Neue Herausforderungen durch die MaRisk-Novelle 2016

Am 19. Februar 2016 hat die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) das Konsultationspapier (02/2016) zur fünften Novelle der Mindestanforderungen an das Risikomanagement von Kreditinstituten (MaRisk BA) veröffentlicht. Nachdem die letzte Novellierung im Jahr 2012 bereits einige Zeit zurückliegt, war es aus Sicht der Aufsicht erforderlich, zwischenzeitlich in den Fokus gerückte Themen zum Risikomanagement, insbesondere Risikodatenaggregation und Risikoberichterstattung, Risikokultur und Auslagerungen, in eine neue Überarbeitung des Rundschreibens einfließen zu lassen.

Statt der zunächst erwarteten Rechtsverordnung – eine entsprechende Ermächtigung wurde Ende letzten Jahres mit dem Abwicklungsmechanismusgesetz im KWG vorgesehen – hat die BaFin im Rahmen der Konsultation wieder einen Entwurf eines Rundschreibens vorgelegt, zu dem im Rahmen des Konsultationsverfahrens bis 7. April 2016 Stellung genommen werden kann. Des Weiteren wird der Entwurf der MaRisk auch Gegenstand einer Sitzung des Fachgremiums MaRisk Anfang März sein, in dem neben der Aufsicht auch die Institute, die Verbände und die Wirtschaftsprüfer vertreten sind.

Im vorliegenden Konsultationspapier werden vor allem die Empfehlungen des Basler Ausschusses für Bankenaufsicht zu Grundsätzen der Aggregation von Risikodaten und Risikoberichterstattung (BCBS 239) aufgenommen, wobei die Anforderungen in die neuen Module AT 4.3.4. „Datenmanagement, Datenqualität und Aggregation von Risikodaten“ sowie BT 3 „Anforderungen an die Risikoberichterstattung“ eingeflossen sind.

Unter Beachtung des Proportionalitätsprinzips soll die Berichterstattung zukünftig bei allen Instituten innerhalb angemessener Zeiträume erfolgen und zudem die Qualität und Aussagekraft der Berichte deutlich verbessert werden. Zudem betont die Aufsicht die Notwendigkeit konsistenter Datenhaushalte und Datenintegrität, um insbesondere in Stress- und Krisensituationen zu einer sachgerechten Entscheidung zu gelangen. Ferner greift die Novelle weitergehende Anforderungen zur Risikodatenaggregation im Sinne des BCBS 239 für große und systemrelevante Institute auf.

Die Anforderungen an das Management von Auslagerungsrisiken werden auf Basis der Erfahrungen aus der aufsichtlichen Praxis (v.a. Sonderprüfungen nach § 44 Abs. 1 Satz 2 KWG) durch Ergänzungen und Konkretisierungen in der MaRisk-Novelle 2016 adressiert. Im Fokus stehen hierbei Art und Umfang der Auslagerungen in Kernbankbereichen, wie Risikocontrolling, Compliance und Interner Revision. So werden zukünftig Auslagerungen aus diesen wichtigen Kontrollbereichen nur möglich sein, wenn das Institut unverändert über fundierte Kenntnisse und Erfahrungen verfügt, um die ausgelagerten Bereiche auch steuern und überwachen zu können sowie bei Bedarf in der Lage ist, eine Rückverlagerung ohne Störungen des Betriebsablaufs vorzunehmen. Darüber hinaus wird durch die Aufsicht bei umfangreichen Auslagerungen ein zentrales Auslagerungsmanagement von den Instituten gefordert.

Über weitere prozessuale Neuerungen hinaus wird als dritter zentraler Punkt der Novelle die Risikokultur innerhalb der Institute spezifiziert. Auf Basis des Erwägungsgrundes 54 der CRD IV wird von den Instituten die Einführung von Grundsätzen und Standards, wie beispielsweise eines Verhaltenskodex, gefordert, der eine wirksame Kontrolle der Risiken durch die Leitungsorgane gewährleisten und fördern sollen. Im Mittelpunkt der Anforderungen der Aufsicht steht dabei jedoch nicht die Implementierung eines völlig neuen Risikomanagementansatzes, sondern vielmehr die bewusste Auseinandersetzung mit Risiken, die stete Beachtung des gesetzten Risikoappetits und die Förderung eines offenen Dialogs zu risikorelevanten Fragen auf allen Ebenen des Instituts.

Neben diesen weitreichenden neuen Anforderungen beinhaltet das Konsultationspapier insbesondere zusätzliche Neuerungen betreffend der IT Risiken und individueller Datenverarbeitung (IDV), zu den Besonderen Funktionen nach MaRisk, zu Forbearance sowie den einzelnen Risikoarten.

In den nächsten Wochen werden wir an dieser Stelle regelmäßig über die Neuerungen, insbesondere zur Risikoberichterstattung, Risikokultur, Auslagerung sowie den weiteren vielfältigen Anpassungen des Rundschreibens, jeweils in gesonderten Beiträgen berichten. Ferner werden wir Sie dabei detailliert über den aus den Neuerungen resultierenden Handlungsbedarf informieren, um Ihnen die schnelle Einwertung der neuen Anforderungen der MaRisk-Novelle sowie eine Gap-Analyse für Ihr Institut zu ermöglichen.

Die Konsultation finden Sie auf der Internet-Seite der BaFin unter: http://www.bafin.de/SharedDocs/Veroeffentlichungen/DE/Konsultation/2016/kon_0216_marisk-novelle_2016.html

 

MaRisk-Novelle 2016

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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