Änderung der Finanz- und Risikotragfähigkeitsinformationenverordnung (FinaRisikoV)

Mit Schreiben vom 19. August 2020 hat die Bundesbank alle Kreditinstitute und übergeordneten Unternehmen gemäß § 10a KWG über die Veröffentlichung der Änderung der Finanz- und Risikotragfähigkeitsinformationenverordnung (FinaRisikoV) informiert.

Die Änderung betrifft im Wesentlichen die zusätzliche Meldung von Kapitalplanungs- und Liquiditätsinformationen und soll der nationalen Umsetzung der EBA-Leitlinien zu für den aufsichtlichen Überprüfungs- und Evaluierungsprozess (SREP) erhobenen ICAAP und ILAAP-Informationen (EBA/GL/2016/10) dienen. Gegenüber den schon länger diskutierten Entwürfen (siehe auch Blogbeitrag vom 13. August 2019) gab es dabei keine wesentlichen Neuerungen.

Bei der Überarbeitung hat sich am Wortlaut der FinaRisikoV nur wenig geändert und auch bei den bereits bekannten Meldevordrucken sind die Änderungen mit einzelnen Konkretisierungen und Streichungen (insbesondere Angaben zum Kreditportfoliomodell) überschaubar. Neu sind die Anlagen bzw. Meldevordrucke „KPL“ zur Kapitalplanung, in dem auch die normative Perspektive der Risikotragfähigkeit erfasst wird, und „ILAAP“ zu den Verfahren zur Beurteilung der Angemessenheit der internen Liquidität. Diese Informationen wurden bislang nicht über ein einheitliches Meldewesen erhoben, sondern bei jedem Institut individuell abgefragt.

Grundsätzlich stellen die zusätzlichen Meldeanforderungen keine neuen Anforderungen an die Kapitalplanung. Abgefragt wird eine 3-jährige Kapitalplanung unter Berücksichtigung regulatorischer Kennzahlen in einem Planszenario der normativen Perspektive sowie adversen Szenarien, wobei Ausführungen nach HGB oder IFRS möglich sind. Zu weiteren Informationen zum Thema Kapitalplanung verweisen wir auf unsere Blogbeiträge vom 4. Juni und 20. April 2020.

Mit dem ILAAP-Meldebogen werden sowohl Informationen zum Konzept der internen Liquiditätssteuerung als auch quantitative Angaben zur Liquiditätssituation abgefragt. Neben identifizierten Liquiditätsrisiken und berücksichtigten Fremdwährungen werden Steuerungskennzahlen, die zeitliche Gliederung der Liquiditätsübersicht, Informationen zu den Liquiditätsstresstests (mit detaillierterer Abfrage zum am stärksten adversen Szenario) sowie Haircuts der Positionen im Liquiditätspuffer und Angaben zur Refinanzierungsplanung abgefragt. Zu weiteren Informationen zum Thema ILAAP verweisen wir auf unsere Blogbeiträge vom 20. Juli 2020 und 13. November 2018.

Die Informationen zur Kapitalplanung und zum ILAAP müssen erstmals per Meldestichtag 31. Dezember 2020 zusätzlich zu den bisherigen Informationen gemeldet werden und sollen somit im SREP für das kommende Jahr Berücksichtigung finden.

Die aktuellen Meldevordrucke stehen auf der Internetseite der Bundesbank zur Verfügung.

Zudem erinnert die Bundesbank in Ihrem Anschreiben daran, dass die Meldungen zum Frühwarnindikator des Zinsänderungsrisikos gemäß BaFin-Rundschreiben 06/2019 (BA) zum Stichtag 30. September 2020 letztmalig per Excel-Übergangslösung zu übermitteln sind. Per 31. Dezember 2020 ist auch hier die Verwendung der vorgegebenen Taxonomie obligatorisch.

 

Fazit/Ausblick

In den kommenden Monaten wird die größte Herausforderung für die Institute in der Befüllung der zusätzlichen Meldebögen und somit in der Bindung von personellen bzw. zeitlichen Kapazitäten liegen.

Auch wenn durch die Ergänzung der FinaRisikoV zunächst keine neuen aufsichtlichen Anforderungen an die Institute gestellt werden, führt die standardisierte Meldung zu einer höheren Transparenz und Vergleichbarkeit bei der Aufsicht. Nachgelagert kann dies dazu führen, dass Institute aufgefordert werden, ihre Methoden und Verfahren zu überarbeiten oder zu ergänzen.

Die Institute können die neuen Meldeanforderungen aber auch proaktiv als Chance nutzen, die eigenen Methoden anhand der abgefragten Elemente zu validieren und ggf. weiterzuentwickeln. Insbesondere im Hinblick auf den ILAAP sollte nicht vergessen werden, dass der SREP an diesen weitestgehend ähnliche Anforderungen stellt wie an den ICAAP, der bei den meisten Instituten deutlich dezidierter aufgestellt ist.

 

Haben Sie weitere Fragen oder sehen Sie Diskussionsbedarf? Wir stehen Ihnen hierbei gerne zur Seite.

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