RS 9/2018 (BA) – Zinsänderungsrisiken im Anlagebuch

Am 12. Juni 2018 hat die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) die neue Fassung ihres Rundschreibens zu Zinsänderungsrisiken im Anlagebuch – RS 9/2018 (BA) – veröffentlicht. Dieses ersetzt das bisher gültige Rundschreiben 11/2011 (BA) und ist somit ab sofort von allen deutschen Kreditinstituten[1] anzuwenden.

Im vergangenen Oktober hatte die BaFin die Neufassung des Rundschreibens 11/2011 (BA) konsultiert, um den Entwicklungen im Bereich der Zinsänderungsrisiken im Anlagebuch und den Änderungen im internationalen Aufsichtsrecht Rechnung zu tragen. Mit dem nun finalisierten Rundschreiben werden die „Leitlinien zur Steuerung des Zinsänderungsrisikos bei Geschäften des Anlagebuchs“ der Europäischen Bankenaufsicht von 2015 (EBA/GL/2015/08) in nationales Recht umgesetzt. Den aktuell laufenden Überarbeitungen der EBA Leitlinie als Reaktion auf die Veröffentlichung des Baseler Ausschusses (BCBS) zu Interest Rate Risks in the Banking Book (IRRBB) und den zu erwartenden Neuerungen unter CRD V und CRR II soll mit dem vorliegenden Rundschreiben jedoch nicht vorgegriffen und der Umsetzungsaufwand für die Institute möglichst gering gehalten werden. Aus diesem Grund beschränkt sich das Rundschreiben weiterhin auf die Berechnung des Standard-Zinsschocks (+/- 200 Basispunkte) zur Messung der Auswirkungen einer plötzlichen und unerwarteten Zinsänderung auf das Anlagebuch.

Im Vergleich zum Konsultationspapier wurden insgesamt nur geringe Anpassungen vorgenommen. Die Aufsicht hebt die folgenden drei wesentlichen Änderungen gegenüber dem bisherigen Rundschreiben hervor:

 

  • Keine verpflichtende Einbeziehung von Margen-Cashflows (optional)

Es ist zulässig, bei der Bestimmung der Zinsänderungsrisiken im Anlagebuch die Cashflows ohne Margen abzubilden. Voraussetzung ist, dass dies in Übereinstimmung mit den institutsinternen Methoden und Verfahren erfolgt.

Soweit Institute von der Möglichkeit Gebrauch machen, sind die Margen-Cashflows angemessen im internen Risikomanagement abzubilden und die Aufsicht ist zu informieren. Eine entsprechende Überarbeitung der FinaRisikoV-Meldebögen ist noch für 2018 geplant.

 

  • Abschaffung des Ausweichverfahrens

Sowohl gemäß der EBA Leitlinie 08/2015 als auch nach den Mindestanforderungen an das Risikomanagement (MaRisk, RS 09/2017) sind Institute verpflichtet, ihre Zinsänderungsrisiken barwertig und ertragsorientiert zu messen. Konsequenterweise wurde das bisher zulässige Ausweichverfahren für Banken ohne barwertige Zinsrisikomessung gestrichen.

Sofern Institute das Ausweichverfahren genutzt haben, sind zwingend die entsprechenden Berechnungen und Meldeprozesse anzupassen. Die Übergangsfrist läuft analog zu der MaRisk-Umsetzung bis zum 31. Oktober 2018.

 

  • Keine Übernahme der alternativen Schockhöhe
    Die BaFin übernimmt das in der EBA GL 08/2015 als alternative Schockhöhe vorgesehene 1. und 99. Perzentil nicht, da sie nicht von einer einheitlichen europäischen Umsetzung ausgeht.

 

Darüber hinaus beinhaltet das Rundschreiben die folgenden Klarstellungen und Änderungen:

 

  • Erleichterung für direkt durch die EZB beaufsichtigten Institute

Bisher mussten Institute unter direkter EZB-Aufsicht eine Meldung des 200bp Zinsschocks auf Basis der EZB Vorgaben an die EZB sowie zusätzlich eine Meldung auf Basis des RS 11/2011 an die deutsche Aufsicht abgeben. Diese „Doppelmeldung“ mit leicht unterschiedlichen Vorgaben ist künftig nicht mehr nötig. Die BaFin akzeptiert die EZB-Meldedaten auch für FinaRisikoV-Meldezwecke.  Nur in der EZB-Meldung fehlende, nach FinaRisikoV erforderliche Informationen müssen noch ergänzt werden. Es bleibt jedoch bei der Meldepflicht an die BaFin und die Deutsche Bundesbank.

 

  • Berücksichtigung negativer Zinsen

Die BaFin konkretisiert die festgelegte Zinsuntergrenze von 0%. Die Parallelverschiebungen sind ausgehend von der jeweils aktuellen Zinsstrukturkurve durchzuführen. Erst danach ist die Untergrenze von 0% je Stützstelle zu berücksichtigen. Somit sind folgende Fälle zu unterscheiden:

  1. sofern die aktuelle Zinsstrukturkurve an einer Stützstelle einen negativen Zinssatz aufweist, ist dieser der weiteren Berechnung zugrunde zu legen. Für das Szenario 1 (+ 200 Basispunkte) ist die Parallelverschiebung ausgehend von dem beobachteten negativen Zinssatz vorzunehmen; für das Szenario 2 (- 200 Basispunkte) ist keine weitere Absenkung des negativen Zinssatzes erforderlich.
  2. sofern die aktuelle Zinsstrukturkurve an einer Stützstelle einen positiven Zinssatz aufweist, ergeben sich im Szenario 1 (+ 200 Basispunkte) keine Besonderheiten; für das Szenario 2 (- 200 Basispunkte) ist jedoch die Untergrenze von 0% zu beachten.

 

  • Berücksichtigung unmittelbarer Pensionsverpflichtungen

Bei der Ermittlung der Zinsänderungsrisiken des Anlagebuchs sind auch Zahlungsströme aus unmittelbaren Pensionsverpflichtungen als zinssensitive bilanzielle Positionen einzubeziehen. Soweit dies nachweislich keine wesentlichen Effekte hat, können mit entsprechender Dokumentation Erleichterungen in Anspruch genommen werden

 

  • Begrenzung des modellierten durchschnittlichen Zinsanpassungstermins auf 5 Jahre

Im Rahmen der Modellierung von Verbindlichkeiten ohne feste Zinsbindung (bspw. Spareinlagen), darf maximal eine volumengewichtete durchschnittliche Zinsbindung von 5 Jahren abgebildet werden. Eigenkapitalbestandteile dürfen unverändert nicht berücksichtigt werden.

 

Unser Fazit

Insgesamt haben sich gegenüber dem Konsultationspapier keine wesentlichen Änderungen ergeben. Die BaFin stellt weiterhin auf den etablierten Zinsschock ab und hat Ergänzungen und Konkretisierungen vorgenommen. Die Institute sollten jedoch das finale Rundschreiben zum Anlass nehmen, ihre Berechnung zu überprüfen und ggf. erforderliche Informationen zu ergänzen.

Von der EZB überwachte Institute sollten ihr Prozesse optimieren und auf die EZB-Daten abstellen, ergänzt um notwendige aber in dem EZB-Datensatz fehlende Informationen. Institute, die das bisherige Ausweichverfahren genutzt haben, jedoch noch nicht umgestellt haben, müssen unverzüglich beginnen ihre Prozesse und die Meldung umzustellen.

Abzuwarten bleibt, inwieweit das Rundschreiben in der Zukunft angepasst wird, um die abzusehenden weiteren europäischen Vorgaben und Entwicklungen umzusetzen. Dies gilt es aufmerksam zu beobachten.

 

Sofern Sie Fragen zu diesem Thema oder der Zinsrisikosteuerung im Handelsbuch haben sprechen Sie uns jederzeit gerne an. Profitieren Sie vom Marktüberblick unserer Experten:

WP Matthias Eisert

Telefon    +49 69 9585 2269
Mobil       +49 160 895 3260

matthias.eisert@de.pwc.com

WP Andreas Fuchs

Telefon    +49 89 5790 5280
Mobil       +49 151 14282711

andreas.fuchs@de.pwc.com

 

WP Nicole Geysel

Telefon    +49 711 25034 3429
Mobil       +49 151 14265850

nicole.geysel@de.pwc.com

 

Martina Bäthe-Guski

Telefon    +49 69 9585 2684
Mobil       +49 170 7956078

martina.baethe-guski@de.pwc.com

 

[1] KI im Sinne von § 1 Absatz 1 KWG, soweit sie nicht von der Anwendung des § 10 Abs. 3 KWG ausgenommen sind. Mit Ausnahme von Wertpapierhandelsbanken.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.