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Das neue Banking Package (Teil 7): Marktpreisrisiko-Anforderungen Reloaded – und noch kein Ende in Sicht!

Am 15. Februar 2019 hat der Rat der Europäischen Union die finalen Kompromissentwürfe zu allen Reformpaketen, einschließlich CRR II, CRD V, BRRD II, und SRMR II gebilligt. Ein wesentlicher – und lang ersehnter – Bestandteil sind dabei die überarbeiteten Anforderungen zur Ermittlung des Marktpreisrisikos, die über Jahre unter dem Kürzel FRTB (Fundamental Review of the Trading Book) auf internationaler und nationaler Ebene konsultiert wurden. Doch die Erwartung, dass die Arbeit am FRTB mit Veröffentlichung der CRR II ein Ende hat, trifft nicht zu.

FRTB – The final chapter? BCBS rekalibriert die Marktpreisrisikoanforderungen

Am 14. Januar 2019 hat der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht (BCBS) die internationalen Rekalibrierungsbestrebungen an den bereits im Jahr 2016 finalisierten Marktpreisrisiko-Anforderungen abgeschlossen (BCBS 457). Noch vor Veröffentlichung der CRR II ist dadurch der Weg für eine finale Anpassung der FRTB-Anforderungen in der EU geebnet. Zu einer Entspannung der Umsetzungsbestrebungen bei den Instituten führt die neue Konsultation allerdings nicht.

Konsultationspapier der Europäischen Kommission – Ansätze zur Ermittlung der Eigenmittelunterlegung des Marktpreisrisikos und Berechnung des Kontrahentenrisikos

Am 26. Mai 2016 hat die Europäische Kommission ein Konsultationspapier zum Thema Verhältnismäßigkeit der zukünftigen Eigenmittelunterlegung des Markpreisrisikos sowie zur Überprüfung der Exposure Berechnung bei Kontrahentenrisiken (Consultation Document: Proportionality in the future market risk capital requirements and the review of the original exposure method) veröffentlicht.

Hintergrund

Die Europäische Kommission hat ein Konsultationspapier zur Berücksichtigung der Vorschläge des Baseler Ausschusses zur Überarbeitung des Marktrisikorahmenwerks („Fundamental Review of the Trading Book“ – FRTB) und der Methoden zur Messung des Kontrahentenausfallrisikos in einer künftigen Novellierung der CRR veröffentlicht. Insbesondere in Bezug auf den FRTB hinterfragt die Kommission, ob der vorgeschlagene neue Standardansatz auch für Institute die nur in geringem Umfang Handelsgeschäfte betreiben, angemessen ist. In Bezug auf das Kontrahentenrisiko soll geklärt werden, ob der neue Standardansatz für Kontrahentenrisiken („Standardized Approach for Counterparty Credit Risk“ – SA-CCR) durch alle Institute anzuwenden sein wird, oder ob weiterhin die bestehenden Verfahren (insbesondere Marktbewertungsmethode, Ursprungsrisikomethode) unter bestimmten Bedingungen angewendet werden dürfen.

Trotz Abwägung der Vor- und Nachteile der verschiedenen Ansätze kann die Kommission noch keine klare Empfehlung geben, welcher Ansatz verwendet werden soll bzw. ob grundsätzlich mehrere Ansätze zur Auswahl stehen sollten und die Entscheidung den Banken überlassen bleibt.

Wesentliche Inhalte

1. Verhältnismäßigkeit bei der Berechnung des Marktpreisrisikos

Zurzeit besteht für Banken, die keine wesentlichen Handelsaktivitäten vorweisen, die Möglichkeit, im Rahmen der Berechnung der Eigenmittelunterlegung im Marktrisiko gemäß Artikel 94 CRR die Verfahren zur Messung des Kreditrisikos zu nutzen. Diese Ausnahmeregelung gilt nur für Handelsbuchpositionen, jedoch nicht für Währungsrisiken und Rohstoffrisiken.

Voraussetzung für die Nutzung dieser Ausnahmeregelung ist die Einhaltung zweier Schwellenwerte, zum einen die absolute Größe der Handelsaktivitäten (im Regelfall < 15 Mio. Euro, immer < 20 Mio. Euro) und zum anderen die relative Größe der Handelsaktivitäten (im Regelfall < 5% der Bilanzsumme, immer < 6% der Bilanzsumme). Dazu untersucht die Kommission momentan sowohl die Höhe des Schwellenwertes, die genutzten Begriffsdefinitionen sowie die Anwendung der Kreditrisiko-Regeln für Handelsaktivitäten, um sicherzustellen dass diese auch unter den FRTB-Regelungen noch angemessen sind.

Verglichen mit den zurzeit genutzten Standardansätzen im Marktrisiko nach CRR bringt der FRTB Standardansatz wesentliche Veränderungen mit sich. Die erhöhte Risikosensitivität des FRTB Standardansatzes bedingt eine Erhöhung der Komplexität des Verfahrens – vgl. Blogbeitrag vom 22. Januar 2016: „Finalisierung des Baseler Regelwerks zum Fundamental Review of the Trading Book – Minimum Capital Requirements for Market Risk. Mögliche Alternativen zu diesem neuen Standardansatz, insbesondere für kleinere Institute, wären eine vereinfachte Version des neuen Standardansatzes bzw. die weitere Nutzung des aktuellen Standardansatzes innerhalb des Marktpreisrisikos.

2. Überprüfung der Ursprungsrisikomethode

Die Ursprungsrisikomethode (vormals: Laufzeitmethode), die als vereinfachtes Verfahren zur Berechnung des Kreditäquivalenzbetrags für Derivate dient und ähnliche Charakteristika wie die Marktbewertungsmethode aufweist, kann nur von Banken verwendet werden, die die obengenannten Anforderungen an geringe Handelsbuchaktivitäten erfüllen. Jedoch ist dieses Verfahren lediglich bei Zins- sowie Währungsderivaten anwendbar, sodass in der Praxis nur sehr wenige Banken davon Gebrauch machen. Folglich muss bei sämtlichen anderen Derivaten die Marktbewertungsmethode oder ein fortgeschrittener Ansatz genutzt werden. Da es sich hierbei um einen einfachen Berechnungsansatz handelt, sind die ermittelten Kreditäquivalenzbeträge wenig risikosensitiv. Vor diesem Hintergrund überprüft die EU Kommission, ob an der Ursprungsrisikomethode festgehalten wird, oder ob sie zu Gunsten anderer Ansätze (Marktbewertungsmethode, SA-CCR) abgeschafft werden soll.

3. Ersetzung der Marktbewertungsmethode und der Standardmethode durch den SA-CCR

Die Kommission erwartet weiterhin Feedback von den Banken, um eine finale Entscheidung treffen zu können, ob der SA-CCR eingeführt werden soll bzw. wenn ja, ob die Marktbewertungsmethode bzw. die Standardmethode weiterhin bestehen bleiben können oder abgeschafft werden sollen.

Fazit

Banken sollten die Konsultation nutzen, um sich genauer mit den verschiedenen, oben aufgeführten Ansätzen auseinanderzusetzten. Hierdurch können qualitative sowie quantitative Erkenntnisse über die Anwendung der verschiedenen Methoden an die Kommission übermittelt werden.

Finalisierung des Baseler Regelwerks zum Fundamental Review of the Trading Book – Minimum Capital Requirements for Market Risk

Der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht (BCBS) hat am 14. Januar 2016 den finalen Standard zur Ermittlung der Eigenkapitalanforderungen für Marktpreisrisiken (Minimum capital requirements for market risk, BCBS 352) veröffentlicht. Damit findet die im Mai 2012 gestartete und sich über mehrere Konsultationspapiere erstreckende Diskussion über eine grundlegende Überarbeitung der Handelsbuchvorschriften („Fundamental review of the trading book“) ihren Abschluss. Das Rahmenwerk sieht eine Umsetzung auf nationaler Ebene bis Januar 2019 vor. Die Institute haben bis Ende 2019 Zeit die neuen Anforderungen umzusetzen.
Die grundsätzliche Zielsetzung des Baseler Ausschusses ist dabei seit dem ersten Konsultationspapier unverändert (dazu unser Regulatory Blog Beitrag: „Konsultation zum Handelsbuch – Baseler Ausschuss zu Marktpreisrisiken, Handelsbuchabgrenzung und Standardmethoden“ vom 15. Mai 2012)
Das finale Regelwerk enthält wesentliche Änderungen zu drei Regelungsbereichen: Handelsbuchabgrenzung, Marktpreisrisikostandardansatz und Interne Modelle für Marktpreisrisiken.

Abgrenzung des Handelsbuches

Die Definition des Handelsbuches ist insbesondere für die Ermittlung der Kapitalanforderung für Marktpreisrisiken von Bedeutung, da diese Risiken im Anlagebuch (mit Ausnahme von Fremdwährungs- und Rohwarenrisiken) nicht mit Eigenkapital unterlegt werden. Bislang basiert die Abgrenzung der Bücher auf der nicht ausreichend konkretisierten Definition einer Handelsabsicht. Alle Positionen, die nicht mit einer Handelsabsicht gehalten werden, sind grundsätzlich dem Bankbuch zuzuordnen. Der Baseler Ausschuss hat dieses Vorgehen im finalen Regelwerk wie folgt geändert:

  • Vorgaben für eine zwingende Zuordnung zum Handels- bzw. Bankbuch für explizit genannte Geschäftsarten bzw. wenn ein bestimmter Haltegrund gegeben ist. So sind z.B. alle Handelstischpositionen zwingend dem Handelsbuch zuzuordnen. Anteile an einem Fonds mit fehlender Durchschaumöglichkeit, nicht-börsennotierte Eigenkapitaltitel oder Derivate auf Bankbuchpositionen sind hingegen zwingend dem Bankbuch zuzuordnen.
  • Definition bestimmter Geschäfte, die der Baseler Ausschuss in begründeten und vorab genehmigten Ausnahmefällen nicht unter dem Handelsbuch sieht. Darunter fallen z.B. Anteile an Fonds mit täglicher Durchschau, Handelspositionen gemäß Rechnungslegung und börsennotierte EK-Titel. Die Aufsicht behält sich das Recht vor, jederzeit eine Umwidmung von einzelnen Positionen veranlassen zu können.
  • Begrenzung der institutseigenen Entscheidung zu Umwidmung von Positionen zwischen den Büchern. Eine Umwidmung soll grundsätzlich nur noch in Ausnahmefällen zugelassen werden.
  • Definition von Anforderungen, die an einen Handelstisch gestellt werden. So ist ein Handelstisch durch eine Gruppe von Händlern und Konten mit einer klar definierten Geschäftsstrategie und definiertem Risikomanagement gekennzeichnet. Jeder Handelstisch ist dabei vom Aufseher vorab zu genehmigen.
  • Spezifische Anforderungen an den internen Risikotransfer zwischen Anlage- und Handelsbuch.

Insgesamt wird deutlich, dass der neue Standard einen intensiveren Einbezug des Aufsehers vorsieht. Darüber hinaus erhöhen sich die Anforderungen an die Datenbereitstellung sowie die Dokumentation. Somit sind z.B. die Einstufung der Positionen und das Vorgehen bei einer Umwidmung in internen Richtlinien festzuhalten und jährlich zu aktualisieren und der Aufsicht bzw. teilweise zunächst der internen Revision zur Genehmigung vorzulegen.
Die neuen Vorgaben für die Handelsbuchabgrenzung sind auch für sogenannte Nichthandelsbuchinstitute von großer Bedeutung. Diese Institute sollten sich bereits jetzt intensiv mit den Vorgaben beschäftigen. Das betrifft sowohl die potentiellen Auswirkungen auf die derzeitige Einordnung der vorhandenen Geschäfte zum Handels-bzw. Anlagebuch wie auch die Behandlung zukünftig anstehender Aktivitäten.

Marktpreisrisikostandardansatz

Im Vordergrund des überarbeiteten Marktpreisrisikostandardansatzes steht vor allem die erhöhte Berücksichtigung der Risikosensitivität. Die finalen Anforderungen zeigen, dass die Erfüllung dieses Ziels grundsätzlich mit einem Anstieg der Komplexität und damit auch der benötigten Datenqualität bei den Instituten einhergeht. Darüber hinaus verfolgt die Überarbeitung das Ziel, die durch die Finanzkrise aufgezeigten Schwächen zu beheben und eine internationale Vergleichbarkeit zwischen den Instituten herzustellen.
Das finale Rahmenwerk enthält – sowohl im Vergleich zu dem bisherigen Rahmenwerk wie auch zum dritten Konsultationspapier aus Dezember 2014 (Fundamental review of the trading book: outstanding issues – consultative document, BCBS 305) – deutlichen Veränderungen in der Struktur und Kalibrierung des Standardansatzes. In den meisten Fällen wird dies zu einem signifikanten Anstieg der Kapitalanforderung für Marktpreisrisiken führen. Die im Jahr 2015 durch den Baseler Ausschuss durchgeführte Auswirkungsstudie quantifizierte den Kapitalanstieg dabei bereits um 40%. Die wesentlichen Änderungen betreffen:

  • Änderung in der Zusammensetzung der Eigenmittelanforderung. In Zukunft ermittelt sich die Eigenmittelanforderung aus der Summe der bereits durch die Konsultation bekannten Risikoarten (Delta-, Vega-, Gamma- und Default Risiko) und einen pauschalen Add-on für alle durch den Standardansatz nicht erfassten Positionen (Residual Risk Add-on).
  • Änderungen bei der Berechnung des Curvature-Risikos und Beseitigung von mathematischen Fehlern.
  • Anwendung der neuen Berechnungslogik für Fremdwährungs- und Rohwarenpositionen auch im Bankbuch. Wie bisher unterscheidet das Regelwerk für die Ermittlung von Fremdwährungs- und Rohwarenrisiken nicht zwischen Bankbuch- und Handelsbuchpositionen. Insoweit kommt der überarbeitete Standardansatz für alle Positionen zur Anwendung.
  • Einführung einer Korrelationsszenario-Analyse um das Risiko von steigenden und fallenden Korrelationen in Stresszeiten zu adressieren. Bei dieser sind die Banken dazu angehalten insgesamt drei Korrelationsshifts zu betrachten (hohe Korrelation, mittlere Korrelation und niedrige Korrelation).
  • Überarbeitung der Methodik zur Berechnung der Korrelationen für das Delta- und Gamma- (Curvature)-Risiko. Gesonderte Korrelationsanforderungen bestehen, anders als in den vorherigen Konsultationen, für das Vega Risiko.
  • Anpassungen bei der Definition der Sensitivitäten, auf die der Standardansatz abstellt. Die von den Banken erwarteten Validierungsvorschriften dieser Sensitivitäten sind allerdings auch im finalen Rahmenwerk nicht vorhanden.

Interne Modelle

Die zwei wesentlichen Änderungen in Bezug auf die Nutzung interner Marktpreisrisikomodelle sind die Ablösung des VaR Verfahrens durch die Expected Shortfall Methodik sowie die Möglichkeit, Modelle zukünftig auch auf einzelne Handelstische einzuschränken. Gleichwohl muss grundsätzlich eine Parallelrechnung des Standardansatzes erfolgen, da dieser u.a. als Rückfallgröße, Benchmark und Rekalibrierungsbasis dient.
Die durch das finale Papier entstehenden bzw. sich ändernden Offenlegungsvorschriften sind nicht Teil dieses Standards, sondern werden vom Baseler Ausschuss in einem separaten Papier zur Konsultation gestellt werden.

Mehr zu diesen Themen in Kürze hier im Regulatory Blog von PwC.

Neues Konsultationspapier zur Überarbeitung der Handelsbuchregelungen

Am 30. Oktober 2013 hat das Basel Committee on Banking Supervision (BCBS) ein zweites Konsultationspapier zur Überarbeitung der Handelsbuchregelungen veröffentlicht (Consultative Document – Fundamental review of the trading book: A revised market risk framework). Die Konsultationsphase läuft noch bis zum 31. Januar 2014.

Während in einem ersten, im Jahr 2012 veröffentlichten Konsultationspapier noch eine Reihe von Alternativen diskutiert wurden, um das Feedback der Industrie zu grundsätzlichen Fragestellungen einzuholen (vgl. dazu Regulatory Blog Beitrag: „Konsultation zum Handelsbuch – Baseler Ausschuss zu Marktpreisrisiken, Handelsbuchabgrenzung und Standardmethoden“ vom 15.05.2012), enthält das neue Konsultationspapier jetzt konkrete Vorgaben. Dadurch werden erstmals auch Abschätzungen der Auswirkungen auf die Zusammensetzung des Handelsbuchs und die Höhe der neuen Kapitalanforderungen möglich. In den folgenden Abschnitten stellen wir die zentralen Inhalte des Papiers dar.

Durch die Neuregelungen ergeben sich deutliche Auswirkungen auf alle Banken, die Marktpreisrisiken eingehen, selbst wenn es sich um Nicht-Handelsbuchinstitute handelt. Eine rechtzeitige Beschäftigung mit den neuen Regelungen erscheint deshalb dringend notwendig.

Die wesentlichen Änderungen im Überblick

  • Abgrenzung von Anlage- und Handelsbuch

Bislang orientiert sich die Zuordnung von Positionen zu Anlage- bzw. Handelsbuch im Wesentlichen an der Handelsabsicht der jeweiligen Bank. Nach Ansicht des Baseler Ausschusses führte dieses stark subjektive und schwer durch Aufsichtsbehörden prüfbare Kriterium vor der Finanzmarktkrise zu Arbitragemöglichkeiten, also zu einer Reduktion der Kapitalanforderungen durch die gezielte Zuordnung von Produkten in das Handelsbuch. Im Laufe der Krise zeigte sich jedoch, dass die Zuordnung insbesondere bei Produkten mit hohen Kreditrisiken und geringer Marktliquidität nicht sachgerecht war. Für die erheblichen Verluste war seinerzeit kein ausreichendes Eigenkapital als Puffer vorhanden.

Trotzdem hält der Baseler Ausschuss grundsätzlich an der Abgrenzung von Anlage- und Handelsbuch sowie der Orientierung an dem Geschäftszweck fest, führt jedoch neue regulatorische Interventionsmöglichkeiten ein, um Arbitrage künftig zu verhindern:

  1. Verpflichtende Zuordnung bestimmter Positionen entweder zum Anlage- oder zum Handelsbuch: beispielsweise sind nicht börsennotierte Eigenkapitalinstrumente zwingend dem Anlagebuch zuzuordnen während für börsennotierte Aktien die widerlegbare Vermutung besteht, dass diese dem Handelsbuch zuzuordnen sind.
  2. Angleichung der Kapitalanforderungen: insbesondere bei Verbriefungen orientiert sich die Kapitalunterlegung für das Kreditrisiko künftig an den Vorgaben des Anlagebuchs; die Möglichkeit der internen Modellierung (Correlation Trading Portfolio, Comprehensive Risk Charge) entfällt ersatzlos.
  3. Strenge Vorgaben zur Umwidmung, verpflichtendes Monitoring von Positionen die längere Zeit im Handelsbuch verbleiben, etc.
  • Behandlung von Kreditrisiken

Wie bereits angesprochen sieht der Baseler Ausschuss insbesondere in der Unterlegung von Kreditrisiken eine zentrale Schwachstelle der bestehenden Handelsbuchregelungen, die zu massiven Verlusten in der Finanzmarktkrise beigetragen hat. Bereits im Rahmen von Basel 2.5 (CRD III) wurde versucht, dies durch die Einführung einer Incremental Risk Charge (IRC) zu korrigieren, die allerdings aufgrund weit gefasster Vorgaben zu stark differierenden Kapitalanforderungen bei den Instituten geführt hat.

Zukünftig soll deshalb im Rahmen des Standardansatzes eine eigene Kapitalanforderung für das Ausfallrisiko eingeführt werden, deren Ermittlung zwischen Verbriefungen und Nicht-Verbriefungen unterscheidet. Im Fall der Verbriefungen wird sich die Höhe an den ebenfalls aktuell in Überarbeitung befindlichen Kapitalanforderungen für Verbriefungen im Anlagebuch orientieren. Für Banken mit internen Modellen wird künftig eine Incremental Default Risk (IDR) Charge zu berechnen sein, für die strengere Vorgaben als bei der bestehenden IRC gelten.

  • Risikomessung

Im Bereich der Risikomessung im Rahmen von internen Modellen gibt die Aufsicht den Value at Risk Ansatz auf, der sich als prozyklisch erwiesen hat. Zudem war er nicht in der Lage, sogenannte Tail-Risiken, also den erwarteten Verlust jenseits des Konfidenzintervalls, zu quantifizieren. Stattdessen sollen interne Modelle künftig auf einem Expected Shortfall Ansatz basieren, der ebenso wie der Standardansatz auf eine Stressperiode kalibriert wird. Die aktuell notwendige parallele Rechnung von VaR und stressed-VaR entfällt somit.

  • Berücksichtigung der Marktliquidität

Bislang lag der Kapitalunterlegung mittels interner Modelle die Annahme zugrunde, dass Handelsbuchpositionen innerhalb von zehn Tagen abgesichert oder veräußert werden können. Diese Annahme hat sich in der Finanzmarktkrise als nicht haltbar erwiesen. Deshalb sollen interne Modelle künftig explizit eine Annahme über die Marktliquidität der Positionen berücksichtigen. Hierzu wird das Konzept des Liquiditätshorizonts verfeinert: Instrumente sind aufsichtlich abgegrenzten Risikofaktoren und diese wiederum ebenfalls über ein aufsichtlich vorgegebenes Mapping den Liquiditätshorizonten zwischen 10 und 250 Tagen zuzuordnen. Die Länge des Liquiditätshorizonts bestimmt dann die Höhe des Risikofaktorschocks, die die Kapitalanforderung spezifiziert.

  • Sicherungsgeschäfte und Diversifizierung

Der Baseler Ausschuss kritisiert, dass die bisherige Standardmethode nur unzureichend in der Lage war, Sicherungsbeziehungen und Diversifizierung abzubilden, während interne Risikomodelle hier faktisch keine Begrenzung der Anerkennung kannte. Künftig sollen beide Methoden konsistenter werden, so dass beispielsweise im überarbeiteten Standardansatz beide Effekte über regulatorisch vorgegebene Korrelationsannahmen abgebildet werden.

  • Zusammenspiel von Standardansatz und internen Modellen

Alle Banken haben künftig den Standardansatz umzusetzen, zu rechnen, und seine Ergebnisse zu melden und offenzulegen. Hierdurch sollen international vergleichbare Aussagen über die von Instituten eingegangenen Marktpreisrisiken ermöglicht werden. Zudem ist weiterhin in Diskussion, einen auf dem Standardansatz basierenden Floor für die Kapitalanforderungen, die mittels interner Modelle ermittelt werden, einzuführen.

  • Der überarbeitete Standardansatz

Im Rahmen der Überarbeitung des Standardansatzes wurden insbesondere seine Risikosensitivität und damit auch seine Komplexität erhöht. Künftig sind alle Positionen in ihre Bestandteile aufzuspalten. Diese sind wiederum aufsichtlich vorgegebenen Assetklassen und innerhalb der Assetklassen in Risikobuckets einzuordnen. Je Bucket erfolgt die Ermittlung der Kapitalanforderungen mittels vorgegebener Risikogewichte, die Aggregation auf Ebene der Buckets und Assetklassen erfolgt wiederum unter Berücksichtigung aufsichtlich vorgegebener Aggregationsannahmen.

  • Der überarbeitete interne Modelle Ansatz

Wie bereits ausgeführt, sollen interne Modelle künftig auf dem Expected Shortfall statt dem Value at Risk basieren. Zusammen mit einer Stress-Kalibrierung sollen die bekannten Schwachstellen des VaR wie Prozyklizität und mangelnde Berücksichtigung von Tail-Risiken hierdurch behoben werden. Einher geht das neue Risikomaß mit einer wesentlich granulareren Abnahmeprüfung, die sich sowohl auf einzelne Handelstische als auch auf einzelne Risikofaktoren erstreckt.

Wie geht es weiter?

Die Konsultationsfrist des Baseler Papiers läuft bis Ende Januar 2014. Zudem soll im Rahmen des nächsten Basel III Monitorings, also Februar/März 2014, eine quantitative Auswirkungsstudie durchgeführt werden. Noch unklar ist in diesem Zusammenhang, ob die Banken ihr eigenes Portfolio oder ein durch den Baseler Ausschuss definiertes Testportfolio rechnen sollen. Nach Durchführung der Auswirkungsstudie wird das finale Baseler Papier erwartet. Mit einem Inkrafttreten der neuen Regelungen ist nicht vor 2015 zu rechnen.

Konsultation zum Handelsbuch – Baseler Ausschuss zu Marktpreisrisiken, Handelsbuchabgrenzung und Standardmethoden

Anfang Mai hat der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht ein Konsultationspapier zur umfassenden Überarbeitung der Handelsbuchregelungen („Fundamental Review of the Trading Book – consultative document„) veröffentlicht. Hierdurch sollen in der Finanzmarktkrise deutlich gewordene Schwächen der aktuellen Handelsbuch-Regelungen adressiert werden. Die Überarbeitung umfasst nicht nur die internen Modelle zur Ermittlung der Marktpreisrisiken, sondern auch die Abgrenzung des Handelsbuchs und die aufsichtlich vorgegebenen Standardmethoden für alle Risikoarten. Daher betreffen die Neuerungen auch Institute ohne umfangreiche Handelsaktivitäten.

Die vorgeschlagenen Neuregelungen sehen auch künftig eine Unterscheidung von Anlage- und Handelsbuch vor. Sie enthalten keine Vorschriften zur Kapitalunterlegung von Zinsänderungsrisiken im Anlagebuch; das Thema bleibt jedoch auf der Agenda des Baseler Ausschusses.

Kritikpunkte an den bisherigen Regelungen

Nicht erst in der Finanzmarktkrise zeigten sich deutliche Schwächen an den bisherigen Regelungen zur Abgrenzung des Handelsbuchs und der Kapitalunterlegung von Marktrisikopositionen (§ 1a KWG, §§ 294 bis 318 SolvV). Insbesondere die Abgrenzung von Anlage- und Handelsbuch eröffnet Instituten einen Ermessensspielraum, der zu regulatorischer Arbitrage genutzt werden kann, da die Kapitalunterlegung einer Position in Anlage- und Handelsbuch deutlich voneinander abweichen können. Gleichzeitig ist die Abgrenzung, die im Wesentlichen auf der Fähigkeit und dem Willen eines Instituts zum Handel in dem betroffenen Instrument beruhte, schwer objektiv zu beurteilen und beeinträchtigt die internationale Vergleichbarkeit.

Neben der Abgrenzung des Handelsbuchs stehen die Methoden zur Ermittlung der Kapitalunterlegung im Handelsbuch in der Kritik. Derzeit haben die Institute hier ein Wahlrecht zwischen regulatorisch vorgegebenen Standardmethoden und internen Marktpreisrisikomodellen. Die Standardmethoden sollen auch kleineren Instituten die Möglichkeit geben, mit vertretbarem Aufwand die Kapitalanforderungen für Marktpreisrisiken zu ermitteln („one size fits all„). Hiermit einher geht jedoch eine stark simplifizierte Messung des Risikos, die oft auf pauschalen Risikogewichten beruht.

Weitaus kritischer noch werden die internen Marktpreisrisikomodelle gesehen. Insbesondere die Nutzung sogenannter Value at Risk (VaR)-Modelle hat zu einer deutlichen Unterschätzung des Risikos von Handelsbuch-Positionen beigetragen und in der Finanzmarktkrise prozyklisch gewirkt. Die als Reaktion hierauf vorgenommenen Anpassungen (Stress-VaR, IRC – Basel 2.5 bzw. CRD III) haben aus Sicht vieler Beobachter hingegen zu einer zu starken Fragmentierung der Kapitalanforderungen und zu einer mehrfachen Unterlegung von Risiken geführt.

Schließlich sieht der Baseler Ausschuss auch die Bewertung insbesondere von illiquiden und komplexen Produkten als problematisch an. Abhängig von der weiteren Entwicklung könnte es hier zu verstärkten Abweichungen zwischen handelsrechtlichen und regulatorischen Wertansätzen kommen.

Abgrenzung des Handelsbuchs

Um die in Kritik geratene Abgrenzung von Anlage- und Handelsbuch zu reformieren konsultiert der Baseler Ausschuss zwei verschiedene Ansätze. Der erste („trading-evidence-based„) basiert auf der aktuellen Regelung und versucht die Abgrenzung dadurch objektiver zu gestalten, dass neben der Handelsabsicht auch ein empirischer Nachweis für tatsächliche Handelsaktivitäten verlangt wird. Im Gegensatz dazu sieht der zweite Ansatz („valuation-based„) vor, dass alle zum fair value bilanzierten Finanzinstrumente dem Handelsbuch zugeordnet werden. Dies hätte den Vorteil, dass für alle Finanzinstrumente, bei denen Marktpreisrisiken GuV-wirksam oder über die Neubewertungsrücklage in den regulatorischen Eigenmitteln erfasst werden, diese Risiken auch mit Kapital unterlegt werden. Andererseits würden sich durch den verwendeten Bilanzierungsstandard Auswirkungen auf den Umfang des Handelsbuchs ergeben. Und es würde zu einer  deutlichen Abweichung zwischen Handelsbuch und den mit Handelsabsicht gehaltenen Finanzinstrumenten gemäß internem Risikomanagement kommen.

Berücksichtigung der Liquidität von Handelsbuchpositionen

Ein weiterer Kritikpunkt an den aktuellen Regelungen zur Kapitalunterlegung von Marktpreisrisiken ist die Vernachlässigung der Liquidität der betroffenen Positionen. Insbesondere bei Nutzung interner Marktpreisrisikomodelle wird implizit unterstellt, dass alle Risiken innerhalb von zehn Tagen geschlossen werden können. Dies hat sich in der Finanzmarktkrise als nicht haltbare Prämisse erwiesen und wurde deshalb unter CRD III im Rahmen der „Incremental Risk Charge“ (ICR) auch schon teilweise adressiert (vgl. dazu auch den Blogbeitrag: „Umsetzung der CRD III in deutsches Recht – Eigenmittelunterlegung im Handelsbuch, Widerverbriefung und Offenlegung“ vom 08.07.2011).

Das Baseler Konsultationspapier sieht vor, dass bei der IRC bereits eingeführte Konzept des Liquiditätshorizonts auf alle Handelsbuchpositionen zu übertragen. Dafür sollen Liquiditätshorizonte für Risikofaktoren bestimmt und in fünf Kategorien zwischen zehn Tagen und einem Jahr eingeordnet werden. Die Zuordnung hat durch die Institute zu erfolgen, unter Berücksichtigung regulatorischer Untergrenzen. Die jeweilige Kategorie hat dann Auswirkungen auf die Höhe der Kapitalanforderung.

Weiterhin konsultiert der Baseler Ausschuss Möglichkeiten, Endogenität zu berücksichtigen, also die Auswirkungen von Verkäufen aus besonders großen oder in wenigen Positionen konzentrierten Portfolios auf den Marktpreis.

Standardmethoden

Mit den grundlegenden Änderungen bei den Standardmethoden für Marktpreisrisiken soll die Risikosensitivität erhöht werden.

Der sogenannte „partial risk factor-Ansatz sieht vor, dass alle Handelsbuchpositionen in vorgegebene Klassen eingeordnet werden. Für jede dieser Klassen wird die Kapitalanforderung anhand von vorgegebenen Risikogewichten und Korrelationsannahmen bestimmt. Die Aggregation der Kapitalanforderungen über die Klassen erfolgt ebenfalls anhand vorgegebener Korrelationsannahmen. Dabei sollen die aufsichtlich vorgegebenen Parameter so kalibriert werden, dass Konsistenz zu den auf Basis von Stress-Parametern geschätzten Expected-Shortfall-Werten der internen Marktpreisrisikomodelle besteht.

Abweichend werden beim „fuller risk factor-Ansatz  Zuordnungen von Positionen zu Risikofaktoren anstelle von Instrumenten-Klassen vorgenommen. Je Risikofaktor wird die Nettoposition bestimmt und mittels der internen Pricing-Modelle des Instituts eine Sensitivität gegenüber Änderungen des Risikofaktors bestimmt. Die Aggregation der Kapitalanforderung über Risikofaktoren sowie die Kalibrierung erfolgen analog dem partial risk factor-Ansatz.

Interne Marktpreisrisikomodelle

In Bezug auf die Nutzung interner Marktpreisrisikomodelle sieht das Konsultationspapier vor, dass die Zulassung der Aufsicht für die Nutzung solcher Modelle künftig auf Ebene des Instituts und bis zur Ebene einzelner Handelstische erfolgen soll. Hierdurch soll sichergestellt werden, dass nur für solche Produkte eine Nutzung interner Marktpreisrisikomodelle zulässig ist, bei denen die Zuverlässigkeit des internen Modells über Backtesting nachgewiesen werden kann. Sofern nur einzelne Risikofaktoren eines Handelstisches nicht angemessen modelliert werden können, soll hierfür eine separate Kapitalunterlegung erfolgen.

Bei den modellierbaren Risikofaktoren der Handelstische, für die die Nutzung eines internen Modells zugelassen wird, soll die Nutzung von Value-at-Risk-Modellen abgelöst werden durch den Expected Shortfall (ES) als Risikomaß. Der Vorteil von ES liegt darin, dass er spezifischere Aussagen über die Risiken extrem seltener Ereignisse zulässt. Die Kalibrierung des ES-Modells soll anhand von Daten aus einer Stressperiode erfolgen, in Anlehnung an den bereits heute zu rechnenden Stress-VaR.

Konsultiert wird auch die Frage, ob Migrations- und Ausfallrisiken weiterhin separat mit  Kapital zu unterlegen sind (analog dem bereits zu berechnenden IRC) oder ob sie als separater Risikofaktor in der ES-Berechnung berücksichtigt werden sollen.

Daneben sieht das Konsultationspapier auch neue Regelungen zur Aggregation von Risiken über verschiedene Risikoklassen vor. Hier wird sowohl die Berechnung des Diversifikationseffektes als auch seine maximal zulässige Höhe durch aufsichtliche Vorgaben bestimmt.

Schließlich wird überlegt, einen auf der Standardmethode basierenden Floor für die Kapitalanforderungen aus internen Modellen einzuführen. Institute, die die interne Modelle Methode nutzen, sollen eine Parallelrechnung mittels der Standardmethoden vornehmen und die Ergebnisse an die Aufsicht melden.

Und wie geht es weiter ?

Die Möglichkeit der Kommentierung des Papiers besteht bis zum 7. September 2012. Neben grundsätzlichen Kommentaren hat der Baseler Ausschuss insbesondere um die Beantwortung von zehn spezifischen Fragen zu dem Regelungsentwurf gebeten. An zahlreichen Stellen werden innerhalb des Konsultationspapiers mehrere Möglichkeiten beschrieben und nach Feedback zu den Vor- und Nachteilen gefragt.

Alle eingehenden Kommentare sollen auf der Homepage des Baseler Ausschusses veröffentlicht werden und in einen weiteren, detaillierteren Regelungsentwurf einfließen. Ebenso sollen die Neuregelungen im Rahmen von quantitativen Auswirkungsstudien (QIS) berücksichtigt werden, um eine angemessene Kalibrierung der neuen Kapitalanforderungen sicher zu stellen.

Aussagen über die künftige Höhe der Kapitalunterlegung sind zum aktuellen Stand noch nicht möglich. Die Kapitalanforderungen sollen erst im Rahmen der quantitativen Auswirkungsstudien kalibriert werden. Deutliche Auswirkungen auf die Institute ergeben sich jedoch in jedem Fall durch die Ausweitung des Handelsbuchs unter dem valuation-based-approach, der Einführung und Genehmigung neuer interner Modelle wie auch durch die vollständig neu zu implementierenden Standardmethoden.

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