EBA und BCBS zu Zinsänderungsrisiken im Bankbuch – Harmonie oder Widerspruch?

Die European Banking Authority (EBA) hat am 22. Mai 2015 die finale Richtlinie für das Management von Zinsänderungsrisiken aus dem Nichthandelsgeschäft (Guidelines on the management of interest rate risk arising from non-trading activities) veröffentlicht. Diese Richtlinie ersetzt die CEBS Guidelines on “Technical aspects of the management of interest rate risk arising from non-trading under the supervisory review process” vom Oktober 2006.

Das Basel Committee on Banking Supervision (BCBS) hat am 8. Juni 2015 ein Konsultationspapier zu Zinsänderungsrisiken im Bankbuch veröffentlicht (Interest rate risk in the banking book IRRBB – Consultative Document). Der Entwurf steht noch bis September 2015 zur Konsultation.

Beide Papiere beschäftigen sich mit der Behandlung von Zinsänderungsrisiken aus dem Nichthandelsgeschäft bzw. Bankbuch und deren Abbildung in der internen Steuerung des ökonomischen Kapitals. Als Bestandteile der Säule II sind sie Gegenstand des Supervisory Review Process (SREP). Nachfolgend stellen wir die wesentlichen Neuerungen innerhalb der jeweiligen Papiere sowie Überschneidungen und Widersprüche zwischen den Papieren kurz vor.

EBA Guidelines on the management of interest rate risk arising from non-trading activities

Da die Regelungen der EBA bereits zum 1. Januar 2016 in Kraft treten und die Vorschläge aus Basel noch bis September konsultiert werden, sind in den Instituten zunächst diese im Fokus der Umsetzung.

Inhalte im Überblick

Das EBA-Papier enthält fünf Grundsätze (High Level Guidelines), die durch detailliertere Richtlinien (Detailed Guidelines) ergänzt werden. Die Inhalte der High Level Guidelines sind im Vergleich zu den bisherigen CEBS Guidelines nur geringfügig verändert und beschäftigen sich mit folgenden Themen:

  1. Nachweis des angemessenen ökonomischen Kapitals im Verhältnis zu Zinsänderungsrisiken, unter Berücksichtigung des Einflusses von Zinsänderungen auf das verfügbare Kapital und auf die zukünftigen Erträge sowie der Verfügbarkeit von Kapital auf den verschiedenen Konsolidierungs- und Unternehmensebenen
  2. Bestimmung des Risikoexposure in Form einer Veränderung des wirtschaftlichen Wertes (economic value – EV) und des Zinsergebnisses (net interest income – NII)
  3. Laufende Bewertung der Sensitivität des EV und des NII in verschiedenen Szenarien für Veränderungen der Zinskurve (Parallelverschiebung, Drehung, …)
  4. Einrichtung stabiler interner Governance-Prozesse und Vorhandensein einer schriftlich fixierten Ordnung (Anweisungswesen), um alle Aspekte des IRRBB zu adressieren
  5. Meldung des Standard-Zinsschocks an die zuständige Aufsichtsbehörde nach Art. 98(5) CRD IV

Weitere Details finden sich auf der Internet-Seite der EBA unter: EBA – guidelines on technical aspects of the management of interest rate risk arising from non trading activities

Veränderungen

Das EBA-Papier enthält keine Guidelines mehr für die Aufsicht selbst, diese wurden in die SREP-Guidelines eingegliedert. Die Anforderungen sind inhaltlich nicht grundlegend neu und bestanden weitgehend schon. Die High Level Guidelines wurden überarbeitet mit den Zielen,

  • die Anforderungen eindeutig und frei von Redundanzen zu formulieren,
  • zusätzlich die interne Governance als Anforderung in Guideline 4 zu integrieren und
  • die Anforderungen an den Umfang und die Berechnungsmethodik für den Standard-Zinsschock klarzustellen, um eine Vereinheitlichung des Vorgehens („level playing field“) zu erreichen.

Eine wichtige Anpassung ist auch, dass die Institute zukünftig nicht nur einen barwertigen Verlust bestimmen sollen, sondern auch den Effekt auf das Zinsergebnis, wobei dieser aktuell nicht meldepflichtig ist.

Weitere Neuerungen betreffen einzelne Parameter zur Bestimmung der Ergebnisse des Standard-Zinsschocks, wie die Ausklammerung des Eigenkapitals aus den Passiva und die Festlegung einer maximalen durchschnittlichen Zinsbindung von fünf Jahren für Kundeneinlagen ohne feste Zinsbindung. Die Nichteinbeziehung des Eigenkapitals wurde in Deutschland bereits früher in den MaRisk umgesetzt und sollte daher keine neue Hürde darstellen.

BCBS Consultative Document interest rate risk in the banking book

Das Baseler Komitee schlägt mit der aktuellen Konsultation vor, Zinsänderungsrisiken im Bankbuch (Risikobegriff inklusive Credit Spread Risiken) in der Säule I ebenfalls mit Eigenmitteln zu unterlegen und stellt sehr ausführlich den hierfür vorgesehenen Standardansatz vor. Hierzu verweisen wir auf den aktuellen Beitrag im Regulatory Blog „Zinsänderungsrisiken im Bankbuch Konsultation des Baseler Ausschusses

Erweiterter Säule II Ansatz (IRRBB enhanced Pillar 2 Approach)

Weniger als Alternative sondern vielmehr als Ergänzung zum Standardansatz in Säule I sieht der Entwurf die Zulassung von fortgeschrittenen Ansätzen (IRRBB enhanced Pillar 2 approach) vor. Wie bislang für Zinsänderungsrisiken im Handelsbuch, könnten dann ebenfalls von der Aufsicht genehmigte bankinterne Messverfahren zur Ermittlung der Zinsänderungsrisiken im Bankbuch zur Anwendung kommen. Allerdings schlägt das Baseler Komitee eine Art Hybridmodell kombiniert aus Elementen von Säule I und II vor, indem es einzelne Vorgaben für die fortgeschrittenen Modelle gibt.

Aus Sicht des Baseler Komitees soll sich das Rahmenwerk für den enhanced Pillar 2 approach aus folgenden Elementen zusammensetzen:

  1. Methodik zur Bewertung der Angemessenheit der Kapitalausstattung für Zinsänderungsrisiken im Bankbuch (inklusive Credit Spread Risiken)
  2. Richtlinien für aufsichtliche Maßnahmen
  3. Offenlegungsanforderungen und
  4. Definition eines Nachschau- und Überprüfungsprozesses zur Sicherstellung der einheitlichen Umsetzung

Diese Elemente werden jedoch erst noch entwickelt und sind noch nicht Gegenstand der aktuellen Konsultation.

In erster Linie sollen die Banken nach wie vor anhand ihrer eigenen Annahmen und Modelle die Angemessenheit ihrer Kapitalausstattung ermitteln – integriert in ihren internen Risikotragfähigkeits­prozess (internal capital adequacy assessment process (ICAAP)). Im Rahmen des Supervisory Review Process (SREP) werden dieser Prozess sowie das Risikomanagement und das Interne Kontrollsystem dann durch die Aufseher evaluiert. Entsprechend wurden die bisherigen IRR Principles überprüft und aktualisiert.

IRRBB High Level Principles

Die aktuell vorliegenden Regelungen aus Basel für die Behandlung der Zinsänderungsrisiken im Bankbuch (Interest rate risk in the banking book (IRRBB)) in der Säule II im ICAAP beinhalten keine Vorgaben zu Berechnungsmethoden, wie in der Säule I, sondern zwölf Richtlinien (High Level Principles) für Banken (1-9) und Aufseher (10-12), wie bisher schon. Nachfolgend werden die Inhalte der Richtlinien grob skizziert:

  1. Zinsänderungsrisiko im Bankbuch (Credit Spread Risiken eingeschlossen) ist ein bedeutendes Risiko, besondere Identifizierung, Überwachung und Steuerung des IRRBB ist vorzusehen
  2. Verantwortung der Geschäftsleitung für das Risikomanagement des IRRBB und Bestimmung des Risikoappetits des Instituts für IRRBB, notwendiges Knowhow und Verständnis der Geschäftsleitung für diese Aufgabe, Delegation der Überwachung und Steuerung des IRRBB
  3. Bestimmung des Risikoappetits in Form einer Risiko-Vermögenswert- und Risiko-Ertragsrelation und in der Folge entsprechende Limitierung und Prozesse im internen Kontrollsystem
  4. Bewertung des IRRBB auf Basis von Ergebnissen für den wirtschaftlichen Wert (Economic Value (EV)) und für die Erträge (Earnings) unter Verwendung einer Auswahl von Zinsszenarien (Stresstests eingeschlossen)
  5. Vorhandensein von Verständnis, Konzeption und Dokumentation für wesentliche Annahmen, Intensive Tests für Annahmen und deren konsistente Festlegung zur Unternehmensplanung, Keine Anpassung von Annahmen in Erwartung von Zinsänderungen
  6. Vollständige und richtige Daten als Basis für Bewertungssysteme und –modelle, angemessene Dokumentation und Tests sowie stabile interne Validierungsprozesse für die Modelle
  7. Regelmäßige interne Berichterstattung zu Ergebnissen der Bewertung und Hedging Strategien, auf den verschiedenen Konsolidierungsebenen und Währungen
  8. Regelmäßige Berichterstattung mit Informationen zur Positionierung im Zinsänderungsrisiko an die Aufsicht und die Öffentlichkeit
  9. Angemessene Allokation des internen Kapitals für IRRBB, im Einklang mit dem Risikoappetit
  10. Regelmäßige Einholung standardisierter Informationen in Form von EV und Earnings durch die Aufsicht
  11. Spezialisten für IRRBB bei der Aufsicht, Durchführung von Untersuchungen zur Wirksamkeit der Ansätze der Banken für die Identifikation, Bewertung, Überwachung und Steuerung des IRRBB
  12. Prüfung der Angemessenheit des allokierten Kapitals für IRRBB zur Risikominderung und Identifikation potenzieller Ausreißer, mögliche aufsichtliche Maßnahmen

Veränderungen

Inhaltlich sind die Anforderungen in den High Level Principles for IRRBB nicht wirklich neu. Durch die Überarbeitung der Principles treten jedoch Themen, wie vollständige und richtige Daten sowie Validierung von Annahmen stärker in den Vordergrund. Dies sind für Deutschland jedoch keine wesentlichen Neuerungen, da die „Principles for effective risk data aggregation and risk reporting“ (BCBS 239) schon auf der Agenda für die erwartete Neufassung der MaRisk 2015 stehen und die Validierung bereits mit den MaRisk 2012 ein Thema geworden war.

Für weitere Details verweisen wir auf die Internet-Seite des Basler Ausschusses BCBS319 – Interest Rate Risk in Banking Book

Fazit:

Die Guidelines der EBA enthalten keine komplett neuen Anforderungen, sondern vielmehr Klarstellungen zur Schaffung eines „level playing field“ für die Aufsicht. Nichts desto trotz sollten die Institute für sich prüfen, ob sie die Anforderungen der Guidelines im Detail erfüllen.

Das Konsultationspapier des BCBS ist insofern auf einem neuen Weg, als es Zinsänderungsrisiken im Bankbuch in die Säule I aufnimmt und vorschlägt, die Säule II mit Elementen der Säule I zu ergänzen. Welche Änderungen dies für die Säule II mit sich bringt, ist derzeit noch offen, da bislang nur die Rahmenbedingungen geschaffen werden, die konkreten Inhalte jedoch noch näherer Ausgestaltung bedürfen.

Die EBA Guidelines betonen die Bedeutung der Messung der Zinsänderungsrisiken im Bankbuch und versuchen deren Messung für die Aufsicht vergleichbarer zu machen. Das Baseler Konsultationspapier hat ebenfalls zum Ziel die Messung der Zinsänderungsrisiken für die Aufsicht institutsübergreifend vergleichbar zu machen, allerdings geht es dafür den Weg über einen Standardansatz in der Säule I. Für die Ausgestaltung des Säule II Ansatzes bleibt abzuwarten, was das Ergebnis der Konsultation sein wird und in der Folge wann und wie die EBA es umsetzen wird.

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