Die EBA veröffentlicht ein Diskussionspapier zum Management und Überwachung von ESG-Risiken für Kreditinstitute und Wertpapierfirmen

Die EBA hat die Auswirkungen von ESG-Risiken auf Kreditinstitute und Wertpapierfirmen[1] analysiert. Dabei stellt sie die Notwendigkeit fest, diese Risiken stärker in die Geschäftsstrategien und -prozesse von Instituten zu integrieren und angemessen in den internen Governance-Regelungen zu berücksichtigen. Ebenfalls sollten aufsichtliche Überprüfungsprozesse um ESG-Aspekte erweitert werden.

Hintergrund

Mit der Verabschiedung der UN Agenda 2030 wurden im Jahr 2015 insgesamt 17 Ziele für eine sozial, wirtschaftlich und ökologisch nachhaltige Entwicklung formuliert. Darüber hinaus hat die EU in 2015 beschlossen, die Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2030 um mindestens 40% (gegenüber 1990) zu reduzieren. Angesichts aktueller klimawissenschaftlicher Erkenntnisse hat die EU ihre Anstrengungen verstärkt und strebt bis 2050 eine klimaneutrale Wirtschaft an.

Der Finanzsektor nimmt als Intermediär eine bedeutende Rolle bei der Weiterentwicklung der Wirtschaft ein. Institute stehen dabei auch vor der Herausforderung, auf sie und ihre Kunden einwirkende ESG-Faktoren zu identifizieren und daraus resultierende Risken wirksam zu steuern und zu überwachen. Die EBA verfolgt das Ziel, den Regulierungsrahmen für Kreditinstitute und Wertpapierfirmen zu verbessern, um eine nachhaltige Entwicklung des Finanzsektors und das Management von ESG-Risiken zu fördern.

Inhalt

Das veröffentlichte Diskussionspapier beschäftigt sich auf der einen Seite mit der Einbeziehung von ESG-Risken in die Strukturen und Prozesse von Instituten und auf der anderen Seite mit den Anpassungsbedarfen in der Überwachung der Institute durch die Aufsicht. Dabei werden Risiken, die sich aus Umweltfaktoren und dem Klimawandel ergeben, besonders berücksichtigt. Das Diskussionspapier gliedert sich in die folgenden Abschnitte:

  1. Allgemeine Definitionen
  2. Indikatoren, Metriken, Methoden zur Bewertung von ESG-Risiken
  3. Management von ESG-Risiken
  4. Überwachung von ESG-Risiken

Allgemeine Definitionen

Um ESG-Risiken auf vergleichbare Weise bewerten und messen zu können, ist es von grundlegender Bedeutung, einheitliche Definitionen zu etablieren und zu verstehen, wie sich diese Faktoren auf finanzielle Risiken auswirken. Mit dem Ziel, ein gemeinsames Rahmenwerk für Institute und Aufsichtsbehörden zu schaffen, enthält das Diskussionspapier daher u.a. Definitionen von ESG-Faktoren und ESG-Risiken:

  • ESG-Faktoren: Ausgehend von verschiedenen internationalen Rahmenwerken definiert die EBA ESG-Faktoren als ökologische, soziale oder Governance-Merkmale, die die finanzielle Leistungsfähigkeit oder Liquidität von Unternehmen, Staaten oder natürlichen Personen („Gegenparteien“) positiv oder negativ beeinflussen können.
  • ESG-Risiken: ESG-Risiken werden definiert als Risiken negativer finanzieller Auswirkungen auf Institute, die sich aus den aktuellen oder voraussichtlichen Auswirkungen von ESG-Faktoren auf ihre Gegenparteien ergeben.

Darüber hinaus erfolgt eine differenzierte Betrachtung von ESG-Faktoren in den Bereichen Umwelt, Soziales und Governance und den daraus resultierenden Risiken. Die EBA führt aus, dass Umweltrisiken insbesondere in Form von physischen Risiken (physische Auswirkungen der Umweltzerstörung und insbesondere des Klimawandels) und transitorischen Risiken (Unsicherheit in Bezug auf den Wandel zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft) auftreten.

Indikatoren, Metriken, Methoden zur Bewertung von ESG-Risiken

Finanzielle Auswirkungen von ESG-Risiken können auf Basis von qualitativen und quantitativen Indikatoren sowie methodischen Instrumente bewertet werden. Das Diskussionspapier schlägt in diesem Zusammenhang einen risikoorientierten Ansatz für die Beurteilung von ESG-Risiken vor.

Abbildung 1 Risikoorientierter Ansatz zur Bewertung von ESG-Risiken

Zur Identifizierung von ESG-Risiken wurden in den letzten Jahren zunehmend Anstrengungen unternommen, Indikatoren zu entwickeln, die helfen, Engagements zu klassifizieren und ESG-Risiken zu erfassen. Die EBA bezieht sich dabei insbesondere auf ESG Taxonomien (z.B. EU Taxonomie-Verordnung), Standards (z.B. von der International Organisation for Standardization), Labels (z.B. Grüne Wertpapiere, Grüne Finanzierungen) und Investment-Benchmarks (Merkmale von Anleihen und Aktien).

Die Bewertung von ESG-Risiken kann mithilfe verschiedener Methoden erfolgen. Die EBA unterscheidet die folgenden drei Ansätze:

  • Portfolio Alignment Methode: Ansatz, um zu analysieren, inwieweit Portfolien auf globale Nachhaltigkeitsziele ausgerichtet sind und welche Änderungen erforderlich sind, um diese Ziele zu erreichen.
  • Risk Framework Methode: Methode, um zu analysieren, wie sich Nachhaltigkeitsaspekte auf das Risikoprofil von Instituten und ihre Standardrisikoindikatoren auswirken. Hierbei werden mit Bezug auf die Analyse von Klimarisiken zwei Ansätze unterschieden: Stresstests (Verwendung vollumfänglicher Szenarien) und Sensitivitätsanalysen (vereinfachter Ansatz zur Simulation einzelner Risikoparameter unter der Annahme bestimmter ESG-Entwicklungen)
  • Exposure Methode: Ansatz, der unmittelbar zur Beurteilung einzelner Kunden und Engagements angewendet werden kann. Das Grundprinzip dieser Methode besteht darin, die direkte Performance eines Engagements in Bezug auf Nachhaltigkeitsaspekte zu bewerten (Scoring-Ansatz).

Management von ESG-Risken

Das Diskussionspapier enthält Empfehlungen, wie Institute ESG-Risiken in ihre Geschäftsstrategie und Geschäftsprozesse, in interne Governance-Regelungen und ihr Risikomanagement integrieren können.

Abbildung 2 Management von ESG-Risiken auf Basis eines dreistufigen Ansatzes

Überwachung von ESG-Risiken

Ausgehend von der Berücksichtigung von ESG-Risiken in den Governance-Strukturen und Strategien der Institute, sollten ESG-Risiken auch in den aufsichtlichen Überprüfungsprozess einbezogen werden. Das Diskussionspapier legt in diesem Zusammenhang den Umfang der aufsichtlichen Überprüfung fest.

Dies beinhaltet eine Analyse des Geschäftsmodells zur Bewertung der langfristigen Belastbarkeit eines Instituts, die einen Zeitraum von mehr als drei Jahren zugrunde legt und damit den bisherigen Mindestzeitraum im Rahmen des SREP überschreitet. Darüber hinaus sollte die Aufsicht die Beurteilung der internen Governance-Regelungen in ihre Überprüfung einbeziehen, um ein solides Risikomanagement und die Einrichtung angemessener unternehmensweiter Kontrollen sicherzustellen.

Die EBA verdeutlicht außerdem, dass ESG-Risiken in Form von bestehenden aufsichtsrechtlichen Risiken (z.B. Kreditrisiko, Marktrisiko, operationelles Risiko) zum Tragen kommen. Daher sollte die Aufsicht ESG-Risiken sowohl als Treiber von Kapitalrisiken als auch von Liquiditätsrisiken in ihrer Überprüfung berücksichtigen.

Zeitliche Umsetzung

Die Konsultationsphase zu dem veröffentlichten Diskussionspapier endet am 3. Februar 2021. Die Veröffentlichung des finalen Berichts der EBA ist für Juni 2021 geplant.

Abbildung 3 Zeitliche Umsetzung

Fazit
ESG-Risiken führen auf verschiedenen Ebenen zu finanziellen Auswirkungen und beeinflussen somit erheblich das Geschäftsmodell von Kreditinstituten und Wertpapierfirmen. Die EBA hat im Rahmen ihrer Analyse vielfältige Handlungsfelder identifiziert. Die Institute sollten daher frühzeitig Maßnahmen ergreifen und ESG-Risiken auf Basis eines risikoorientierten Ansatzes in ihre Prozesse und Governance-Strukturen integrieren, um ein angemessenes und effizientes Management von ESG-Risiken zu gewährleisten.

Gerne begleiten wir auch Sie bei der Umsetzung und Definition Ihrer ESG Strategie, der Weiterentwicklung Ihres Risikomanagements und dem Ausbau Ihrer Berichterstattung zur Nachhaltigkeit. Bei Fragen wenden Sie sich gerne an uns.

 

[1] Der Anwendungsbereich des Diskussionspapiers auf Kreditinstitute und Wertpapierfirmen ergibt sich aus den Regularien der CRD V und der Investment Firm Review Directive (IFD), auf denen das Mandat der EBA basiert.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

/* */