SREP-Serie (Teil 1): Überwachung der Schlüsselindikatoren

Dieser Abschnitt der SREP-Richtlinie der EBA fokussiert sich auf die vierteljährliche Überwachung von sogenannten finanziellen und nicht-finanziellen Schlüsselindikatoren durch die Bankenaufsicht. Diese bilden auch die Basis für die institutsspezifischen Analysen der Kapital-, Liquiditäts- und Refinanzierungsrisiken einschließlich des Geschäftsmodells. Ergänzend dazu sollen die Bankaufsichtsbehörden Limitsysteme sowie Überwachungs- und Eskalationsprozesse einrichten um sicherzustellen, dass starke Veränderungen oder Abweichungen bei den überwachten Kennzahlen nicht unbemerkt bleiben.

Eine eigenständige, institutsseitige Umsetzung entsprechender Überwachungskennzahlen und -prozesse kann den beaufsichtigten Banken dabei einen Informationsvorsprung in der Kommunikation mit der Bankenaufsicht sichern sowie darüber hinaus wichtige allgemeine Informationen für die Steuerung der Bank liefern.

Im Zuge des künftigen Supervisory Review and Evaluation Processes (SREP) ist von Seiten der Bankenaufsicht zumindest eine vierteljährliche Überwachung der Schlüsselindikatoren vorgesehen, um mögliche Änderungen der finanziellen Situation oder des Risikoprofils der beaufsichtigten Institute frühzeitig erkennen zu können. In diesem Zusammenhang empfiehlt es sich für die entsprechenden Institute präventiv eine eigene Analyse der Schlüsselindikatoren vorzunehmen, um auf mögliche Rückfragen der Aufsicht bzw. deren Einschätzungen direkt reagieren zu können.

Mindestumfang an Schlüsselindikatoren

Die vorab erwähnten Schlüsselindikatoren können in finanzielle sowie nicht-finanzielle Indikatoren kategorisiert werden und bilden für die Aufsicht primär die Grundlage zur Analyse der Geschäftsentwicklung, der Performance und der Risikosituation der überwachten Institute. Die SREP-Richtlinie[1] fordert hinsichtlich möglicher Schlüsselindikatoren zur Überwachung der Institute den nachfolgenden Mindestumfang:

  • Finanz- und Risikoindikatoren zu allen Risikoarten der SREP-Richtlinie
  • Liquiditäts- und Refinanzierungsindikatoren
  • Institutsspezifische Indikatoren auf Basis der geographischen Standorte, Sektoren und Märkte
  • Kennzahlen der Vorschrift (EU) Nr. 575/2013[2] sowie der Richtlinie 2013/36/EU)[3]
  • Mindestanforderungen an Eigenmittel und anrechenbare Verbindlichkeiten (Richtlinie 2014/59/EU)[4]
  • Marktindikatoren
  • ggf. Sanierungsindikatoren

Zusätzlich empfiehlt es sich, weitere finanzielle und nicht-finanzielle Kennzahlen der EBA oder anderer Aufsichtsbehörden – z.B. vierteljährlich über das sogenannte EBA Risk-Dashboard[5] – sowie Ergebnisse von unabhängigen Marktforschungsinstituten zu beachten.

Peer-Group-Vergleiche und Überwachung der Schlüsselindikatoren

Im Rahmen der Umsetzung der SREP-Richtlinie wird ein weiterer Schwerpunkt auf die Definition von Peer-Groups gelegt. Peer-Groups sollten Institute mit ähnlichem Geschäftsmodell, ähnlicher Größe und ähnlichem Risikoprofil umfassen und zum Vergleich der Schlüssel- und Risikoindikatoren herangezogen werden. Bestandteil des durch die Aufsichtsbehörden durchzuführenden Peer-Group-Vergleichs sollte die Darstellung von wesentlichen Abweichungen bzw. Auffälligkeiten sowie deren Erläuterung beinhalten.

Die SREP-Richtlinie führt außerdem die Einrichtung von Limitsystemen sowie eines Eskalationsprozesses zur zielgerichteten Überwachung der finanziellen und nicht-finanziellen Indikatoren seitens der Aufsichtsbehörden an. Primäres Ziel ist hierbei die Etablierung eines Frühwarnsystems, um rechtzeitig Anhaltspunkte auf sich ändernde (Markt-) Bedingungen sowie anlassbezogene Überprüfungen der Institute zu erhalten.

In Bezug auf internationale Vorgaben, Richtlinien und Regelungen bzw. auf aktuelle nationale Regelungen ist anzumerken, dass die Überwachung von Schlüsselindikatoren bereits durch die „Mindestanforderungen an das Risikomanagement“ (MaRisk 2012)[6] sowie durch die Darstellung von „finanziellen und nicht-finanziellen Leistungsindikatoren“ über den DRS 20[7] von den Instituten gefordert wird. Diese Anforderungen werden nunmehr durch die SREP-Richtlinie konkretisiert und sind künftig durch die Aufsichtsbehörden explizit zu beurteilen.

Aus der Überwachung der Schlüsselindikatoren ergeben sich Handlungsempfehlungen für die durch die EZB beaufsichtigten Institute

Um der EZB Aufsicht auf Augenhöhe begegnen zu können und möglichen Anfragen vorzugreifen, sollten Institute künftig selbstständig Schlüsselindikatoren definieren sowie ergänzend dazu eigene Limite und Überwachungsprozesse (z.B. im Rahmen eines Risikoappetit-Statements) einführen. Dabei sollten die Institute darauf achten, dass die definierten Indikatoren, Limite und Prozesse die Größe, Komplexität und Risikoprofil eines Instituts widerspiegeln. Außerdem empfiehlt sich eine Rückkopplung zur Überprüfung der Gültigkeit und Nachhaltigkeit des eigenen Geschäftsmodells. Eine weitere Herausforderung wird die genaue Bestimmung der Peer-Group darstellen. Hier kann es aufgrund unvollständiger bzw. im Vergleich zu den Aufsichtsbehörden abweichender Daten zu Schwierigkeiten bei der Interpretation der Vergleichsergebnisse kommen.

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[1] Hinweise zu konkreten Indikatoren können in Teilen den einzelnen Kapiteln der SREP-Richtlinie entnommen werden.

[2] CRR – Regulation (EU) 575/2013 on prudential requirements for credit institutions and investment firms (Veröffentlichung: 26. Juni 2013)

[3] CRD IV – Directive 2013/36/EU on access to the activity of credit institutions and the prudential supervision of credit institutions and investment firms (Veröffentlichung: 26. Juni 2013)

[4] Directive 2014/59/EU establishing a framework for the recovery and resolution of credit institutions and investment firms (Veröffentlichung 15. Mai 2014)

[5] Weitere Hinweise finden Sie hier: http://www.eba.europa.eu/risk-analysis-and-data/risk-dashboard

[6] AT 4.3.2 Tz. 1 Risikosteuerungs- und -controllingprozesse; AT 4.3.2 Tz. 2 Risikosteuerungs- und –controllingprozesse und BTO 1.3 Tz. 2 Verfahren zur Früherkennung von Risiken

[7] Deutscher Rechnungslegungs Standard Nr. 20, Abschnitt Lagebericht

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