Übergreifende Implikationen der COVID-19 Pandemie auf das Risikomanagement von Kreditinstituten

Vor dem Hintergrund der COVID-19 Pandemie werden die weltweit von Staaten und Aufsichtsbehörden ergriffenen Maßnahmen diskutiert, die u.a. die Stabilität des Finanzsystems schützen und somit auch Beiträge zur Sicherstellung der Funktionsfähigkeit von Kreditinstituten leisten sollen. Hierbei gewährte Erleichterungen bzw. Hilfestellungen betreffen jedoch nicht die aufsichtsrechtlichen Anforderungen an eine ordnungsgemäße Geschäftsorganisation i.S.d. § 25a KWG.

Hintergrund

Vor dem Hintergrund der COVID-19 Pandemie werden die weltweit von Staaten und Aufsichtsbehörden ergriffenen Maßnahmen diskutiert, die u.a. die Stabilität des Finanzsystems schützen und somit auch Beiträge zur Sicherstellung der Funktionsfähigkeit von Kreditinstituten leisten sollen. Hierbei gewährte Erleichterungen bzw. Hilfestellungen betreffen jedoch nicht die aufsichtsrechtlichen Anforderungen an eine ordnungsgemäße Geschäftsorganisation i.S.d. § 25a KWG. Insofern gibt dieser Beitrag einen Überblick über ausgewählte Anforderungen der MaRisk, die infolge der COVID-19 Pandemie zu kurzfristigem Handlungsbedarf bei den Kreditinstituten führen können.

Überblick: Übergreifende Implikationen der COVID-19 Pandemie

Die MaRisk fordern, dass Kreditinstitute Geschäftsstrategien festgelegen, die insbesondere für wesentliche Geschäftsaktivitäten eine Darstellung der angestrebten Ziele sowie der hierfür eingeleiteten bzw. vorgesehenen Maßnahmen beinhalten. Da bei der Festlegung von Geschäftsstrategien und ihrer Konkretisierung im Rahmen von operativen Unternehmensplanungen regelmäßig Annahmen in Bezug auf interne und externe Einflussfaktoren zu treffen sind, sehen die MaRisk eine anlassbezogene Überprüfung dieser Annahmen und bei Bedarf auch eine anlassbezogene Anpassung der Geschäftsstrategie vor. Turnusmäßig unterziehen viele Kreditinstitute ihren strategischen Rahmen lediglich einer jährlichen Überprüfung. Vor dem Hintergrund der durch die COVID-19 Pandemie deutlich veränderten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind bestimmte makroökonomische Planungsannahmen (bspw. BIP-Wachstum, Arbeitslosenquote) sowie die hierauf basierenden Annahmen zum Bankgeschäft (bspw. zum Neukreditgeschäft oder zur Entwicklung der Bonität von Kreditnehmern) nicht mehr aktuell. Die veränderten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen spiegeln sich auch in den aktualisierten Prognosen verschiedenster Institutionen wider (vgl. EZB, IWF, ifo Institut). Insofern sollten auch Kreditinstitute die COVID-19 Pandemie zum Anlass nehmen, ihre Geschäftsstrategie und operative Unternehmensplanungen zu überprüfen und hierbei insbesondere die zu erwartenden nachhaltigen Auswirkungen der COVID-19 Pandemie berücksichtigen. Sofern die in die aktuellen Planungen eingeflossenen Prämissen und Annahmen nicht mehr den aktuellen Marktgegebenheiten entsprechen, greift die Anforderung der MaRisk an eine ad-hoc Anpassung der Geschäftsstrategie.

Neben der Geschäftsstrategie wird von Kreditinstituten die Formulierung einer zu den geschäftlichen Planungen konsistenten Risikostrategie gefordert, die den Risikoappetit der Geschäftsleitung widerspiegelt. Sofern eine Anpassung der Geschäftsstrategie an die veränderten Rahmenbedingungen vorgenommen wird, ist zur Wahrung der Konsistenz ggf. auch eine Überarbeitung der Risikostrategien erforderlich. Eine Notwendigkeit hierzu könnte sich jedoch auch bei unveränderter Geschäftsstrategie daraus ergeben, dass im Rahmen einer von den MaRisk geforderten anlassbezogenen Risikoinventur eine veränderte Einschätzung bestimmter Risiken erfolgt. Kreditinstitute haben insofern auch zu prüfen, ob eine anlassbezogene Aktualisierung ihres Gesamtrisikoprofils erforderlich ist. Darüber hinaus sollten Kreditinstitute insbesondere im weiteren Verlauf der COVID-19 Pandemie überprüfen, ob etwaige, von ihnen getroffene Diversifikationsannahmen weiterhin als stabil angesehen und somit im Rahmen von Risikobetrachtungen berücksichtigt werden können.

Anpassungen an den Strategiedokumenten, den operativen Unternehmensplanungen oder dem Gesamtrisikoprofil führen in einem nächsten Schritt regelmäßig auch zu der Notwendigkeit, die Angemessenheit der zukunftsgerichteten mehrjährigen Kapital- und Risikoplanung – sowohl aus der normativen als auch der ökonomischen Perspektive – zu hinterfragen und bei Bedarf erforderliche Überarbeitungen umzusetzen. Vor dem Hintergrund der Unsicherheit über die weiteren wirtschaftlichen Entwicklungen sowie der Vielzahl der von Ökonomen derzeit diskutierten Szenarien, ist das Planungsinstrumentarium der Kreditinstitute ggf. um weitere, über die Standard-Szenarien hinausgehende Szenarien zu ergänzen. In diesem Kontext sind auch die adversen Szenarien hervorzuheben, die für die Durchführung von Stresstests herangezogen werden. Auch hier ergibt sich u.U. kurzfristiger Aktualisierungsbedarf.

Fazit

Die COVID-19 Pandemie hat mit ihrem Einfluss auf die langfristigen Rahmenbedingungen für das Betreiben von Bankgeschäften in Abhängigkeit des konkreten Geschäftsmodells auch Einfluss auf die Geschäfts- und Risikostrategien von Kreditinstituten. Die in diesem Zusammenhang kurzfristig durchzuführenden Analysen sind in ihrer Komplexität nicht zu unterschätzen und bedürfen der Formulierung ausgewählter Szenarien für mögliche zukünftige Entwicklungen.

Neben dem in diesem Beitrag dargestellten Handlungsbedarf ergeben sich infolge der COVID-19 Pandemie weitere kurzfristige Handlungsnotwendigkeiten für das Management von Adressenausfall-, Marktpreis-, Operationellen und Liquiditätsrisiken, die wir in weiteren Beiträgen gesondert darstellen werden.

 

 

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