Erkenntnisse aus dem EZB-SREP 2018

Am 8. April 2019 hat die Europäische Zentralbank (EZB) mit dem aktualisierten „SSM SREP Methodology Booklet“ die Gesamtergebnisse des aufsichtlichen Überprüfungs- und Bewertungsprozesses (Supervisory Review and Evaluation Process – SREP) für das Jahr 2018 veröffentlicht. Neben Informationen zum methodischen Vorgehen der EZB bei der Ableitung der SREP-Scores werden darin auch die aggregierten Ergebnisse aus dem SREP 2018 dargestellt.

Die grundsätzliche Methodik und die Entscheidungsprozesse des SREP sind unverändert geblieben. Die im November 2018 von der EZB veröffentlichten Erwartungen an bankinterne Prozesse zur Sicherstellung einer angemessenen Kapital- und Liquiditätsausstattung (ICAAP und ILAAP) finden erst ab dem Jahr 2019 Anwendung und waren somit für SREP-Bewertung noch nicht relevant. Die Vergleichbarkeit der Ergebnisse zum Vorjahr ist somit gegeben.

Insgesamt ist es zu keinen wesentlichen Verschiebungen zwischen den SREP-Scores gekommen. Wie schon im Vorjahr wurde die weit überwiegende Anzahl der Institute von der EZB mit einem SREP-Score von 2 oder 3 beurteilt. Der Score 1 wurde auch weiterhin nicht erreicht.

Quelle: Europäische Zentralbank, SSM SREP Methodology Booklet 2018, S. 4.

 

Bei detaillierter Betrachtung der SREP-Ergebnisse für die vier einzelnen Elemente Geschäftsmodell, Governance und Risikomanagement, Kapitalrisiken sowie Liquiditäts- und Refinanzierungsrisiken lassen sich jedoch durchaus Verschiebungen zwischen den Bewertungsergebnissen erkennen.

So wurden 2018 trotz der weiter angespannten Ertragslage in den Significant Institutions (SI) die Geschäftsmodelle besser als im Vorjahr bewertet.

Eine Verschlechterung hat sich hingegen für die Bewertung von Governance und Risikomanagement ergeben. Die EZB sieht in diesem Zusammenhang insbesondere Nachholbedarf in den Themenbereichen Risikoinfrastruktur, Risikodatenaggregation und Risikoberichterstattung (d.h. Aspekten des BCBS 239) sowie darüber hinaus auch bei der Ausgestaltung der Innenrevisionen der beaufsichtigten Institute.

Ebenso wie der durchschnittliche Score des Elements Governance und Risikomanagement haben sich die durchschnittlichen Bewertungen für die Kapitalrisiken im Vergleich zu 2017 verschlechtert. Ursächlich dafür sind gemäß Angabe der EZB die weiterhin hohen Bestände an notleidenden Forderungen bei vielen Banken.

Quelle: Europäische Zentralbank, SSM SREP Methodology Booklet 2018, S. 9.

 

Trotz dieser Verschlechterung hat die EZB bei nur einer Bank mehr als im Vorjahr (84 Banken) qualitative Maßnahmen für die o.g. Punkte festgesetzt.

Die Bewertungsergebnisse für Liquiditäts- und Refinanzierungsrisiken zeigen keine wesentlichen Veränderungen. Die EZB mahnte dennoch sechs Banken mehr als im Vorjahr (45 Banken), Maßnahmen zur Verbesserung ihrer Liquidität durchzuführen. Unseres Erachtens ist dies Ausdruck des zunehmenden aufsichtlichen Fokus auf das Thema Liquiditäts- und Refinanzierungsrisiken.

Wie schon in den Vorjahren wurden neben den SREP-Bewertungsergebnissen auch die durchschnittlichen CET1-Kapitalanforderungen für die EZB beaufsichtigten Banken bekannt gegeben. Die Quote ist von 10,1% der risikogewichteten Aktiva auf 10,6% in 2018 deutlich gestiegen. Hauptursache für den Anstieg ist aus Sicht der EZB die vollständige Einführung des Kapitalerhaltungspuffers. Diese Begründung relativiert sich, wenn man berücksichtigt, dass die EZB schon im Jahr 2015 bei erstmaliger Festlegung individueller Kapitalanforderungen bereits explizit den kompletten Kapitalerhaltungspuffer berücksichtigt hatte. Konsequenterweise sind die Kapitalanforderungen auch nach Einführung der Pillar 2 Requirements (P2R) und Pillar 2 Guidance (P2G) in den Jahren 2016 und 2017 weitgehend konstant geblieben und es fand jeweils lediglich eine „Reallokation“ der CET1-Kapitalanforderungen statt.

Der deutliche Anstieg von 0,5% bei den durchschnittlichen CET1-Kapitalanforderungen zeigt, dass die Vorgehensweise im SREP 2018 nicht an der Praxis der Vorjahre orientiert ist. Die Begründung des Anstiegs durch den Verweis auf die Einführung des Kapitalerhaltungspuffers kann somit nicht vollends überzeugen.

Quelle: Europäische Zentralbank, SSM SREP Methodology Booklet 2018, S. 5.

 

Fazit

Die Gesamtergebnisse des SREP 2018 haben sich insgesamt im Vergleich zum Vorjahr nur leicht verändert. Verbesserungsbedarf bei den beaufsichtigten Banken sieht die EZB insbesondere im Themenfeld Governance und Risikomanagement bei der Verbesserung der Risikoinfrastruktur, der Risikodatenaggregation und Risikoberichterstattung sowie bei der Ausgestaltung der Innenrevision.

Als negativ dürfte von den beaufsichtigten Instituten der überraschend deutliche Anstieg der durchschnittlichen Anforderungen der EZB an das harte Kernkapital auf jetzt 10,6% sein, zumal die Erklärung mit der finalen Einphasung des Kapitalerhaltungspuffers nicht vollständig überzeugt.

Neben einem Benchmarking der eigenen SREP-Resultate auf die nun veröffentlichten, aggregierten Ergebnisse empfehlen wir den betroffenen Banken auch eine Analyse des methodischen Vorgehens der EZB im SREP. Hieraus lassen sich Erwartungen der EZB-Aufsicht an die Ausgestaltung des Risikomanagements sowie Anknüpfungspunkte zur Verbesserung des eigenen SREP-Scores und zur „Optimierung“ der aufsichtlichen Kapitalanforderungen ableiten.

 

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