Aufsicht veröffentlicht Ergebnisse aus LSI Stresstesting sowie aus Umfrage zu Kreditvergabestandards

In einer gemeinsamen Pressekonferenz haben die Bundesbank und die BaFin am 23. September 2019 die Ergebnisse des LSI (Less Significant Institut) Stresstests vorgestellt. Mit der vierten Erhebung seit 2013 hat die Aufsicht in diesem Jahr insgesamt 1.412 Banken und Sparkassen zu ihrer zukünftigen Ergebnislage und Widerstandskraft befragt. Annähernd alle kleinen und mittelgroßer Institute nahmen an der Umfrage teil; Institute, die sich nicht unter nationaler Aufsicht befinden (Significant Institutions) sind von der Umfrage ausgenommen. Damit repräsentiert die Auswertung laut Angaben der Aufsicht 89 % aller Kreditinstitute in Deutschland sowie 38 % der Bilanzsummen.

Neben dem Erkenntnisgewinn diente die Befragung insbesondere dazu, die Eigenmittelzielkennziffer für das jeweilige Institut auf Basis der Stresstestergebnisse zu bestimmen. Diese Eigenmittelzielkennziffer ist international auch als Pillar 2 Guidance bekannt (P2G). Die P2G ist das Element in den Vorgaben des neuen ICAAP bzw. der RTF, welches als Puffer vorzuhalten ist, um Stresssituation abzufedern – der Puffer P2G darf im Rahmen des Adversen Szenarios explizit „verbraucht“ werden (siehe Link auf PwC Risk-Blog „SREP-Zuschlag“ sowie „SREP-Zuschlag LSI„).

Auf der Pressekonferenz wurden ebenfalls Ergebnisse zu Institutseigenen Plan- und Prognosedaten (Geschäftsplanung) sowie zur Entwicklung von Kreditvergabestandards der Institute vorgestellt.

 

Institutseigene Plan- und Prognosedaten

Auf Grundlage ihrer eigenen Plan- und Prognosedaten gaben die befragten Kreditinstitute im zweiten Quartal 2019 an, dass sie in fünf Jahren mit einem um 23 % gestiegenen Jahresüberschuss vor Steuern rechnen. Dies entspricht einem Zuwachs ihrer Gesamtkapitalrentabilität von 10 % (in der Befragung aus 2017 schätzten die Institute eine Reduzierung von -16 %).  Diese sehr positive Prognose basiert darauf, dass rund die Hälfte der Institute mit steigenden Zinsen kalkulieren. Die Banken und Sparkassen, die mit einer konstanten Zinsentwicklung geplant haben, rechnen hingegen mit einem Rückgang der Gesamtkapitalrentabilität um weitere 2 %.

Über die Gesamtheit der befragten Institute ergäbe sich auf Basis der eigenen Planzahlen eine Steigerung der harten Kernkapitalquoten (CET1-Quoten) von aktuell 16,5 % auf 16,8 % im Jahr 2023.

Die Aufsicht schätzt die Erwartungen der befragten Institute im Durchschnitt als zu optimistisch ein; dies ist insbesondere vor dem Hintergrund der aktuell ausbleibenden Zinswende für die Aufsicht problematisch.

Die von den Instituten genutzten Planwerte sind zentrale Eingangsparameter für die Kapitalplanung im Rahmen der Umsetzung der neuen RTF Vorgaben. Sofern die Aufsicht demnach eine zu positive Einschätzung für das jeweilige Institut unterstellt, bedeutet dies, dass aus Ihrer Sicht die Ausgestaltung des Basis-Szenarios im Rahmen der Kapitalplanung der normativen Perspektive „optimierungsbedürftig“ sei. Es bleibt demnach abzuwarten, inwieweit die Aufsicht im Rahmen von ICAAP/RTF Sonderprüfungen zukünftig das Thema Planungsannahmen sowie Kapitalplanung adressieren wird.

 

Ergebnissimulationen für fünf vorgegebene Zinsszenarien

Neben der Erhebung der institutseigenen Plandaten, hat die Aufsicht die Kreditinstitute, für fünf vorgegebene Zinsszenarien, Ergebnissimulationen für den Zeitraum von 2019 bis 2023 durchführen lassen (konstantes Zinsszenario, positiver und negativer Zinsschock, Gradueller Zinsanstieg, inverser Drehung). Dabei sollten die Institute von einer statischen Bilanzannahme ausgehen; dies bedeutet, dass sie ihre Portfolien nicht die sich ändernden Bedingungen anpassen konnten. Die Simulationen der fünf vorgegebenen Zinsszenarien zeigt, dass sich die Ertragskraft der Banken und Sparkassen in Deutschland deutlich verschlechtern würde, wenn das Niedrigzinsumfeld andauert oder sich verschärft. Grund für die sinkende Gesamtkapitalrentabilität wäre vor allem, dass die Institute die rückläufigen Marktzinsen nur in geringerem Umfang auf die Einlagenzinsen umlegen würden.

 

Stresstest zur Bestimmung der aufsichtlichen Eigenmittelzielkennziffer

Zur Bestimmung der aufsichtlichen Eigenmittelzielkennziffer mussten die Institute eine Simulation der gesamten Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) über einen dreijährigen Stresshorizont vornehmen. Das Szenario unterstellt einen schweren wirtschaftlichen Abschwung und umfasste alle wesentlichen Risikoarten:

 

 

 

 

 

 

Wesentlich Effekte ergeben sich insbesondere auf das Marktpreis- und das Adressrisiko. Der Ad-hoc-Schock im Marktrisiko führt dazu, dass sich die höchste Stresswirkung im ersten Jahr entfaltet. Die Stresswirkung wird dabei von zinstragenden Positionen (inkl. Zinsswaps) dominiert, die etwa 90% des Gesamtportfolios ausmachen. Bei Aktien und Immobilienfondspositionen tragen die nicht zinstragenden Positionen überproportional zum Stresseffekt bei. Derivate führen insgesamt zu einer Entlastung.

Der Haupttreiber im Adressrisiko ist der hohe Anstieg der als ausgefallen eingestuften Forderungen (Wanderung der Forderungen in die „Ausfallklasse“). Die Forderungsklasse Wohnimmobilien sorgt trotz des hohen Bestandes an Forderungen nur für einen geringen Stresseffekt. Die schlechteste harte Kernkapitalquote (CET1-Quote) wird mit 13,0 % im dritten Jahr erreicht.

Die größte Ertragsposition ist auch im Stressszenario das Zinsergebnis, welches den Stresseffekt deutlich abmildert.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Stellt man die Kapitalentwicklung der Planszenarien und der Stressszenarien gegenüber, zeigt sich, dass die Institute im Durchschnitt mit einem Anstieg der CET1 Quoten aktuell 16,5 % auf 16,8 % im Jahr 2023 geplant haben. Im Stressszenario sinkt die CET1 Kapitalausstattung gegenüber dem Planszenario um 3,7 Prozentpunkte.

 

 

 

 

 

 

 

 

Im Ergebnis zeigt sich, dass die deutschen Institute – laut Ansicht der Aufsicht – auch im Stress solide kapitalisiert sind. Der Stresseffekt beträgt im Schnitt etwa 3,5 Prozentpunkte.

Die Ergebnisse der Institute dienen dazu die individuellen Eigenmittelzielkennziffern abzuleiten. Besonders anfällige und auffällige Institute sollen frühzeitig einer noch intensiveren Aufsicht unterworfen werden.

Auf der anderen Seite gibt die Analyse der Aufsicht auch einen guten Blick über den Gesamtmarkt und kann sowohl aus Sicht der Aufsicht als auch der Institute dazu dienen, die institutsindividuellen Annahmen für das Adverse Szenario im Rahmen der Kapitalplanung zu überprüfen. Denn die Aufsicht legt für das Szenario „Schwerer konjunktureller Abschwung“, welches eines der relevantesten in der deutschen Kreditwirtschaft sein sollte, ein Parameterset offen, welches Grundlage der Überlegungen und Validierungshandlungen für die einzelnen Institute bilden sollte. Außerdem stellt sie mit dem Stresseffekt von 3,5 % CET Reduzierung eine Orientierungsgröße in den Raum, welcher von Instituten ein Ausgangspunkt für weitere Überlegungen sein kann.

 

Kreditvergabestandards für Wohn- und Gewerbeimmobilien sowie Unternehmensfinanzierungen

Neben dem Stresstesting hat die Aufsicht 105 Banken und Sparkassen zu Ihren Plänen bezüglich Immobilien- und Unternehmensfinanzierung befragt und Rückschlüsse auf die Kreditvergabestandards gezogen.

Die Mehrzahl der befragten Banken plant das Geschäft mit privaten Wohnimmobilienfinanzierungen weiter auszubauen. Dabei werden die Kreditvergabestandards weniger konservativ, was vor allem durch steigende Beleihungsausläufe bzw. Loan-to-Value-Ratios (LTVs) angezeigt wird. Die Aufsicht stuft dies bisher als nicht kritisch ein, solange sich die Lockerung der Vergabestandards nicht fortsetzt. Im Bereich der Gewerbeimmobilienfinanzierungen lässt sich nicht eindeutig auf eine Verschlechterung der Kreditvergabestandards schließen.

Nach Einschätzung von mehr als 80% der Umfrageteilnehmer hat sich der Wettbewerb im Bereich Unternehmensfinanzierungen seit 2015 intensiviert oder sogar stark intensiviert. Damit einher gehen Hinweise für eine Lockerung der Kreditvergabestandards. Hier sind vor allem der Anstieg von Blankoanteilen und Krediten mit endfälliger Tilgung zu nennen. Dem steht eine Verkürzung der durchschnittlichen Kreditlaufzeiten und ein zunehmender Anteil bonitätsstarker Kreditnehmer mit gesunkenen Margen gegenüber.

 

Ausblick

Die Teilnahme an der LSI Stresstest sowie der Befragung in Bezug auf die Kreditvergabestandards hat bei den Instituten in 2019 wieder umfangreiche Kapazitäten gebunden. Als Ergebnis wird für die Institute im ersten Schritt insbesondere eine neue Eigenmittelzielkennziffer verbunden sein.

Die Institute sollten aber versuchen aus der wiederkehrenden Analyse auch einen Mehrwert zu ziehen. Hier bietet sich insbesondere die Möglichkeit des Benchmark-Vergleichs für jedes einzelne Institut. Des Weiteren kann die Analyse als Ausgangspunkt genutzt werden, die Planwerte aus der Kapitalplanung nochmal kritisch zu hinterfragen; denn Diese bilden die Grundlage für die Ausgestaltung des Basis- und des Adversen Szenarios im Rahmen der RTF. Außerdem stellt die Aufsicht mit der Verschlechterung der CET1-Quote um 3,5 % im Adversen Szenario eine Benchmark, an der sich die Szenarien der einzelnen Häuser messen lassen müssen.

In Zukunft bleibt es abzuwarten, inwieweit die Aufsicht im Rahmen von ICAAP/RTF Sonderprüfungen das Thema der Kapitalplanung sowie das Parameterset für das Adverse Szenario adressieren wird.

Wahrscheinlich auch um den Auswirkungen einer potenziellen Überhitzung auf dem deutschen Immobilienmarkt entgegentreten zu können, hat die Aufsicht für das Thema Kreditvergabestandards bereits angekündigt, weitere Analysen vorzunehmen. Hier dürfen die Institute in Zukunft mit neuen Anfragen der Aufsicht rechnen.

 

Haben Sie weitere Fragen oder sehen Sie Diskussionsbedarf? Wir stehen Ihnen hierbei gern zur Seite.

WP StB Michael Maifarth

Telefon    +49 69 9585 2318

Mobil       +49 170 786 5727

michael.maifarth@pwc.com

WP Matthias Eisert

Telefon    +49 69 9585 2269

Mobil       +49 160 895 3260

matthias.eisert@pwc.com

Alexander Kottmann

Telefon    +49 30 2636 5018

Mobil       +49 170 473 8250

alexander.kottmann@pwc.com

WP Dieter Lienland

Telefon    +49 211 981 4929

Mobil       +49 171 553 2631

dieter.lienland@pwc.com

 

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

/* */