BIS veröffentlicht 6. Fortschrittsbericht zur Umsetzung von BCBS 239

Der 6. Fortschrittsbericht zur Umsetzung von BCBS 239 zeigt, dass sich der Compliancegrad der 34 untersuchten G-SIBs zunehmend verbessert.[1] Dennoch konnte zum Zeitpunkt der Untersuchung (Ende 2018) keines der Institute den Status „fully compliant“ über alle Grundsätze hinweg aufweisen, was bei einigen Instituten auf anhaltende Herausforderungen in der Umsetzung umfangreicher Daten- und IT-Transformationen und insbesondere auf eine Ausweitung des BCBS 239-Anwendungsgebiets auf Kennzahlen und Berichte aus Finanzen, Meldewesen sowie des Sanierungsplans zurückzuführen ist.

Fortschritt des Compliancegrads

Insgesamt hat sich der Compliancegrad im Vergleich zum letzten Fortschrittsbericht [2] von durchschnittlich 2,92 auf 3,15 auf einer Skala von 0 (non-compliant) bis 4 (fully compliant) erheblich gesteigert.

Abbildung 1: Compliancegrad je Grundsatz im Vergleich 2017 zu 2019

Deutliche Verbesserungen konnten bei den Instituten insbesondere in der Umsetzung der Governance-Vorgaben aus Grundsatz 1 beobachtet werden, welche im vergangenen Fortschrittsbericht noch als wesentlicher Kritikpunkt identifiziert wurde. Vor allem durch die Implementierung klarer Verantwortlichkeiten sowie einer unabhängigen Validierungseinheit konnten bisherige Schwachstellen in der Umsetzung identifiziert und behoben werden.

Wesentliche Herausforderungen sehen die Autoren des Berichts in der Erfüllung der Anforderungen an die Daten- und IT-Architektur aus Grundsatz 2, welche insbesondere auf stark fragmentierte IT-Lösungen und veraltete Systemlandschaften zurückzuführen sind, welche eine angemessenen Konsistenz von Daten und eine zeitnahe Bereitstellung von Daten behindern.

Dies wirkt sich zusätzlich negativ auf die angemessene Erfüllung der Grundsätze bzgl. Datenaggregation (Grundsätze 3-6) und Berichterstattung (Grundsätze 7-11) aus.

Den Compliacegrad „fully compliant“ hat zum Zeitpunkt der Erhebung noch keines der betrachteten Institute erreicht. Entsprechend wurden die Institute zum Zeitpunkt der Erhebung nach ihrer Erwartungshaltung befragt, wann sie mit einer vollständigen Erfüllung aller Grundsätze rechnen.

Jahr Im Jahr 2019 Im Jahr 2020 Im Jahr 2021 Über 2021 hinaus
Anzahl Institute 10 13 6 5

Abbildung 2: Einschätzung der Banken zum Erreichen des Compliancegrads „fully compliant“

Der deutlich größere Umsetzungshorizont als die ursprünglich geforderten drei Jahre ist auf drei wesentliche Einflussfaktoren zurückzuführen:

  • Institute haben ein insgesamt besseres Verständnis über die Anforderungen aus BCBS 239, was zu einer angepassten Einschätzung des Compliancegrads geführt hat.
  • Mit zunehmendem Verständnis hat sich auch die Erwartungshaltung der Aufsichtsinstanzen geschärft.
  • Zahlreiche Institute haben den Scope ihrer BCBS 239 Umsetzung erweitert und mussten somit den Erfüllungsgrad auf die erweiterten Umsetzungsmaßnahmen anpassen.

Erweiterung des Anwendungsbereichs auf Finanzberichterstattung, Meldewesen und Kennzahlen aus dem Sanierungsplan

Während der Großteil der Banken zu Beginn der Umsetzung von BCBS 239 im Wesentlichen Risikoberichte im Fokus hatten, zeigt sich, dass eine Mehrheit der Institute die Anwendung der Grundsätze auch für Kennzahlen und Berichte im Rahmen des Meldewesens, der Finanzberichterstattung sowie des Sanierungsplans für notwendig erachtet.

Gemäß Fortschrittsbericht berücksichtigen die 34 betrachteten Institute die folgenden Berichte im Rahmen ihrer BCBS 239-Umsetzung:

  • 100 % der Institute berücksichtigen die Berichterstattung im Rahmen des Risikomanagements
  • 89 % der Institute berücksichtigen darüber hinaus Berichte und Kennzahlen aus dem Meldewesen
  • 63 % der Institute bezieht bereits zur Befragung Ende 2018 Finanzkennzahlen und -berichte in die BCBS 239 Umsetzung mit ein
  • 46 % der Institute wendet die BCBS 239 Grundsätze außerdem auf die Berichterstattung im Rahmen des Sanierungsplans an

Dies deckt sich insbesondere mit der Empfehlung der EZB aus ihrem Schreiben an die durch sie beaufsichtigten Institute vom Juni 2019 „Aufsichtliche Erwartungen in Bezug auf die Risikodaten-Aggregationskapazitäten und Verfahren zur Risikoberichterstattung“ [3], in welchem die Anwendung der BCBS 239 Grundsätze auf das regulatorische Meldewesen sowie auf externe Berichtsprozesse positiv hervorgehoben wird.

Fazit

Trotz der deutlichen Verbesserungen im Vergleich zum letzten Fortschrittsbericht bleibt die Umsetzung von BCBS 239 weiterhin ein herausforderndes Thema für zahlreiche Institute.

Durch die dargestellte erweiterte Anwendung der BCBS 239 Grundsätze auf Berichterstattung außerhalb von Risikomanagement empfehlen die Autoren des Berichts, dass Banken prüfen sollten, ob sie auch von einer Ausweitung des Anwendungsbereichs auf andere Unternehmensbereiche profitieren könnten.

PwC teilt diese Einschätzung, insbesondere vor dem Hintergrund der sich stetig weiterentwickelnden aufsichtlichen Erwartungshaltung, wie im Schreiben der EZB (Juni 2019) zum Ausdruck gebracht.

Während im Fortschrittsbericht lediglich die 34 global systemrelevanten Institute betrachtet werden, fehlt eine ähnliche Einschätzung auf Ebene der national systemrelevanten Institute.

Durch unsere Erfahrung aus einer Vielzahl an BCBS 239-Umsetzungsprojekten und den tiefen Einblick in den Markt können wir Ihnen dabei helfen, Ihren Compliance-Grad einzuordnen, Ihre Lösungen mit denen der für Sie passenden Peer Group zu vergleichen sowie Ihre bisherigen Lösungen u.a. auf Basis der im Fortschrittsbericht aufgezeigten Best Practices weiterzuentwickeln.

 

[1] https://www.bis.org/bcbs/publ/d501.pdf

[2] 5. Fortschrittsbericht, BCBS 399, März 2017, https://www.bis.org/bcbs/publ/d399.pdf

[3] https://www.bankingsupervision.europa.eu/press/letterstobanks/shared/pdf/2019/ssm.supervisory_expectations_on_risk_data_aggregation_capabilities_and_risk_reporting_practices_201906.de.pdf?748ec4fcb329f67a60cf0ba5d336b208

 

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