Implikationen der COVID-19 Pandemie auf das Management von Marktpreisrisiken

Hintergrund

In früheren Beiträgen dieser Reihe haben wir bereits einen Überblick über die aus der COVID-19 Pandemie resultierenden Implikationen für das Risikomanagement von Kreditinstituten gegeben. Hieran anknüpfend stellen wir in diesem Beitrag die Auswirkungen der COVID-19 Pandemie auf das Management von Marktpreisrisiken dar.

Überblick: Implikationen der COVID-19 Pandemie

Insbesondere im ersten Quartal des Jahres 2020 waren die wirtschaftlichen Auswirkungen der COVID-19 Pandemie noch vollkommen unklar. Getrieben durch die hieraus resultierende enorme Unsicherheit in Bezug auf das Ausmaß der wirtschaftlichen Einbußen und Erinnerungen an die zurückliegende Finanzmarktkrise kam es weltweit an den Börsen zu einem signifikanten Rückgang der Nachfrage nach Rohstoffen (insbesondere Rohöl), Aktien, Fremdkapitalinstrumenten und anderen Finanzinstrumenten. Das bestehende Überangebot führte in der Folge zu wesentlichen Preisrückgängen. Zwar besteht auch heute noch eine große Unsicherheit in Bezug auf die weitere wirtschaftliche Entwicklung, die umfangreichen, weltweit ergriffenen Stabilisierungsmaßnahmen führten zwischenzeitlich jedoch wieder zu einer teilweisen Beruhigung der Märkte. Von vielen Investoren erlittene Kursverluste konnten in der Zwischenzeit sogar in großen Teilen wieder ausgeglichen werden.

Marktpreisrisiken stellen entsprechend den Mindestanforderungen an das Risikomanagement (MaRisk) für Kreditinstitute wesentliche Risiken dar und diese Wesentlichkeitseinschätzung wird nach unseren Erfahrungen auch nur in sehr begründeten Einzelfällen negiert.  Die im ersten Quartal des Jahres 2020 zu beobachtenden, massiven Kursrückschläge an den verschiedenen Märkten und der einhergehende Anstieg der Volatilität haben erneut gezeigt, dass die von den MaRisk vorgesehene Wesentlichkeitseinstufung durchaus berechtigt ist, da aus Handelsgeschäften ein erhebliches Risikopotenzial resultieren kann.

Auch für Kreditinstitute, die Marktpreisrisiken bereits in der Vergangenheit als wesentliche Risikoart eingewertet haben, stellt sich vor dem Hintergrund der Marktbewegungen in der jüngsten Vergangenheit erneut die Frage, ob sie über angemessene Verfahren und Methoden zur Überwachung und Steuerung von Marktpreisrisiken verfügen. In diesem Kontext nutzen Kreditinstitute regelmäßig Limitsysteme und mathematische VaR-Modelle, mit deren Hilfe die Limitauslastungen ermittelt werden.

Sowohl bei den Marktpreisrisiken im Handelsbuch als auch im Anlagebuch ergibt sich aufgrund der deutlich erhöhten Volatilität regelmäßig ein Anstieg der quantifizierten Risiken, da die mathematischen Modelle im Rahmen der Risikoquantifizierung in der Regel auf historische Beobachtungen zurückgreifen, die nunmehr auch den signifikanten Preisverfall im ersten Quartal des Jahres 2020 umfassen. Neben höheren Limitauslastungen und ggf. Limitüberschreitungen, die unter Umständen Gegensteuerungsmaßnahmen (bspw. Schließen von offenen Risikopositionen, Limiterhöhungen) erfordern, ist im Rahmen des Backtestings der zur Risikoquantifizierung eingesetzten Modelle auch mit einer erhöhten Anzahl von Backtesting Ausreißern zu rechnen.

Darüber hinaus stellt sich die Frage, inwiefern die eingesetzen Modelle im aktuellen Marktumfeld eine sachgerechte Risikoquantifizierung überhaupt ermöglichen. Insbesondere bei der Ermittlung der Marktpreisrisiken im Anlagebuch werden für bestimmte Aktiva und Passiva regelmäßig Ablauffiktionen und Annahmen (bspw. Ziehungs- und Tilgungsverhalten von Kreditnehmern auf Basis historischer Erfahrungen) unterstellt. Diese könnten sich im Rahmen der Krise deutlich ändern, so dass kurzfristige, außerplanmäßige Aktualisierungen dieser Ablauffiktionen und Annahmen erforderlich werden könnten. Ansonsten spiegeln auf Basis historischer Daten entwickelte und validierte Risikomodelle die aktuelle Situation nicht angemessen wider und die Ergebnisse sind vor diesem Hintergrund nur bedingt ein geeigneter Schätzer für die Zukunft. Die potenziell zu erwartenden Auswirkungen sollten im Rahmen von unterschiedlichen Szenariobetrachtungen und Simulationsrechnungen bereits vorab analysiert und quantifiziert werden.

Übergreifend sollte die Angemessenheit der zur Risikoquantifizierung eingesetzten Modelle sowie der der Risikoquantifizierung zugrunde liegenden Risikoparameter und Annahmen im Rahmen einer ad-hoc Validierung überprüft werden. Dies umfasst auch die im Marktpreisrisikomanagement herangezogenen Stresstests (sowohl Stress- als auch adverse Szenarien). In Abhängigkeit des Einzelfalls sind ggf. kurzfristige Modellrekalibrierungen erforderlich.

Fazit

Marktpreisrisiken haben in den letzten Wochen wieder zunehmend an Bedeutung gewonnen. Insbesondere der Nachweis, dass die zur Quantifizierung der Marktpreisrisiken eingesetzten Modelle im aktuellen Marktumfeld angemessen sind, stellt Banken vor eine Reihe von Herausforderungen. Daher bieten sich ad-hoc Validierungen an, um die Angemessenheit der Modelle zu überprüfen. Zudem sollten über das bisherige Instrumentarium hinausgehende Szenarioanalysen durchgeführt werden, um die weiteren Auswirkungen der COVID-19 Pandemie auf die Marktpreisrisiken zu simulieren.

 

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