Neuer Action Plan für Non-Performing Loans

Nachdem die EBA bereits in 2014 den Begriff der Non-Performing-Exposures definiert hat, wurde von der EZB am 20. März 2017 die finale Fassung des Leitfadens zum Umgang mit notleidenden Krediten (siehe unser Blogbeitrag vom 4. Mai 2017) sowie im Juni eine Bestandsaufnahme der EBA zu den nationalen Status Quo im Umgang mit Non-Performing Loans (NPL) veröffentlicht. Nun hat der Rat der Europäischen Union am 11. Juli 2017 einen Action Plan zum Umgang mit NPL genehmigt. Dem veröffentlichten Action Plan nach hat die Aufsicht detaillierte Leitlinien bzw. Maßnahmen zu erarbeiten, mit dem Ziel, NPL-Bestände zügig abzubauen. Die Vorschläge haben weitreichende Konsequenzen für Eigenkapitalvorschriften, Kreditvergabeprozesse, Offenlegung sowie Sekundärmärkte und das Insolvenzrecht, wobei der Rat die Maßnahmen in die drei wesentlichen Bereiche der Bankenaufsicht, der Reform des Insolvenzrechts sowie die Entwicklung eines Zweitmarkts für NPL-Verkäufe einteilt. Der Fokus des vorliegenden Texts liegt dabei auf den Maßnahmen sowie den Handlungsempfehlungen, die aus dem Action-Plan resultieren. Der Plan beinhaltet hierbei die folgenden, kurzfristigen Maßnahmen („ST“) für ein bis zwei Jahre:

  1. Die nationalen Aufsichtsbehörden haben die notwendige Umsetzung der Leitlinien zu NPL in der schriftlich fixierten Ordnung der Banken sowie deren Anwendung zu prüfen (ST1).
  2. Die nationalen Aufsichtsbehörden müssen die Prüfung der Bearbeitung wertberichtigter Kredite verstärken. Insbesondere sind angemessene Regelungen zur Bewertung und Klassifizierung von Krediten und der betreffenden Sicherheiten zu treffen (ST2).
  3. Eine hohe Bedeutung wird insbesondere der Maßnahme ST3 beigemessen – Institute mit überdurchschnittlich hohen NPL-Portfolien werden durch die nationalen Aufsichtsbehörden aufgefordert werden, einen konkreten Plan zur Reduzierung der NPL-Bestände Dieser wird bei On-site Inspections im Rahmen des SREP sowie über regelmäßige Berichterstattungen überprüft werden; Eine vollständige Neubewertung des NPL-Bestands sowie zusätzliche Kapitalanforderungen können mögliche Konsequenzen sein (ST3).
  4. Die NPL-Guidance der EZB für systemrelevante Institute dient als Vorlage für eine EU-weite Best Practice – auch für kleinere und mittlere Banken und auch über die Eurozone hinaus (ST4).
  5. Es erfolgt ein Entwurf seitens europäischer Institutionen (Kommission, EZB, EBA und ESMA) für eine europäische NPL-Abwicklungsgesellschaft (AMC) sowohl mit als auch ohne staatliche Garantien auf Basis aktueller Erfahrungen innerhalb der EU sowie anderen Ländern (ST5)
  6. Entwicklung eines Templates auf Basis aktueller Anforderungen, um einen einfacheren Due Dilligence-Prozess und eine Reduktion von Informationsasymmetrien bei NPL-Verkäufen sowie die Arbeitserleichterung einer AMC zu gewährleisten. Eine Inititiative hierzu wurde bereits gestartet (ST6).
  7. Die nationale Aufsichtsbehörden sollen Institute mit überdurchschnittlichen NPL-Beständen auffordern, ihre finanzielle, organisatorische und operative Situation mit sowie ohne NPL offenzulegen (ST7).

Darüber hinaus werden Mittelfrist- und Langfristziele durch weitere Maßnahmen adressiert, wie beispielsweise der Abbau struktureller Hemmnisse im Insolvenzrecht oder die Schaffung von Rahmenbedingungen für eine Handelsplattform für NPL. Die aufgezeigten kurzfristigen Maßnahmen zeigen zudem, dass die NPL-Problematik stärker als bereits bekannt von der EBA thematisiert wird. Im Zusammenhang mit der Veröffentlichung des Action Plans wurde ein Bericht der Experten-Gruppe des ESRB, unter Führung der EZB sowie EBA, für NPL veröffentlicht, welcher einen weiten Überblick über das vorgestellte Thema in der EU gibt.

Neben den genannten Eckpunkten konkretisiert das Papier mögliche Abwicklungsformen für NPL-Bestände, welche von bankinternen Workout-Lösungen über Verbriefungsformen bis zu nationalen und europäischen Abwicklungsgesellschaften reichen.

Das vorgestellte Maßnahmenpaket verdeutlicht, welche hohe politische Relevanz der Lösung des Themas beigemessen wird und welche Dringlichkeit dies für die Aufsicht hat. Die öffentliche Äußerung des EZB-Vizepräsidenten Vitor Constancio vom 5. Juli 2017 bestätigt dies.

Banken sollten sich mit den Inhalten des veröffentlichten EZB-Leitfadens zum Umgang mit NPL vertraut machen und sich auf einen stärkeren Fokus der Aufsicht auf diesem vorbereiten, insbesondere bei erhöhten NPL-Quoten in spezifischen Teilbereichen ihres Portfolios.

Möchten Sie mit uns gemeinsam untersuchen, was sie zur angemessenen Umsetzung des EZB-Leitfadens tun müssen? Sie haben weitere Fragen oder sehen Diskussionsbedarf?

Wir freuen uns auf einen Austausch mit Ihnen.

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