EZB veröffentlicht Entwürfe der ICAAP und ILAAP Leitfäden

Am 2. März 2018 wurden von der EZB aktualisierte Entwürfe der SSM-Leitfäden zum ICAAP und zum ILAAP veröffentlicht. Die jetzt vorgelegten Entwürfe stellen eine Weiterentwicklung des bereits im Februar 2017 veröffentlichten Mehrjahresplans für die SSM-Leitfäden zum ICAAP und zum ILAAP dar (siehe Blog vom 6. April 2017). Nach Finalisierung sollen die Leitfäden die von der EZB im Rahmen der Abfrage der ICAAP- und ILAAP-Informationen aufgestellten aufsichtlichen Erwartungen an den ICAAP und den ILAAP ablösen (siehe dazu EZB-Brief von Danièle Nouy vom 12. Januar 2016 bzw. die “Technical implementation of the EBA Guidelines on ICAAP and ILAAP information collected for SREP purposes” vom 21. Februar 2017).

Nach Ablauf der Konsultationsfrist am 4. Mai 2018 soll die Veröffentlichung der endgültigen Leitfäden im Laufe des 2. Halbjahres 2018 erfolgen. Eine kontinuierliche Weiterentwicklung der Leitfäden ist jedoch auch danach vorgesehen.

Anwendungsbereich und Verbindlichkeit

Relevant sind die Leitfäden in erster Linie für alle direkt von der EZB überwachten Institute – sowohl auf Gruppen- als auch auf Einzelinstitutsebene. Dabei betont die EZB, dass die Leitfäden rechtlich nicht bindend sind. Jedoch stellt sie auch klar, dass die Leitfäden auf Basis der regulatorischen Anforderungen der CRD IV die Grundsätze für die Ausgestaltung des ICAAP und des ILAAP darstellen. Diese Grundsätze dienen der EZB im Zuge des SREP als Ausgangspunkt für die Beurteilung der Angemessenheit der institutsindividuellen Ausgestaltung des ICAAP und des ILAAP und damit letztendlich der Beurteilung der Qualität von Steuerung und Überwachung der wesentlichen Kapital- und Liquiditätsrisiken des Instituts.

In diesem Kontext hält die EZB eine zeitnahe Umsetzung der aktuell im Entwurf vorliegenden Anforderungen aus den Leitfäden für geboten. Schon ab dem Jahr 2019 sollen die neuen Anforderungen an den ICAAP und ILAAP den SREP-Beurteilungen der EZB zugrunde liegen. Dies heißt unserer Meinung nach aber auch, dass die EZB die Implementierung der neuen Anforderungen bereits im Laufe des Jahres 2018 erwartet.

Die Leitfäden erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Die Ausgestaltung des ICAAP und des ILAAP liegt in der Verantwortung des jeweils betroffenen Instituts und soll die institutsindividuellen Besonderheiten und insbesondere die Risikosituation in adäquater, konservativer Weise abbilden.

Sieben Grundsätzer den ICAAP und den ILAAP

Grundsätzlich orientieren sich Struktur und Inhalte der Leitfäden eng an dem im Februar 2017 veröffentlichten Papier. Insbesondere hält die EZB an der Philosophie fest, sowohl für den ICAAP als auch für den ILAAP jeweils sieben Grundsätze aufzustellen. Damit verfolgen beide Papiere dieselbe grobe Richtung, so dass insgesamt ein hoher Grad an Deckungsgleichheit zwischen den Grundsätzen zum ICAAP und zum ILAAP besteht.

Der Umfang der Beschreibungen und Erklärungen der Grundsätze nimmt im Vergleich zu dem Papier aus 2017 jedoch einen deutlich höheren Umfang ein, wobei ein wesentlicher Teil davon auf ergänzende Beispiele zu ausgewählten Anforderungen entfällt. Des Weiteren betrifft ein großer Teil der Änderungen Detailfragen, Klarstellungen oder häufig auch redaktionelle Punkte.

Nichtsdestotrotz gibt es sowohl in Bezug auf den ICAAP als auch den ILAAP auch einige bemerkenswerte Änderungen und Ergänzungen. In Bezug auf den ICAAP betrifft dies z.B. die folgenden Punkte:

  • Grundsatz 1: Es wurde ein expliziter Verweis auf die Datenqualität und Datenaggregations­kapazitäten (d.h. auf die Anforderungen des BCBS 239) ergänzt.
  • Grundsatz 2: Betont wird jetzt auch das Zusammenspiel zwischen ICAAP einerseits und Risikoappetit bzw. Sanierungsplänen andererseits. Beim ICAAP auf Gruppenebene sind mögliche Beschränkungen des gruppeninternen Kapitaltransfers in einer „konservativen und vorsichtigen Art und Weise“ zu berücksichtigen.
  • Grundsatz 3: Auch in Bezug auf die ökonomische Perspektive erwartet die EZB eine Beurteilung des Einflusses künftiger Entwicklungen auf die Risikosituation (Zukunftsbezogenheit der ökonomischen Perspektive).
  • Grundsatz 5: Im Gegensatz zur BaFin schließt die EZB das Ergänzungskapital (Tier 2 Capital) explizit vom Risikodeckungspotential aus.
  • Grundsatz 6: Betonung der angemessenen Datenqualität sowie der Unabhängigkeit von Modellentwicklung und Validierung unter Berücksichtigung des „Three-Lines-of-Defence“- Ansatzes. Insbesondere sollte dabei die unabhängige Validierung nicht durch die Interne Revision erfolgen. Unabhängig davon ist die Angemessenheit der Validierung Teil der wiederkehrenden Prüfungshandlungen der Internen Revision im Rahmen ihres Prüfprogramms.
  • Grundsatz 7: Ergänzungen hinsichtlich möglicher Treiber der adversen Szenarien sowie Klarstellung, dass die EZB im Regelfall im Rahmen des normativen Ansatzes die Ausführung mehrerer adverser Szenarien erwartet.

Die bemerkenswerten Ergänzungen in Bezug auf den ILAAP betreffen in weiten Teilen ähnliche Punkte wie beim ICAAP. Darüber hinaus ergeben sich in Bezug auf Grundsatz 3 – Aufrechterhaltung der Überlebensfähigkeit des Institutes und Sicherstellung einer angemessenen Liquiditätsversorgung – noch die folgenden liquiditätsrisikospezifischen Punkte:

  • Im Rahmen der normative Perspektive sollte die Beurteilung der Angemessenheit der Liquiditätsausstattung nicht ausschließlich auf Säule 1-Annahmen gestützt sein, sondern insbesondere auch die im Rahmen des ökonomischen Ansatzes verwendeten Parameter, Prämissen und Ziele mit einbeziehen.
  • Die EZB erwartet von den Instituten einen widerstandsfähigen Liquiditäts- und Refinanzierungs­plan, der zumindest einen Zeitraum von drei Jahren abdeckt und sowohl Basisszenarien als auch adverse Szenarien abbildet.
  • Das Zusammenspiel von Liquiditätsnotfallplan und den liquiditätsbezogenen Teilen des Sanierungsplanes sollte im Rahmen des ILAAP verdeutlicht werden.

Fazit

Die EZB orientiert sich mit den jetzt veröffentlichten überarbeiteten Leitfäden insgesamt eng an den vor Jahresfrist aufgestellten Grundsätzen und Inhalten. Sie ist sich dabei insbesondere dem Grundprinzip der Unterscheidung der Risikotragfähigkeit in eine ökonomische und eine normative Perspektive treu geblieben und hat damit eine klare, eindeutige Erwartungshaltung an die Ausgestaltung eines „guten“ ICAAP und ILAAP vorgelegt. Von dieser Erwartungshaltung wird sich die EZB im Rahmen der SREP-Beurteilung einzelner Institute leiten lassen. Damit werden der „neue ICAAP“ und der „neue ILAAP“ letztendlich unmittelbar Einfluss auf die Festlegung aufsichtlicher Maßnahmen wie z.B. individueller Kapitalzuschläge oder Liquiditätsanforderungen haben.

Darüber hinaus möchten wir an dieser Stelle darauf hinweisen, dass dieses Thema auch für aktuell von der BaFin überwachte Banken von hoher Relevanz ist. Nach der jetzt erfolgten Veröffentlichung der Entwürfe der SSM-Leitfäden zum ICAAP und zum ILAAP ist zu erwarten, dass auch die BaFin kurzfristig ihren Diskussionsentwurf zur Neuausrichtung der Risikotragfähigkeit finalisieren wird (siehe Blog vom 7. September 2017) und damit wesentliche Inhalte des EZB-Leitfadens auch für weniger bedeutende Banken umzusetzen sein werden.

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