SREP Serie (Teil 8): Kapitalanforderungen

Im Kontext des SREP nehmen die Aufsichtsbehörden eine Beurteilung der Kapitalanforderungen vor. Besonderes Augenmerk wird hierbei auf die Bestimmung zusätzlicher Eigenmittelanforderungen im Rahmen eines so genannten „Säule 1 Plus-Ansatzes“ gelegt. Dabei zeigen die vorliegenden Entwürfe der SREP-Beschlüsse der EZB, dass die individuell von der Aufsicht festgelegten Eigenmittel­anforderungen zum Teil deutlich über die bisherigen Anforderungen hinausgehen.

Auf Grundlage der Ergebnisse aus der Beurteilung der Kapitalrisiken der Institute erfolgt im Rahmen des Supervisory Review und Evaluation Processes (SREP) eine Beurteilung der Angemessenheit der Kapitalausstattung der Institute durch die Aufsichtsbehörden. In diesem Zusammenhang beurteilen die Aufsichtsbehörden auch die Notwendigkeit zusätzlicher Kapitalpuffer sowie auch den Verschuldungsgrad.

Der „Säule 1 Plus Ansatz“ der Aufsicht

Im Unterschied zur internen Risikotragfähigkeitsrechnung („Internal Capital Adequacy Assessment Processes“, ICAAP), welche eine institutsinterne und eigenständige Berechnungsmethode zur Abschätzung des erforderlichen Risikodeckungspotenzials darstellt, wird die EZB bei der Beurteilung der Eigenmittelanforderungen gemäß SREP einen so genannten „Säule 1 Plus-Ansatz“ verwenden. Dabei ergeben sich bei der Festlegung der institutsindividuellen SREP-Kapitalquote im Vergleich zum ICAAP einige bedeutsame Unterschiede:

  • Für Risiken, welche bereits in Säule 1 berücksichtigt sind, stellen die Eigenmittel­anforderungen gemäß CRR die Untergrenze der Eigenmittelbelastung dar. Nichtsdestotrotz kann die Aufsicht im Rahmen ihrer Beurteilung zu deutlich höheren Kapitalanforderungen gelangen.
  • Startpunkt der Quantifizierung von Risiken, die nicht in der Säule 1 abgedeckt werden, sind die institutsinternen Berechnungen im Rahmen des ICAAP. Auch hier kann die Aufsicht jedoch zu abweichenden – i.d.R. höheren – Kapitalanforderungen gelangen.
  • Risikoreduzierende Diversifikationseffekte zwischen einzelnen Risikokategorien finden im Säule 1 Plus-Ansatz keine Berücksichtigung.

Die dargestellten Unterschiede führen insgesamt zu deutlich höheren Kapitalanforderungen. So liegen die (vorläufigen) Eigenmittelanforderungen, welche die EZB nach Durchführung des SREP 2015 festgelegt hat, für ca. 50% der SSM-Banken „um“ 10% und für 80% der SSM Banken zwischen 9% und 12%.

In diesen Anforderungen der EZB bereits enthalten ist die Einphasung des Kapital­erhaltungs­­puffers gem. Artikel 129 der Richtlinie 2013/36/EU („CRD IV“), d.h. 0,625% für 2016.

Zusätzliche Kapitalanforderungen

Der Beurteilungsprozess zur Angemessenheit bzw. des Erfordernisses zusätzlicher Kapitalanforderungen basiert im Wesentlichen auf drei Faktoren: das Risiko aus unerwarteten Verlusten bzw. nicht ausreichend gedeckter erwarteter Verluste über einen 12-Monatszeitraum[1], eine aus Modellschwächen resultierende Risikounterschätzung[2] sowie Risiken aus Schwächen der Internen Governance, einschließlich dem internen Kontrollsystem und weiteren Prozessschwächen.

Zusätzliche Kapitalanforderungen aus unerwarteten Verlusten oder nicht-ausreichend abgedeckten erwarteten Verlusten werden von den Aufsichtsbehörden im Wesentlichen auf Basis des ICAAP unter Berücksichtigung von institutsspezifischen Faktoren[3] und eigener Benchmark-Berechnungen bzw. Peer-Group-Vergleiche festgelegt werden. Einen weiteren Ausgangspunkt zur Festlegung zusätzlicher Kapitalanforderungen bilden Modellschwächen, wobei der Fokus hier auf einer möglichen Risikounterschätzung durch fehlerhafte Modelle, Berechnungen oder deren Anwendung liegt. Ferner sollen den Instituten für identifizierte Schwächen im Internen Kontrollsystem oder bei Refinanzierungsrisiken zusätzliche Kapitalanforderungen auferlegt werden.

Zur Beurteilung der Angemessenheit der Kapitalausstattung der Institute sieht die SREP-Richtlinie zwei Kennzahlen vor. Zum einen die „Total SREP Capital Requirements“(TSCR) – Summe der Kapitalanforderungen nach Art. 92 der EU-Verordnung 575/2013 und zusätzlicher Kapitalanforderungen, welche noch durch die Aufsichtsbehörden genauer spezifiziert werden müssen – und die “Overall Capital Requirements“(OCR) – Summe aus TSCR, Kapitalpuffer und systemrelevanten Anforderungen. Die vorläufigen SREP-Beschlüsse der EZB schreiben den Banken hingegen in abweichender Terminologie eine harte Kernkapitalquote (CET 1) vor.

Die Aufsichtsbehörden werden die Kapitalausstattung über den Konjunkturzyklus und unter Stressbedingungen beurteilen, um Auswirkungen der Volatilität der Kapitalausstattung bzw. der zutragenden Risiken und weiteren Schwächen antizipativ begegnen zu können. Diese Stressszenarien umfassen institutsweite und systemweite, aufsichtsrechtliche Stresstests.

Verschuldungsgrad (Leverage Ratio)

Als weiteren Assessmentbestandteil fordert die EBA, dass sich die Aufsichtsbehörden mit dem Risiko einer unverhältnismäßigen Verschuldung, d.h. dem Verschuldungsgrad, auseinandersetzen. Die absolute und relative (u.a. in Bezug zu den Peers oder aufsichtsrecht­lichen Grenzwerten) Entwicklung der Leverage Ratio im historischen Zeitverlauf werden dabei wesentliche Analyseaspekte sein.

Neben den durch die CRR bereits geregelten Anforderungen bezüglich der aufsichtsrechtlich vorzuhaltenden Eigenmittel und der Unterlegung von Risiken sind hier auch explizite Vorgaben zur Ausgestaltung des Verschuldungsgrades zu finden.

Hinsichtlich der Ausgestaltung der Risikotragfähigkeit bestehen darüber hinaus nationale Vorgaben durch die „Mindestanforderungen an das Risikomanagement“ (MaRisk 2012)[4] sowie den Leitfaden zur „Aufsichtlichen Beurteilung bankinterner Risikotragfähigkeitskonzepte“ aus 2011. Dabei sind hier im Spannungsfeld nationaler Kompetenzen und einer europäischen Bankenaufsicht in Zukunft auch Änderungen zu erwarten.

Erweiterung des bestehenden Steuerungs- und Überwachungsprozess der Kapitalausstattung als wesentliche Handlungsempfehlung

Aus den gestellten Anforderungen an Aufsichtsbehörden zur Beurteilung der Kapitalanforderungen gemäß SREP sehen wir für Institute die folgenden Handlungsempfehlungen:

  • Überprüfung der ausreichenden Kapitalausstattung zur Abdeckung erwarteter und unerwarteter Verluste sowie Analyse potenzieller Modellschwächen und möglicher IKS- oder Governance-Schwächen; ggf. empfiehlt sich die dokumentierte Darlegung des Fehlens bestimmter Risiken,
  • Überprüfung der Vereinbarkeit und Überleitbarkeit der ICAAP-Berechnungen auf die Risikokategorien aus Säule 1,
  • Einführung der in der SREP-Richtlinie neu-angeführten Kapitalkennzahlen, wie TSCR und OCR, annahmen-basiert oder ggf. Abstimmung mit der Aufsichtsbehörde,
  • Etablierung eines Überwachungs- und Steuerungsprozesses im Hinblick auf den Verschuldungsgrad des Instituts,

Umsetzung eines mehrjährigen Überwachungs- und Steuerungsprozesses der Kapitalausstattung und des Verschuldungsgrads (Berücksichtigung des Konjunkturzyklus).

 

SREP - Kapitalanforderungen

 

 

[1] CRR – Regulation (EU) 575/2013 on prudential requirements for credit institutions and investment firms (Veröffentlichung: 26. Juni 2013)

[1] CRD IV – Directive 2013/36/EU on access to the activity of credit institutions and the prudential supervision of credit institutions and investment firms (Veröffentlichung: 26. Juni 2013)

[1] Institutsspezifische Faktoren können beispielsweise Besonderheiten der Kapitalrisiken beinhalten und sollten im Dialog mit der Aufsicht festgelegt und somit berücksichtigt werden.

[1] AT 4.1 Risikotragfähigkeit; AT 4.3.3 Stresstests; (AT 4.3.2  Risikosteuerungs- und –controllingprozesse)

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