SREP Serie (Teil 5): Beurteilung der Marktpreisrisiken

Die Beurteilung der Marktpreisrisiken im Rahmen des SREP Assessments fokussiert sich auf Positions-, Wechselkurs-, Rohstoff- und Credit Value Adjustment (CVA)-Risiken. Neben der Bestimmung des Inhärenten Risikos zur Festlegung der Kerninhalte und Erhebung des Risikoprofils sind die implementierten Risikomanagementverfahren zur Steuerung der Marktpreisrisiken zu beurteilen.

Auf Basis von Portfolioanalysen sollten Institute ihre Risiken erkennen und steuern sowie die Wesentlichkeit der Risiken ableiten. Ferner ist auf die stringente Ableitung der Marktpreisrisikostrategie unter Berücksichtigung der gesondert zu betrachteten Subrisikokategorien zu achten. Darüber hinaus kommt der Validierung der zugrundeliegenden Annahmen und Parameter besondere Bedeutung zu.

Die SREP Richtlinie adressiert als eines der weiteren grundsätzlich wesentlichen Einzelrisiken das Marktpreisrisiko. Entsprechend werden über den SREP die Aufsichtsbehörden aufgefordert eine entsprechende Beurteilung dieser Risikoart vorzunehmen. Dem Themenkomplex Zinsänderungsrisiken aus Nicht-Handelsaktivitäten wird sowohl im SREP Papier als auch in unseren Blog-Beiträgen in einem speziellen Kapitel Rechnung getragen.

In die Betrachtung der Marktpreisrisiken sind alle bilanziellen und außerbilanziellen Positionen der Institute einzubeziehen, die auf eine Veränderung von Marktpreisen reagieren können und die nicht Teil der Betrachtung der Zinsänderungsrisiken aus Nicht-Handelsaktivitäten sind. Die im Sinne der EBA zu berücksichtigenden Subrisikokategorien umfassen insbesondere Positions-, Wechselkurs-, Rohstoff- und Credit Value Adjustment (CVA)-Risiken. Dabei werden sowohl Subrisikokategorien des Marktpreisrisikos im  Bankbuch als auch im Handelsbuch adressiert, wobei mindestens die folgenden Instrumente zu berücksichtigen sind:

  • Zins- und eigenkapitalbezogene Finanzinstrumente des Handelsbuchs
  • Wechselkurs- und Rohstoffrisiko behaftete Instrumente des Handels- und Bankbuchs
  • Finanzinstrumente mit Credit Spread Risiken oder Eigenkapitalbestanteilen des Bankbuchs

Inhärentes Marktpreisrisiko

Zur sachgerechten Adressierung der Risiken des jeweiligen Instituts erfolgt die Betrachtung durch die Aufsichtsbehörde in vier Schritten:

  • Preliminary Assessment
  • Analyse von Art, Umfang und Zusammensetzung des Portfolios
  • Analyse der Profitabilität
  • Analyse auf Konzentrationen

Das Preliminary Assessment dient dabei, unter Verwendung bereits gewonnener Erkenntnisse aus anderen Teilprüfungsgebieten des SREP, der Bestimmung der Kerninhalte zur Beurteilung der Marktpreisrisiken. Neben der Aufnahme der Organisationsstruktur des Instituts werden auch die Risikostrategie und der Risikoappetit betrachtet. Als weitere Mindestindikatoren werden auch die historischen internen und externen Kapitalanforderungen zur Unterlegung der mit  Marktpreisrisiken behafteten Positionen, der Anteil der entsprechenden Bilanz- und GuV-Position relativ zur Bilanzsumme sowie der Ertrag aus den risikobehafteten Positionen im Zeitverlauf genannt.

Zur Bestimmung von Art und Zusammensetzung der dem Marktpreisrisiko unterworfenen Portfolien werden Aufsichtsbehörden das Handels- und Bankbuch der Institute hinsichtlich Komplexität, den zugrundeliegenden Risikofaktoren sowie unter Berücksichtigung von Liquiditätsaspekten betrachten. Die wertberichtigten Positionen werden ebenfalls speziell in die Betrachtung einfließen, um dann übergeordnet das Risikopotential der Gesamtposition zu bestimmen.

Änderungen und Schwankungen des Handels- und Nichthandelsergebnisses sowie der Ergebnisbeitrag einzelner Produkte im Portfolio werden als zusätzliche Faktoren angesprochen.

Darüber hinaus werden Aufsichtsbehörden auch auf mögliche Risikokonzentration oder die Ergebnisse aus den Stresstests achten.

Beurteilung von Marktpreisrisikomanagement und -kontrollen

Nach der Festlegung der Kerninhalte der aufsichtsrechtlichen Überprüfung und der Bestimmung des Risikoprofils werden die Aufsichtsbehörden die auf das Marktpreisrisiko bezogenen Risikomanagementsysteme, -verfahren und -prozesse beurteilen.

Dabei haben die Aufsichtsbehörden auf folgende Kernpunkte zu achten:

  • Risikostrategie und -appetit sollten konsistent zu den übergreifenden Strategiepapieren, u.a. der Gesamtstrategie sowie dem Geschäftsmodell sein. Die Darstellung der Marktfunktion und die Berücksichtigung des ökonomischen Zyklus sollten ebenfalls Bestandteil der Dokumente sein.
  • Rahmenwerke, Richtlinien und Anweisungen sollten u.a. klare Verantwortlichkeiten benennen.
  • Unter Berücksichtigung des Proportionalitätsprinzips sind von den Instituten angemessene Messmethoden und -verfahren als Teil des Risikomanagements einzurichten. In die aufsichtliche Beurteilung sind in diesem Zusammenhang die von den Instituten genutzten Daten- und Informationssysteme mit einzubeziehen. Ferner ist auf die regelmäßige Validierung der verwendeten Annahmen und Methoden im Sinne einer Best Practice zu achten und bestehende Modellschwächen bzw. -risiken zu identifizieren.
  • Das Interne Kontrollrahmenwerk hat alle Einheiten, Tochterunternehmen oder Niederlassungen abzudecken. Als wesentliche Bestandteile werden hier auch das Limitsystem und die Interne Revision angeführt.

Die grundlegenden Anforderungen an das Marktpreisrisikomanagement wurden in Deutschland bereits über die „Mindestanforderungen an das Risikomanagement“ (MaRisk) vorgegeben. Jedoch wird über die SREP Richtlinie nochmals die Bedeutung bestimmter Einzelrisiken, wie Positions-, Wechselkurs-, Rohstoff- oder Credit Value Adjustment (CVA)-Risiken, konkretisiert und wie wichtig es in diesem Zusammenhang ist, eine präzise Ableitung des Marktpreisrisikoprofils vorzunehmen und dabei  auf Konsistenz  zur (zukunftsgerichteten) Risikostrategie und Risikoappetit zu achten. Darüber hinaus ist insbesondere die Bedeutung eines Limitsystem sowie der regelmäßigen Validierung der Annahmen und Parameter der eingesetzten Modelle und Methoden zu betonen.

Konsistente Ableitung der Marktpreisrisikostrategie als eine wesentliche Herausforderung für die Institute.

Entsprechend der Vorgaben der SREP Richtlinie sollten sich die beaufsichtigten Institute mit den Details, die sich aus den spezifischen Prüfungsanweisungen an die Aufsichtsbehörden ableiten lassen, auseinandersetzen. Insgesamt können unseres Erachtens die folgenden Handlungsempfehlungen zusammengefasst werden:

  • Portfolioanalyse der marktpreisbehafteten Positionen zwecks Ableitung der Kritikalität bzw. Wesentlichkeit,
  • Überprüfung der Marktpreisrisikostrategie auf Konsistenz mit dem Geschäftsmodell, der übergreifenden Geschäfts- und Risikostrategie sowie der Berücksichtigung der in diesem Kapitel angesprochenen Einzelmarktpreisrisikoarten, sofern diese auf das Institut anwendbar sind,
  • Ableitung und Etablierung eines konsistenten Limitsystems,
  • Definition sog. Schlüsselrisikoindikatoren (KPIs) für Marktpreisrisiken sowie
  • Überprüfung auf das Vorhandensein und die regelmäßige Durchführung eines Validierungskonzepts welches auch die Angemessenheit der Daten- und Informationssysteme abdeckt.

 

SREP - Beurteilung Marktpreisrisiken

 

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