldner nicht mehr als 0,2% des gesamten „Regulatory Retail Portfolio“ betragen. Neu eingefĂŒhrt wird auch fĂŒr den Standardansatz die Risikokategorie der „Spezialfinanzierungen“ (Specialised lending) mit einem Risikogewicht zwischen 120% (fĂŒr Projekt- und Objektfinanzierungen, Rohstoffhandelsfinanzierungen, Finanzierungen von Mietimmobilien) und 150% (Finanzierungen bei Grunderwerb, Erschließung und Bau) – alternativ (wenn höher) auch das Risikogewicht der Forderungsklasse Unternehmen.

  • Anpassung der Kalibrierung der Risikogewichte

Die Risikogewichte sollen unter anderem fĂŒr Wohnimmobilienkredite risikosensibler werden. Anstatt des bislang angesetzten pauschalen Risikogewichts von 35% sollen die Risikogewichte von durch Wohnimmobilien besicherte Forderungen in AbhĂ€ngigkeit von der „Loan-to-Value“ (LTV)-Quote ermittelt werden. Diese Quote ergibt sich aus dem VerhĂ€ltnis von gesamter Forderungshöhe zum Wert des Sicherungsobjekts. Die danach abzuleitenden Risikogewichte betragen zwischen 25% – 100%. FĂŒr Wohnimmobilienkredite gegenĂŒber Privatpersonen wird bei der Berechnung der LTV als zusĂ€tzlicher Risikotreiber die KapitaldienstfĂ€higkeit des Kreditnehmers im Rahmen einer sog. „Debt-Service-Coverage-Ratio (DSC)“ zu berĂŒcksichtigen sein. Diese ergibt sich aus dem Kapitaldienst des Schuldners im VerhĂ€ltnis zu seinem Einkommen. Unter BerĂŒcksichtigung der DSC können sich dann Risikogewichte zwischen 25% und 80% ergeben.

Gewerbliche Immobilienkredite und ihre kĂŒnftige Behandlung sind dagegen noch offen. Im Konsultationspapier werden zwei Varianten vorgeschlagen:

In Variante A werden die gewerblichen Immobilien nicht als Sicherheiten berĂŒcksichtigt. Vielmehr orientiert sich das Risikogewicht an den unbesicherten Unternehmensforderungen (60%-300%). In bestimmten (nationalen) AusnahmefĂ€llen (entwickelte und etablierte MĂ€rkte, besondere Sicherungsobjekte) können in engen Grenzen bevorzugte Risikogewichte von 50% zum Tragen kommen.

Variante B dagegen berĂŒcksichtigt die bei Wohnimmobilien eingefĂŒhrte LTV und leitet danach Risikogewichte zwischen 75% und 120% ab.

  • Verbesserung der Vergleichbarkeit der Kapitalanforderungen und Reduzierung der Diskrepanz zum IRB Ansatz

Die Überarbeitung der Kreditminderungstechniken ist ein weiterer Ansatzpunkt der aktuellen VorschlĂ€ge. Die Anzahl der fĂŒr KSA-Banken zur VerfĂŒgung stehenden Methoden soll reduziert werden. Dies betrifft vor allem die Nutzung bankeigener SchĂ€tzungen von haircuts, sowie Value-at-risk AnsĂ€tze fĂŒr bestimmte Wertpapierleihe-/Repo-Transaktionen (SFTs) oder die Nutzung Interner Modelle fĂŒr SFTs und besicherte Transaktionen mit OTC-Derivaten.

 

Weitere Entwicklung – Basel IV?

Die Überarbeitung des Kreditrisikostandardansatz ist noch nicht abgeschlossen: Forderungen an Staaten und Zentralbanken werden in dem aktuellen Papier nicht berĂŒcksichtigt und sind Gegenstand einer separaten Überarbeitung. Das BCBS wird eine Auswirkungsstudie durchfĂŒhren und anhand der dann gesammelten Daten die Überarbeitung vorantreiben. Die hierfĂŒr erforderlichen DatenblĂ€tter ergĂ€nzen die regelmĂ€ĂŸigen halbjĂ€hrlichen Basel III-Monitoring Abfragen.

Insgesamt ist die Überarbeitung des Kreditrisikostandardansatz Teil einer Reihe von laufenden Konsultationen und Überarbeitungen, die zusammen eine bedeutende Revision des Basel III Rahmenwerks darstellen werden:

Damit schließt sich der Kreis der Überarbeitung insoweit, als der Baseler Ausschuss plant, dass alle Institute die Risiken fĂŒr die Eigenkapitalanforderungen sowohl nach dem Standardverfahren als auch ggf. nach den eigenen internen Modellen ermitteln sollen.

Auf die Banken kommt also ein erheblicher Mehraufwand fĂŒr die Implementierung der neuen Anforderungen zu. KSA Banken mĂŒssen ihre bisher von externen Ratings abhĂ€ngigen Zuordnungen durch die neuen Risikotreiber ersetzen und Anpassungen bei den Kreditrisikominderungstechniken vornehmen. Im Bereich der Governance sind Anweisungen, Prozesse und Kontrollen zu ĂŒberarbeiten. Da die Standardverfahren fĂŒr die Ermittlung des Floors genutzt werden, mĂŒssen auch IRB Banken mit erheblichem Zusatzaufwand rechnen. Zudem verfĂŒgen IRB Banken, die den fortgeschrittenen IRB nutzen, bis dato nicht unbedingt ĂŒber die erforderlichen Prozesse zur ErfĂŒllung der regulatorischen Anforderungen an die Risikominderungstechniken im Standardansatz. Einem eventuell erforderlichen zusĂ€tzlichen Kapitalbedarf ist bei den Kapitalplanungsprozessen Rechnung zu tragen.

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