BaFin veröffentlicht Entwurf der überarbeiteten MaRisk

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat am 26. Oktober 2020 ihre Konsultation zum Entwurf der Neufassung der „Mindestanforderungen an das Risikomanagement“ veröffentlicht. Die Überarbeitungen konzentrieren sich insbesondere darauf, Anforderungen aus den EBA-Richtlinien zu notleidenden und gestundeten Risikopositionen (Guidelines on management of non-performing and forborne exposures – NPL Guidelines), zu Auslagerungen (Guidelines on out-sourcing arrangements – Outsourcing Guidelines) und zum ICT-Risk (Guidelines on ICT and Security Risk Management – ICT Guidelines) in die MaRisk Vorgaben zu integrieren. . Ferner erfolgt die Anpassung der MaRisk-Regelungen an den überarbeiteten Leitfaden zur aufsichtlichen Beurteilung bankinterner Risikotragfähigkeitskonzepte (ICAAP).

Seit der Veröffentlichung und dem Inkrafttreten der letzten MaRisk-Novellierung im Herbst 2017 stellt die BaFin in ihrem neuen Entwurf der MaRisk die folgenden wesentlichen Änderungen zur Konsultation vor:

Anforderungen an das Management notleidender und gestundeter Risikopositionen

Im Zuge der Novellierung der MaRisk wird zukünftig ein Augenmerk auf die Implementierung und Weiterentwicklung von fundierten Forbearance-Methoden gelegt, die auch die regelmäßige Überprüfung der Angemessenheit getroffener Maßnahmen beinhaltet.

Die Definition und die Klassifizierung von non performing exposures (NPE) soll anhand eines klaren und konsistenten Kriterienkatalogs erfolgen. Jedwede Umgruppierungen oder Änderungen sollen auf Basis einer zu dokumentierenden Analyse der finanziellen Lage des Kreditnehmers erfolgen. Weitere Ergänzungen ergeben sich im Hinblick auf die Behandlung von Problemkrediten und Risikovorsorgebildung. Hierbei soll u.a. die Überwachung von NPE systematisch geregelt und eine zeitnahe Bildung von Risikovorsorge bzw. deren Überprüfung gewährleistet werden.

Für sog. High-NPL-Institute (Brutto-NPL-Quote > 5%) ergeben sich darüber hinaus weitergehende Anforderungen für das Management von NPE. Diese umfassen u.a. eine eigene Strategie für NPE, separate Governance-Strukturen sowie die Einrichtung einer speziellen NPE-Abwicklungseinheiten.

Anforderungen an das Auslagerungsmanagement

Für die Steuerung und Überwachung von Auslagerungen sehen die Ausgestaltungen der Mindestanforderungen zukünftig eine vertiefende Risikoanalyse vor, die über den bisherigen Anforderungen liegen. Im Rahmen der Risikoanalyse sollen spezifisch für jede Auslagerung relevante potentielle Risikotreiber identifiziert und bewertet werden. Die laufende Überwachung von Auslagerungen soll stärker darauf abzielen, die Leistung des Auslagerungsunternehmens sicherzustellen und die mit Auslagerungen verbundenen Risiken zu steuern. Ferne wurden Konkretisierungen für die Abgrenzung zwischen Auslagerung und sonstigem Fremdbezug von Leistungen sowie für die Ausgestaltung der Auslagerungsverträge eingefügt.

Mit der Novelle wird nunmehr auch die Möglichkeit eingeräumt, ein zentrales Auslagerungsmanagement auf Gruppen- bzw. Verbundebene einzurichten. Darüber hinaus werden die Möglichkeiten hinsichtlich der vollständigen Auslagerung der besonderen Funktionen Risikocontrolling, Compliance und Interne Revision dahingehend erweitert, dass die vollständige Auslagerung unter bestimmten Umständen nun auch auf Schwesterinstitute innerhalb einer Institutsgruppe möglich sein kann.

Zeitgleich mit der Veröffentlichung der Konsultation zu den MaRisk hat die BaFin einen Konsultationsentwurf für eine Novellierung des Rundschreibens „Bankaufsichtliche Anforderungen an die IT“ (BAIT; Konsultation 13/2020) veröffentlicht.

Bezüglich des konkreten Anwenderkreises für die einzelnen Regelungen wird die BaFin eine Überprüfung vornehmen, die im Rahmen der jetzt gestarteten Konsultationsphase erfolgen soll. Über die Ergebnisse dieser Überprüfung wird sie vor der Veröffentlichung der MaRisk-Novelle im ersten Quartal 2021 informieren.

Fazit

Allein diese kurze Zusammenstellung der wesentlichen Änderungen verdeutlicht den Umsetzungsaufwand, der viele Bereiche im Institut sowie insbesondere im Auslagerungsmanagement betrifft. Auch wenn dieser Aufwand in Abhängigkeit von Institutsgröße, Komplexität des Geschäftsmodells, der Portfoliostruktur sowie der Ausgestaltung der internen Organisation unterschiedlich hoch sein wird, ist eine zeitnahe Adressierung der geänderten Anforderungen dringend zu empfehlen.

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