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Liquiditätsanforderungen Reloaded: neue Entwicklungen bei der LCR

Liquidität im Fokus der Aufsicht: Seit dem 13. Juli 2018 liegt die Delegierte Verordnung zur Anpassung der bisherigen Vorschriften für die Liquiditätsdeckungsquote (LCR) der EU Kommission vor (D-VO 2018/1620). Damit einhergehend konsultiert die European Banking Authority (EBA) seit August 2018 die daraus resultierenden Anpassungen an den LCR-Meldevordrucken (EBA/CP/2018/12). Die erstmalige Befüllung der neuen Meldetemplates steht im Einklang mit dem Erstanwendungszeitpunkt der überarbeiteten Regelungen im April 2020 und ist damit nicht mehr in allzu weiter Ferne. Auch die am 16. April 2019 verabschiedete CRR II beinhaltet neben der Ausgestaltung der Mindestanforderung an die Net Stable Funding Ratio (NSFR) (näher hierzu unser Regulatory Blog Beitrag: „Leverage Ratio und NSFR werden scharfgeschaltet!“ vom 11. März 2019) Überarbeitungen des Teils VI der CRR zur Liquidität. Erfahren Sie in diesem Beitrag, welche wesentlichen Neuerungen sich aus der Überarbeitung der Delegierten Verordnung (EU) 2015/61 („LCR-Verordnung“) und der CRR ergeben und weshalb Institute die fachlichen Änderungen nicht nur bei der Befüllung der Meldetemplates, sondern immer stärker auch in ihrer internen Liquiditätssteuerung berücksichtigen sollten.

Liquiditätsmeldewesen im Wandel – Teil 5: Ausblick: EBA Leitlinien zur Offenlegung und untertägigen Liquidität

Mit der Einführung der CRR hat eine Regulierungswelle mit besonderem Fokus auf dem Thema Liquidität begonnen. Auch nach Beginn der Meldeverpflichtung für die beiden Liquiditätskennziffern Liquidity Coverage Ration (LCR) (dazu Regulatory Blog Beitrag: „Liquiditätsmeldewesen im Wandel – Teil 1: die Delegierte Verordnung zur Liquidity Coverage Ratio“ vom 16. Mai 2015) und der Net Stable Funding Ratio (NSFR) (dazu Regulatory Blog Beitrag: „Liquiditätsmeldewesen im Wandel – Teil 2: Finales Papier des Baseler Ausschusses zur Net Stable Funding Ratio“ vom 05. November 2015) steht das aufsichtliche Rad nicht still. Daher stellt sich nun die Frage wie und in welcher Form das Thema Liquidität in die Offenlegung einfließen wird. Der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht (BCBS) hat hierzu bereits in 2014 und 2015 Vorschläge erarbeitet (Liquidity coverage ratio disclosure standards (BCBS 272) und Net Stable Funding Ratio disclosure standards (BCBS 324)), die im Laufe des Jahres 2016 durch die European Banking Authority (EBA) konkretisiert werden sollen.

Auch bezogen auf die Meldeanforderungen wird nach der Einführung der Additional Liquidity Monitoring Metrics (ALMM) – siehe hierzu auch Regulatory Blog Beitrag: „Liquiditätsmeldewesen im Wandel – Teil 3: Additional Liquidity Monitoring Metrics (ALMM) vom 14. Januar 2016) – noch nicht das Ende der regulatorischen Initiativen erreicht. Vielmehr ist nun die untertägige Liquidität Gegenstand der aufsichtlichen Beratungen. Hierzu hat der Basler Ausschuss bereits Vorschläge erarbeitet (Monitoring tools for intraday liquidity management (BCBS 248)), die ebenfalls bis Ende 2016 durch die EBA aufgegriffen werden sollen.

Zukünftige Offenlegungsanforderungen für die Liquiditätskennzahlen

Die Offenlegungsanforderungen des Baseler Ausschusses sehen zwei grundsätzliche Bereiche vor:

  1. Quantitative Offenlegung über Einhaltung und Zusammensetzung der Quoten anhand standardisierter Templates
  2. Qualitative Offenlegung in Umfang und Inhalt in der Verantwortung der Institute

LCR-Offenlegung

Für die Offenlegung der LCR hat die EBA, basierend auf dem Mandat gemäß Art. 435 CRR am 11. Mai 2016 einen ersten Entwurf für eine Leitlinie zur Konsultation gestellt (Draft Guidelines on LCR disclosure to complement the disclosure of liquidity risk management under Article 435 of Regulation (EU) No 575/2013 (EBA/CP/2016/06)). Die EBA hat sich hierbei an den Vorschlägen des Basler Ausschuss aus dem März 2014 orientiert.

Analog zu den bisherigen Offenlegungsanforderungen im Zusammenhang mit den regulatorischen Eigenmitteln, zeigen die Entwürfe von Baseler Ausschuss und EBA, dass sich die quantitative Darstellung nicht auf eine 1:1 Abbildung der Meldebögen beschränkt, sondern abgewandelte und aggregierte Aufrisse gefordert sind. So sind bspw. die HQLA nur in ihrer Gesamtheit aufzuführen – ohne Detaildarstellung der Level und Kategorien.

Dafür sind bei den geforderten Werten jedoch weitere Datenanforderungen zu erfüllen: Darzustellen sind die LCR-Positionen (1) ungewichtet nach Bilanzwert, (2) gewichtet nach Anwendung von Haircuts, bzw. Zufluss- oder Abflussraten sowie angepasste Werte nach Anwendung von Caps für Zuflüsse oder Level 2A und 2B Aktiva. Zudem sind die Werte als Durchschnittswert zum Ende eines jeden Quartals zu ermitteln, was eine tägliche Berechnung der LCR und ihrer Bestandteile voraussetzt. Dies dürfte für die Mehrzahl der Institute eine große Herausforderung darstellen.

Der Basler Vorschlag sah vor, dass den zuständigen Aufsichtsbehörden Spielräume bei der Umsetzung zugestanden werden. Diese sollten es ermöglichen, die geforderten Durchschnittswerte zunächst auf Basis der monatlichen Meldung zu ermitteln. Die EBA hat keine gleichwertige Übergangsregelung formuliert, die operative Umsetzbarkeit einer täglichen Berechnung mit der erforderlichen Qualität jedoch noch einmal zur Konsultation gestellt.

Ergänzend zu den LCR-Bestandteilen sollen folgende qualitative Teilaspekte durch die Institute offengelegt werden:

  • Konzentration der Refinanzierungsquellen
  • Derivate-Exposures und ggf. Sicherheitenverpflichtungen
  • Währungsinkongruenzen in der LCR
  • Beschreibung der Organisation des Liquiditätsrisikomanagements wie z.B. Grad der Zentralisierung im Fall von Gruppen und die gruppeninterne Steuerung
  • Andere Zu- und Abflüsse, die für das Liquiditätsprofil relevant sind

Der Basler Vorschlag sah auch eine Kommentierung zur Entwicklung der Quote und deren wesentlichen Treiber im Zeitablauf sowie eine Erläuterung zur Zusammensetzung der liquiden Aktiva vor. Diese Aspekte wurden von der EBA nicht übernommen.

Darüber hinaus enthält die EBA Leitlinie eine LCR-übergreifende qualitative Offenlegungspflicht, mit der ein breites Spektrum des internen Liquiditätsmanagements abgedeckt werden soll. Der Entwurf sieht insbesondere vor, Informationen zur Organisation und Governance des Liquiditätsrisikomanagements, zu den Reportingstrukturen sowie eine Darstellung der Liquiditätsstrategie offenzulegen. Gefordert ist zudem eine Stellungnahme der Geschäftsleitung zur Angemessenheit der Risikomanagementstrategie und -systeme im Verhältnis zur Geschäftsstrategie in Bezug auf die Liquidität.

Die Finalisierung und die anschließende Umsetzung der EBA Leitlinie durch die nationalen Behörden sollen bis zum Juni 2017 abgeschlossen sein. Für die Frequenz der Offenlegung wird in den Leitlinien keine verbindliche Vorgabe über die jährliche Frequenz hinaus gemacht. Speziell die LCR-Quote sowie ihre beiden wesentlichen Bestandteile, d.h. die hochliquiden Aktiva und der Nettozahlungsmittelabflüsse werden jedoch als „rasch veränderliche“ Werte definiert, für die gemäß den Vorgaben der EBA Leitlinie 2014/14 zur Offenlegung – umgesetzt über das BaFin Rundschreiben 2015/05 – Umsetzung der EBA-Leitlinien zur Offenlegung vom 08.06.2015 – eine höhere als eine jährliche Offenlegungsfrequenz angeregt wird. Dessen ungeachtet legen einzelne Institute bereits heute die LCR auf Basis der Baseler Vorgaben offen, weil dies u.a. von den Marktteilnehmern eingefordert wird.

NSFR-Offenlegung

Die Offenlegung der NSFR Bestandteile hängt im ersten Schritt mit den Entscheidungen des EU-Verordnungsgebers über die Kalibrierung und Anwendung der Standards zusammen, die bis zum Ende des Jahres erfolgen soll. Sofern die Einführung einer verbindlichen Quote final entschieden ist, kann im zweiten Schritt mit einer einheitlichen Offenlegungsanforderung gerechnet werden.

Unabhängig von der ausstehenden Entscheidung auf EU-Ebene hat sich der Baseler Ausschuss bereits Gedanken über eine standardisierte Offenlegung der NSFR gemacht und eine Anwendung ab 2018 angeregt.

Aufzubereiten wären hiernach die vierteljährlichen Stichtagswerte – entweder im Rahmen der halbjährlichen oder vierteljährlichen Gesamtoffenlegung des Institutes. Im Bereich der qualitativen Angaben sehen die Vorschläge des Komitees eine Zeitreihenanalyse und zusätzliche Erklärungen zu voneinander abhängigen Aktiva und Verbindlichkeiten vor.

Intraday Liquidity – Leitlinien zum Reporting der untertägigen Liquidität

Der Basler Ausschuss hat auch hier bereits in 2013 ein erstes Konsultationspapier veröffentlicht (BCBS 248).

Es ist zunächst nicht vorgesehen weitere harte Mindestanforderungen zu implementieren, sondern vielmehr Beobachtungskennzahlen abzufragen. Ein wesentliches Ziel besteht darin, typische Muster im Zahlungsverhalten der Institute im Normalszenario abzuwandeln, um die Entwicklung möglicher Stresssituationen rechtzeitig zu erkennen und ihnen begegnen zu können.

Das aktuelle Arbeitsprogramm der EBA sieht hier vor, bis zum 31. Dezember 2016 Leitlinien über eine nationale Umsetzung vorzulegen; vor diesem Hintergrund ist zunächst nicht mit einer Meldeanforderung vor 2017 zu rechnen.

In den EBA-Leitlinien zum zukünftigen Supervisory Review and Evaluation Process (Guidelines on common procedures and methodologies for the supervisiory review and evaluation process (SREP), (EBA/2014/13)), die bereits zum 01.01.2016 in Kraft getreten sind, wird das Thema der untertägigen Liquiditätssteuerung jedoch bereits heute als ein Bestandteil für die Bewertung des ILAAP (Internal Liquidity Adequacy Assessment Process) definiert.

Das vom BCBS vorgeschlagene Monitoring Tool-Set besteht aus vier Meldekomponenten, die für alle Banken relevant sind und drei weiteren Meldepositionen, die Banken mit einem speziellem Geschäftsmodell betreffen. Die Einreichung der Daten soll auf monatlicher Basis erfolgen – analog zur LCR Meldung.

1. Tägliche maximale Liquiditätsauslastung

  • Gemessen am Zentralbankkonto oder den zentralen Clearingkonten bei anderen Banken sollen die jeweils drei größten positiven und negativen Kontostände sowie der Tagesdurchschnitt im Meldezeitraum ermittelt werden.

2. Verfügbare Intraday Liquidität zu Beginn des Geschäftstages

  • Nach Ermittlung der täglich verfügbaren Liquidität zu Beginn eines jeden Tages in der Berichtsperiode sollen die Werte der drei Tage mit der geringsten verfügbaren Liquidität sowie der Durchschnittswert gemeldet werden.
  • Zusätzlich soll ein Aufriss über die Liquiditätsquellen, darunter Zentralbankguthaben, Guthaben bei Banken, erhaltene widerrufliche und unwiderrufliche Kreditlinien sowie verfügbare Sicherheiten gegeben werden.

3. Summe der Bruttozahlungen

  • Banken sollen angeben, welche Zahlungen auf Bruttoebene täglich insgesamt über ein zentrales Zahlungsverkehrssystem (z.B. TARGET 2) transferiert wurden. Vorgesehen sind hierbei die drei höchsten, bzw. niedrigsten Werte und der jeweilige Durchschnittswert im Berichtszeitraum.

4. Zahlungen mit fixem untertägigem Rückzahlungstermin

  • Hierbei müssen Banken die Werte ermitteln, für die untertägig ein fester Rückzahlungszeitpunkt (Uhrzeit) vereinbart ist und auch hier ist, neben den drei höchsten Tagesgesamtsummen, wieder ein Tagesdurchschnittswert über den Berichtszeitraum zu ermitteln.

Besonderheiten für Korrespondenzbanken und direkte Teilnehmer an Zahlungsverkehrssystemen

Korrespondenzbanken, die Zahlungen im Namen anderer verwalten und weiterleiten, müssen die drei höchsten Tagesummen an Zahlungen melden, die im Namen des Kunden getätigt werden sowie den Durchschnitt der täglichen Zahlungen in Berichtszeitraum. Darüber hinaus sieht das Baseler Komitee vor, dass Korrespondenzbanken die Tagessumme aller untertägig gewährten Kreditlinien sowie die untertägige Höchstauslastung dieser Kreditlinien, unter Berücksichtigung von Besicherungen und der konkreten Zusage erfassen. Direkte Teilnehmer an Zahlungsverkehrssystemen haben darüber hinaus auf stündlicher Basis das transferierte Geldvolumen zu ermitteln und den täglichen Durchschnittswert des Berichtszeitraumes zu bestimmen.

Herausforderungen für die Institute

Das Reporting der untertägigen Liquidität stellt die Banken vor große Herausforderungen. Neben der Bestimmung des Reporting-Umfangs in Bezug auf die relevante Konsolidierungsebene bzw. den rechtlichen Einheiten, Währungen, zu berücksichtigenden Niederlassungen und Liquiditätsquellen (Zahlungsverkehrssysteme, Korrespondenzbanken und Korrespondenzbank-Kunden) stellt insbesondere die Beschaffung der für das Reporting relevanten Datengrundlage die Banken vor große Herausforderungen.

So besteht für die Banken die Notwendigkeit alle für das Reporting relevanten Datenquellen zu identifizieren und die Daten auf Ebene der einzelnen Monitoring Tools für jedes Meldetemplate zu aggregieren.

Banken, die als Korrespondenzbanken im Markt auftreten, stehen zudem vor der Herausforderung alle Daten für die untertägige Auslastung von Kreditlinien in „real-time“ über alle Korrespondenzbanken hinweg verfügbar zu halten, um die untertägige Höchstauslastung daraus ableiten zu können.

Darüber hinaus stehen Banken, die als Kunden von Korrespondenzbanken und als Teilnehmer von Zahlungsverkehrssystemen agieren, noch weiteren Herausforderungen gegenüber:

  • Aufbau eines „real-time“ Zeitstempels im täglichen Zahlungsverkehr mit Korrespondenzbanken, um die Liquiditätsauslastung gegenüber den Korrespondenzbanken ermitteln zu können.
  • Möglichkeit zur Bestimmung der Höhe der widerruflichen Kreditlinien von Korrespondenzbanken.
  • Schaffung einer Möglichkeit zur Identifizierung und Bestimmung von zeitspezifischen Zahlungen über Korrespondenzbanken oder Zahlungsverkehrssysteme.

Fazit

Es bleibt insgesamt noch abzuwarten, wie nah sich die finalen Leitlinien der EBA an den Vorschläge des Baseler Ausschusses – sowohl beim Thema Offenlegung als auch bei den Anforderungen zur untertägigen Liquidität – orientieren werden.

Die aktuellen Reportingformate, die durch den Baseler Ausschuss, bzw. die EBA vorgeschlagen werden, wirken bezogen auf die Anzahl der Datenfelder und die inhaltlichen Anforderung zunächst überschaubar, bergen in der technischen Umsetzung jedoch komplexe Herausforderungen: z.B.im Falle der LCR Offenlegung durch die Forderung des Ausweises von Durchschnittswerten auf Tagesbasis. Die Anforderungen zum Monitoring der untertägigen Liquidität machen es darüber hinaus erforderlich, alle Zahlungsflüsse für das Meldewesen auf Einzelebene in Echtzeit zu erfassen und weiterzuverarbeiten.

Beiden Vorgaben ist gemeinsam, dass die inhaltlichen Anforderungen insbesondere zur internen Steuerung der LCR und der untertätigen Liquidität bereits seit Beginn 2016 formal über den SREP Prozess durch die Aufsichtsbehörden bewertet werden können und in anderen EU-Ländern wohl auch bereits Säule II-Zuschläge auf die LCR festgelegt werden.

Weiterhin gilt für ausgewählte große Institute bereits heute eine Meldepflicht der Intraday Liquidity, auch ohne, dass es eine formelle EBA Vorgabe gibt.

Ausübung der im Unionsrecht eröffneten Optionen und Ermessensspielräume durch die EZB – Verordnung (EU) 2016/445

Am 24. März 2016 wurde die finale Verordnung (EU) 2016/445 über die Nutzung der im Unionsrecht eröffneten Optionen und Ermessensspielräume im Amtsblatt der Europäischen Union (EZB/2016/4) (nachfolgend „Verordnung“) veröffentlicht.

Hintergrund

Sowohl die Richtlinie 2013/36/EU („CRD IV“) als auch die Verordnung 575/2013 („CRR“) enthalten zahlreiche Optionen und Ermessensspielräume für die zuständigen Behörden, die die EZB als zuständige Aufsichtsbehörde für die SSM-Institute ausübt. Ziel der vorliegenden EZB Verordnung ist es, die Aufsichtspolitik über die bedeutenden Institute zu vereinheitlichen und transparenter zu gestalten.

Wesentliche Inhalte

Die Verordnung ist für bedeutende Institute, die unter der direkten Aufsicht der EZB stehen, unmittelbar bindend. Sie tritt grundsätzlich ab dem 1. Oktober 2016 in Kraft. Die Bestimmung zur Ausfalldefinition (Art. 178 CRR) tritt ab dem 31. Dezember 2016 in Kraft und die Regelung zu den Abflüssen aus stabilen Privatkundeneinlagen (Art. 24 der Del. VO 2015/61) ab dem 1. Januar 2019. Für weniger bedeutende Institute (LSI) gelten in Deutschland weiterhin die national eingeräumten Wahlrechte.

Die Verordnung beinhaltet Regelungen zu Eigenmitteln, Kapitalanforderungen, Großkrediten, Liquidität sowie Übergangsbestimmungen. Bei Abweichungen zu den bisher national geltenden Regelungen lässt die EZB in der Regel den nationalen Bestimmungen weiterhin den Vorrang.

  • Eigenmittel

Nach der CRR können zuständige Behörden in Bezug auf qualifizierte Beteiligungen außerhalb des Finanzsektors, deren Betrag 15% der anrechenbaren Eigenmittel des Instituts überschreitet, das Halten dieser Beteiligungen verbieten oder die Anwendung eines Risikogewichts von 1250% fordern. Alternativ können die Institute einen Abzug von den Posten des harten Kernkapitals vornehmen. Die EZB sieht davon ab, ein Verbot für solche qualifizierte Beteiligungen auszusprechen und entscheidet sich für eine Risikogewichtung von 1250%.

  • Kapitalanforderungen

Kreditrisiko: Den zuständigen Behörden wird in Art. 178 Abs. 1 Buchstabe b) CRR eingeräumt, für die Annahme des Schuldnerausfalls bei einer Überfälligkeit mit mehr als 90 Tagen für durch Wohnimmobilien oder durch Gewerbeimmobilien von KMU besicherte Risikopositionen der Risikopositionsklasse „Mengengeschäft“ und für Risikopositionen gegenüber öffentlichen Stellen den Zeitraum von 90 Tagen durch 180 Tage zu ersetzen. Von dieser Ersetzungsbefugnis macht die EZB keinen Gebrauch.

Marktrisiko: Gemäß Art. 327 Abs. 2 CRR ist eine Aufrechnung der Positionen in Wandelanleihen gegen Positionen in den zugrunde liegenden Instrumenten nicht zulässig, es sei denn die zuständigen Behörden wählen ein Verfahren, das die Umwandlungswahrscheinlichkeit einer bestimmten Wandelanleihe berücksichtigt, oder legen eine Eigenmittelanforderung zur Deckung möglicher Verluste bei der Umwandlung fest. In der Verordnung gestattet die EZB Kreditinstituten eine Aufrechnung der Positionen in Wandelanleihen gegen Positionen in den diesen zugrunde liegenden Instrumenten vorzunehmen, wenn die national zuständige Behörde vor dem 4. November 2014 ein solches Verfahren gewählt hat oder eine Eigenmittelanforderung zur Deckung möglicher Verluste bei der Umwandlung festgelegt hat. Die von den national zuständigen Behörden gewählten Verfahren sollen bis zur Verabschiedung eines eigenen Ansatzes der EZB weiterhin angewandt werden.

  • Großkredite

Großkreditobergrenzen: Die in Art. 395 Abs. 1 CRR genannte Großkreditobergrenze von 150 Mio. EUR fasst die EZB trotz der eröffneten Möglichkeit in der CRR nicht niedriger.

Anrechnungserleichterungen: Weiterhin nimmt die EZB ihren Entscheidungsspielraum im Hinblick auf die Ausnahmen von der Großkreditobergrenze gemäß Artikel 400 Abs. 2 CRR wahr und weicht damit teilweise von den Bestimmungen der GroMiKV ab. So sollen gemäß der Verordnung gedeckte Schuldverschreibungen für 80% ihres Nennwerts von der Anwendung ausgenommen werden (abweichend: § 1 Nr. 1 GroMiKV, dort Ausnahme in voller Höhe). Allerdings gewährt die EZB in der Verordnung den nationalen Bestimmungen Vorrang, wenn der jeweilige Mitgliedsstaat die in Art. 493 Abs. 3 CRR vorgesehene Option, die spezifischen Risikopositionen vollständig oder teilweise auszunehmen, genutzt hat. Mit dem Erlass der GroMiKV hat Deutschland von diesem Optionsrecht Gebrauch gemacht, sodass in Deutschland weiterhin die Ausnahmen nach der GroMiKV gelten.

  • Liquidität

LiqV: Für die LCR-Meldepflicht sollen die nationalen Bestimmungen weiterhin gelten. Kreditinstitute haben die nach nationalem Recht vorgeschriebenen Informationen zur Überwachung der Einhaltung nationaler Liquiditätsstandards der EZB zu melden, sofern diese nicht bereits national zuständigen Behörden zur Verfügung gestellt worden sind. Die Liquiditätsverordnung ist bis zur vollständigen Einführung der LCR parallel anzuwenden.

Liquiditätsabflüsse: Für die Festlegung der Abflussrate für außerbilanzielle Posten für Handelsfinanzierung schöpft die EZB den in Art. 420 Abs. 2 CRR festgelegten Rahmen vollumfänglich aus und legt eine Abflussrate von 5% fest.

  • Übergangsbestimmungen

In den Bestimmungen zu den Übergangsregelungen legt die Verordnung im Wesentlichen die anwendbaren Prozentsätze innerhalb der in der CRR vorgesehenen Spanne fest, die mit den Prozentsätzen der SolvV übereinstimmen.

Nicht realisierte Gewinne/Verluste: Gemäß der EZB Verordnung sollen Kreditinstitute bei der Berechnung des harten Kernkapitals nicht realisierte Verluste aus Vermögenswerten oder Verbindlichkeiten in 2016 zu 60% und 2017 zu 80% berücksichtigen; nicht realisierte Gewinne aus Vermögenswerten oder Verbindlichkeiten berücksichtigen sie in 2016 zu 40% und 2017 zu 20% nicht (entspricht jeweils den Prozentsätzen aus der SolvV). Die EZB Verordnung schließt Verluste bzw. Gewinne aus Risikopositionen gegenüber Zentralstaaten der Kategorie „zur Veräußerung verfügbar“ mit ein. Dagegen hat die BaFin über die Allgemeinverfügung vom 20.02.2014 zu Artikel 467 Absatz 2 der Verordnung (EU) Nr. 575/2013 den Instituten erlaubt, nicht realisierte Gewinne oder Verluste aus Risikopositionen gegenüber Zentralstaaten der Kategorie „zur Veräußerung verfügbar“ in keinem Bestandteil der Eigenmittel zu berücksichtigen.

Beteiligungen an Versicherungsunternehmen: Darüber hinaus sollen nach der EZB Verordnung nunmehr Beteiligungen an Versicherungsunternehmen von Posten des harten Kernkapitals ab 2019 in Abzug gebracht werden. Aus dem Entwurf zu dem Leitfaden vom 11. November 2015 der EZB geht hervor, dass die EZB Kreditinstituten weiterhin auf der Grundlage der Erlaubnis nach Art. 49 Abs. 1 CRR, die vor dem 4. November 2014 erteilt wurde, den Nichtabzug von Beteiligungen an Versicherungsunternehmen gestatten will, sofern die entsprechenden Offenlegungspflichten erfüllt werden.

Ausnahme von Beteiligungspositionen aus dem IRB-Ansatz: Gemäß Art. 495 Abs. 1 CRR dürfen zuständige Behörden Ausnahmen für bestimmte Kategorien von Beteiligungspositionen von der Behandlung im IRB-Ansatz gestatten (bis zum 31. Dezember 2017). Die EZB nimmt lediglich diejenigen Kategorien von Beteiligungspositionen aus, für die bereits zum 31. Dezember 2013 durch die zuständige Behörde eine Ausnahme von der Behandlung im IRB-Ansatz eingeräumt wurde. Eine solche zeitliche Vorgabe enthält die SolvV nicht.

Latente Steueransprüche: Schließlich verkürzt die EZB den Zeitraum des Phase-in für, von der künftigen Rentabilität abhängige latente Steueransprüche, die bereits vor dem 1. Januar 2014 bestanden, auf 2019. Die CRR lässt Phase-in bis 2023 zu.

Fazit

Die EZB beabsichtigt mit der Verordnung die Rechtsanwendung und die Beaufsichtigung der bedeutenden Institute zu harmonisieren und einheitliche Wettbewerbsbedingungen zu schaffen. Insoweit betrifft diese Verordnung ausschließlich bedeutende Institute. Auf weniger bedeutende Institute ist sie nicht anwendbar. Dies kann eine uneinheitliche Behandlung zwischen den bedeutenden und weniger bedeutenden Instituten nach sich ziehen. Die EZB hat bereits angekündigt, in enger Zusammenarbeit mit den nationalen Behörden auch auf der Ebene der weniger bedeutenden Institute eine einheitliche Handhabung anzustreben, um die möglichen Unterschiede weitgehend auszuräumen.

Dagegen lässt sie aber selbst auch in Art. 9 Abs. 7 Raum für Unterschiede, indem sie den nationalen Vorschriften z.B. in Bezug auf die Ausnahmen von der Großkreditobergrenze Vorrang einräumt.

Mehr Details zu den Großkreditregelungen erhalten Sie in der aktuellen Ausgabe des Großkommentars zum KWG „Reischauer/Kleinhans“: Hier können Sie von unserem Fachwissen bei der Kommentierung zu den Großkrediten profitieren.

Liquiditätsmeldewesen im Wandel – Teil 3: Additional Liquidity Monitoring Metrics (ALMM)

Neben den ab dem 1. Januar 2014 in Kraft getretenen neuen Anforderungen über die Liquiditätsdeckung (LCR) und die stabile Refinanzierung (NSFR) wird das Liquiditätsmeldewesen in naher Zukunft um eine zusätzliche Meldeanforderung erweitert – die Additional Liquidity Monitoring Metrics (ALMM). Sie sollen die beiden genannten Kennziffern, die in direkte Reaktion auf die Finanzmarktkrise der Jahre 2007 ff. entwickelt wurden, ergänzen. Hierdurch soll der Bankenaufsicht ein umfassender Überblick über die Liquiditätslage der Institute geboten werden.
Folglich handelt es sich bei den ALMM nicht um einzelne Kennziffern oder zwingend einzuhaltende Mindestquoten, sondern ein Set aus Meldebögen die in einem hohen Maß an Granularität Informationen über verschiedene Liquiditäts-relevante Sachverhalte bieten. Hierdurch werden sie auch zu einer wichtigen Datenquelle für den Liquiditäts-SREP der Aufsicht (dazu auch der Risk Blog Beitrag: „SREP Serie (Teil 10): Beurteilung der Liquiditätsausstattung“).
Mit der hohen Granularität gehen entsprechende Herausforderungen bei der Umsetzung der ALMM einher, sowohl hinsichtlich Datenqualität wie auch Datenverfügbarkeit. Darüber hinaus wurde bis zum Zeitpunkt des Erscheinens dieses Beitrags noch keine finale Fassung der ALMM im EU Amtsblatt veröffentlicht, obwohl das Inkrafttreten zuletzt für den 1. Januar 2016 in Aussicht gestellt wurde.

Hintergrund

Als Resonanz auf die Finanzkrise der Jahre 2007 ff. wurden die bankaufsichtlichen Regelungen zur Liquidität der Institute weitgehend überarbeitet und international vereinheitlicht. Kernpunkt der Reformen durch den Baseler Ausschuss waren die Einführung von zwei neuen Liquiditätskennziffern, der Liquidity Coverage Ratio (LCR – dazu Regulatory Blog: „Liquiditätsmeldewesen im Wandel – Teil 1: die Delegierte Verordnung zur Liquidity Coverage Ratio“) und der Net Stable Funding Ratio (NSFR – dazu: Regulatory Blog „Liquiditätsmeldewesen im Wandel – Teil 2: Finales Papier des Baseler Ausschusses zur Net Stable Funding Ratio“). Nach Ansicht des Baseler Ausschusses bieten beide Kennziffern jedoch noch nicht den notwendigen, umfassenden Überblick über die verschiedenen Facetten des Liquiditätsrisikos. Aus diesem Grund werden sie durch die Additional Liquidity Monitoring Metrics (Basel III: The Liquidity Coverage Ratio and liquidity risk monitoring tools) ergänzt.

Die Umsetzung der Baseler Vorschläge zu den ALMM erfolgt in der EU durch Artikel 415 Abs. 3 Buchst. b) der CRR-Verordnung. Hiernach wird die EBA ermächtigt, Entwürfe technischer Durchführungsstandards (ITS) über zusätzliche Parameter für die Liquiditätsüberwachung (ALMM) zu entwickeln, die der Aufsicht einen umfassenden Überblick über das Liquiditätsrisikoprofil der Institute ermöglichen. Die EBA hat am 18. Dezember 2013 den finalen Entwurf des ITS veröffentlicht (EBA/ITS/2013/11). Eine Aktualisierung erfolgte am 24. Juli 2014 (EBA/ITS/2013/11/rev1). Im Folgenden wird auf den Anwendungsbereich und die einzelnen Meldebögen des ITS vom 24. Juli 2014 näher eingegangen.

Anwendungsbereich

Die Meldung über die ALMM ist grundsätzlich auf Ebene des Einzelinstituts und der Institutsgruppe zu erfüllen. Gemäß Artikel 8 CRR ist eine Ausnahme von der Anwendung der Liquiditätsanforderungen auf Einzelbasis unter den dort genannten Bedingungen möglich (sog. Liquiditätswaiver).

Die Berichterstattung über die ALMM hat grundsätzlich auf monatlicher Basis zu erfolgen. Abweichend davon können Institute auf quartalsweiser Basis melden, wenn sie bestimmte Größenindikatoren unterschreiten und nicht Teil einer grenzüberschreitenden Institutsgruppe sind. Während im Rahmen der monatlichen Meldefrequenz eine Einreichung der ALMM-Meldungen bis zum 15. Kalendertag nach dem Stichtag vorgesehen ist, gelten bei quartalsweiser Meldungen die Einreichungsfristen, die der ITS on Reporting auch für Solvenz-FINREP oder Großkreditmeldungen vorsieht.

Meldeformulare

Der EBA ITS enthält insgesamt sechs Meldeformulare, die einen Überblick über das Liquiditätsrisikoprofil, die Konzentrationen in der Refinanzierung und die Refinanzierungskonditionen der Institute ermöglichen sollen.

Meldebogen C 66.00 (Maturity Ladder oder auch Contractual Template) enthält eine Liquiditätsablaufbilanz. Hierin sind alle künftigen Zahlungsmittelzu- und -abflüsse nach ihrem vertraglich festgelegten Eintrittszeitpunkt in 22 Laufzeitbänder einzuordnen. Zusätzlich werden die liquiden Mittel und Linien gezeigt, die in den einzelnen Laufzeitbändern zur Deckung einer Liquiditätsunterdeckung verfügbar sind (sog. Counterbalancing Capacity – CBC). Im Gegensatz zur LCR erstreckt sich die Betrachtung somit auf einen wesentlich längeren Zeithorizont. Zudem werden kein aufsichtliches Stresszenario oder aufsichtliche Gewichtungsfaktoren vorgegeben. Im Gegensatz zu den Liquiditätsablaufbilanzen, die regelmäßig im Rahmen der internen Liquiditätssteuerung genutzt werden, ist keine Modellierung künftiger Zahlungsströme notwendig, da alle Zahlungsmittelflüsse nach ihrer vertraglichen Fälligkeit abzutragen sind.

In dem Meldebogen C 67.00 (Concentration of funding by counterparty) sind die zehn größten Geschäftspartner bezogen auf die Passivseite des Instituts zu melden. Dabei sind nur Kontrahenten separat auszuweisen, sofern ihr Refinanzierungsbeitrag mehr als ein Prozent der Gesamtverbindlichkeiten des Instituts gemäß FINREP beträgt.
Durch diese Anforderung wird die frühzeitige Identifikation von etwaigen Konzentrationen auf der Passivseite bezweckt. Somit sollen Liquiditätsrisiken vermieden werden, die sich durch eine zu starke wirtschaftliche Abhängigkeit von einzelnen Geschäftspartnern ergeben können. Der Nutzen dieser Meldung liegt neben der Risikoidentifikation in der frühzeitigen Gewinnung von steuerungsrelevanten Informationen. So können sich hieraus erforderliche Maßnahmen zu einer ggf. notwendigen höheren Diversifikation der Refinanzierungsbasis ableiten lassen.
Neben der Höhe der Verbindlichkeiten gegenüber den einzelnen Kontrahenten sind auch die Art der Produkte sowie Angaben bspw. zu Sitzstaat und Wirtschaftszweig des Passivkunden zu machen. Als besondere Herausforderung bei der Umsetzung hat sich erwiesen, dass hier Gruppen verbundener Kunden zu zeigen sind. Diese sind bislang – zumindest bei reinen Passivkunden – noch nicht in den Systemen der Banken hinterlegt. Zudem ergeben sich Herausforderungen, wenn bei Gruppen verbundener Kunden der sogenannte Siloansatz für Zentralregierungen genutzt wird, da hier Mehrfachausweise einzelner Kontrahenten möglich sind.

Der Meldebogen C 68.00 (Concentration of Funding by Product Type) gibt einen Überblick über mögliche Konzentrationen in einzelnen Produktarten der Passivseite. In den Zeilen werden dabei die Produkte grob in die beiden Gruppen „Privatkunden“ und „restliche Kunden“ differenziert. In den Spalten erfolgt der Ausweis des Betrags, eine Unterteilung danach, ob die Positionen der Einlagensicherung unterliegen oder nicht, sowie die volumengewichtete Angabe der Ursprungs- und Restlaufzeit.

Der Meldebogen C 69.00 (Prices for various lenghts of funding) zeigt die Refinanzierungskosten der innerhalb des vergangenen Meldezeitraums neu abgeschlossenen Passivgeschäfte. In den Zeilen werden hier verschiedene Kategorien von Einlagen aufgeführt (bspw. Privatkundeneinlagen, besicherte Finanzierung, gedeckte Schuldverschreibungen etc.). In den Spalten werden in Laufzeitintervallen von einem Tag bis hin zu zehn Jahren, das Volumen und der gezahlte Spread über EONIA, EURIBOR oder vergleichbare Indizes ausgewiesen. Die Herausforderung im Rahmen der Meldungserstellung ist hierbei mit Sicherheit den jeweiligen Spread nach den vorgegebenen Produktarten abzugrenzen.

Der Meldebogen C 70.00 (Roll-Over of Funding) differenziert die im Meldemonat auf Tagesbasis aufgenommenen, prolongierten und abgelaufenen Refinanzierungsmittel und ermittelt so den sich ergebenden Refinanzierungssaldo pro Tag des Meldemonats.
In den Zeilen werden wiederum verschiedene Kategorien von Einlagen aufgeführt, beispielsweise Privatkundeneinlagen und besicherte sowie unbesicherte Nicht-Privatkundeneinlagen. Die Spalten sind in Laufzeitintervalle untergliedert und unterscheiden darunter nach Neugeschäft, rollierenden und auslaufenden Positionen. Bislang ist unklar, wie quartalsweise zu meldende Banken diesen Meldebogen zu befüllen haben. Ebenso fehlen klare Vorgaben, wie beispielsweise Tagesgelder, die innerhalb des Meldezeitraums mehrfach „fällig“ werden, auszuweisen sind.

Über den Meldebogen C 71.00 (Concentration of Counterbalancing Capacity by Issuer/Counterparty) erfasst die Aufsicht die zehn größten Bereitsteller von Counterbalancing Capacity. Eine zu starke Abhängigkeit der Counterbalancing Capacity von einzelnen Gegenparteien kann zu Liquiditätsproblemen führen (verminderte Liquidität in einem Stresstestszenario bzw. Fähigkeit der Gegenpartei der gewährten Liquiditätslinie nachkommen zu können). Die Diversifikation der Counterbalancing Capacity sollte vom Institut gesteuert werden.
Die Struktur der Meldung zu den zehn größten Gegenparteien nach Vermögenswerten, die für die Counterbalancing Capacity anerkannt sind, ist ähnlich wie die Meldung zu den zehn größten Gegenparteien bezogen auf ihren Refinanzierungsanteil (C 67.00) aufgebaut.

Ausblick und weitere Schritte bis zur Finalisierung

Die ALMM-Meldepflicht sollte ursprünglich am 1. Juli 2015 in Kraft treten. Voraussetzung ist die Verabschiedung durch die Europäische Kommission und die Veröffentlichung im EU Amtsblatt. Anschließend sollten die Meldebögen zu ALMM in die D-VO 680/2014 integriert werden.
Am 17. Juli hat die EBA auf ihre Internetseite mitgeteilt, dass der Zeitpunkt der Einführung der ALMM-Meldeanforderung voraussichtlich um mindestens 3 Monate verschoben wird, da der finale ITS-Entwurf noch nicht verabschiedet ist.
Die EU Kommission hat am 13. August 2015 darüber informiert, dass sie zunächst nur die Meldebögen C 67.00 bis C 71.00 am 1. Januar 2016 in Kraft treten lassen will. Der Maturity Ladder Meldebogen (C 66.00) soll hingegen durch die EBA überarbeitet und an die Vorgaben der delegierten Verordnung zur LCR (D-VO 2015/61) angepasst werden. Um doppelte Umsetzungsaufwände Seitens der Institute zu vermeiden, soll dieser Meldebogen erst nach seiner Überarbeitung verabschiedet und meldepflichtig werden.
In ihrer Stellungnahme zum Vorschlag der EU Kommission vom 25. September 2015 teilte die EBA mit, dass sie die Verschiebung des Einführungszeitpunkts auf den 1. Januar 2016 unterstützt, jedoch die Anwendung des vorliegenden Meldebogens Maturity Ladder als einheitliches Mittel zur Messung von Liquiditätsrisiken für unentbehrlich hält. Sollten die ALMM ohne Maturity Ladder in Kraft treten, würde es nach Einschätzung der EBA bis zu zwei Jahre dauern, bis das überarbeitete Template in Kraft treten könnte; innerhalb dieser Frist wäre die Aufsicht auf ad-hoc Anfragen oder ähnliche Behelfe angewiesen.
Somit ist weiterhin nicht abschließend geklärt, wann und in welcher Form der Maturity Ladder Meldebogen durch die Institute zu melden ist, sofern diese nicht bereits im Rahmen der sogenannten Short Term Exercise (STE) der EZB zur Einreichung dieses Templates verpflichtet sind. Ebenso steht die Veröffentlichung der verbleibenden fünf Meldebögen im EU Amtsblatt weiterhin aus.

Liquiditätsmeldewesen im Wandel – Teil 1: die Delegierte Verordnung zur Liquidity Coverage Ratio

Als Folge der Finanzmarktkrise der Jahre 2007 ff. steht das Liquiditätsrisiko vermehrt im Fokus des bankaufsichtsrechtlichen Meldewesens. Während in vielen anderen Bereichen nach dem Inkrafttreten der CRR zum 1. Januar 2014 eine kurze Verschnaufpause eingetreten ist, stehen in Bezug auf das Liquiditätsmeldewesen auch in 2015 und 2016 zahlreiche Neuerungen an. Im Fokus dieses Beitrags steht die Delegierte Verordnung (EU) 2015/61 zu den Liquiditätsdeckungsanforderungen („Liquidity Coverage Ratio“ – LCR), die im Oktober 2014 durch die EU erlassen wurde (D-VO 2015/61). Sie konkretisiert die bestehenden Vorgaben für die LCR auf europäischer Ebene. Die Anforderungen sind zum 1. Oktober 2015 umzusetzen.

Hintergrund

Die CRR enthält bereits Regelungen zur Meldung der Bestandteile der LCR. Aufgrund der fehlenden Erfahrung mit einer verbindlichen Liquiditätsvorgabe auf EU-Ebene wurde jedoch keine verbindliche Mindestquote eingeführt. Stattdessen wurde über Art. 460 CRR festgehalten, dass erst nach einer Analyse der Auswirkungen der LCR auf den Bankensektor und die Realwirtschaft detailliertere Vorgaben zur LCR erarbeitet und in Form einer Delegierten Verordnung Seitens der EU Kommission erlassen werden sollten (vgl. auch Erwägungsgrund 101 der CRR).

Ursprünglich waren hierfür ein Erlass der Delegierten Verordnung bis Juni 2014 und ein Inkrafttreten 6 Monate später vorgesehen. Vor dem Hintergrund der erforderlichen Analysen und Abwägungen der Interessenlagen hat sich dieser Zeitplan der EU Kommission jedoch um ein halbes Jahr verschoben.

Wesentliche Änderungen durch die Delegierte Verordnung

Aufbau und Zusammensetzung des Liquiditätspuffers

Die Delegierte Verordnung enthält wesentlich konkretere Vorgaben zu den Vermögenswerten, die als hochliquide Aktiva („High Quality Liquid Assets“ – HQLA) im Zähler der LCR anrechenbar sind. Sie werden je nach Kreditqualität und Liquidität in Level 1, Level 2A und Level 2B unterteilt. Ebenso konkretisiert die Delegierte Verordnung die Bewertungsabschläge, die auf die Aktiva der verschiedenen Stufen vorzunehmen sind und zwischen 0% und 55% liegen. Schließlich sieht die D-VO 2015/61 auch Kappungsgrenzen für die Aktiva der einzelnen Stufen vor, durch die sichergestellt wird, dass der Liquiditätspuffer immer überwiegend aus Level 1 HQLA besteht und nur zu maximal 15% aus Level 2B Aktiva.

  •  Allgemeine Anforderungen

Auch bei den allgemeinen Anforderungen an liquide Aktiva wurden Änderungen vorgenommen, die sich jedoch oft auf Details bzw. Klarstellungen beschränken. Im direkten Vergleich mit den korrespondierenden Regelungen der CRR fällt insbesondere auf, dass die Anforderung an die Zentralbankfähigkeit ersatzlos gestrichen wurde – ein Kriterium das gerade in der Praxis von vielen Instituten aufgegriffen worden war, da es vergleichsweise einfach zu operationalisieren ist.

  •  Operative Vorgaben

Auch bei den operativen Vorgaben wurden zahlreiche Präzisierungen der bestehenden Regelungen vorgenommen. So werden beispielsweise konkrete Kriterien genannt, anhand derer die ausreichende Diversifizierung des Liquiditätspuffers nachzuweisen ist. Ebenso werden verschiedene Möglichkeiten genannt, anhand derer die Kontrolle durch die Liquiditätsmanagementfunktion operationalisiert werden kann. Und auch für das in der Praxis oft vernachlässigte Thema „Testverkäufe“ wird im Gegensatz zur CRR eine explizite Strategie gefordert, so dass der Verweis auf die regelmäßige Durchführung von Repo-Geschäften über HQLA alleine künftig nicht mehr ausreichen dürfte. Level 1 Aktiva sind hiervon grundsätzlich ausgenommen.

In Bezug auf die Denominierung der HQLA in Fremdwährungen enthält die Delegierte Verordnung weiterhin die Anforderung der Konsistenz zu den Nettozahlungsmittelabflüssen, verlangt also nicht die Einhaltung einer Mindestquote in jeder Währung, in der Nettozahlungsmittelabflüsse bestehen. Hier sind die Institute gefragt, den Begriff der Konsistenz für sich auszulegen. Der Bericht der European Banking Authority (EBA) über die Definition der HQLA (Report on appropriate uniform definitons of extemely high quality liquid assets (extremely HQLA) and high quality assets (HQLA) and on operational requirements for liquid assests under Article 509(3) and (5) CRR) aus 2013 hat die Überarbeitung der operativen Anforderungen maßgeblich mit geprägt.

  •  Anrechnungsmöglichkeiten

Bei den hochliquiden Aktiva führt die Kommission – analog den Vorgaben des Baseler Ausschusses (Basel III: Mindestliquiditätsquote und Instrumente zur Überwachung des Liquiditätsrisikos BCBS 238) – eine Dreiteilung in die Kategorien Level 1, 2A und 2B ein. Bei den einzelnen Bestandteilen der drei Stufen weicht sie jedoch zum Teil deutlich von den Vorgaben aus Basel ab. Dies betrifft insbesondere die Anrechnungsmöglichkeit gedeckter Schuldverschreibungen. Die Anrechnung ist zunächst abhängig von verschiedene Kriterien (Bonitätsstufe, Qualität und Transparenz des Deckungsstocks, Emissionsvolumen). Grundsätzlich können sich gedeckte Schuldverschreibungen jedoch für jede Aktivaklasse qualifizieren; auch für die Aktiva der Stufe 1.

Zudem sieht die Delegierte Verordnung bei den Level 2B Aktiva weitreichende Anrechnungsmöglichkeiten vor. Über diese Stufe können sich beispielsweise bestimmte Verbriefungspositionen für den Puffer qualifizieren, sofern der Verbriefungspool aus Forderungen aus Hypothekendarlehen, dem Mengengeschäft, KMU oder Kfz-Finanzierungen besteht – mit entsprechend höheren Abschlägen zwischen 25-35%.

Die bewussten Abweichungen zu den Basler Vorgaben sollen sicherstellen, dass eine ausreichende Diversifizierung des Liquiditätspuffers erzielt werden kann und die Institute nicht gezwungen sind, in einzelne Assetklassen zu investieren um die LCR einhalten zu können.

Auswirkungen auf die Zahlungsmittelabflüsse

Wie bei den qualitativen und operationellen Anforderungen an die HQLA kommt es in Bezug auf die Zahlungsmittelabflüsse nicht zu großen Verschiebungen, wohl aber zu einer Reihe von Detailänderungen durch die Delegierte Verordnung.

Abgrenzung von Privatkundeneinlagen

  • weniger stabile Privatkundeneinlagen

Nachdem bereits die EBA und die BaFin im Januar 2013 bzw. März 2013 Richtlinien zur Abgrenzung weniger stabiler Privatkundeneinlagen veröffentlicht haben, werden diese nun wiederum durch die EU-Kommission genauer spezifiziert. Da hiermit eine konkrete Vorgabe in Form einer EU-Verordnung vorliegt, entfällt die Notwendigkeit zur Umsetzung der EBA Guidelines (Guidelines on retail deposits subject to different outflows for purposes of liquidity reporting (EBA/GL/2013/01)) und des BaFin Merkblatts zu den Anforderungen an die Kategorisierung von Privatkundeneinlagen gemäß Artikel 421 (1) bis (3) CRR durch die Institute.

Die Risikofaktoren, aus denen ein erhöhtes Abflussrisiko abgeleitet wird, bleiben unverändert (Höhe der Einlage, reines Internetkonto, besondere Zinskonditionen, fällige Termingeldeinlagen, Fremdwährungseinlagen). Im Gegensatz zu den Vorgaben der EBA wird eine Einlage jedoch erst ab 500.000 €, nicht bereits ab 100.000 € als risikoreich angesehen und das Zusammenspiel der verschiedenen Risikofaktoren wurde vereinfacht. Hingegen bleibt es bei der Vorgabe von Abflussraten für Einlagen mit erhöhtem Abflussrisiko in Höhe von 10 bis 15% und 15 bis 20% und damit bei einem Ermessensspielraum für die Institute, der im Rahmen der SREP Prüfungen genauer beleuchtet werden dürfte.

  • stabile Privatkundeneinlagen

Die Definition der stabilen Privatkundenlagen, für die eine erleichterte Abflussrate von 5% angesetzt werden kann, wird annähernd unverändert übernommen.

Schließlich sieht die Delegierte Verordnung, ebenfalls analog der Baseler Vorgaben, eine weitere Erleichterung für die Zeit ab 2019 vor: Die EU-Kommission kann, nach Antrag bei der zuständigen Aufsichtsbehörde, eine Abflussrate für einlagengesicherte Einlagen unter 100.000 € von 3% statt 5% genehmigen.

Auswirkungen auf die Zahlungsmittelzuflüsse

  • Obergrenze für Zahlungsmittelzuflüsse

Mit der Einführung einer Obergrenze für die Zahlungsmittelzuflüsse in Höhe von 75% der Zahlungsmittelabflüsse in der CRR wurden alle Institute gezwungen, auch bei einer vollständig fristenkongruenten Refinanzierungsstruktur einen Liquiditätspuffer von 25% der Zahlungsmittelabflüsse zu halten.

  • Ausnahmeregelungen für die Limitierung von Zuflüssen

Über die Delegierte Verordnung wird nun für einige Geschäftsmodelle und Konstellationen eine Ausnahmeregelung eröffnet. Intragruppenforderungen, die auch bei der Berechnung der Eigenmittelquote privilegiert werden, sowie bestimmte Förderdarlehen können vollständig von der Kappung ausgenommen werden. Gleiches gilt für vertragliche Zuflüsse bei Leasing- und Factoring- Unternehmen; die Zustimmung der Aufsicht vorausgesetzt. Eine Obergrenze von 90% kann für Unternehmen mit Hauptaktivitäten in der Finanzierung von Autokäufen bzw. der Vergabe von Konsumentenkredite erfolgen.

 Die nächsten Schritte

Banken müssen bis zum Inkrafttreten der Delegierten Verordnung am 1. Oktober 2015 ihre bestehende LCR-Umsetzung genau unter die Lupe nehmen. Insbesondere aus den zahlreichen Detailänderungen der Delegierten Verordnung resultiert regelmäßig Anpassungsbedarf mit Relevanz für die Höhe der LCR-Quote.

Ebenso müssen die Institute bereits ab dem 1. Oktober in der Lage sein, die LCR-Quote nach den Vorgaben der Delegierten Verordnung berechnen zu können. Die damit einhergehende Meldepflicht wird voraussichtlich jedoch erst in 2016 in Kraft treten, weil die aktualisierten Meldebögen nicht vorher im Amtsblatt der EU erscheinen bzw. die datentechnischen Voraussetzungen nicht geschaffen sein werden. Ein finaler Entwurf der EBA für die neuen Meldebögen liegt bereits vor. Die überarbeiteten Formulare enthalten erstmals auch die anzuwendenden Abschlags-, Abfluss- und Zuflussfaktoren, die auf die jeweiligen Meldepositionen anzuwenden sind sowie den Ausweis der tatsächlichen LCR-Quote. In den bisherigen Formularen war dem Anwender hingegen nicht ersichtlich, welche Quote die zuständige Behörde aus den gemeldeten Positionen ermittelte.

Unangetastet bleibt durch die Delegierte Verordnung der Zeitplan. Ausgehend von 60% der LCR, die ab 1. Oktober 2015 einzuhalten sind, wird die Mindestquote bis 2018 auf 100% erhöht; ggf. kann die EU Kommission auch erst in 2019 eine Quote von 100% verlangen. Bis zur Vollumsetzung in 2019 können die zuständigen Aufseher jedoch eine höhere Quote festlegen. Zusätzlich wird den zuständigen Aufsichtsbehörden über den SREP die Möglichkeit eingeräumt, institutsindividuell eine höhere Quote als 100% vorzusehen, sofern Defizite in der Liquiditätsausstattung bestehen.

 

Ihr Ansprechpartner für Fragen zum Liquiditätsmeldewesen bei PwC FS Regulatory Management: Stefan Röth

Leverage Ratio – Neue Anforderungen und Herausforderungen weltweit

Das Basel Committee on Banking Supervision (BCBS) hat am 12. Januar 2014 das finale Rahmenwerk zur Leverage Ratio und die damit verbundenen Offenlegungsanforderungen (Basel III leverage ratio framework and disclosure requirements) veröffentlicht.

Hintergrund

Im Juni 2013 hatte das BCBS eine Konsultation über die Anforderungen an die Leverage Ratio gestartet. Im Vordergrund standen dabei die Regelungen zum Konsolidierungskreis und die Methode zur Berechnung der Quote (vgl. dazu Regulatory Blog Beitrag: „Neue Details zur Leverage Ratio – Framework and disclosure requirements“ vom 19.08.2013).  Im Vergleich zum Konsultationsentwurf haben sich insbesondere bei der Kalkulation der „Engagement Messgröße – Exposure Measure“ Änderungen ergeben.

Wesentliche Änderungen

Die wesentlichen Änderungen im finalen Rahmenwerk umfassen:

  • Berücksichtigung von Wertpapierfinanzierungsgeschäfte
  • Sicherheitenanrechnung bei Derivaten
  • Gewichtung der außerbilanziellen Positionen
  • Konsolidierungskreis
  • Frequenz und Art der Kalkulation
  • Offenlegung

Die wesentlichen Neuerungen möchte ich Ihnen im folgenden Beitrag vorstellen.

  • Wertpapierfinanzierungsgeschäfte – Securities financing transactions (SFTs)

Bei sogenannten SFTs erfolgt im Gegensatz zur CRD IV eine Berücksichtigung der bilanziellen Forderungen zusätzlich zu dem „regulatorischen“ Betrag, der sich aus der Verrechnung der Positionen mit den Wertpapiersicherheiten ergibt (unter Berücksichtigung der Master Netting Agreements). Die bilanziellen Forderungen dürfen jedoch im Gegensatz zum Entwurf aus dem Juni 2013 unter bestimmten Bedingungen mit den bilanziellen Verbindlichkeiten verrechnet werden („Geldseiten-Netting“). Dabei wird u.a. vorausgesetzt, dass eine Fristenkongruenz und ein „Master Netting Agreement“ vorliegen.

  • Sicherheitenanrechnung bei Derivaten

Bei Derivaten ist nun im Gegensatz zum vorherigen Entwurf und der CRD IV eine Berücksichtigung von Sicherheiten erlaubt. Täglich fällige Nachschusszahlungen – „Variation Margins“ – dürfen unter bestimmten Bedingungen (z.B. Währungskongruenz zwischen Sicherheit und dem jeweiligen derivativen Geschäft) genutzt werden, um die Gesamtengagement-Messgröße bzw. die Marktwerte der Derivate zu reduzieren.

  • Außerbilanzielle Positionen

Bei den außerbilanziellen Positionen können nun die Gewichtungsfaktoren (Konversionsfaktoren) des Kreditrisikostandardansatzes verwendet werden, wobei widerrufliche Kreditzusagen eine Gewichtung von 10% erhalten. Die Möglichkeit andere Gewichtungsfaktoren als 10% und 100% zu nutzen, war unter der Basel III bisher nicht möglich und unter der CRD IV bisher nur bestimmten Geschäften der Handelsfinanzierung (z.B. Akkreditive) vorbehalten. Dabei stellt der Umrechnungsfaktor 10% die Untergrenze dar.

  • Konsolidierungskreis

Das finale Baseler Dokument stellt auf den aufsichtsrechtlichen Konsolidierungskreis ab. Korrekturposten bzw. Einheiten, die gemäß den relevanten Rechnungslegungsstandards konsolidiert werden, aber nicht in die aufsichtsrechtliche Konsolidierung einbezogen werden, müssen nicht mehr berücksichtigt werden.

  • Kalkulation auf Basis von Quartals-Endwerten

Im Gegensatz zur CRD IV ist keine Durchschnittbetrachtung über die letzten 3 Monate notwendig und es wird auf Quartalsendwerte abgestellt, die quartalsweise gemeldet werden müssen.

  • Offenlegung

Die Offenlegungstabellen haben sich gegenüber dem Entwurf vom Juni 2013 nicht signifikant geändert. In der Überleitungstabelle „Leverage Ratio Gesamtengagement zur handelsrechtlichen Bilanz“ müssen die Effekte aus dem abweichenden Konsolidierungskreis, aus nicht berücksichtigtem Treuhandvermögen und sonstige Effekte ausgewiesen werden. Bei der Aufgliederung des Gesamtengagements sind zusätzliche Positionen auszuweisen, die die Auswirkungen der im finalen Rahmenwerk vorgenommenen Änderungen darstellen (z.B. anrechnungsfähige Sicherheiten bei Derivaten). Die Offenlegung ist weiterhin für den 01. Januar 2015 vorgesehen.

Umsetzung der Änderungen in der EU und den USA

Änderungen im Baseler Rahmenwerk kommen wegen des fehlenden Gesetzescharakters in der EU und in den Drittstaaten nicht automatisch zur Anwendung. Vielmehr bedarf es dort einer besonderen Implementierung.

  • EU

Wie diese Änderungen in der EU umgesetzt werden sollen bzw. welche Auswirkungen es auf den Richtlinie- bzw. Verordnungstext der CRD IV/CRR hat, hat die EU-Kommission bei ihrer öffentlichen Anhörung am 10. März 2014 das erste Mal vorgestellt. Demnach sollen die Änderungen des BCBS weitgehend vollständig in der CRR umgesetzt werden. Dies wird in Form einer Anpassung der CRR („delegated act“) erfolgen, die bis zum 30. Juni 2014 verabschiedet werden soll. Geplant ist ein Inkrafttreten zum 01. Januar 2015. Ob es eine Mindestanforderung an die Höhe der Leverage Ratio geben wird und in welcher Höhe, ist auf EU-Ebene aber weiterhin offen. Die EU Kommission wird voraussichtlich erst in 2016/2017 nach Beendigung der Beobachtungsperiode und Erhalt des Berichts der EBA zur Kalibrierung der Leverage Ratio in Einklang mit Art. 511 CRR darüber entscheiden.

  • USA

In den USA laufen derzeit Konsultationen zur Umsetzung der Neuerungen bis zum 13. Juni 2014. Am 08. April 2014 haben die amerikanischen Bankaufsichtsbehörden (Federal Reserve, Federal Deposit Insurance Corporation (FDIC) und Office of the Controller of the Currency (OCC)) das Konsultationspapier zur Umsetzung der Leverage Ratio des BCBS veröffentlicht. Grundsätzlich beinhaltet es die wesentlichen Punkte des finalen Baseler Rahmenwerks zur Leverage Ratio vom Januar 2014. Allerdings ist ein bedeutendes Thema nicht übernommen worden. Die Bedingung, dass bilanzielle Positionen (ausgenommen SFTs und Derivate) nicht durch Sicherheiten, Garantien oder Kreditrisikominderungstechniken reduziert werden sowie Kredite und Einlagen nicht verrechnet werden dürfen, ist im Gegensatz zu Basel III und CRD IV/CRR in dem U.S.-Konsultationspapier nicht enthalten.

Die Leverage Ratio gem. Basel III wird in den USA zusätzlich zur bereits vorhandenen US Variante der Leverage Ratio („general approach„) als „supplementary leverage ratio“ eingeführt und soll im Wesentlichen nur für die systemrelevanten Institute (G-SIBs) in den U.S. gelten. Der bereits existierende Ansatz („general approach“) gilt weiterhin für sämtlichen Banken in den USA. Er stellt die durchschnittliche Bilanzsumme der letzten drei Monate unter Berücksichtigung von aufsichtsrechtlichen Kapitalabzugspositionen ins Verhältnis zum aufsichtsrechtlichen Kernkapital. Die Mindestanforderung an die Höhe der Leverage Ratio beträgt dabei 4%.

Im Hinblick auf die Mindestanforderungen an die Höhe der „supplementaty leverage ratio“ in den USA gibt schon in einem finalen Status. Am 08. April 2014 haben die Aufsichtsbehörden die finalen Regelungen hierzu veröffentlicht. Demnach beträgt die Mindestanforderung gem. der „supplementary leverage ratio“ für alle „advanced approach“-Banken (im Wesentlichen Banken mit einer Bilanzsumme > 250 Mrd. USD) 3%. Banken bzw. Bankholdings (BHC – Bank Holding Company) mit einer Bilanzsumme > 700 Mrd. USD müssen zusätzlich einen Leverage Ratio Puffer von 2 % vorhalten. Ähnlich wie beim antitzyklischen Kapitalpuffer werden je nach Unterschreitung dieses Puffers Sanktionen wirksam (z. B. Beschränkungen bei Gewinnausschüttungen und Bonuszahlungen). Sämtliche Einlagenkreditinstitute innerhalb dieser BHC, die durch den FDIC versichert sind, müssen sogar 6 % einhalten.

Inkrafttreten

Beide Mindestanforderungen (U.S. und EU) sollen ab dem 01.01.2018 in Kraft treten. Bis zu diesem Zeitpunkt wird die Leverage Ratio eine Beobachtungskennzahl bleiben, die quartalsweise an die Aufsicht zu melden und ab 2015 offenzulegen ist.

Auswirkungen

Die Mindestanforderungen sind zwar noch nicht bindend, aber Markt, Analysten und Investoren haben spätestens mit der Offenlegung in 2015 eine Möglichkeit die Leverage Ratio zu vergleichen. Zusammen mit der generellen Aufmerksamkeit im internationalen Umfeld wird diese Kennzahl bereits vor Inkrafttreten der Mindestanforderungen in 2018 eine steuerungsrelevante Kennzahl für Banken in der EU und auch weltweit sein. Insbesondere Banken mit einem hohen Anteil von Investment-Banking-Aktivitäten und mitinternen Modellen dürften von derLeverage Ratio stärker betroffen sein. Denn schließlich sind Aufrechnungsmöglichkeiten und Modellberechnungen im Handelsbestand unter der Leverage stark begrenzt bzw. ausgeschlossen.

Neue Fristen für die Meldungen nach ITS on Supervisory Reporting

Die EU-Kommission hat die Implementing Technical Standards (ITS) on supervisory reporting (EBA/ITS/2013/02) angenommen. Diese Final draft Implementing Technical Standards on supervisory reporting requirements hatte die European Banking Authority (EBA) bereits im  Juli 2013 der EU-Kommission übermittelt. Die ITS regeln die neuen Grundlagen für das aufsichtsrechtliche Meldewesen und enthalten neben den Vorgaben zum Financial Reporting FINREP auch Vorgaben zum Reporting der Eigenmittelanforderungen (COREP), der Leverage Ratio und der Liquiditätskennzahlen (Liquidity Coverage Ratio/Net Stable Funding Ratio) sowie der Großkreditmeldungen (Large Exposure) und Höchstverlustraten aus grundpfandrechtlich besicherten Forderungen (IP Losses) (vgl. dazu Blog-Beiträge: “ITS zum aufsichtsrechtlichen Reporting – Teil I: FINREP & Co” vom 30. Juli 2013 und „ITS zum aufsichtsrechtlichen Reporting – Teil II: COREP, Leverage Ratio, Liquidität und Großkredite“ vom 01. August 2013)

Bei der Annahme und Umsetzung der EBA-Standards durch die EU-Kommission haben sich Verzögerungen ergeben. Um zu vermeiden, dass  die betroffenen Banken Meldungen vor dem eigentlichen Inkrafttreten der spezifischen Regulierungsvorschriften abgeben müssen, haben sich die EU-Kommission und die EBA (vgl: Opinion of the European Banking Authority on amendments proposed by the Commission to draft implementing technical standards EBA/ITS/2013/02 on supervisory reporting under Regulation (EU) No 575/2013) darauf geeinigt, die Fristen für die Abgabe der (neuen) bankaufsichtlichen Meldungen mit dem Meldestichtag 31. März 2014 und 30. April 2014 bis Ende Juni zu verschieben.

Demnach gilt:

  • Quartalsweise Meldungen zu Own funds, Large Exposures, Leverage Ratio und Net Stable Funding Ratio auf den Stichtag 31. März 2014 müssen bis zum 30. Juni 2014 abgegeben werden (statt wie bisher zum 30. Mai 2014)
  • Monatliche Meldungen zu den Liquiditätskennzahlen der Liquidity Coverage Ratio (LCR) auf die Stichtage 31. März 2014 und 30. April 2014 müssen bis zum 30. Juni 2014 vorgelegt werden (statt wie bisher 30. Mai 2014)
  • Meldungen zu den gebundenen Aktiva (asset encumbrance) müssen erstmals zum Stichtag 31. Dezember erstellt werden und bis zum 11. Februar 2015 übermittelt werden.

Damit werden die Fristen für die Übermittlung der monatlich zu meldenden Daten zur LCR und den quartalsweisen Meldungen auf Einzelinstitutsebene mit den ohnehin schon vorgesehenen Fristen für Meldungen auf konsolidierter Basis gleichgeschaltet.

ITS zum aufsichtsrechtlichen Reporting – Teil II: COREP, Leverage Ratio, Liquidität und Großkredite

Mit den Final draft Implementing Technical Standards on supervisory reporting requirements vom 26. Juli 2013 hat die European Banking Authority (EBA) die neuen Grundlagen für das aufsichtsrechtliche Meldewesen veröffentlicht. Neben den Vorgaben zum Financial Reporting FINREP (vgl. dazu Blog-Beitrag: „ITS zum aufsichtsrechtlichen Reporting – Teil I: FINREP &  Co“ vom 30. Juli 2013) enthält der ITS auch Vorgaben zum Reporting der Eigenmittelanforderungen (COREP), der Leverage Ratio und der Liquiditätskennzahlen (Liquidity Coverage Ratio/Net Stable Funding Ratio) sowie der Großkreditmeldungen (Large Exposure) und Höchstverlustraten aus grundpfandrechtlich besicherten Forderungen (IP Losses).

Der aktuelle ITS enthält Vorgaben zu den Meldefrequenzen, Abgabefristen, Definitionen und Meldebögen, inklusive des von der EBA entwickelten Data Point Models. Die wesentlichen Änderungen im Vergleich zu den von der EBA veröffentlichten Vorversionen zeigt dieser Beitrag ( zu den Vorversionen vgl z.B. Blog-Beitrag: „Update zu den Meldeanforderungen für die Leverage Ratio veröffentlicht – Draft ITS“ vom 06.Februar 2013).

COREP

  • Anwendungszeitpunkt

Der ITS stellt klar, dass der Erstanwendungszeitpunkt für die COREP-Anforderungen der 1. Januar 2014 ist und folglich die erste COREP-Meldung zum Stichtag 31. März 2014 mit einer einmaligen verlängerten Frist zur Abgabe bis zum 30. Mai 2014 (Einzelmeldung) bzw. bis zum 30. Juni 2014 (Gruppenmeldung) zu erfolgen hat. Zukünftig müssen die Meldungen quartalsweise an die Aufsicht geliefert werden. Die Einzel- und Gruppenmeldungen müssen immer bis zum 30. Arbeitstag nach Meldestichtag an die Aufsicht geliefert werden.

  • Inhalt

Die EBA fordert nun eine granulare Darstellung des Wertberichtigungsvergleichs, zur separaten Abbildung von ausgefallenen und nicht-ausgefallenen Forderungen (CA 4).

Bei dem Ausweis von nicht realisierten Gewinnen und Verlusten wird zwischen Staatspapieren der Kategorie AfS und allen anderen unrealisierten Gewinnen bzw. Verlusten differenziert. Darüber hinaus erfolgt ein separater Ausweis von Gewinnen und Verlusten aus der Fair Value-Bilanzierung derivativer Verbindlichkeiten, die aus dem eigenen Kreditrisiko des Instituts resultieren (Art. 33 (1c) CRR).

Risikopositionen gegenüber KMUs, für die ein privilegiertes Risikogewicht zur Anwendung kommt, sind separat auszuweisen. Darüber hinaus entfällt der in den bisherigen Entwürfen separate Ausweis von Forderungen an den Default Fund eines CCP durch Clearing Member (CA 2).

Halten Institute freiwillig strengere Anforderungen als die Mindestquoten der CRR ein (Art. 3 CRR), so sind diese durch entsprechende Datenfelder abbildbar.

Leverage Ratio

  • Anwendungszeitpunkt

Die EBA hat den 1. Januar 2014 als Erstanwendungszeitpunkt für die Meldung der Leverage Ratio festgelegt. Die erste LR-Meldung hat entsprechend zum Stichtag 31. März 2014 mit einer einmaligen verlängerten Frist zur Abgabe bis zum 30. Mai 2014 (Einzelmeldung) bzw. bis zum 30. Juni 2014 (Gruppenmeldung) zu erfolgen. Das zukünftige Reporting für die Leverage Ratio hat im Gleichlauf mit den COREP-Meldungen (Einzel- als auch Gruppenebene) zu erfolgen.

  • Inhalt

Die Meldebogen wurde an die Änderungen in der finalen CRR angepasst, indem:

    • Neue Meldepositionen zu den außerbilanziellen Positionen, die der Handelsfinanzierung dienen oder durch einen anerkannten Exportversicherer gedeckt sind, und mit einem CCF von 20% bzw. 50% im Gesamtexposure der Leverage Ratio berücksichtigt werden, eingefügt wurden
    • Der Ausweis des Betrages für Securities Financing Transcations (SFT/Wertpapierfinanzierungsgeschäfte) nach umfassender und einfacher Methode angepasst wurde.

In den finalen ITS wurden weiterhin Vorschläge aus dem Baseler Konsultationspapier zur Leverage Ratio (Revised Basel III leverage ratio framework and disclosure requirements – consultative document vom 26. Juni 2013) übernommen, die auch schon im Basel III Monitoring enthalten sind:

    • Nachrichtliche Meldung einer Nettingmethode für Securities Financing Transcations (SFT), die eine Verrechnung von Positionen mit Sicherheiten (ohne Berücksichtigung von aufsichtlichen Abschlägen) auf Nettingset- und Einzelgeschäftsebene erlaubt und gemäß des Baseler Vorschlags die maßgebliche Methode für die Add-on Berechnung ist.
    • Es erfolgt ein zusätzlicher Ausweis des Nominalbetrags von Kreditderivaten (Sicherungsnehmer) mit gleichem Referenztitel und mindestens gleicher Laufzeit wie bei korrespondierenden Sicherungsgeberpositionen, die unter Basel III dem Gesamtexposure hinzugefügt werden.
  • Reportingstruktur

Die EBA hat eine zusätzliche Tabelle für wesentliche Anteile an Unternehmen, die handelsrechtlich, aber nicht aufsichtsrechtlich konsolidiert werden, eingefügt. Die Aufgliederung erfolgt in drei Sektoren (Financial Entities, Securitisation Entities, Commercial Entities) und nach den im Rahmen der Leverage Ratio abgefragten Geschäftsarten (nur Reporting, keine Berücksichtigung in der Berechnung der Kennziffer wie unter Basel III).

Liquidität

  •  Anwendungszeitpunkt

Der ITS enthält unterschiedliche Anwendungszeitpunkte für die Liquidity Coverage Ratio (LCR) und die Net Stable Funding Ratio (NSFR). Die Meldung der NSFR hat ab dem 1. Januar 2014 zu erfolgen. Folglich hat die erste NSFR-Meldung zum Stichtag 31. März 2014 mit einer einmaligen verlängerten Frist zur Abgabe zum 30. Mai 2014 (Einzelmeldung) bzw. bis zum 30. Juni 2014 (Gruppenmeldung) zu erfolgen. Das zukünftige Reporting für die NSFR hat im Gleichlauf mit den COREP-Meldungen (Einzel- als auch Gruppenebene) zu erfolgen. Der Erstanwendungszeitpunkt für die LCR wird auf den 31. März 2014 festgesetzt. Die erste Meldung ist wie bei den anderen Meldungen mit einer einmaligen verlängerten Frist zum 30. April 2014 abzugeben. Zukünftig müssen die Institute die LCR-Meldung monatlich am 15. Kalendertag nach dem Meldestich an die Aufsicht liefern.

  • Inhalt

Bei den Meldebögen zur LCR wurde die Darstellung der liquiden Aktiva angepasst und noch granularer gestaltet. Insbesondere wurden die Vorgaben zu liquiden Aktiva (Art. 416 CRR) und dem zusätzlichen Reporting nach Anhang III zur CRR klar voneinander getrennt. Hieraus ergeben sich auch Auswirkungen auf die Meldebögen zu Zahlungsmittelzu- und -abflüssen, beispielsweise in Bezug auf die Darstellung von Repogeschäften.

In einem neuen Meldebogen zur LCR erfolgt die Abbildung der Auswirkungen von Collateral Swaps. Die Granularität der Darstellung bleibt jedoch gegenüber dem Meldebogen des Basel III-Monitorings zurück. Die Darstellung der liquiden Aktiva in den Meldebögen zur NSFR wurde an die geänderte Darstellung bei der LCR angepasst. Zudem wurde der Meldebogen zur benötigten stabilen Refinanzierung um die Darstellung der Asset Encumbrance erweitert

Großkredite

  •  Anwendungszeitpunkt

Der Erstanwendungszeitpunkt für die Großkreditmeldungen ist der 1. Januar 2014, folglich hat die erste Meldung zum Stichtag 31. März 2014 mit einer einmaligen Fristverlängerung zur Abgabe bis zum 30. Mai 2014 (Einzelmeldung) bzw. bis zum 30. Juni 2014 (Gruppenmeldung) zu erfolgen. Das zukünftige Reporting für die Großkredite hat im Gleichlauf mit den COREP-Meldungen (Einzel- als auch Gruppenebene) zu erfolgen.

  • Reportingstruktur

Die Großkreditmeldung wurde von bisher zwei auf fünf Meldebögen erweitert, wobei der bisherige Meldebogen LE 1 auf zwei Tabellen aufgegliedert und zusätzlich zwei neue Meldebögen eingeführt werden. Während an den bestehenden Formaten nur geringfügige Änderungen vorgenommen wurden, enthalten die beiden vollständig neuen Meldebögen eine sehr granulare Aufgliederung der Exposure je KNE bzw. KN nach Laufzeitbändern.

CRD IV und CRR: Finally final

Nun ist es also offiziell: Das lang erwartete Reformpaket der CRD IV/CRR  ist mit der Veröffentlichung im Amtsblatt der Europäischen Union am 27. Juni 2013 (Amtsblatt der EU vom 27.06.2013, L 176) abgeschlossen.  Damit ist der Weg frei für die Anwendung der CRD IV/CRR zum 01. Januar 2014. Über die Kernpunkte der Reformen habe ich Sie bereits laufend in unserem Blog informiert, so dass ich an dieser Stelle nur kurz auf die schon bekannten Änderungen hinweisen möchte.

Kapitalanforderungen (Art 25ff CRR)

Einhergehend mit der neuen Kernkapitalquote von 4,5% werden die Kernkapitalbestandteile (CET 1) anhand von 14 Kriterien neu definiert (Art 26 CRR). Hinzu kommen Eigenkapitalbestandteile des Additional Tier 1 und Tier 2 mit 1,5 % bzw. 2%. Zusätzliche Kapitalpuffer, bestehend aus CET 1, die über die Mindestkapitalquoten hinausgehen, sind nach den Anforderungen der  Direktive aufzubauen: Kapitalerhaltungspuffer, antizyklischer Kapitalpuffer, Kapitalpuffer für systemische Risiken, Kapitalpuffer für global und anderweitig systemrelevante Institute (Art 128ff CRD IV)( vgl. auch Blog-Beitrag: „Update: Neue Beschlüsse zum CRD IV-Umsetzungsgesetz“ vom 23.05.2013).

Liquidität – LCR und NSFR (Art 411ff / Art 427ff CRR)

Für die Liquidity Coverage Ratio als Standard zur kurzfristigen  Liquiditätsüberbrückung fängt mit Inkrafttreten der CRR die Beobachtungsphase verbunden mit Reporting-Pflichten der Institute an. Die einheitlichen Formate bereitet die EBA vor. Anhand dieser Meldungen der Institute wird die Kommission die endgültigen Details der LCR entsprechend festlegen, um mit der schrittweisen Einführung  in 2015 zu beginnen.

Im Hinblick auf die Net Stable Funding Ratio sind die Arbeiten noch nicht so weit fortgeschritten – die Beobachtungsphase wird hier daher länger sein und  erst mit Einführung ab 2016 begonnen.

Leverage ratio (Art 429ff CRR)

Zum 01. Januar 2015 müssen Institute ihre Leverage ratio offenlegen. Auf Basis dieser Informationen stellen die Regulatoren weitere Überlegungen an.  Nach dem Regelwerk könnte die Leverage Ratio zum 01.01.2018 eingeführt werden.

Boni (Art 92ff CRD IV)

Boni im Bankbereich werden ab 2015 gekappt: variable und fixe Vergütung müssen im gleichen Verhältnis stehen. Nur unter besonderen Voraussetzungen  (quotale Zustimmung der Anteilseigner) kann das Verhältnis höher ausfallen.

Stichtag: 1. Januar 2014

Während die Capital Requirement Regulation (CRR)  als direkt anwendbare Verordnung keiner Umsetzung in nationales Recht mehr bedarf, müssen die Bestimmungen der Capital Requirement Directive (CRD IV) erst noch in nationales Recht transponiert werden.  Einige Mitgliedstaaten der EU haben bereits angekündigt, eine Umsetzung der Richtlinie zum 01. Januar 2014 zeitlich nicht bewerkstelligen zu können. In Deutschland ist man mit dem CRD IV- Umsetzungsgesetz  auf dem Gesetzgebungsweg weit gekommen, Anfang Juni wurde das CRD IV-Umsetzungsgesetz zwar erneut an den Vermittlungsausschuss verwiesen, zwischenzeitlich wurde hier aber auch eine Einigung erzielt (Beschluss des Vermittlungsausschusses vom 26.06.13 zum CRD IV-Umsetzungsgesetz).

Mit der Veröffentlichung im EU-Amtsblatt werden die Aktivitäten der European Banking Authority (EBA) noch zunehmen. Zwar hat die EBA bereits einen erheblichen Teil der regulatorischen und technischen Standards vorbereitet, diese müssen aber noch im Hinblick auf den offiziellen Text der CRD IV Reformen finalisiert werden. Hinzu kommen noch zahlreiche ausstehenden Standards, die erst noch erarbeitet und konsultiert werden müssen.

EBA update 2013: Draft RTS & ITS – Teil I

Die Finalisierung der CRD IV/CRR rückt näher. Am 16. April 2013 hat das EU Parlament über die nahezu finale Version der CRR und CRD IV  abgestimmt (siehe dazu Regulatory Blog-Beitrag: „CRD IV und CRR – Verabschiedung im Europaparlament“ vom 17.04.2013). Damit hat die  Europäischen Aufsichtsbehörde  European Banking Authority (EBA) eine belastbare Rechtsgrundlage für die Entwicklung der nach der CRR und CRD IV geforderten  technischen Regulierungs- und Durchführungsstandards (RTS &  ITS) geschaffen. Im Rahmen einer Konsultationsphase erhalten interessierte Parteien Gelegenheit,  zu den Entwürfen der technischen Regulierungs- oder Durchführungsstandards Stellung zu nehmen. Nach Abschluss der Konsultation und unter Einbindung des EU Parlaments treten die Standards  in Kraft, wenn sie von der EU-Kommission mittels Verordnung oder Beschluss erlassen wurden. Danach sind die Standards unmittelbar gültiges Recht in jedem EU Staat. Anders als heute bedeutet das eine weitgehende Harmonisierung der Regularien über das sogenannte Single Rulebook.

Zur Konsultation stellt die EBA daneben auch Entwürfe zu Leitlinien und Empfehlungen. Diese sind, anders als die RTS und ITS, rechtlich nicht bindend. Es ist aber ein sogenannter Comply-or-explain-Mechanismus zu beachten. Damit erhöht sich der Anwendungsdruck auf die nationalen Aufsichtsbehörden. Eine Nichtanwendung verlangt nicht nur eine Begründung gegenüber der EBA, sondern wird auch veröffentlicht.

Mit dem folgenden Beitrag möchte ich Ihnen einen kurzen Überblick über die Veröffentlichungen der EBA in 2013 geben.

Seit Januar 2013 hat die EBA folgende Konsultationen zu ITS & RTS eingeleitet:

  • ITS on Supervisory reporting on forbearance and non-performing exposures under article 95 of the draft Capital Requirements Regulation (EBA/CP/2013/06)
Konsultationsfrist:

  • 24. Juni 2013
Inhalt:

  • Zu Art. 95 (2) CRR-E: Berichterstattung über Eigenmittelanforderung und Finanzinformationen
  • Definition forbearance und non-performing exposures (gestundete bzw. überfällige Positionen mit 30 bzw. 90 Tage Überschreitung) und Kriterien zur Ermittlung
  • Templates für Reporting (Überleitung in FINREP-Framework)
  • Data Point Modell und Befüllungshinweise
  • ITS on asset encumbrance Reporting under article 95a of the draft Capital Requirements  Regulation (EB/CP/2013/05)
Konsultationsfrist:

  • 24. Juni 2013
Inhalt:

  • Zu Art. 95a CRR-E: Berichterstattung über Eigenmittelanforderung und Finanzinformationen
  • Definition asset encumbrance („belegte“ Vermögenswerte z.B. Pensionsgeschäfte, Wertpapier- oder Warenleihgeschäfte usw.)
  • Templates für Reporting (Format und Frequenz)
  • Data Point Modell und Befüllungshinweise
  • ITS on Data Point Model (DPM) related to EBA draft ITS on Supervisory Reporting Requirements for liquidity coverage ratio and stable funding under the draft Capital Requirement Regulation (EBA/CP/2013/04)
Konsultationsfrist:

  • 13. Mai 2013
Inhalt:

  •  Zu Art. 403 (3) (a) CRR-E: Liquiditätsanforderungen/LCR und NSFR
  • Update der Reporting Templates für LCR und NSFR
  • DPM
  • Validierungs- und Befüllungshinweise
  • ITS on Data Point Model (DPM) related to the EBA draft Implementing Technical Standards on Supervisory Reporting Requirements for Leverage Ratio under the draft Capital Requirements Regulation (EBA/CP/2013/03)
Konsultationsfrist:

  • 13. Mai 2013
Inhalt:

  • Zu Art. 417 ff CRR-E
  • Update der Reporting Templates für Leverage Ratio
  • DPM
  • Validierungs- und Befüllungshinweise

 

  • RTS on the conditions for assessing the materiality of extensions and changes of internal approaches when calculating own funds requirements for credit, market and operational risk under articles 138(5), 301(3)(a) and 352(3)(a) under the draft Capital Requirements Regulation (EBA/CP/2013/02)
Konsultationsfrist:

  • 11. Juni 2013
Inhalt:

  • Zu Art. 138(5), 301(3)(a) and 352(3)(a)
  • Konkretisierung und Ergänzungsregelungen
  • Definition von qualitativen und quantitativen Kriterien für Modelländerungen und damit verbundene Reportingpflichten an die Aufsicht
  • Verfahren bei IRB-Ansätzen zur Messung des Adressrisikos
  • Verwendung von AMA -Modellen zur Ermittlung des operationellen Risikos
  • Bedingungen und Beurteilungsmethodik für die Zulassung und Erweiterung von Internen Modellen für Marktpreisrisiken
  • RTS on the content of recovery plans under the draft directive establishing a framework for the recovery and resolution of credit institutions and investment firms (EBA/CP/2013/01)
Konsultationsfrist:

  • 11. Juni 2013
Inhalt:

Nach der Finalisierung der CRD IV / CRR werden die damit zusammenhängenden RTS & ITS schnellstmöglich verabschiedet werden.

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