Schlagwort: Risikogewicht

Bleiben Sie auf dem Laufenden - der Risikogewicht RSS-Feed

Spezialfinanzierungen – Risikogewichte nach dem Slotting Approach

Die European Banking Authority (EBA) hat am 13. Juni 2016 den finalen Entwurf der „Regulatory Technical Standards on Assigning Risk Weights to Specialised Lending Exposures under Art. 153(9) CRR” (EBA/RTS/2016/02) veröffentlicht. Damit kommt sie ihrem Auftrag zur Präzisierung der Faktoren nach Art. 153 Abs. 5 CRR, die die Institute bei der Zuweisung von Risikogewichten bei Spezialfinanzierungen im Rahmen des Slotting Ansatzes zu berücksichtigen haben, nach.

Hintergrund

Ausfallrisiken und potentielle Verluste bei Spezialfinanzierungen (Specialised Lending – SL) sind in besonders hohem Maße vom wirtschaftlichen Erfolg des finanzierten Projektes abhängig. Daher sind diese Risikopositionen, die grundsätzlich der Forderungsklasse Unternehmen angehören, im Rahmen der Anwendung des IRBA immer dann zu separieren, wenn die in Art. 147 Abs. 8 CRR aufgelisteten Kriterien zutreffen:

  1. die Forderung besteht gegenüber einer Gesellschaft, die speziell zur Finanzierung und Durchführung des Projektes gegründet wurde;
  2. die vertraglichen Vereinbarungen gewähren dem Kreditgeber einen erheblichen Einfluss auf die betreffenden Vermögenswerte und die durch diese generierten Einkünfte;
  3. die Rückzahlung der Verbindlichkeit wird im Wesentlichen durch Einkünfte gewährleistet, die durch die finanzierten Vermögenswerte erwirtschaftet werden.

Grundsätzlich stehen für SL drei Wege zur Zuweisung von Risikogewichten zur Verfügung:

  • der Basis-IRBA (bei dem die Institute keine eigenen Schätzungen für die LGD und die Konversionsfaktoren verwenden);
  • der fortgeschrittene IRBA (mit eigenen Schätzungen der LGD und der Konversionsfaktoren) sowie
  • für die Fälle, in denen die Bank nicht in der Lage ist, die Verlustwahrscheinlichkeit PD zu schätzen oder die Mindestanforderungen an die Bestimmung der Ausfallwahrscheinlichkeiten zu erfüllen, sieht Art. 153 Abs. 5 CRR die Zuweisung von aufsichtlich vorgegebenen Risikogewichten vor („Supervisory Slotting Approach“).

Supervisory Slotting Approach

Bei Anwendung des Slotting Approach haben die Institute die Zuweisung der Risikogewichte zu den Forderungen unter Berücksichtigung von fünf in Art. 153 Abs. 5 Satz 2 CRR aufgelisteten Faktoren vorzunehmen:

  • Finanzkraft,
  • politische und rechtliche Rahmenbedingungen,
  • Transaktions- und/oder Vermögenswertmerkmale,
  • Stärke des Geldgebers und des Trägers unter Berücksichtigung etwaiger Einkünfte aus öffentlich-rechtlichen Partnerschaften sowie
  • Absicherungspaket

Diese Faktoren sind als Hauptrisikotreiber zwingend bei der Ermittlung des Risikogewichts für die fraglichen Positionen zu berücksichtigen.

Die Zuweisung der Risikogewichte nach EBA/RTS/2016/02

Mit dem neuen RTS präzisiert die EBA diese Faktoren im Hinblick auf verschiedene Spezialfinanzierungsklassen. In Anlehnung an die entsprechenden Ausführungen des Baseler Ausschusses, unterscheidet die EBA folgende Klassen:

  1. Projektfinanzierungen,
  2. Immobilienfinanzierungen,
  3. Objektfinanzierungen sowie
  4. Rohstofffinanzierungen

Für jede SL-Klasse gliedert die EBA die Hauptrisikotreiber (Faktoren) mit Blick auf die jeweiligen spezifischen Risiken in einer Bewertungstabelle in Sub-Faktoren und Sub-Faktor-Komponenten auf. Beispielhaft zeigt die folgende Abbildung einen Teil der für Projektfinanzierungen vorgesehenen Bewertungstabelle:

SLQuelle: EBA/RTS/2016/02, S. 15.

Da es bei der Bewertung vorkommen kann, dass die Sub-Faktoren (bzw. auch die Komponenten der Sub-Faktoren) unterschiedlichen Kategorien zugeordnet werden, gibt die EBA in Art. 1 des RTS einen mehrere Schritte umfassenden Prozess vor, um eine gewisses Maß an Einheitlichkeit zu gewährleisten: Zunächst hat eine Aggregation ausgehend von den Sub-Faktor-Komponenten über die Sub-Faktoren bis zu den einzelnen Faktoren (Hauptrisikotreibern) unter Berücksichtigung der relativen Bedeutsamkeit der einzelnen Bestandteile zu erfolgen. Die Faktoren/Hauptrisikotreiber sind dann im Zuge der Ermittlung des gewichteten Durchschnitts einer einzigen Kategorie (gegebenenfalls gerundet) zuzuordnen.

Unter Berücksichtigung der verbleibenden Laufzeit erfolgt im letzten Schritt die Risikogewichtung über die Zuordnung der Spezialfinanzierung in die entsprechenden Kategorie (Tabelle 1 Art. 153 Abs. 5 CRR).

 Restlaufzeit  Kategorie

1

 Kategorie

2

 Kategorie

3

 Kategorie

4

 Kategorie

5

 Unter 2,5 Jahren  50%  70%  115%  250%  0%
 2,5 Jahre oder länger  70%  90%  115%  250%  0%

Ausgefallene Risikopositionen sind stets der Kategorie 5 zuzuordnen.

Herausforderungen für die Institute

Die detaillierten Vorgaben der EBA machen in aller Regel eine Anpassung der bestehenden Prozesse erforderlich. Die Institute haben umfangreiche Dokumentationsanforderungen zu erfüllen: So haben sie für sämtliche Positionen, die ein Risikogewicht mittels des Slotting Approach erhalten haben, folgende Infomationen zu dokumentieren:

  • die Spezialfinanzierungs-Klasse,
  • die Kategorie in Tabelle 1 (Art. 153 (5) CRR), der die fragliche Position letztlich zugeordnet wurde,
  • die Bewertung der Spezialfinanzierungs-Risikoposition auf jeder Ebene des mehrstufigen Aggregationsprozesses und zusätzlich
  • für jede Risikoposition die jedem einzelnen Faktor im Zuge des beschriebenen Aggregationsprozesses beigelegten Gewichtungen.

Zeitplan

Die Banken haben nach der (noch ausstehenden) Veröffentlichung des RTS im EU-Amtsblatt ein Jahr Zeit für die Anpassung ihrer bestehenden Prozesse.

Ausblick

Änderungen bei der aufsichtlichen Behandlung von Spezialfinanzierungen zeichnen sich auf Basis des Konsultationspapieres des Baseler Ausschusses zur Anwendung des IRBA („Reducing variation in credit risk-weighted assets – constraints on the use of internal model approaches“) vom 24. März 2016 ab. Vorgesehen ist, dass im Rahmen des IRBA künftig ausschließlich der Supervisory Slotting Ansatz anwendbar sein soll. Dies dürfte zu einer deutlich höheren Relevanz dieses Ansatzes in der Praxis führen. Da der Baseler Ausschuss seine Arbeiten im Zusammenhang mit der Überarbeitung der IRB-Ansätze bis zum Jahresende 2016 abschließen möchte, sollten sich alle Institute, die die Zuweisung von Risikogewichten bei ihren SL-Positionen bislang mit Hilfe des IRBA, aber nicht mittels des Slotting-Approach, vorgenommen haben, möglichst zeitnah mit den Vorgaben der EBA auseinandersetzen.

 

Neues aus Basel zu den Capital Floors

Am 22. Dezember 2014 veröffentlichte der Basler Ausschuss für Bankenaufsicht ein Konsultationspapier über einen neuen Standard zur Festlegung von Untergrenzen für die Mindesteigenmittelanforderungen („Capital floors: the design of a framework based on standardised approaches“). Der neue Standard soll die bisherige Regelung zum sogenannten Basel I – Floor ersetzen, der beispielsweise in Art. 500 CRR kodifiziert ist. Das Konsultationspapier ist Teil einer Reihe von neuen Standards, die dazu dienen sollen, die Zuverlässigkeit und Vergleichbarkeit von risikogewichteten Kapitalquoten in Zukunft zu verbessern. Die Konsultationsphase läuft bis zum 27. März 2015.

Hintergrund

Im Juli 2013 und Dezember 2013 hatte der Baseler Ausschuss bereits Studien zur Vergleichbarkeit der risikogewichteten Aktiva für Kreditrisiken und Marktpreisrisiken (BCBS 256 und BCBS 267) veröffentlicht. Allgemein kann festgehalten werden, dass die Nutzung interner Modelle zu stark abweichenden Kapitalanforderungen der Banken führt. Dies ist regulatorisch nicht erwünscht, da Positionen mit gleichartigen Risiko zu annähernd gleichen Kapitalanforderungen führen sollten. Dies begründet aus Sicht des Baseler Ausschusses die Notwendigkeit eines Floors. Dieser soll sicherstellen, dass ein Mindesteigenmittelniveau eingehalten wird und die Unschärfen, die mit der Nutzung interner Modelle-Ansätzen einhergehen, begrenzt werden. Die Neuregelungen zu den Capital Floors werden durch zusätzliche Baseler Projekte zur Weiterentwicklung der bankaufsichtlichen Regulierungen begleitet (wie die vollständige Überarbeitung der Standardansätze im Bereich der Kreditrisiken einschließlich der Verbriefungen, der Kontrahentenrisiken, der Marktpreisrisiken und der operationellen Risiken). Die vorgeschlagenen Überarbeitungen sollen zu einer genaueren Messung der Risiken bei Anwendung der Standardverfahren führen. Darüber hinaus dienen die nach den Standardverfahren ermittelten Kapitalanforderungen dem Aufseher zukünftig auch bei Banken, die interne Modelle nutzen, dazu die Kapitaluntergrenze zu bestimmen. Der Baseler Ausschuss sieht die neuen Vorschriften auch als eine Ergänzung der im Basel-III-Rahmenwerk eingeführten Leverage Ratio.

Wesentliche Inhalte

Das Konsultationspapier beschäftigt sich im Wesentlichen mit der grundsätzlichen Gestaltung der neuen Untergrenzen für die Eigenmittelanforderungen. Im Mittelpunkt des Papiers steht

  • die konzeptionelle Gestaltung des Capital Floors auf Ebene einzelner Risikoarten oder der gesamten RWA,
  • die Abbildung der Unterschiede bei der Berücksichtigung von Kreditrisikoanpassungen in dem neuen Kreditrisikostandardansatz und dem auf internen Ratings basierenden Ansatz sowie
  • die Wahl des für die Bestimmung der Untergrenze zu verwendenden Ansatzes.

Die Höhen der verschiedenen Kapitaluntergrenzen soll erst später nach einer diesbezüglichen Quantitative Impact Study (QIS) festgelegt werden. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Komplexität der Berechnung der Capital Floors im Vergleich zum Basel I-Floor auf jeden Fall erhöht wird. Somit sind auch Modelle-Banken gezwungen, sich intensiv mit den neuen Baseler Standardansätzen auseinanderzusetzen.

Aggregationsumfang bei den Risikokategorien

Grundsätzlich werden zwei Arten von Untergrenzen diskutiert, mit denen der Baseler Ausschuss seine intendierten Ziele erfüllen könnte: Risk Category-based Floors und Aggregate RWA-based Floor. Bei dem Risk Category-based Floors-Ansatz wird für jede bedeutende Risikokategorie, also für Kredit- und Marktrisiken sowie operationelle Risiken, eine Untergrenze festgelegt. Die Untergrenzen wirken in diesem Fall wie ein durchschnittliches Mindest-Risikogewicht für die genannten Risikoarten. Dieser Ansatz verhindert eine Verrechnung der Eigenmittelanforderungen zwischen den Risikoarten. Die Gesamtuntergrenze ist für die jeweilige Risikoart die Summe der jeweils höheren Eigenmittelanforderung nach dem neuen Floor-Standardansatz oder dem internen Modelle-Ansatz. Beim alternativen Aggregate RWA-based Floor-Ansatz schlägt der Baseler Ausschuss vor, die Untergrenze auf die Gesamtsumme der risikogewichteten Aktiva zu beziehen. Die aggregierte Untergrenze ist nicht so einschränkend wie die Untergrenzen für die verschiedenen Risikobereiche und würde deshalb auf einem höheren Niveau festgelegt, um für beide Ansätze die gleiche Mindesteigenmittelanforderung zu erzielen.

Behandlung von Wertberichtigungen

Die regulatorische Behandlung von Wertberichtigungen ist je nach der Anwendung des Standardansatz oder des IRB-Ansatzes unterschiedlich. Hieraus folgt, dass für die Floor-Ermittlung Anpassungen notwendig werden, für die der Basler Ausschuss zwei Optionen vorstellt. Die erste Option wäre eine Anpassung im Kapital, im Gegensatz zur zweiten Option, die eine Anpassung bei den risikogewichteten Aktiva beschreibt. Welche der beiden Option sich im finalen Standard durchsetzen wird, ist dabei noch offen.

Wahl des relevanten Standardansatzes

Zur Berechnung der Untergrenzen für die Mindesteigenmittelanforderungen für Banken wird, wie auch im derzeitigen Verfahren, auf ein standardisiertes Verfahren abgestellt. Dabei ist noch offen, wie man mit den unterschiedlichen länderspezifischen Ermessungsspielräumen in der Anwendung der Standardansätze umgeht. In der aktuellen Konsultationsfassung sind keine länderspezifischen Anpassungen vorgesehen.

Wie geht es weiter?

Nach Abschluss der Konsultation und Auswertung der Kommentare soll noch in diesem Jahr zur Kalibrierung der Untergrenzen eine Quantitative Impact Study (QIS) durchgeführt werden. Die Ergebnisse der Konsultation und der QIS werden in ein zweites Konsultationspapier eingehen, das Ende 2015 veröffentlicht werden soll. Ein endgültiger Baseler Standard wird im Jahr 2016 erwartet. Die Baseler Regelungen zu den Floors müssen dann noch in das europäische Aufsichtsrecht übernommen werden.

Basel IV? Neuer Standardansatz zur Messung des Kreditrisikos

Im Dezember 2014 hat das Basel Committee on Banking Supervision (BCBS) einen Vorschlag für die Überarbeitung des Kreditrisikostandardansatzes (BCBS: Revisions to the Standardised Approach for credit risk (bcbs 307)) veröffentlicht. Die Vorschläge stehen noch bis Ende März 2015 zur Konsultation.

Hintergrund

Die Vorschläge zur Revision des Kreditrisikostandardansatzes stehen in engem Zusammenhang mit den bereits vorher gestarteten Überarbeitungen der Standardansätze für das operationelle Risiko sowie die Standardverfahren bei den Marktpreisrisiken und dem Kontrahentenrisiko. Insgesamt betrachtet soll die Überarbeitung der Standardansätze dazu führen, dass die Kapitalanforderungen dem inhärenten Risiko entsprechend kalibriert werden und die Standardverfahren eine geeignete Alternative bzw. Ergänzung der Internen Modelle darstellen. Die neuen Vorschläge stellen eine substantielle Überarbeitung der Risikomessverfahren zur Ermittlung der Eigenkapitalanforderungen dar. Diese Neuerungen – von vielen schon als Basel IV bezeichnet – werden für alle, d.h. auch für die IRB Banken mit erheblichem Implementierungsaufwand verbunden sein. Schließlich denkt der Baseler Ausschuss darüber nach, die neuen Standardverfahren auch für die sogenannte „Floorberechnung“ zu nutzen.

Die wesentlichen Ansatzpunkte der Überarbeitung

  • Abkehr von der Abhängigkeit von externen Ratings

Als wesentliche Schwachstellen der bisherigen Regelungen zum Kreditrisikostandardansatz hat der BCBS die Abhängigkeit von externen Ratings identifiziert. Insbesondere die im Zusammenhang mit externen Ratings verbundenen negativen Auswirkungen auf die Stabilität des Finanzsektors, die sich beispielsweise aus einem sprunghaftem Anstieg der Risikogewichte („cliff effects“) oder sog. Herdenverhalten der Finanzinstitute ergeben, sollen künftig vermieden werden. Hinzu kommt, dass ein großer Anteil an Unternehmensforderungen kein externes Rating hat. Dieser Problematik will der BCBS begegnen, in dem die Risikogewichte für Bankforderungen und Unternehmensforderungen an bestimmte Risikotreiber geknüpft werden.

Für Bankforderungen sind diese Risikotreiber die harte Kernkapitalquote (capital adequacy ratio CET1) und eine sog. net non-performing assets ratio (net NPA ratio), mit deren Hilfe eine Einschätzung über die Qualität der Aktiva vorgenommen werden soll. Entsprechend der ermittelten Quoten ergeben sich dann Risikogewichte zwischen 30% und 300%. Im Vergleich zu den heute üblichen 20% Risikogewicht für Banken in Deutschland bzw. in der EU wird dieser Vorschlag deutlich höhere Eigenkapitalanforderungen für Bankforderungen nach sich ziehen. Zudem werden Banken nicht umhin kommen, die beiden Quoten auch unterjährig zu veröffentlichen. Darauf hat der Baseler Ausschuss bereits in seinem Konsultationspapier hingewiesen.

Für Unternehmensforderungen sind ausschlaggebende Risikotreiber der Umsatz (revenue) und der Verschuldungsgrad (leverage). Davon abhängig wird ein Risikogewicht von 60 – 300% anzusetzen sein, im Vergleich zu dem derzeit meist genutzten 100% Risikogewicht.

  • Verbesserung der Granularität und der Risikosensitivität

Bestimmten Forderungsklassen sind pauschalierte Risikogewichte zugeordnet und es stehen zu wenig Risikostufen zur Verfügung, um zwischen den tatsächlichen Risikoprofilen angemessen zu unterscheiden. Daher sieht der aktuelle Vorschlag eine Überarbeitung der Forderungsklassen vor. Insbesondere für die Nutzung des (beibehaltenen) Risikogewichts von 75% für Retail-Forderungen sollen strengere Kriterien definiert werden: Als zusätzliches Diversifizierungs-Kriterium dürfen Forderungen gegenüber einem Schuldner nicht mehr als 0,2% des gesamten „Regulatory Retail Portfolio“ betragen. Neu eingeführt wird auch für den Standardansatz die Risikokategorie der „Spezialfinanzierungen“ (Specialised lending) mit einem Risikogewicht zwischen 120% (für Projekt- und Objektfinanzierungen, Rohstoffhandelsfinanzierungen, Finanzierungen von Mietimmobilien) und 150% (Finanzierungen bei Grunderwerb, Erschließung und Bau) – alternativ (wenn höher) auch das Risikogewicht der Forderungsklasse Unternehmen.

  • Anpassung der Kalibrierung der Risikogewichte

Die Risikogewichte sollen unter anderem für Wohnimmobilienkredite risikosensibler werden. Anstatt des bislang angesetzten pauschalen Risikogewichts von 35% sollen die Risikogewichte von durch Wohnimmobilien besicherte Forderungen in Abhängigkeit von der „Loan-to-Value“ (LTV)-Quote ermittelt werden. Diese Quote ergibt sich aus dem Verhältnis von gesamter Forderungshöhe zum Wert des Sicherungsobjekts. Die danach abzuleitenden Risikogewichte betragen zwischen 25% – 100%. Für Wohnimmobilienkredite gegenüber Privatpersonen wird bei der Berechnung der LTV als zusätzlicher Risikotreiber die Kapitaldienstfähigkeit des Kreditnehmers im Rahmen einer sog. „Debt-Service-Coverage-Ratio (DSC)“ zu berücksichtigen sein. Diese ergibt sich aus dem Kapitaldienst des Schuldners im Verhältnis zu seinem Einkommen. Unter Berücksichtigung der DSC können sich dann Risikogewichte zwischen 25% und 80% ergeben.

Gewerbliche Immobilienkredite und ihre künftige Behandlung sind dagegen noch offen. Im Konsultationspapier werden zwei Varianten vorgeschlagen:

In Variante A werden die gewerblichen Immobilien nicht als Sicherheiten berücksichtigt. Vielmehr orientiert sich das Risikogewicht an den unbesicherten Unternehmensforderungen (60%-300%). In bestimmten (nationalen) Ausnahmefällen (entwickelte und etablierte Märkte, besondere Sicherungsobjekte) können in engen Grenzen bevorzugte Risikogewichte von 50% zum Tragen kommen.

Variante B dagegen berücksichtigt die bei Wohnimmobilien eingeführte LTV und leitet danach Risikogewichte zwischen 75% und 120% ab.

  • Verbesserung der Vergleichbarkeit der Kapitalanforderungen und Reduzierung der Diskrepanz zum IRB Ansatz

Die Überarbeitung der Kreditminderungstechniken ist ein weiterer Ansatzpunkt der aktuellen Vorschläge. Die Anzahl der für KSA-Banken zur Verfügung stehenden Methoden soll reduziert werden. Dies betrifft vor allem die Nutzung bankeigener Schätzungen von haircuts, sowie Value-at-risk Ansätze für bestimmte Wertpapierleihe-/Repo-Transaktionen (SFTs) oder die Nutzung Interner Modelle für SFTs und besicherte Transaktionen mit OTC-Derivaten.

 

Weitere Entwicklung – Basel IV?

Die Überarbeitung des Kreditrisikostandardansatz ist noch nicht abgeschlossen: Forderungen an Staaten und Zentralbanken werden in dem aktuellen Papier nicht berücksichtigt und sind Gegenstand einer separaten Überarbeitung. Das BCBS wird eine Auswirkungsstudie durchführen und anhand der dann gesammelten Daten die Überarbeitung vorantreiben. Die hierfür erforderlichen Datenblätter ergänzen die regelmäßigen halbjährlichen Basel III-Monitoring Abfragen.

Insgesamt ist die Überarbeitung des Kreditrisikostandardansatz Teil einer Reihe von laufenden Konsultationen und Überarbeitungen, die zusammen eine bedeutende Revision des Basel III Rahmenwerks darstellen werden:

Damit schließt sich der Kreis der Überarbeitung insoweit, als der Baseler Ausschuss plant, dass alle Institute die Risiken für die Eigenkapitalanforderungen sowohl nach dem Standardverfahren als auch ggf. nach den eigenen internen Modellen ermitteln sollen.

Auf die Banken kommt also ein erheblicher Mehraufwand für die Implementierung der neuen Anforderungen zu. KSA Banken müssen ihre bisher von externen Ratings abhängigen Zuordnungen durch die neuen Risikotreiber ersetzen und Anpassungen bei den Kreditrisikominderungstechniken vornehmen. Im Bereich der Governance sind Anweisungen, Prozesse und Kontrollen zu überarbeiten. Da die Standardverfahren für die Ermittlung des Floors genutzt werden, müssen auch IRB Banken mit erheblichem Zusatzaufwand rechnen. Zudem verfügen IRB Banken, die den fortgeschrittenen IRB nutzen, bis dato nicht unbedingt über die erforderlichen Prozesse zur Erfüllung der regulatorischen Anforderungen an die Risikominderungstechniken im Standardansatz. Einem eventuell erforderlichen zusätzlichen Kapitalbedarf ist bei den Kapitalplanungsprozessen Rechnung zu tragen.

/* */