BaFin-Konsultation des Merkblattes zum Umgang mit Nachhaltigkeitsrisiken

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat am 24. September 2019 den Entwurf eines Merkblattes zum Umgang mit Nachhaltigkeitsrisiken (16/2019) für Banken, Versicherungsunternehmen, Wertpapierdienstleistungsunternehmen und Kapitalverwaltungsgesellschaften konsultiert. Das Merkblatt soll den von der BaFin beaufsichtigten Unternehmen Grundsätze und Prozesse im Umgang mit Nachhaltigkeitsrisiken aufzeigen, an denen sich diese im Sinne von sinnvollen Verfahrensweisen (Good-Practice-Ansätze) orientieren können. Für unmittelbar von der EZB beaufsichtigte Banken wird das Merkblatt nicht gelten, diese können aber das Merkblatt zur Orientierung heranziehen. Die aktuelle Konsultationsphase des Entwurfes endet am 3. November 2019.

Hintergrund

Das Thema Nachhaltigkeit ist für die BaFin von deutlich gestiegener, großer Wichtigkeit. Die Aufsicht definiert dabei den Begriff Nachhaltigkeit umfassend im Sinne von „ESG“ (Environmental, Social and Governance – Umwelt, Soziales und Unternehmensführung). Neben den Reputationsrisiken werden im Merkblatt der BaFin vor allem Beispiele zu physischen und transitorischen Risiken aus der Veränderung des Klimas behandelt, die sich negativ auf Geschäftsbereiche und klassische Risikoarten der Kreditinstitute auswirken können. Eine neue Risikoart soll aber mit den Nachhaltigkeitsrisiken explizit nicht geschaffen werden, da diese in der Praxis nicht zweifelsfrei von den bereits bestehenden Risikoarten abzugrenzen sind.

Ferner betont die BaFin, dass durch das Merkblatt die bereits bestehenden Vorgaben, z.B. aus dem Rundschreiben Mindestanforderungen an das Risikomanagement (MaRisk), nicht abgeschwächt oder erweitert werden. Nichtsdestotrotz erwartet die Aufsicht eine umfassende Auseinandersetzung mit den Nachhaltigkeitsrisiken von den unmittelbar BaFin-beaufsichtigten Instituten und deutet an, dass diese Erwartungshaltung unter anderem im Rahmen des aufsichtlichen Überprüfungs- und Bewertungsprozesses (SREP) mit den Instituten zur Sprache kommen wird.

Auswirkungen auf das Risikomanagement

Von den Veränderungen bei den Nachhaltigkeitsrisiken sind alle Prozessschritte des Risikomanagements betroffen. So wird eine Überprüfung und Anpassung der Strategien, einschließlich unternehmensspezifischer Analyse von Risikoappetit und Risikoprofil, angeregt sowie die Verantwortung der Geschäftsleitung für die Umsetzung im Rahmen der Risikokultur betont.

Darüber hinaus sind die besonderen Anforderungen des Managements der Nachhaltigkeitsrisiken auf die Organisation, insbesondere die besonderen Funktionen nach MaRisk, sowie die Prozesse im Risikomanagement durch die Institute zu analysieren und entsprechend der Empfehlung der Aufsicht umzusetzen. Ergänzend sollten die Institute bspw. auch im Rahmen der Stresstests die individuellen Auswirkungen von Nachhaltigkeitsrisiken angemessen berücksichtigen.

Fazit

Mit dem derzeit konsultierten Merkblatt setzt die Aufsicht auf den bestehenden aufsichtlichen Vorgaben, insbesondere den MaRisk, auf und stellt umfassend die Erwartungen an das Management von Nachhaltigkeitsrisiken der Institute dar. Im Hinblick auf die Vielzahl und Vielfalt der Wechselwirkungen mit den klassischen Risikoarten in der Gesamtbanksteuerung dürfte der Anpassungsbedarf für viele Institute als hoch einzuschätzen sein. Eine umfassende und frühzeitige Auseinandersetzung mit den Empfehlungen der Aufsicht ist auch vor dem Hintergrund des SREP anzuraten.

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