Konsultation des Rundschreibens zu Zinsänderungsrisiken im Anlagebuch

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) konsultiert vom 29. März bis 30. April 2019 die Neufassung des Rundschreibens zu Zinsänderungsrisiken im Anlagebuch. Die Anpassungen konzentrieren sich auf die Umsetzung der Erweiterungen aus der EBA Leitlinie (EBA/GL/2018/02) zur Steuerung des Zinsänderungsrisikos aus Nichthandelsgeschäften vom Juli letzten Jahres. Die Neuerungen aus der der CRR II und aus der CRD V werden dagegen noch nicht aufgegriffen.

Nachfolgend erläutern wir die wesentlichen Veränderungen im Vergleich zur Vorversion des Rundschreibens (BaFin RS 09/2018 zu Zinsänderungsrisiken im Anlagebuch).

 

Wesentliche Neuerungen:

Erweiterung der Szenarien

Für die Berechnung des aufsichtlichen Zinsschocks sind zusätzlich zu den bisherigen Szenarien (Parallelverschiebung um +/- 200 Basispunkte) nun sechs weitere Auslenkungen der Zinskurven für alle relevanten Währungen abzubilden. Dafür definiert die BaFin entsprechend der EBA-Leitlinie die folgenden Szenarien:

  • Parallelverschiebung aufwärts
  • Parallelverschiebung abwärts
  • Versteilung
  • Verflachung
  • Kurzfristschock aufwärts
  • Kurzfristschock abwärts

Die Parameter für die Zinsschocks sind währungsabhängig vorgegeben und für alle wesentlichen Währungen anzuwenden. Eine Währungsposition ist wesentlich ab einer Schwelle von 5% der finanziellen Vermögenswerte (ausgenommen Sachanlagen) bzw. Verbindlichkeiten im Anlagebuch. Ergänzend ist sicher zu stellen, dass mindestens 90% aller finanziellen Vermögenswerte/ Verbindlichkeiten in die Berechnung einbezogen werden – andernfalls sind auch Währungspositionen unterhalb der 5%-Schwelle zu berücksichtigen.

 

Neue Frühwarnschwelle bei 15% des CET1

Bisher galt ein Institut, dessen Barwertverlust (bei einer Parallelverschiebung der Zinskurve um
+/- 200 Basispunkte) 20% der regulatorischen Eigenmittel überstieg, als „Institut mit erhöhtem Zinsänderungsrisiko“. Zusätzlich führt die BaFin nun eine 15% -Schwelle als Frühwarnindikator ein. Dieser Frühwarnindikator bestimmt sich aus der Änderung des Zinsbuchbarwerts in Relation zum Kernkapital in den oben genannten sechs Zinsszenarien. Per Definition gilt ein Institut auch bei Überschreitung der 15%-Schwelle als „Institut mit erhöhtem Zinsänderungsrisiko“.

Nach den Erläuterungen der BaFin führt das Überschreiten der Frühwarnschwelle – wie auch bei der bisherigen 20%-Grenze – nicht zwingend zur Anordnung von aufsichtlichen Maßnahmen, sondern vielmehr wird im Einzelfall über Maßnahmen seitens der BaFin entschieden werden.

 

Konkretisierung für die einzubeziehenden Positionen

Notleidende Forderungen sind unter Berücksichtigung der vorgenommenen Wertberichtigungen in die Berechnung des Barwertverlusts einzubeziehen, sofern die NPE-Quote des Instituts 2% übersteigt. Für die Einbeziehung von unmittelbaren Pensionsverpflichtungen wird die Erleichterung gewährt, dass – soweit die Zinsänderungsrisiken für diese Pensionsverpflichtungen bereits in anderen Risikomessungen enthalten sind – diese nicht mehr in die Zinsrisikomessung einfließen müssen.

Für Positionen mit unbestimmter vertraglicher Zinsbindung wird konkretisiert, dass die 5-Jahres- Obergrenze für jede Währung einzeln gilt. Wie bisher darf der modellierte durchschnittliche Zinsanpassungstermin für Verbindlichkeiten ohne feste Zinsbindung fünf Jahre nicht übersteigen. Zudem legt die BaFin fest, dass Einlagen von Finanzinstituten als sofort fällig abzubilden sind, da nicht von der Bildung eines Bodensatzes (wie bei Kundeneinlagen) ausgegangen werden kann.

Mit dem neuen Rundschreiben wird die Zinsuntergrenze währungsspezifisch und laufzeitabhängig definiert. Diese beginnt bei -100 Basispunkten für Positionen mit sofortiger Fälligkeit und soll pro Jahr um 5 Basispunkte steigen. Für langlaufende Positionen (ab 20 Jahren) ist somit ein Wert von 0 anzusetzen. Sofern der tatsächlich beobachtbare Zinssatz die Untergrenze unterschreitet, ist dieser Wert zu verwenden. Produktspezifische Untergrenzen, wie der Ausschluss einer negativen Verzinsung, sind stets einzuhalten.

Fazit

Der neue Entwurf des Rundschreibens zu Zinsänderungsrisiken im Anlagebuch setzt die Anforderungen der EBA Leitlinie auf nationaler Ebene um. Der Anpassungsbedarf bezieht sich v.a. auf die Ergänzung der sechs Szenarien und die abgesenkte Frühwarnschwelle sowie auf die konkretisierten Regelungen zu einzelnen zinssensitiven Instrumenten. Es bleibt abzuwarten, wie die Aufsicht mit der steigenden Zahl der Institute mit erhöhten Zinsänderungsrisiken umgehen wird.

Wichtig ist auch noch, dass die Arbeiten am Risikomanagement betreffend der Zinsänderungsrisiken im Anlagebuch damit noch nicht abgeschlossen sind, da die Anforderungen der CRR II und der CRD V noch umzusetzen sind.

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