Anforderungen der EZB an ILAAP und ICAAP

Am 8. Januar 2016 hat die Europäische Zentralbank (EZB) ein Schreiben an die Geschäftsleitung bedeutender Banken (Systemically Important Banks / SIBs) veröffentlicht, das sich mit den aufsicht­lichen Erwartungen an den Internal Capital Adequacy Assessment Process (ICAAP) und den Internal Liquidity Adequacy Assessment Process (ILAAP) sowie der harmonisierten Erhebung entsprechender Informationen hierzu beschäftigt. Grundlage des Schreibens ist das Konsultationspapier der European Banking Authority (EBA) „Guidelines on ICAAP and ILAAP information collected for SREP purposes“ (EBA/CP/2015/26) vom 11. Dezember 2015.[1]

Besonders hervorzuheben ist, dass die EZB durch das Schreiben eine Meldepflicht für die Institute zum Stichtag 31. Dezember einführt. Die Abgabe der Meldung muss jeweils bis zum 30. April des Folgejahres erfolgen.

Im Anschreiben stellt die EZB dar, dass die „Erfahrungen aus dem Jahr 2015 gezeigt haben, dass in vielen Fällen die Angaben bedeutender Institute zu ihrem ICAAP und ILAAP nicht den Erwartungen des Einheitlichen Aufsichtsmechanismus (Single Supervisory Mechanism / SSM) entsprachen. Dies lässt sich zum Teil durch die verschiedenen Praktiken erklären, die in den SSM-Ländern bisher Anwendung finden.“ [2]

Das Schreiben beinhaltet die Aufsichtlichen Anforderungen an den ICAAP (Anhang A), die Aufsichtlichen Anforderungen an den ILAAP (Anhang B) sowie die Harmonisierte Erhebung der Informationen zum ICAAP und ILAAP (Anhang C) und soll die „Institute bei der Entwicklung und Beibehaltung sehr guter ICAAPs und ILAAPs unterstützen und erläutern, welche Informationen hierzu dem SSM zu übermitteln sind“. [3]

 

Aufsichtliche Erwartungen an den ICAAP

Die EZB betont die Verantwortung der Geschäftsleitung für den ICAAP und erläutert, dass ihre Darstellung die Basiserwartung abbildet. Entsprechend sollen die Anforderungen auch nicht reduziert werden. Darüber hinaus weist sie auf die Anwendung des Proportionalitätsprinzips hin. Die Anforderungen betreffen die folgenden Themengebiete:

  1. Governance
  2. Grundsätzlicher Aufbau des ICAAP und ICAAP sowie einbezogene Risiken
  3. Definition (insbesondere: Qualität) des internen Kapitals
  4. Annahmen für die Hauptparameter sowie Interrisikodiversifikation (insbesondere: Anforderung zur Darstellung von Bruttowerten ohne Diversifikationseffekte)
  5. Schweregrad der Stresstests und Definition der Stresstestszenarien

 

Aufsichtliche Erwartungen an den ILAAP

Hier werden durch die EZB zunächst die Verantwortung der Geschäftsleitung und das Proportionali­täts­prinzip betont. Es werden Anforderungen an die Berichterstattung, die Zielsetzung und die Perspek­tive des ILAAP formuliert. Insbesondere legt die Aufsicht den Instituten nahe, „die Guidelines on Liquidity Buffers & Survival Periods[4] sowie die in den SREP-Leitlinien der EBA aufgeführten Risikofaktoren zur Kenntnis zu nehmen, da diese die Grundlage der aufsichtlichen Bewertung bilden“[5].

 

Anforderungen harmonisierte Datenerhebung zu ILAAP und ICAAP

Als Ausgangspunkt für die SREP Prüfungen der EZB wird nach Artikel 10 der SSM-Verordnung ab dem Jahr 2016 eine regelmäßige Datenerhebung für die bedeutenden Institute seitens der EZB erfolgen. Zum Stichtag 31. Dezember müssen bis zum 30. April des Folgejahres und damit erstmalig zum 30. April 2016 detaillierte Informationen zum ICAAP und ILAAP an die EZB übermittelt werden. Folgende Aspekte werden dabei nochmal hervorgehoben:

  • Die Unterlagen müssen über die bestehenden Kommunikationswege elektronisch an das jeweils zuständige gemeinsame Aufsichtsteam (Joint Supervisory Team / JSTs) übermittelt werden.
  • Sämtliche Informationen nach Artikel 108 und 109 der CRD IV betreffend ICAAP und ILAAP sind einzureichen.
  • Betont wird im Schreiben der EZB nochmals die Erstellung eines „Reader´s Manual“ (Leitfaden) für die bereitgestellten Unterlagen. Darunter wird ein allumfassendes Dokument verstanden, welches einen Überblick über die bereitgestellten Dokumente sowie deren Status (neu, unverändert, leicht verändert, etc.) gibt. Es soll ebenfalls dargestellt werden, in welchen Dokumenten spezifische Informationen zu finden sind und damit als Orientierungs­hilfe dienen. Daneben sollen im „Reader´s Manual“ übergreifende Informationen aufge­nommen werden, die insb. für den Start der Prüfung durch die Aufsicht relevant sind.
  • Die EZB erwartet, dass alle in der EBA-Leitlinie (EBA/CP/2015/26) erwähnten Informationen vorgelegt[6]
  • Von hoher Relevanz ist es, die Unterschiede zwischen Säule I und den internen Ansätzen für die Beurteilung der Angemessenheit des Kapitals herauszuarbeiten.
  • Ein MSExcel-Formblatt (Anhang C.1 des Schreibens) muss dabei zur jährlichen Übermittlung von Informationen zu den Risikokategorien und –unterkategorien im Sinne des ICAAP (Textziffer 30 a und b der EBA-Leitlinie EBA/CP/2015/26) genutzt werden.
  • Die Bedeutung der Selbsteinschätzung zum ILAAP auf Basis des Anhang C2 des EZB Schreibens ( i.S.v. Textziffer 54 k der EBA-Leitlinie EBA/CP/2015/26) wird betont.
  • Eine knappe Erklärung zur Angemessenheit der Kapital- und Liquiditätsausstattung Begründung und Analyse ist vom Leitungsorgan zu unterzeichnen.

 

Das Schreiben der EZB richtet sich im Gegensatz zum EBA Konsultationspapier[7] nur an die direkt von der EZB beaufsichtigten bedeutenden Institute (SIBs) und somit nur an einen begrenzten Anwenderkreis. Die EZB geht davon aus, dass die veröffentlichten Anforderungen nicht mit in den Mitgliedsstaaten vorhandenen nationalen Regelungen in Konflikt stehen; sollte dies dennoch der Fall sein, so gelten die nationalen Regelungen.

 

Auswirkungen auf die Institute

Der EZB ist durch die beschriebene Meldepflicht jährlich allumfassend über die Verfahren und Ergebnisse des ILAAP und ICAAP zu berichten. Aus unserer Sicht ergeben sich für die betroffenen Institute insbesondere die folgenden Handlungsfelder:

  • Die von der EZB formulierten Basiserwartungen an den ICAAP weichen in einzelnen Punkten von den MaRisk und dem BaFin Rundschreiben für Risikotragfähigkeitskonzepte ab.
  • Nach unserer derzeitigen Einschätzung müssen die betroffenen Institute aktuell noch Meldungen sowohl gemäß dem Schreiben der EZB als auch gemäß den Anforderungen der FinaRisikoV einreichen.
  • Zur Erfüllung der Informationspflichten sind von den betroffenen Instituten in einem jährlichen Rhythmus umfangreiche und detaillierte Unterlagen zusammenzustellen und vor Einreichung an die Aufsicht auf Vollständigkeit und Konsistenz zu prüfen.

Zur Sicherstellung der Vollständigkeit der einzureichenden Informationen hat PwC eine Checkliste entwickelt. Diese kann bei PwC angefordert werden.

 

Matthias Eisert

Telefon    +49 69 9585 2269

Mobil       +49 160 895 3260

matthias.eisert@de.pwc.com

Dieter Lienland

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Mobil       +49 171 553 2631

dieter.lienland@de.pwc.com

Alexander Kottmann

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[1] Vgl. Anhang C des Schreibens der EZB vom 8. Januar 2016.

[2] Zitat aus dem Schreiben der EZB vom 8. Januar 2016.

[3] Zitat aus dem Schreiben der EZB vom 8. Januar 2016.

[4] Ausschuss der europäischen Bankenaufsichtsbehörden „Guidelines on Liquidity Buffers & Survival Periods“ vom 9.Dezember 2009.

[5] Zitat aus dem Schreiben der EZB vom 8. Januar 2016.

[6] Vgl. Anhang C des EZB-Schreibens vom 8. Januar 2016.

[7] EBA Konsultationspapier “Guideline on ICAAP and ILAAP information collected for SREP purposes”.

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