Risikoberichterstattung – Bündelung der MaRisk-Anforderungen im neuen Modul „BT 3“

Im Konsultationsentwurf zu den Mindestanforderungen an das Risikomanagement (BA) vom 18. Februar 2016 hat die Aufsicht die Anforderungen zur (Risiko)Berichterstattung an zentraler Stelle in dem neuen Modul „BT 3“ gebündelt. Neu ist insbesondere, dass im Abschnitt BT 3.4 spezifische Anforderungen an die Berichterstattung für die Markt- und Handelseinheiten aufgenommen wurden und damit eine Berichtspflicht nach MaRisk festgelegt wird.

BT 3 Anforderungen an die Risikoberichterstattung

Im aktuellen Konsultationsentwurf der MaRisk ist eine Zusammenführung der Regelungen und Vorgaben zur Risikoberichterstattung in einem eigenständigen Modul (BT 3) erfolgt. Dieses gliedert sich in die folgenden Unterabschnitte:

  • BT 3.1 Allgemeine Anforderungen an die Risikoberichte
  • BT 3.2 Berichte der Risikocontrolling-Funktion
  • BT 3.3 Berichte der Compliance-Funktion
  • BT 3.4 Berichte der Markt- und Handelsbereiche
  • BT 3.5 Berichte zu Auslagerungen

Neben Regelungen zu Inhalt, Turnus und Empfängern der Risikoberichte wird hervorgehoben, dass die Berichte auch zukunftsorientiert sein müssen und sich nicht auf die reine Aufbereitung aktueller oder historischer Daten beschränken dürfen.

BT 3.1 Allgemeine Anforderungen an die Risikoberichte

Anforderungen an die Nachvollziehbarkeit, Aussagekraft sowie eine Beurteilung der Risikosituation – ggf. ergänzt um Handlungsvorschläge – waren ebenso wie die Verpflichtung zur Darstellung der Stresstestergebnisse und der Berichtspflicht an das Aufsichtsorgan bereits in der derzeit noch gültigen Version der MaRisk vom 14. Dezember 2012 enthalten.

Neu sind hingegen die Anforderungen an die Qualität, die Flexibilität und die Zeitnähe der Risikoberichterstattung. Einerseits wird Selbstverständliches betont, wenn gefordert wird, dass die Berichte auf vollständigen, genauen und aktuellen Daten beruhen müssen. Andererseits werden jedoch die Ansprüche deutlich erhöht, wenn gefordert wird, dass die Risikoberichte flexibel an die Erfordernisse des Risikomanagements angepasst werden sollen.

Ohne eine genaue Zeitspanne vorzugeben sind die turnusmäßigen Risikoberichte zukünftig in einem zeitlich angemessenen Rahmen zu erstellen; Produktionszeiten von mehreren Wochen erscheinen der Aufsicht inakzeptabel. Ergänzend sind zudem – sofern es die aktuelle Risiko- oder Marktsituation erfordert – Ad-Hoc-Risikoberichte zu erstellen (BT 3.1 Tz 4). Die Zielsetzung der Aufsicht ist damit offensichtlich:

Risikoberichte sollen so zeitnah wie möglich bereit stehen, um eine aktive Steuerung der Risiken zu gewährleisten.

BT 3.2 Berichte der Risikocontrolling-Funktion

Die Risikocontrolling-Funktion hat regelmäßig, mindestens aber vierteljährlich, einen Gesamtrisikobericht über die wesentlichen Risikoarten zu erstellen und der Geschäftsleitung vorzulegen. Für einzelne wesentliche Risikoarten kann in Abhängigkeit von ihrer Bedeutung für das Kreditinstitut oder der Marktentwicklung auch ein kürzerer Turnus erforderlich sein.

In der Neufassung der MaRisk wird betont, dass in Stressphasen der Berichtsturnus – soweit für eine aktive und zeitnahe Risikosteuerung erforderlich – verkürzt werden muss.

Werden neben den explizit in die Risikoberichterstattung aufzunehmenden wesentlichen Risiken – Adressenausfallrisiken, Marktpreisrisiken einschließlich Zinsänderungsrisiken, Liquiditätsrisiken und operationellen Risiken – weitere sonstige Risiken als wesentlich erachtet, sind die Gründe für die Wesentlichkeit anzugeben, die aktuelle Risikosituation zu beschreiben, Ursachen und Implikationen aufzuzeigen und ggf. getroffene oder zu treffende Maßnahmen zur Risikosteuerung zu beschreiben.

Für global und anderweitig systemrelevante Institute sowie für kapitalmarktorientierte Institute wird der Berichtsturnus für Liquiditätsrisiken auf monatlich verkürzt. Dabei ist zusätzlich über die Höhe, die Qualität und die Zusammensetzung der Liquiditätsreserven zu berichten.

Darüber hinaus enthält die MaRisk-Novelle nunmehr explizit die Anforderung, dass Risikoberichte i.S.v. BT 3.2 Tz. 2 und Tz. 5 zukünftig folgende Informationen enthalten müssen:

  • Angaben zur Angemessenheit der Kapitalausstattung
  • Angaben zum aufsichtsrechtlichen und ökonomischen Kapital
  • Angaben zu den aktuellen Kapital- und Liquiditätskennzahlen sowie zu Refinanzierungspositionen
  • Prognosen zur Entwicklung der Kapital- und Liquiditätskennzahlen und der Refinanzierungspositionen
  • Beschreibung der Risiken der wesentlichen untertägigen Liquiditätssituation

BT 3.4 Berichte der Markt- und Handelsbereiche

Mit BT 3.4. wird explizit eine Berichtspflicht für die Markt- und Handelseinheiten an den zuständigen Geschäftsleiter festgelegt:

  • Für die Marktbereiche im Kreditgeschäft wird eine mindestens monatliche Berichtspflicht eingeführt, die einen umfassenden Überblick über das Kreditgeschäft, insbesondere die Engagements der Intensivbetreuung, und die Ableitung von Steuerungsmaßnahmen ermöglichen soll. Über die Sanierungs- und Abwicklungsengagements ist vom fachlich zuständigen Bereich zu berichten.
  • Im Handelsgeschäft ist täglich zeitnah am nächsten Geschäftstag über die Gesamtrisikopositionen, Ergebnisse und Limitauslastungen zu berichten.
  • Bei wesentlichen untertägigen Liquiditätsrisiken sind die täglichen Ergebnisse der Liquiditätsdisposition am Folgetag zu berichten.
  • Je nach Bedeutung des Treasury für die Gesamtbanksteuerung ist mindestens monatlich über die Aktivitäten des Aktiv-Passiv-Managements (Mandat, Positionen, Laufzeiten und Risiken) zu berichten.

Ausnahmen bestehen nur für die tägliche Berichterstattung des Handelsbereichs, wo auch der vom Risikocontrolling erstellte Bericht als ausreichend erachtet wird.

BT 3.3 Berichte der Compliance-Funktion und BT 3.5 Berichte zu Auslagerungen

Für die Berichte der Compliance-Funktion haben sich keine Änderungen ergeben.

Für das zentrale Auslagerungsmanagement wird eine mindestens jährliche Berichtspflicht an die Geschäftsleitung gefordert. Der Bericht soll insbesondere Ergebnisse der Analysen in Bezug auf Vertragstreue und Qualität der Leistungen der Auslagerungsunternehmen sowie etwaige Risiken und deren Steuerung enthalten.

Praktische Herausforderungen für deutsche Institute

Die neuen Anforderungen des BT 3 erfordern im ersten Schritt eine umfangreiche Analyse über annähernd alle Bereiche. Dabei sind folgende Themen zu adressieren:

  • Wie und in welchem Maße können Produktionszeiten für Risikoberichte verkürzt werden? Inwieweit können bzw. müssen hierfür Datenaggregationskapazitäten verbessert und ausgebaut werden?
  • Macht die Darstellung von Prognosen zur Entwicklung der Kapital- und Liquiditäts­kennzahlen sowie der Refinanzierungsposition neue spezifische bereichsübergreifende Prozesse notwendig?
  • Werden die Berichtspflichten durch die Markt- und Handelseinheiten bereits heute erfüllt? Wie ist die Qualität und der Inhalt der Berichte der Markt-& Handels­be­rei­che einzuschätzen?
  • Auf welcher Datenbasis werden die Berichte der Markt-& Handelsbereiche erstellt und ergeben sich Redundanzen bzw. Vereinfachungen zu den Daten der Überwachungs­einheiten?
  • Wie ist die Qualität der Governance-Prozesse (Prozessdesign, Prozesssicherheit, Prozessdokumentation, Datenqualität) zur Berichterstattung der Markt-& Handels­bereiche einzustufen?
  • Werden bereits jährliche Berichte durch das zentrale Auslagerungsmanagement erstellt?

 

risikoberichterstattung

WP StB Michael Maifarth

Telefon    +49 69 9585 2318

Mobil       +49 170 786 5727

michael.maifarth@de.pwc.com

WP Matthias Eisert

Telefon    +49 69 9585 2269

Mobil       +49 160 895 3260

matthias.eisert@de.pwc.com

WP Nicole Geysel

Telefon    +49 711 25034 3429

Mobil       +49 151 1426 5850

nicole.geysel@de.pwc.com

WP Dieter Lienland

Telefon    +49 211 981 4929

Mobil       +49 171 553 2631

dieter.lienland@de.pwc.com

 

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

/* */