EZB-Leitfaden für non-performing loans (NPL)

Die EZB hat am 12. September 2016 einen Leitfaden zum Umgang mit notleidenden Krediten (non-performing loans – NPL) zur Konsultation gestellt. Darin stellt sie die aufsichtlichen Erwartungen, aber auch Best Practices zum Umgang mit NPL dar, um den Bestand an NPL zu reduzieren.
Die Konsultationsphase endet am 15. November 2016. Die finale Fassung der Guideline wird voraussichtlich in den folgenden Monaten veröffentlicht. Die Umsetzung in den Instituten wird entsprechend dem Grundsatz der Proportionalität und mit der gebotenen Dringlichkeit erwartet.

Nachfolgend geben wir einen kurzen Überblick über die Inhalte und zeigen praktische Herausforderungen auf.

Überblick zur Anwendung und den Inhalten

Der EZB-Leitfaden richtet sich an alle Banken und ist direkt anwendbar bei systemrelevanten Instituten (SIs), die unter der direkten Aufsicht der EZB stehen. Aufgrund der Darstellung von Best Practices in dem Leitfaden ist von einer Ausstrahlungswirkung auf die Erwartungen der nationalen Aufsicht auszugehen.

Der Leitfaden folgt dem Steuerungsprozess für NPL und gliedert sich in die Abschnitte: NPL-Strategie, Governance und Verfahren für NPL, Forbearance, Identifikation von NPL, Risikovorsorge sowie die Bewertung von Sicherheiten.

Die Anforderungen an die NPL-Strategie sowie zu Governance und Verfahren für NPL sind aus Sicht der EZB besonders für Institute mit einem überdurchschnittlich hohen Anteil an NPL (high NPL banks) relevant.

NPL Strategie

Der Leitfaden gibt für die Entwicklung und Umsetzung einer NPL-Strategie die folgenden Kernelemente vor:

  1. regelmäßige Analyse des Geschäftsumfelds und der Leistungsfähigkeit der NPL-Prozesse,
  2. Abwägen der möglichen strategischen Optionen und Festlegung kurz-, mittel- und langfristiger portfoliobezogener qualitativer und quantitativer Ziele,
  3. Operationalisierung der Strategie in der Planung und
  4. Umsetzung der Strategie inkl. organisatorische Anpassungen,

Für jeden dieser Prozessschritte werden ergänzende inhaltliche Anforderungen formuliert. Zusätzlich wird von high NPL banks erwartet, dass sie ihre NPL-Strategie und den Umsetzungsplan jährlich an die Joint Supervisory Teams (JST) berichten.

Governance und Verfahren für NPL

Aus Sicht der EZB ist es für ein effizientes und nachhaltiges Angehen der NPL Problematik unerlässlich eine angemessene Governance und ein Operatives Modell einzurichten.

Die geforderten Governance-Maßnahmen betreffen die Implementierung und Umsetzung der NPL-Strategie.

Für das Operative Modell ist die Etablierung von auf das Portfolio zugeschnittenen, speziellen Abwicklungseinheiten sog. unabhängigen Workout-Units (NPL WUs) vorzusehen, die auch in den Risikofrüherkennungs- und Forbearanceprozess eingebunden sein sollen. Darüber hinaus werden Vorgaben für die Ausgestaltung des Internen Kontrollsystems mit Bezug auf das Three lines of defence Modell gemacht.

Ergänzende Anforderungen bestehen für das Frühwarnsystem, die Überwachung des Portfolios, die Tätigkeit der NPL WUs, personelle und technische Ressourcen sowie eine umfangreiche und aussagekräftige Kommunikation der NPL-Portfolioentwicklung anhand geeigneter KPIs je NPL-Klasse an interne Berichtsadressaten und an die Aufsicht.

Forbearance

Der Leitfaden nennt die Wiedererlangung der nachhaltigen Zahlungsfähigkeit als Ziel der Gewährung von Forbearance-Maßnahmen. Entgegen dazu wurde im Rahmen von Untersuchungen der Aufsicht festgestellt, dass oftmals wiederholte Maßnahmen ohne gezielte Einwirkung auf das Kernproblem der Überschuldung gewährt wurden.

Entsprechend beinhaltet der Leitfaden zum einen Anforderungen an die Bewertung der Machbarkeit von Forbearance-Maßnahmen und zum anderen an den Forbearance-Prozess sowie zur Ermittlung der Kapitaldienstfähigkeit.

Identifikation von NPL

Zur Schaffung einer einheitlichen Definition von NPL hat die EBA eine regulatorische Definition für Non-performing Exposure (NPE) in dem ITS on supervisory reporting (EBA/ITS/ 680/2014) dargestellt.
Der Leitfaden beinhaltet hierzu weitere Klarstellungen (u.a. zu past-due, unlikely-to-pay-Kriterien, Abgrenzung zur Forbearance und NPL-Exit) sowie Best Practices zur Harmonisierung von regulatorischen (CRR) und buchhalterischen (IAS bzw. IFRS 9) NPL-Definitionen (vgl. hierzu auch den Regulatory Blog zu den finalen EBA Leitlinien und RTS zur Definition des Schuldnerausfalls).
Ergänzend werden Hinweise zur institutsinternen Definition und zur Offenlegung gegeben.

Wertberichtigungen und Abschreibungen

Die Aufsicht hat im Rahmen von Asset Quality Reviews (AQRs) und Stresstests (STs) den Bedarf für eine einheitliche Wertberichtigungsmethodik erkannt. Entsprechend macht der Leitfaden Vorgaben für das Vorgehen zur Bestimmung der Einzel- und Pauschalwertberichtigungen nach IAS 39 und IFRS 9 sowie Abschreibungen.

Daneben werden auch prozessuale Anforderungen für eine zeitnahe Risikovorsorge formuliert.

Bewertung von Immobiliensicherheiten

Aufsichtliche Prüfungen und AQRs haben Defizite hinsichtlich der Vollständigkeit und der Aktualität der Bewertung von Immobiliensicherheiten ergeben, so dass Wertverluste nicht rechtzeitig berücksichtigt und Wertberichtigungen unterschätzt wurden. Entsprechend stellt der Leitfaden zusätzliche Anforderungen an die Bewertung von Immobilien, die als Sicherheiten für NPLs dienen. Diese umfassen folgende Themen:

  1. Anforderungen an die internen Regelungen und Prozesse (Governance)
  2. Frequenz der (Neu-)bewertung
  3. Bewertungsmethoden
  4. Bewertung von Immobilien aus Rettungserwerben

Für eine angemessene Offenlegung sind in Annex 7 zum Leitfaden Beispiele zu allen Themen des Leitfadens enthalten.

 

Fazit und praktische Herausforderungen für deutsche Institute

Die neuen Anforderungen des Leitfadens erfordern einen konsequenten Umgang mit NPL und zielen auf eine wirksame Steuerung und gezielte Verringerung dieser Forderungen ab. Es ist davon auszugehen, dass sich auf Basis der Formulierung der Erwartungshaltung der EZB auch die nationalen Anforderungen verändern.

  • Für Institute mit einem überdurchschnittlich hohen Anteil an NPL entstehen erhöhte Anforderungen an die Strategie sowie Governance und Operative Verfahren.
  • Insbesondere die Anforderungen an die NPL-Strategie, die NPL-Governance und die mit dem Reporting zusammenhängenden Erwartungen der Aufsicht nehmen durch die Leitlinie gegenüber den bestehenden MaRisk-Anforderungen zu.
  • Die Etablierung von speziellen Workout-Units für die verschiedenen NPL-Phasen, die Definition klarer Übergangskriterien und die Implementierung einer adäquaten Infrastruktur sowie eines geeigneten Frühwarnsystems erfordern eine Analyse der bestehenden Prozesse bei allen Instituten.

 

Wir unterstützen Sie gern bei der Gap-Analyse für Ihre etablierten NPL-Prozesse auch im Hinblick auf die Themen Risikofrüherkennung, Risikovorsorgebildung und Forbearance.

Haben Sie weitere Fragen oder sehen Sie Diskussionsbedarf? Wir freuen uns auf einen Austausch mit Ihnen.

 

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