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Liquiditätsmeldewesen im Wandel – Teil 3: Additional Liquidity Monitoring Metrics (ALMM)

Neben den ab dem 1. Januar 2014 in Kraft getretenen neuen Anforderungen über die Liquiditätsdeckung (LCR) und die stabile Refinanzierung (NSFR) wird das Liquiditätsmeldewesen in naher Zukunft um eine zusätzliche Meldeanforderung erweitert – die Additional Liquidity Monitoring Metrics (ALMM). Sie sollen die beiden genannten Kennziffern, die in direkte Reaktion auf die Finanzmarktkrise der Jahre 2007 ff. entwickelt wurden, ergänzen. Hierdurch soll der Bankenaufsicht ein umfassender Überblick über die Liquiditätslage der Institute geboten werden.
Folglich handelt es sich bei den ALMM nicht um einzelne Kennziffern oder zwingend einzuhaltende Mindestquoten, sondern ein Set aus Meldebögen die in einem hohen Maß an Granularität Informationen über verschiedene Liquiditäts-relevante Sachverhalte bieten. Hierdurch werden sie auch zu einer wichtigen Datenquelle für den Liquiditäts-SREP der Aufsicht (dazu auch der Risk Blog Beitrag: „SREP Serie (Teil 10): Beurteilung der Liquiditätsausstattung“).
Mit der hohen Granularität gehen entsprechende Herausforderungen bei der Umsetzung der ALMM einher, sowohl hinsichtlich Datenqualität wie auch Datenverfügbarkeit. Darüber hinaus wurde bis zum Zeitpunkt des Erscheinens dieses Beitrags noch keine finale Fassung der ALMM im EU Amtsblatt veröffentlicht, obwohl das Inkrafttreten zuletzt für den 1. Januar 2016 in Aussicht gestellt wurde.

Hintergrund

Als Resonanz auf die Finanzkrise der Jahre 2007 ff. wurden die bankaufsichtlichen Regelungen zur Liquidität der Institute weitgehend überarbeitet und international vereinheitlicht. Kernpunkt der Reformen durch den Baseler Ausschuss waren die Einführung von zwei neuen Liquiditätskennziffern, der Liquidity Coverage Ratio (LCR – dazu Regulatory Blog: „Liquiditätsmeldewesen im Wandel – Teil 1: die Delegierte Verordnung zur Liquidity Coverage Ratio“) und der Net Stable Funding Ratio (NSFR – dazu: Regulatory Blog „Liquiditätsmeldewesen im Wandel – Teil 2: Finales Papier des Baseler Ausschusses zur Net Stable Funding Ratio“). Nach Ansicht des Baseler Ausschusses bieten beide Kennziffern jedoch noch nicht den notwendigen, umfassenden Überblick über die verschiedenen Facetten des Liquiditätsrisikos. Aus diesem Grund werden sie durch die Additional Liquidity Monitoring Metrics (Basel III: The Liquidity Coverage Ratio and liquidity risk monitoring tools) ergänzt.

Die Umsetzung der Baseler Vorschläge zu den ALMM erfolgt in der EU durch Artikel 415 Abs. 3 Buchst. b) der CRR-Verordnung. Hiernach wird die EBA ermächtigt, Entwürfe technischer Durchführungsstandards (ITS) über zusätzliche Parameter für die Liquiditätsüberwachung (ALMM) zu entwickeln, die der Aufsicht einen umfassenden Überblick über das Liquiditätsrisikoprofil der Institute ermöglichen. Die EBA hat am 18. Dezember 2013 den finalen Entwurf des ITS veröffentlicht (EBA/ITS/2013/11). Eine Aktualisierung erfolgte am 24. Juli 2014 (EBA/ITS/2013/11/rev1). Im Folgenden wird auf den Anwendungsbereich und die einzelnen Meldebögen des ITS vom 24. Juli 2014 näher eingegangen.

Anwendungsbereich

Die Meldung über die ALMM ist grundsätzlich auf Ebene des Einzelinstituts und der Institutsgruppe zu erfüllen. Gemäß Artikel 8 CRR ist eine Ausnahme von der Anwendung der Liquiditätsanforderungen auf Einzelbasis unter den dort genannten Bedingungen möglich (sog. Liquiditätswaiver).

Die Berichterstattung über die ALMM hat grundsätzlich auf monatlicher Basis zu erfolgen. Abweichend davon können Institute auf quartalsweiser Basis melden, wenn sie bestimmte Größenindikatoren unterschreiten und nicht Teil einer grenzüberschreitenden Institutsgruppe sind. Während im Rahmen der monatlichen Meldefrequenz eine Einreichung der ALMM-Meldungen bis zum 15. Kalendertag nach dem Stichtag vorgesehen ist, gelten bei quartalsweiser Meldungen die Einreichungsfristen, die der ITS on Reporting auch für Solvenz-FINREP oder Großkreditmeldungen vorsieht.

Meldeformulare

Der EBA ITS enthält insgesamt sechs Meldeformulare, die einen Überblick über das Liquiditätsrisikoprofil, die Konzentrationen in der Refinanzierung und die Refinanzierungskonditionen der Institute ermöglichen sollen.

Meldebogen C 66.00 (Maturity Ladder oder auch Contractual Template) enthält eine Liquiditätsablaufbilanz. Hierin sind alle künftigen Zahlungsmittelzu- und -abflüsse nach ihrem vertraglich festgelegten Eintrittszeitpunkt in 22 Laufzeitbänder einzuordnen. Zusätzlich werden die liquiden Mittel und Linien gezeigt, die in den einzelnen Laufzeitbändern zur Deckung einer Liquiditätsunterdeckung verfügbar sind (sog. Counterbalancing Capacity – CBC). Im Gegensatz zur LCR erstreckt sich die Betrachtung somit auf einen wesentlich längeren Zeithorizont. Zudem werden kein aufsichtliches Stresszenario oder aufsichtliche Gewichtungsfaktoren vorgegeben. Im Gegensatz zu den Liquiditätsablaufbilanzen, die regelmäßig im Rahmen der internen Liquiditätssteuerung genutzt werden, ist keine Modellierung künftiger Zahlungsströme notwendig, da alle Zahlungsmittelflüsse nach ihrer vertraglichen Fälligkeit abzutragen sind.

In dem Meldebogen C 67.00 (Concentration of funding by counterparty) sind die zehn größten Geschäftspartner bezogen auf die Passivseite des Instituts zu melden. Dabei sind nur Kontrahenten separat auszuweisen, sofern ihr Refinanzierungsbeitrag mehr als ein Prozent der Gesamtverbindlichkeiten des Instituts gemäß FINREP beträgt.
Durch diese Anforderung wird die frühzeitige Identifikation von etwaigen Konzentrationen auf der Passivseite bezweckt. Somit sollen Liquiditätsrisiken vermieden werden, die sich durch eine zu starke wirtschaftliche Abhängigkeit von einzelnen Geschäftspartnern ergeben können. Der Nutzen dieser Meldung liegt neben der Risikoidentifikation in der frühzeitigen Gewinnung von steuerungsrelevanten Informationen. So können sich hieraus erforderliche Maßnahmen zu einer ggf. notwendigen höheren Diversifikation der Refinanzierungsbasis ableiten lassen.
Neben der Höhe der Verbindlichkeiten gegenüber den einzelnen Kontrahenten sind auch die Art der Produkte sowie Angaben bspw. zu Sitzstaat und Wirtschaftszweig des Passivkunden zu machen. Als besondere Herausforderung bei der Umsetzung hat sich erwiesen, dass hier Gruppen verbundener Kunden zu zeigen sind. Diese sind bislang – zumindest bei reinen Passivkunden – noch nicht in den Systemen der Banken hinterlegt. Zudem ergeben sich Herausforderungen, wenn bei Gruppen verbundener Kunden der sogenannte Siloansatz für Zentralregierungen genutzt wird, da hier Mehrfachausweise einzelner Kontrahenten möglich sind.

Der Meldebogen C 68.00 (Concentration of Funding by Product Type) gibt einen Überblick über mögliche Konzentrationen in einzelnen Produktarten der Passivseite. In den Zeilen werden dabei die Produkte grob in die beiden Gruppen „Privatkunden“ und „restliche Kunden“ differenziert. In den Spalten erfolgt der Ausweis des Betrags, eine Unterteilung danach, ob die Positionen der Einlagensicherung unterliegen oder nicht, sowie die volumengewichtete Angabe der Ursprungs- und Restlaufzeit.

Der Meldebogen C 69.00 (Prices for various lenghts of funding) zeigt die Refinanzierungskosten der innerhalb des vergangenen Meldezeitraums neu abgeschlossenen Passivgeschäfte. In den Zeilen werden hier verschiedene Kategorien von Einlagen aufgeführt (bspw. Privatkundeneinlagen, besicherte Finanzierung, gedeckte Schuldverschreibungen etc.). In den Spalten werden in Laufzeitintervallen von einem Tag bis hin zu zehn Jahren, das Volumen und der gezahlte Spread über EONIA, EURIBOR oder vergleichbare Indizes ausgewiesen. Die Herausforderung im Rahmen der Meldungserstellung ist hierbei mit Sicherheit den jeweiligen Spread nach den vorgegebenen Produktarten abzugrenzen.

Der Meldebogen C 70.00 (Roll-Over of Funding) differenziert die im Meldemonat auf Tagesbasis aufgenommenen, prolongierten und abgelaufenen Refinanzierungsmittel und ermittelt so den sich ergebenden Refinanzierungssaldo pro Tag des Meldemonats.
In den Zeilen werden wiederum verschiedene Kategorien von Einlagen aufgeführt, beispielsweise Privatkundeneinlagen und besicherte sowie unbesicherte Nicht-Privatkundeneinlagen. Die Spalten sind in Laufzeitintervalle untergliedert und unterscheiden darunter nach Neugeschäft, rollierenden und auslaufenden Positionen. Bislang ist unklar, wie quartalsweise zu meldende Banken diesen Meldebogen zu befüllen haben. Ebenso fehlen klare Vorgaben, wie beispielsweise Tagesgelder, die innerhalb des Meldezeitraums mehrfach „fällig“ werden, auszuweisen sind.

Über den Meldebogen C 71.00 (Concentration of Counterbalancing Capacity by Issuer/Counterparty) erfasst die Aufsicht die zehn größten Bereitsteller von Counterbalancing Capacity. Eine zu starke Abhängigkeit der Counterbalancing Capacity von einzelnen Gegenparteien kann zu Liquiditätsproblemen führen (verminderte Liquidität in einem Stresstestszenario bzw. Fähigkeit der Gegenpartei der gewährten Liquiditätslinie nachkommen zu können). Die Diversifikation der Counterbalancing Capacity sollte vom Institut gesteuert werden.
Die Struktur der Meldung zu den zehn größten Gegenparteien nach Vermögenswerten, die für die Counterbalancing Capacity anerkannt sind, ist ähnlich wie die Meldung zu den zehn größten Gegenparteien bezogen auf ihren Refinanzierungsanteil (C 67.00) aufgebaut.

Ausblick und weitere Schritte bis zur Finalisierung

Die ALMM-Meldepflicht sollte ursprünglich am 1. Juli 2015 in Kraft treten. Voraussetzung ist die Verabschiedung durch die Europäische Kommission und die Veröffentlichung im EU Amtsblatt. Anschließend sollten die Meldebögen zu ALMM in die D-VO 680/2014 integriert werden.
Am 17. Juli hat die EBA auf ihre Internetseite mitgeteilt, dass der Zeitpunkt der Einführung der ALMM-Meldeanforderung voraussichtlich um mindestens 3 Monate verschoben wird, da der finale ITS-Entwurf noch nicht verabschiedet ist.
Die EU Kommission hat am 13. August 2015 darüber informiert, dass sie zunächst nur die Meldebögen C 67.00 bis C 71.00 am 1. Januar 2016 in Kraft treten lassen will. Der Maturity Ladder Meldebogen (C 66.00) soll hingegen durch die EBA überarbeitet und an die Vorgaben der delegierten Verordnung zur LCR (D-VO 2015/61) angepasst werden. Um doppelte Umsetzungsaufwände Seitens der Institute zu vermeiden, soll dieser Meldebogen erst nach seiner Überarbeitung verabschiedet und meldepflichtig werden.
In ihrer Stellungnahme zum Vorschlag der EU Kommission vom 25. September 2015 teilte die EBA mit, dass sie die Verschiebung des Einführungszeitpunkts auf den 1. Januar 2016 unterstützt, jedoch die Anwendung des vorliegenden Meldebogens Maturity Ladder als einheitliches Mittel zur Messung von Liquiditätsrisiken für unentbehrlich hält. Sollten die ALMM ohne Maturity Ladder in Kraft treten, würde es nach Einschätzung der EBA bis zu zwei Jahre dauern, bis das überarbeitete Template in Kraft treten könnte; innerhalb dieser Frist wäre die Aufsicht auf ad-hoc Anfragen oder ähnliche Behelfe angewiesen.
Somit ist weiterhin nicht abschließend geklärt, wann und in welcher Form der Maturity Ladder Meldebogen durch die Institute zu melden ist, sofern diese nicht bereits im Rahmen der sogenannten Short Term Exercise (STE) der EZB zur Einreichung dieses Templates verpflichtet sind. Ebenso steht die Veröffentlichung der verbleibenden fünf Meldebögen im EU Amtsblatt weiterhin aus.

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