EZB SREP-Methodik für LSIs – mehr Fragen als Antworten?

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat am 27. Juni 2018 eine harmonisierte Methodik für den SREP für weniger bedeutende Institute (Less Significant Institutions, LSIs) veröffentlicht. Bereits seit 2015 arbeitet die EZB zusammen mit den national zuständigen Behörden (National Competent Authorities – NCAs) an einer gemeinsamen SREP-Methodik. Diese soll auf den EBA-SREP-Leitlinien und der Methodik für bedeutende Institute (Significant Institutions, SIs) sowie den vorhandenen nationalen SREP-Bewertungen basieren. Die harmonisierte Methodik ist von den NCAs bis zum Jahr 2020 gestaffelt einzuführen, beginnend in 2018 bei den LSIs mit hoher Priorität (HP LSIs). Ergänzend hat die BaFin in Ihrem Journal aus dem Juli 2018 den Zyklus für die Aufsichtstätigkeit vorgestellt.

 

Grundprinzipien und Elemente analog dem SREP für bedeutende Institute

Die grundsätzliche Struktur und die Bausteine der SREP-Methodik für LSIs bestehen analog zur SREP-Methodik für SIs, d.h. auch im LSI-SREP werden von der Aufsicht die vier Bausteine Geschäftsmodellanalyse, Governance, Kapital- und Liquiditätsrisiken analysiert und bewertet. Ziel der harmonisierten SREP-Methodik für LSIs ist dabei eine verhältnismäßige und kontinuierliche Beurteilung, welche die Eigenschaften und spezifischen Merkmale der LSIs sowie Besonderheiten auf nationaler Ebene (z.B. Regulierung, Rechnungslegungsansätze) berücksichtigt.

Die SREP-Methodik für LSI sieht eine Clusterung vor, die Institute mit hoher Priorität (HP LSI) bzw. solche ohne hohe Priorität (nicht-HP LSI) unterscheidet. Als Kriterium zur Kategorisierung wird die Risikolage sowie die potenzielle Bedeutung der LSIs für das Finanzsystem des jeweiligen Landes herangezogen.

Diese Einstufung wirkt sich auf die Intensität der Beurteilung, die aufsichtlichen Erwartungen und den Informationsbedarf der Aufsicht aus. Beispielsweise gilt nur bei HP LSIs der Jahresturnus für die vollständige SREP-Bewertung, da für nicht-HP LSIs eine geringere Frequenz vorgesehen ist. Mindestens jährlich erfolgt jedoch eine Aktualisierung des SREP-Gesamtscores für alle LSIs (Intensität der Beurteilung).
Die EZB nennt weitere konkrete Beispiele in Bezug auf die aufsichtliche Beurteilung sowie den Informationsbedarf in der veröffentlichten SSM-LSI-SREP-Methodik vom 27. Juni 2018. Zu erwähnen ist darüber hinaus, dass im LSI-SREP nur solche Risikokategorien beurteilt werden, die als wesentlich eingeschätzt werden.

Im BaFin-Journal vom Juli 2018 stellt die BaFin dar, dass sie für die Aufsichtsintensität auf einen spezifizierten Zyklus mit einer Bewertung der SREP-Elemente in Intervallen zwischen einem und vier Jahren zurückgreifen möchte. Grundlage dessen ist die Einteilung der Institute in die EBA-Kategorien 1 bis 4, welche das Systemrisiko wiederspiegeln sollen, das von den Instituten jeweils ausgeht (siehe unten / Anhang).

Analog zu der Vorgehensweise bei der Bewertung der bedeutenden Institute werden im Rahmen einer zusammenfassenden Übersicht die vier Elemente zunächst gleichwertig zu dem SREP-Gesamtscore zusammengeführt. Damit sollen erstmalig auch LSIs künftig einen Scorewert erhalten, in welchem sich die Gesamtbeurteilung hinsichtlich der Überlebensfähigkeit des Instituts widerspiegelt. Die Aufsicht darf von der Scoringmethode („Constrained Judgement“) nur in begründeten und dokumentierten Fällen abweichen; diese Ausnahmefälle können z.B. durch eine mangelnde Datenqualität begründet werden.

Auf Basis dieses Scorings werden von den NCAs letztendlich die institutsspezifischen SREP-Beschlüsse erlassen sowie die (harten) SREP-Kapitalanforderungen (P2R) festgelegt.

Die weichen Kapitalanforderungen (P2G) sollen für die von der BaFin überwachten Institute wie auch bisher schon alle zwei Jahre auf Basis des nationalen Stresstests (Niedrigzinsumfrage) festgelegt werden.

 

Inkrafttreten

Die Methodik soll ab 2018 für LSIs mit hoher Priorität von den zuständigen Aufsichtsbehörden angewandt werden. Bis zum Jahre 2020 soll die Methodik dann für die aufsichtliche Überprüfung aller LSIs maßgeblich sein.

 

Fazit: Es gibt noch Auslegungsbedarf

Die vorangegangene Darstellung zeigt, dass sich die Erwartungserhaltung der Aufsicht gegenüber LSIs verändert und an die Anforderungen für SIs angleicht. Die veröffentlichte Methodik geht in weiten Teilen auf bekannte Sachverhalte ein, lässt aber im Gegenzug wichtige Fragestellungen unbeantwortet.

Unklar ist vor allem, wie die SREP-Zuschläge zukünftig mit Kapital zu unterlegen sein werden. Für die zusätzlichen Eigenmittelanforderungen (P2R) werden in der Veröffentlichung der EZB keine konkreten Anforderungen im Hinblick auf deren Beschaffenheit gestellt (z.B. hartes Kernkapital). Aus der harmonisierten Methodik geht zudem hervor, dass es den NCAs freisteht, das Konzept für die Eigenmittelzielkennziffer (P2G) im Jahr 2018 umzusetzen, soweit dies in den nationalen Rechtsvorschriften vorgesehen ist – aber auch hier fehlt ein Hinweis auf die Beschaffenheit des zur Unterlegung benötigten Kapitals. Wir gehen jedoch in diesem Zusammenhang davon aus, dass analog zum EZB-SREP für die bedeutenden Institute zur Unterlegung hartes Kernkapital (CET 1) erforderlich sein wird.

Fraglich ist in diesem Zusammenhang auch, ob die BaFin auch zukünftig noch den Algorithmus zur Festlegung der SREP-Kapitalanforderungen offenlegen wird.

Gänzlich neu ist für die LSIs in Deutschland die Thematik der quantitativen SREP-Liquiditätsanforderungen. So kann die Aufsicht über die regulatorischen Mindestanforderungen hinausgehende Anforderungen festlegen, die zu einem unmittelbaren Erhöhungsbedarf der Liquiditätsausstattung führen können. Die nationale Aufsicht hat die Liquiditätsrisiken aus der nationalen Umsetzungsmethodik des SREP bislang ausgeklammert. Auch hier stellt sich die Frage nach dem Algorithmus der Festlegung möglicher zusätzlicher Anforderungen.

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die seit langem angekündigte und nun veröffentlichte SREP-Methodik zur Bewertung der LSIs viele Fragen offen lässt. Weitere Konkretisierungen sowohl seitens der EZB als auch der BaFin oder der Deutschen Bundesbank werden von der Branche mit Spannung erwartet.

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Anhang

Auszug aus dem BaFin Journal vom Juli 2018 S.12 – Kategorisierung nach EBA:

Kategorie 1: Global systemrelevante Institute (G-SRI) und andere systemrelevante Institute (A-SRI) sowie gegebenenfalls andere von den zuständigen Behörden auf der Grundlage der Bewertung der Größe und der internen Organisation eines Instituts sowie der Art, des Umfangs und der Komplexität seiner Geschäfte ermittelte Institute

Kategorie 2: Alle anderen nicht unter Kategorie 1 fallenden mittleren bis großen Institute, die im Inland tätig sind oder bedeutende grenzüberschreitende Geschäfte tätigen, die in mehreren Geschäftsfeldern operieren – einschließlich Aktivitäten im Nichtbankensektor– und die Kredit- und Finanzprodukte im Privat- und Geschäftskundenbereich anbieten; nicht systemrelevante spezialisierte Institute mit beträchtlichen Marktanteilen in ihren Geschäftsfeldern, Zahlungssystemen oder Finanzgeschäften

Kategorie 3: Kleine bis mittlere Institute, die nicht in Kategorie 1 oder 2 einzustufen sind, die im Inland tätig sind oder die keine bedeutenden grenzüberschreitenden Geschäfte tätigen, die in einer begrenzten Anzahl von Geschäftsfeldern operieren, vorwiegend Kreditprodukte im Privat- und Geschäftskundenbereich anbieten und nur über ein begrenztes Angebot an Finanzprodukten verfügen sowie spezialisierte Institute mit geringeren Marktanteilen in ihren Geschäftsfeldern, Zahlungssystemen oder Finanzgeschäften

Kategorie 4: Alle anderen kleinen inländischen Institute ohne komplexe Strukturen, die nicht unter die Kategorien 1 bis 3 fallen, zum Beispiel mit einem begrenzten Umfang von Geschäften und ohne bedeutende Marktanteile in ihren Geschäftsfeldern

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