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Finaler Standard zur Großkreditdurchschau – Delegierte VO (EU) Nr. 1187/2014

Die Europäische Kommission hat am 2. Oktober 2014 die Delegierte Verordnung (EU) Nr. 1187/2014 zur „Bestimmung der Gesamtrisikoposition gegenüber einem Kunden oder einer Gruppe verbundener Kunden bei Geschäften mit zugrunde liegenden Vermögenswerten“ verabschiedet und am 7. November 2014 im EU-Amtsblatt veröffentlicht. Die Verordnung trifft ergänzende Regelungen zur Zerlegung bzw. Durchschau von Fondsanteilen, Verbriefungen und anderen Konstrukten mit zugrunde liegenden Adressen zur Ermittlung der für die Großkreditmeldung und -überwachung relevanten Beträge auf Basis der Vorgaben der Absätze 7 und 8 des Art. 390 CRR.

Hintergrund

Die EBA hatte den zugrunde liegenden technischen Standard (EBA Final draft Regulatory Technical Standard on the determination of the overall exposure to a client or a group of connected clients in respect of transactions with underlying assets under Article 390(8) of Regulation (EU) No 575/2013 (EBA RTS 2013/07)) im Dezember 2013 im finalen Entwurf veröffentlicht und der Kommission vorgelegt (vgl. dazu auch unseren Regulatory Blog Beitrag: „Großkreditregime – Neuer Aufsichtsstandard zur Ermittlung der Gesamtrisikoposition bei Fonds, Verbriefungen und anderen Konstrukten“ vom 19. Dezember 2013). Hierbei zeichneten sich bereits diverse einschneidende Abweichungen zu den bisherigen, in Deutschland über das Rundschreiben 8/2011 (BA) vom 15. Juli 2011 (BaFin-Rundschreiben 8/2011 (BA) – Umsetzung der CEBS-Großkreditleitlinie vom 11.12.2009 sowie weitere Auslegungsentscheidungen zu Großkreditvorschriften) umgesetzten Durchschauregelungen ab. Die von der EBA erarbeiteten Standards wurden nun mit Verabschiedung der Delegierten Verordnung nahezu vollständig bestätigt; es ergaben sich augenscheinlich keine inhaltlichen Veränderungen gegenüber dem finalen Entwurf.

Die wesentlichen Änderungen

Mit Inkrafttreten der Delegierten Verordnung – 20 Tage nach ihrer Veröffentlichung – sind die folgenden wesentlichen Veränderungen gegenüber dem BaFin-Rundschreiben 8/2011 (BA) sowie weitere Auslegungsentscheidungen zu Großkreditvorschriften unmittelbar für alle CRR-Institute anwendbar:

a)           Materialität statt Granularität

Die früheren Durchschauregelungen sahen vor, dass eine Durchschau immer dann nicht erforderlich war, wenn das Konstrukt als „granular“ galt, d.h. wenn das größte Underlying weniger als 5% des Gesamtvolumens des Konstrukts ausmachte. Sofern ein Konstrukt weder granular war noch in die einzelnen Underlyings zerlegt werden konnte, war eine Anrechnung auf einen Sammelkunden, den sog. „Unbekannten Schuldner“ vorzunehmen. Dieser war wiederum sowohl als Großkredit meldepflichtig als auch auf die Großkreditobergrenze limitiert, sodass Institute und bspw. auch die Fondsanbieter gehalten waren, geeignete Regelungen und Verfahren zur Identifizierung und Erfassung der wesentlichen zugrunde liegenden Adressen zu implementieren.

Mit Inkrafttreten der Delegierten Verordnung tritt nun eine Materialitätsgrenze an die Stelle des Granularitätskriteriums, während das Konzept des „Unbekannten Schuldners“ grundsätzlich aufrechterhalten wird. Eine Identifizierung der zugrunde liegenden Adressen und eine Anrechnung auf den „Unbekannten Schuldner“ sind dann nicht erforderlich, wenn die Investition in das Konstrukt oder in die einzelnen Underlyings nicht mehr als 0,25% der anrechenbaren Eigenmittel des Instituts ausmacht.

Durch das Abstellen der Materialitätsgrenze auf die Eigenmittel und damit die Risikotragfähigkeit des investierenden Instituts soll dem Grundgedanken der Großkreditvorschriften – der Begrenzung von Konzentrationsrisiken – besser Rechnung getragen werden. Ferner schätzt die EBA die Schwelle von 0,25% der anrechenbaren Eigenmittel als hinreichend konservativ ein, da 100 unbekannterweise in dieselbe Adresse getätigte Investitionen erforderlich wären, um die Großkreditobergrenze des Instituts zu erreichen. Dieser Erwägungsgrund verdeutlicht, dass die EBA die operative Erleichterung nur gestattet, weil sie davon ausgeht, dass Investitionen unterhalb der Materialitätsschwelle, deren Underlyings dem Institut positiv bekannt sind, stets auch für die Zwecke der Großkreditvorschriften erfasst und weiterverarbeitet werden.

Im Ergebnis dürften die Umstellung auf die Materialitätsgrenze tendenziell dazu führen, dass vor allem kleinere Institute mit einer entsprechend geringen Eigenkapitalausstattung erhöhte Durchschaupflichten zu beachten haben. Darüber hinaus ist zu berücksichtigen, dass mit der Materialitätsgrenze auch eine institutsspezifische Durchschau einhergeht: Während in der Vergangenheit regelmäßig Fondsanbieter die Granularität bestätigten oder ggf. den investierenden Instituten ein Reporting zu den zugrunde liegenden Adressen anboten, ist nunmehr die Materialitätsgrenze jedes einzelnen Instituts relevant dafür, ob eine Durchschau erforderlich ist oder nicht. Dies gewinnt auch insoweit an Bedeutung, als die regulatorischen Eigenmittel unter der CRR und damit auch die Materialitätsgrenze einer deutlich höheren Dynamik unterliegen als dies noch unter dem KWG der Fall war.

b)           Keine automatische Anrechnung des „Gesamtkonstrukts“

Nach den Vorgaben des Rundschreibens 8/2011 (BA) war ungeachtet der angewandten Durchschaumethode immer auch eine Anzeige und Anrechnung des Gesamtinvestitionsbetrags gegenüber dem Konstrukt erforderlich. Allein bei OGAW-konform regulierten Fonds, bei denen eine tägliche vollständige Zerlegung möglich war, konnte nach § 6 Abs. 2 GroMiKV a.F. die Anrechnung des Konstrukts entfallen – mit der Folge, dass der Gesamtinvestitionsbetrag die Großkreditobergrenze übersteigen durfte.

Die Delegierte Verordnung sieht vor, dass grundsätzlich nur dann eine Anzeige und Anrechnung des Gesamtkonstrukts als separater Kunden erfolgen muss, wenn dieses nicht zerlegt werden kann, aber unter die Materialitätsschwelle von 0,25% der anrechenbaren Eigenmittel fällt und somit nicht bereits dem „Unbekannten Schuldner“ zugewiesen wurde (siehe Art. 6 D-VO).

Allerdings ist stets zu untersuchen, ob aus der Investition in das Gesamtkonstrukts Adressrisiken resultieren können, die über die der Underlyings hinaus gehen und somit zusätzlich anzeige- und anrechnungspflichtig werden könnten. Ob dies der Fall ist, müssen Institute im Einzelfall zum einen anhand der rechtlichen und operativen Struktur des Konstrukts und zum anderen anhand der Zahlungsströme aus der Investition in das Konstrukt untersuchen (siehe Art. 7 D-VO).

Im Zuge der Diskussionen um die mögliche Umsetzung des EBA RTS 2013/07 hat sich noch kein Marktstandard zur genauen Auslegung der Kriterien zur Untersuchung auf zusätzliche Risikopositionen etabliert. Denkbare zusätzliche Risikopositionen könnten bspw. gegenüber dem Fondsmanager bestehen. Die Rahmenregelung des Basel Committee on Banking Supervision (BCBS) für die Messung und Begrenzung von Großkrediten vom April 2014 (BCBS 283) erwähnt in diesem Zusammenhang auch die Liquiditäts- oder Sponsorbank im Rahmen einer Verbriefungstransaktion, welche aus Sicht des Investors unter Umständen ein zusätzliches Adressrisiko in sich tragen könnte (vgl. dazu auch unser Regulatory Blog Beitrag: „Das neue Baseler Rahmenwerk zur Messung und Überwachung von Großkrediten (“Supervisory framework for measuring and controlling large exposures – Final Standard”)“ vom 21.Mai 2014). Allein im Fall von OGAW-konform regulierten Fonds wird über Art. 7 Abs. 2 D-VO klargestellt, dass zumindest aus deren rechtlicher und operativer Struktur keine zusätzlichen Adressrisiken hervorgehen.

c)            Inkrafttreten ohne Übergangs- oder Altbestandsregelungen

Die Delegierte Verordnung tritt 20 Tage nach ihrer Veröffentlichung in Kraft und enthält keinerlei Übergangs- oder Altbestandsregelungen. Dies ist vor allem insoweit bemerkenswert, als die bisherigen Vorgaben des Rundschreibens 8/2011 (BA) noch eine Altbestandsregelung für statische Positionen, die bereits am 1. Januar 2010 im Bestand waren, enthielt. Diese hätten demnach bis einschließlich 31. Dezember 2015 unter bestimmten Umständen nicht zwingend der Durchschau unterzogen und auch nicht auf die Großkreditgrenzen des „Unbekannten Schuldners“ angerechnet werden müssen.

Mit Inkrafttreten der Delegierten Verordnung sind nunmehr auch diejenigen Positionen, die bisher von den Altbestandsregelungen profitierten, unmittelbar durchschaupflichtig oder auf den „Unbekannten Schuldner“ anzurechnen. Es ist folglich nicht ausgeschlossen, dass mit Verabschiedung der Delegierten Verordnung auch geschäftspolitische Auswirkungen einhergehen, wenn bspw. Altbestände abgebaut werden müssen, um die Großkreditgrenzen einhalten zu können.

Großkreditregime – Neuer Aufsichtsstandard zur Ermittlung der Gesamtrisikoposition bei Fonds, Verbriefungen und anderen Konstrukten

Am 05. Dezember 2013 hat die European Banking Authority (EBA) einen Aufsichtsstandard zur Ermittlung der Gesamtrisikoposition gegenüber einem Kunden oder einer Gruppe verbundener Kunden im Hinblick auf Geschäfte, bei denen Risikopositionen aus zugrunde liegenden Vermögenswerten resultieren (EBA/RTS/2013/07), als finalen Entwurf veröffentlicht und an die EU-Kommission zur Verabschiedung weitergeleitet.

Mit dem Aufsichtsstandard, der sich auf Art. 390 Abs. 8 CRR bezieht, klärt die EBA folgende Fragen:

  • Welche Methoden haben Institute bei der Ermittlung der Gesamtrisikoposition gegenüber einem Kunden oder einer Gruppe verbundener Kunden bei Positionen mit  zugrundeliegenden Vermögenswerten anzuwenden? Betroffen sind Geschäfte wie Verbriefungstransaktionen, Investmentanteile, aber bspw. auch Zertifikate, Derivate, Private Equity Fonds oder Beteiligungen /Kreditengagements an Finanzunternehmen, deren Haupttätigkeit darin besteht, Beteiligungen zu halten oder zu erwerben.
  • Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit eine Transaktion mit zugrundeliegenden Vermögenswerten keine zusätzliche Risikoposition begründet?

Mit dem finalen Entwurf ist die EBA unter anderem auf zahlreiche kritische Anmerkungen zu der in dem vorangegangenen Konsultationspapier EBA/CP/2013/07 vom 17. Mai 2013 vorgesehenen Anwendung des „Full look-through“-Ansatzes ohne Berücksichtigung einer Schwellenwertregelung (bei deren Unterschreiten eine Durchschau unter bestimmten Bedingungen entbehrlich wäre) insofern eingegangen, als nun doch wieder eine Granularitätsschwelle vorgesehen ist.

Die Methoden zur Ermittlung der Gesamtrisikoposition

Um herauszufinden, ob zugrunde liegende Vermögenswerte einer Transaktion mit anderen Kundenforderungen des Instituts zusammenzufassen sind, sieht die EBA folgende Methoden vor:

  1.  Vollständige Durchschau:

    Identifizierung aller zugrundeliegenden Adressenausfallrisiken und Zuordnung zu den betreffenden Kunden bzw. zu den betreffenden Gruppen verbundener Kunden.

  2. Teilweise Durchschau:

    Das Institut identifiziert die ihm bekannten Adressenausfallrisiken und weist sie dem betreffenden Kunden bzw. den betreffenden Gruppen verbundener Kunden zu.

    Entscheidend für das weitere Vorgehen bezüglich der verbleibenden Adressenausfallrisiken ist, ob das Institut grundsätzlich in der Lage ist, die zugrunde liegenden Underlyings voneinander zu separieren (a) oder nicht (b):

a) Falls das Institut zwar die Underlyings unterscheiden, aber bei einzelnen Forderungswerten nicht ausschließen kann, dass er mit einem Adressenausfallrisiko behaftet ist und / oder der Schuldner nicht identifizierbar ist, ist folgende Wesentlichkeitsgrenze auf Ebene des Underlying maßgeblich:

i) Sofern der einzelne Forderungswert des Underlying nicht 0,25% der anrechenbaren Eigenmittel des Instituts übersteigt, wird dieser Forderungswert jeweils als separater Kreditnehmer („separate client“) erfasst.

ii) Falls der einzelne Forderungswert die Schwelle von 0,25% der anrechenbaren Eigenmittel des Instituts erreicht oder übersteigt, das Institut aber sicherstellen kann, dass die zugrundeliegenden Kreditforderungen nicht mit anderen Forderungen im Bestand des Instituts zu verknüpfen sind (und zwar einschließlich sämtlicher anderer Forderungswerte aus anderen Geschäften mit zugrunde liegenden Vermögenswerten), dann ist der Forderungswert jeweils als ein separater Kreditnehmer („separate client“) zu erfassen.
(Anmerkung: Die zweite Bedingung kann nach den Überlegungen der EBA etwa bei einem Fonds erfüllt sein, der entsprechend seinen Anlagerichtlinien ausschließlich in bestimmte geographische Gebiete oder Sektoren investiert, in die das betreffende Institut nicht weiter investiert ist.)

 iii) In allen anderen Fällen sind die Forderungswerte dem unbekannten Kunden („unknown client“) zuzuordnen.

b) Sofern es einem Institut nicht möglich ist, die einer Gesamttransaktion zugrunde liegenden Vermögenswerte voneinander zu separieren, bezieht sich der Schwellenwert auf den Gesamtforderungswert der Transaktion.

i) Wenn der Gesamtforderungswert 0,25% der anrechenbaren Eigenmittel des Instituts  nicht übersteigt, ist der Gesamtforderungswert aus der Transaktion als ein separater Kreditnehmer („separate client“) zu erfassen.

ii) Ansonsten ist der Gesamtforderungswert dem unbekannten Kunden („unknown client“) zuzuordnen.

Die EBA präferiert die vollständige Durchschau, hat aber zur Vermeidung unverhältnismäßiger Kosten der Einführung eines Schwellenwertes zugestimmt.

Überwachungsturnus

Unabhängig von der letztlich zur Anwendung kommenden Methode sind die Institute zur fortlaufenden Beobachtung der Zusammensetzung einer Transaktion angehalten – mindestens aber einmal im Monat.

Begründung einer zusätzlichen Risikoposition aufgrund der einer Transaktion selbst anhaftenden Risiken

Grundsätzlich begründet eine entsprechende Transaktion immer dann keine zusätzliche Risikoposition, wenn gewährleistet ist, dass die einer Risikoposition der Transaktion zuzuordnenden Verluste ausschließlich auf Ausfallereignissen der zugrunde liegenden Vermögenswerte beruhen. Dies ist generell anzunehmen für Investments, die den Vorgaben für UCITS entsprechen. Auch Pfandbriefe dürften die in der Verordnung genannten Kriterien erfüllen. In allen anderen Fällen hat eine Einzelfallprüfung zu erfolgen und bei Nichterfüllung ist das Konstrukt als solches ebenfalls im Hinblick auf die Großkreditvorschriften zu überwachen, anzuzeigen und anzurechnen.

Abgrenzung zu den CEBS-Guidelines

Die EBA betont, dass die CEBS-Guidelines on the implementation of the revised large exposures regime von Dezember 2009 den Ausgangspunkt ihrer Überlegungen darstellt. Der finale RTS-Entwurf enthält jedoch drei wesentliche Abweichungen:

  1. Die Granularitätsschwelle der EBA in Höhe von 0,25% bezieht sich auf die anrechenbaren Eigenmittel des Instituts, wohingegen die Granularitätsschwelle des CEBS bei 5% des Wertes der Gesamttransaktion lag.
  2. Bei Verbriefungspositionen ist es künftig nicht mehr erlaubt, eine risikomindernde Wirkung nachrangiger Tranchen zu berücksichtigen.
  3. Eine Anrechnung des Gesamtkonstrukts als Kreditnehmer nicht mehr zwingend erforderlich.

Die Abhängigkeit des neuen Schwellenwertes von den anrechenbaren Eigenmitteln soll der Einheitlichkeit dienen: so sind die anrechenbaren Eigenmittel auch die relevante Bezugsgröße bei der Ermittlung der Großkreditgrenze sowie der Großkreditobergrenze; außerdem dienen die Regeln zur Großkreditüberwachung insbesondere der Vermeidung von Klumpenrisiken – hier sieht die EBA es als konsequent an, nicht die Größe der zu betrachtenden Transaktion, sondern die Höhe der institutsspezifischen anrechenbaren Eigenmittel als Bezugsmaß heranzuziehen.

Für die neue, vorsichtigere, Behandlung tranchierter Produkte spricht aus Sicht der EBA, dass die Regelungen zu den Großkrediten ein Backstop-Regime darstellen. Dabei ist vom „Worst Case“ auszugehen und insofern ergibt eine bonitätsabhängige Tranchierung keinen Sinn.
Da nach unseren Beobachtungen in der Praxis ohnehin zumeist keine Berücksichtigung risikomindernder Aspekte durch nachrangige Tranchen vorgenommen wurden, dürften die Auswirkungen dieser Neuregelung im Allgemeinen überschaubar sein.

Beispiel zur Granularitätsschwelle

Ein Institut hat anrechenbare Eigenmittel (Artikel 4 Abs. 71 in Verbindung mit Art. 494 CRR) in Höhe von € 800 Mio.
Großkreditdefinitionsgrenze (Artikel 392 CRR):  € 80 Mio.
Großkreditobergrenze (Artikel 395 Abs. 1 CRR): € 200 Mio
Granularitätsschwelle: € 800 Mio x 0,25% = € 2 Mio.
(Wobei das Volumen der Transaktion insgesamt unterhalb der Großkreditobergrenze liegen muss.)

Folglich hat das betrachtete Institut für den Fall, dass kein zugrunde liegender Vermögenswert innerhalb eines gegebenen Konstrukts größer als € 2 Mio ist, die Möglichkeit, diese Forderungen der Transaktion als separatem Kreditnehmer zuzuordnen und nicht dem einen unbekannten Kunden, ohne eine vollständige Durchschau auf die zugrunde liegenden Kreditnehmer durchführen zu müssen.

ITS zum aufsichtsrechtlichen Reporting – Teil II: COREP, Leverage Ratio, Liquidität und Großkredite

Mit den Final draft Implementing Technical Standards on supervisory reporting requirements vom 26. Juli 2013 hat die European Banking Authority (EBA) die neuen Grundlagen für das aufsichtsrechtliche Meldewesen veröffentlicht. Neben den Vorgaben zum Financial Reporting FINREP (vgl. dazu Blog-Beitrag: „ITS zum aufsichtsrechtlichen Reporting – Teil I: FINREP &  Co“ vom 30. Juli 2013) enthält der ITS auch Vorgaben zum Reporting der Eigenmittelanforderungen (COREP), der Leverage Ratio und der Liquiditätskennzahlen (Liquidity Coverage Ratio/Net Stable Funding Ratio) sowie der Großkreditmeldungen (Large Exposure) und Höchstverlustraten aus grundpfandrechtlich besicherten Forderungen (IP Losses).

Der aktuelle ITS enthält Vorgaben zu den Meldefrequenzen, Abgabefristen, Definitionen und Meldebögen, inklusive des von der EBA entwickelten Data Point Models. Die wesentlichen Änderungen im Vergleich zu den von der EBA veröffentlichten Vorversionen zeigt dieser Beitrag ( zu den Vorversionen vgl z.B. Blog-Beitrag: „Update zu den Meldeanforderungen für die Leverage Ratio veröffentlicht – Draft ITS“ vom 06.Februar 2013).

COREP

  • Anwendungszeitpunkt

Der ITS stellt klar, dass der Erstanwendungszeitpunkt für die COREP-Anforderungen der 1. Januar 2014 ist und folglich die erste COREP-Meldung zum Stichtag 31. März 2014 mit einer einmaligen verlängerten Frist zur Abgabe bis zum 30. Mai 2014 (Einzelmeldung) bzw. bis zum 30. Juni 2014 (Gruppenmeldung) zu erfolgen hat. Zukünftig müssen die Meldungen quartalsweise an die Aufsicht geliefert werden. Die Einzel- und Gruppenmeldungen müssen immer bis zum 30. Arbeitstag nach Meldestichtag an die Aufsicht geliefert werden.

  • Inhalt

Die EBA fordert nun eine granulare Darstellung des Wertberichtigungsvergleichs, zur separaten Abbildung von ausgefallenen und nicht-ausgefallenen Forderungen (CA 4).

Bei dem Ausweis von nicht realisierten Gewinnen und Verlusten wird zwischen Staatspapieren der Kategorie AfS und allen anderen unrealisierten Gewinnen bzw. Verlusten differenziert. Darüber hinaus erfolgt ein separater Ausweis von Gewinnen und Verlusten aus der Fair Value-Bilanzierung derivativer Verbindlichkeiten, die aus dem eigenen Kreditrisiko des Instituts resultieren (Art. 33 (1c) CRR).

Risikopositionen gegenüber KMUs, für die ein privilegiertes Risikogewicht zur Anwendung kommt, sind separat auszuweisen. Darüber hinaus entfällt der in den bisherigen Entwürfen separate Ausweis von Forderungen an den Default Fund eines CCP durch Clearing Member (CA 2).

Halten Institute freiwillig strengere Anforderungen als die Mindestquoten der CRR ein (Art. 3 CRR), so sind diese durch entsprechende Datenfelder abbildbar.

Leverage Ratio

  • Anwendungszeitpunkt

Die EBA hat den 1. Januar 2014 als Erstanwendungszeitpunkt für die Meldung der Leverage Ratio festgelegt. Die erste LR-Meldung hat entsprechend zum Stichtag 31. März 2014 mit einer einmaligen verlängerten Frist zur Abgabe bis zum 30. Mai 2014 (Einzelmeldung) bzw. bis zum 30. Juni 2014 (Gruppenmeldung) zu erfolgen. Das zukünftige Reporting für die Leverage Ratio hat im Gleichlauf mit den COREP-Meldungen (Einzel- als auch Gruppenebene) zu erfolgen.

  • Inhalt

Die Meldebogen wurde an die Änderungen in der finalen CRR angepasst, indem:

    • Neue Meldepositionen zu den außerbilanziellen Positionen, die der Handelsfinanzierung dienen oder durch einen anerkannten Exportversicherer gedeckt sind, und mit einem CCF von 20% bzw. 50% im Gesamtexposure der Leverage Ratio berücksichtigt werden, eingefügt wurden
    • Der Ausweis des Betrages für Securities Financing Transcations (SFT/Wertpapierfinanzierungsgeschäfte) nach umfassender und einfacher Methode angepasst wurde.

In den finalen ITS wurden weiterhin Vorschläge aus dem Baseler Konsultationspapier zur Leverage Ratio (Revised Basel III leverage ratio framework and disclosure requirements – consultative document vom 26. Juni 2013) übernommen, die auch schon im Basel III Monitoring enthalten sind:

    • Nachrichtliche Meldung einer Nettingmethode für Securities Financing Transcations (SFT), die eine Verrechnung von Positionen mit Sicherheiten (ohne Berücksichtigung von aufsichtlichen Abschlägen) auf Nettingset- und Einzelgeschäftsebene erlaubt und gemäß des Baseler Vorschlags die maßgebliche Methode für die Add-on Berechnung ist.
    • Es erfolgt ein zusätzlicher Ausweis des Nominalbetrags von Kreditderivaten (Sicherungsnehmer) mit gleichem Referenztitel und mindestens gleicher Laufzeit wie bei korrespondierenden Sicherungsgeberpositionen, die unter Basel III dem Gesamtexposure hinzugefügt werden.
  • Reportingstruktur

Die EBA hat eine zusätzliche Tabelle für wesentliche Anteile an Unternehmen, die handelsrechtlich, aber nicht aufsichtsrechtlich konsolidiert werden, eingefügt. Die Aufgliederung erfolgt in drei Sektoren (Financial Entities, Securitisation Entities, Commercial Entities) und nach den im Rahmen der Leverage Ratio abgefragten Geschäftsarten (nur Reporting, keine Berücksichtigung in der Berechnung der Kennziffer wie unter Basel III).

Liquidität

  •  Anwendungszeitpunkt

Der ITS enthält unterschiedliche Anwendungszeitpunkte für die Liquidity Coverage Ratio (LCR) und die Net Stable Funding Ratio (NSFR). Die Meldung der NSFR hat ab dem 1. Januar 2014 zu erfolgen. Folglich hat die erste NSFR-Meldung zum Stichtag 31. März 2014 mit einer einmaligen verlängerten Frist zur Abgabe zum 30. Mai 2014 (Einzelmeldung) bzw. bis zum 30. Juni 2014 (Gruppenmeldung) zu erfolgen. Das zukünftige Reporting für die NSFR hat im Gleichlauf mit den COREP-Meldungen (Einzel- als auch Gruppenebene) zu erfolgen. Der Erstanwendungszeitpunkt für die LCR wird auf den 31. März 2014 festgesetzt. Die erste Meldung ist wie bei den anderen Meldungen mit einer einmaligen verlängerten Frist zum 30. April 2014 abzugeben. Zukünftig müssen die Institute die LCR-Meldung monatlich am 15. Kalendertag nach dem Meldestich an die Aufsicht liefern.

  • Inhalt

Bei den Meldebögen zur LCR wurde die Darstellung der liquiden Aktiva angepasst und noch granularer gestaltet. Insbesondere wurden die Vorgaben zu liquiden Aktiva (Art. 416 CRR) und dem zusätzlichen Reporting nach Anhang III zur CRR klar voneinander getrennt. Hieraus ergeben sich auch Auswirkungen auf die Meldebögen zu Zahlungsmittelzu- und -abflüssen, beispielsweise in Bezug auf die Darstellung von Repogeschäften.

In einem neuen Meldebogen zur LCR erfolgt die Abbildung der Auswirkungen von Collateral Swaps. Die Granularität der Darstellung bleibt jedoch gegenüber dem Meldebogen des Basel III-Monitorings zurück. Die Darstellung der liquiden Aktiva in den Meldebögen zur NSFR wurde an die geänderte Darstellung bei der LCR angepasst. Zudem wurde der Meldebogen zur benötigten stabilen Refinanzierung um die Darstellung der Asset Encumbrance erweitert

Großkredite

  •  Anwendungszeitpunkt

Der Erstanwendungszeitpunkt für die Großkreditmeldungen ist der 1. Januar 2014, folglich hat die erste Meldung zum Stichtag 31. März 2014 mit einer einmaligen Fristverlängerung zur Abgabe bis zum 30. Mai 2014 (Einzelmeldung) bzw. bis zum 30. Juni 2014 (Gruppenmeldung) zu erfolgen. Das zukünftige Reporting für die Großkredite hat im Gleichlauf mit den COREP-Meldungen (Einzel- als auch Gruppenebene) zu erfolgen.

  • Reportingstruktur

Die Großkreditmeldung wurde von bisher zwei auf fünf Meldebögen erweitert, wobei der bisherige Meldebogen LE 1 auf zwei Tabellen aufgegliedert und zusätzlich zwei neue Meldebögen eingeführt werden. Während an den bestehenden Formaten nur geringfügige Änderungen vorgenommen wurden, enthalten die beiden vollständig neuen Meldebögen eine sehr granulare Aufgliederung der Exposure je KNE bzw. KN nach Laufzeitbändern.

Implementing Technical Standard (ITS) on reporting for large exposures – EBA Konsultationspapier (CP 51) zum Meldewesen für Großkredite

Die European Banking Authority (EBA) hat am 13. Februar 2012 den Entwurf zum “Implementing Technical Standard (ITS) on reporting of large exposures (CP 51)” veröffentlicht. Noch bis zum 26. März 2012 steht der Entwurf zur Konsultation.  

Hintergrund

Die Harmonisierung des Meldewesens für das Großkreditregime  ist ein wesentliches Element des Europäischen Single Rulebook. Damit sollen zwei Ziele erreicht werden: Zum einen kann die Einhaltung der Art. 376 – 392 CRR zu den Vorgaben für die Großkreditobergrenzen überwacht werden. Zum anderen können die Aufsichtsbehörden auf diesem Weg die nach Art. 79 CRD IV zu analysierenden Konzentrationsrisiken ermitteln. Auf dieser Basis soll eine zuverlässige Beurteilung der aus Großkrediten resultierenden Konzentrationsrisiken und der möglichen Dominoeffekte  der Institute gewährleistet sein. Analytische Datenauswertungen sind nur möglich, wenn  eine adäquate Datenmenge  mit ausreichender Qualität  zur Verfügung steht. Das  wurde bisher in den CEBS Leitlinien (CEBS Guidelines on the implementation of the revised large exposure regime, Dec. 2009) noch nicht ausreichend berücksichtigt. Um diese Lücken – insbesondere bei der Abschätzung der Konzentrationsrisiken – zu beseitigen, sind mehr Informationen erforderlich.  Ziel ist dabei, die Vergleichbarkeit der Daten durch ein einheitliches  Meldeprozedere sicher zu stellen.  Auch die EBA und das ESRB  werden diese Informationen nutzen, um Trends und Risiken im europäischen Finanzsystem abschätzen zu können.

Meldeinhalte: Definition des „Large Exposure“

Nach Art. 381 CRR handelt es sich um einen Großkredit, wenn der Wert eines Kredites eines Instituts an einen Kunden oder eine Gruppe verbundener Kunden 10 % des anrechenbaren Eigenkapitals des Instituts erreicht oder überschreitet. Die Meldung dieser Engagements muss auch dann erfolgen, wenn die Positionen von der Anrechnung auf die Großkreditobergrenze (Art 384 (1) CRR) befreit sind. Nach dem Entwurf des ITS  sind darüber hinaus alle Kredite, deren Wert 150 Millionen EUR erreicht bzw. übersteigt zu melden. Diese Anforderung geht über die Definition der Großkredite nach der CRR weit hinaus.

Institute, die zur Ermittlung der Adressrisiken den IRB Ansatz nutzen, müssen zudem weiterhin die 20 größten Engagements auf konsolidierter Ebene melden. Diese Positionen umfassen nur große Engagements nach Nutzung der  Anrechnungserleichterungen.

Die im Rahmen der CRR vorgegebene Schwelle von 10% des anrechenbaren Eigenkapitals zur Bestimmung eines Großkredits wird durch den jetzt vorgelegten ITS-Entwurf  in Frage gestellt. Der Schwellenwert wird als zu hoch angesehen, um aus makroprudentieller Sicht eine effektive Überwachung der Konzentrationsrisiken zu gewährleisten. Entsprechend wird im ITS-Entwurf über die Einführung einer niedrigeren Schwelle konsultiert. Als mögliche Option wird zum einen die Absenkung des Schwellenwerts (z.B. auf 2% des Eigenkapitals) genannt, alternativ die Einführung eines absoluten Limits in Ergänzung zu der  10%-Schwelle vorgeschlagen.  Aus makroprudentieller Sicht wird jedoch die Festlegung eines festen Schwellenwertes bevorzugt, da die relative Bezugsgröße (prozentualer Wert des Eigenkapitals) dazu führt, dass die Größe des gemeldeten Risikos relativ  vom Eigenkapital-Level und damit von der Konzentration des jeweiligen Bankensystems abhängt.

Dies soll durch einen festen Schwellenwert bzw. ein absolutes Limit bei der Bestimmung des Großkredits vermieden werden. Um den unterschiedlichen Bankensystemen innerhalb Europas Rechnung zu tragen, besteht für die zuständigen nationalen Behörden, die Möglichkeit, den absoluten Schwellenwert entsprechend nach unten zu korrigieren.

Aufgliederung der Kredite

Der technische Standard führt mit den Anlagen VIII und IX (Annex VIII, IX) auch die Aufgliederung der Kredite nach unterschiedlichen Kriterien ein. Insbesondere die Aufgliederung der Kreditnehmer nach Herkunft/Ländern, Sparte (also z.B. Zentralbank, Kreditinstitut, Investmentfirmen etc.)  und wirtschaftlichem Betätigungsfeld und die Frage, welchen Aufwand dies für die Institute bedeutet, stehen im Zentrum der Konsultation.

Kreditnehmereinheiten

Der Meldepflicht der großen Engagements liegt die umfassende Kreditnehmereinheit nach § 19 Abs. 2  KWG (Beherrschungstatbestand oder Risikoeinheit) analog Art. 4 (46) CRR zugrunde. Für die in Deutschland gerade auch in der Überarbeitung befindlichen Millionenkreditmeldungen wird bei der relevanten Kreditnehmereinheit nur auf den Beherrschungstatbestand abgestellt. Diese Differenzierung kann in den Instituten einen erheblichen Erhebungs- und Dokumentationsaufwand nach sich ziehen.

Umsetzungsfristen

Keine Zeit für lange Fristen: Die Institute müssen die Anforderungen der CRR zum 01.01.2013 erfüllen. Entsprechend wird als erste reguläre Meldeperiode das 1. Quartal 2013 angenommen, was bedeutet, dass das erste Referenzdatum für das Reporting in Sachen large exposures der 31.03.2013 sein wird.

Und wie ist der Stand in Deutschland?

Mit dem Rundschreiben 8/2011 (BA) – Umsetzung der CEBS-Großkreditleitlinie vom 11.12.2009 sowie weitere Auslegungsentscheidungen zu Großkreditvorschriften vom 15. 07.2011 – wurden die Leitlinien des CEBS (Guidelines on the implementation of the revised large exposure regime, Dec. 2009) für die Anwendung des § 19 Absatz 2 KWG und des § 6 Absatz 1 GroMiKV in die deutsche Verwaltungspraxis eingeführt. Darüber hinaus ist das Meldewesen im Rahmen der in 2011 angelaufenen Neukonzeption aktuell einem nicht unerheblichen Wandel unterworfen. Der mit dem vorliegenden technischen Standard verbundene Umsetzungsaufwand hängt davon ab, inwieweit die  vorhandene Meldesoftware problemlos auf Engagements, die deutlich unter der jetzigen relativen Großkreditdefinitionsgrenze liegen, entsprechend angewendet werden kann. Im Gegensatz zu den aktuell laufenden Arbeiten am neuen Konzept für das Meldewesen (vgl. Blog-Beitrag „Neues Meldewesen für Millionenkredite, Finanzdaten und Risiko – Informationen für die Zukunft“ vom 24.03.2011) beinhaltet der ITS der EBA einen „Mindeststandard“, der weitgehend bekannt sein dürfte. Allerdings kann die vorgesehene absolute Meldeschwelle für einige Institute  gleichwohl erheblichen Zusatzaufwand nach sich ziehen. Das impliziert, die Prozesse innerhalb des Instituts entsprechend anzupassen, um rechtzeitig die gewünschte Datenmenge und –qualität liefern zu können.

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