Konsultationspapier „Guidelines on common procedures and methodologies for the SREP“ veröffentlicht

Die Europäische Bankenaufsicht (EBA) hat am 31. Oktober 2017 das Konsultationspapier „Draft Guidelines on the revised common procedures and methodologies for the supervisory review and evaluation process (SREP) and supervisory stress testing“ (EBA/CP/2017/18) veröffentlicht. Die Überarbeitungen konzentrieren sich auf Erweiterungen der EBA-Richtlinien zu Stresstests und der Verwendung und Festlegung von Säule-2-Kapitalempfehlungen (Pillar 2 guidance / P2G). Die Konsultationsphase endet am 31. Januar 2018.

Hintergrund

Seit der Veröffentlichung und Erstanwendung der SREP-Leitlinien in 2016 ist aus Sicht der EBA eine Überarbeitung aufgrund von zahlreichen externen Entwicklungen notwendig geworden. Dazu zählt insbesondere die Berücksichtigung von institutsinternen und aufsichtlichen Stresstests im Rahmen des SREP, die Einführung der P2G sowie Feststellungen hinsichtlich einer Reihe bedeutsamer Beobachtungen in den Aufsichtspraktiken. Nachfolgend möchten wir die wesentlichen Überarbeitungen im Hinblick auf das Stresstesting vorstellen. In Bezug auf die Verknüpfung und das Zusammenwirken der aufsichtlichen Stresstests und der P2G verweisen wir darüber hinaus auf unseren Blog-Beitrag vom 26. Juli 2017.

Beurteilung institutsinterner Stresstests im Rahmen des SREP

Im Rahmen der Beurteilung der Governance und des internen Kontrollsystems soll künftig der Ausgestaltung des institutsinternen Stresstestings eine bedeutendere Rolle als bisher zukommen. Auch wenn die Leitlinien selbst keine detaillierten Methoden für die institutsinternen Stresstests festlegen, so gibt die EBA-Leitlinie dennoch qualitative und quantitative Kriterien zur aufsichtlichen Beurteilung der Angemessenheit der Ausgestaltung des (institutsinternen) Stresstestings vor.

Zu den qualitativen, von der Aufsicht im Rahmen der Durchführung des SREP zu prüfenden Merkmalen zählen unter anderem:

  • Daten- und IT-Infrastruktur, Governance-Vereinbarungen, Methoden, Szenarien, wesentliche Annahmen, Ergebnisse und geplante Handlungsmaßnahmen.
  • Bewertung des Einflusses von schwerwiegenden makroökonomischen und finanzmarkt­bezogenen Schwachstellen sowie institutsspezifische Bedrohungen .
  • Bewertung von Stresstestauswahl und Ergebnissen in Bezug auf die Übertragbarkeit von Kapital und Liquidität zwischen einzelnen Rechts- oder Geschäftseinheiten unter Stressbedingungen.

Zu der quantitativen Angemessenheitsüberprüfung zählen insbesondere:

  • Bewertung der Auswahl und Verwendung von Szenarien und der getroffenen Annahmen, des Schweregrades, der Relevanz für das Geschäftsmodell eines Instituts sowie der jeweiligen Ergebnisse.
  • In dem Stressszenario, das für ICAAP-Zwecke verwendet wird, soll das Kapital negativ beeinflusst werden (z. B. aufgrund von Ratingmigrationen, einer Reduktion der Nettozinsspannen oder von Handelsverlusten).
  • Kombinierte Auswirkungsanalysen von Stresstest-Ergebnissen auf den Kapital- und Liquiditäts­bedarf sowie auf andere relevante regulatorische Anforderungen (jederzeitige Einhaltung der TSCR / Total SREP capital requirement ratio in einem ungünstigen Szenario sowie Festlegung von Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der TSCR).

Wie schon bei der Ausgestaltung von ICAAP oder ILAAP ist die Methodenauswahl und die Festlegung zugrundeliegender Prämissen zu den Stresstests dem Institut überlassen. Die EBA-Leitlinien legen aber zahlreiche Kriterien fest, welche die Institute bei der Ausgestaltung, Durchführung und Dokumentation ihrer Stresstests zu erfüllen haben. Zu den wichtigsten Punkten zählen in diesem Zusammenhang die Nachvollziehbarkeit und Angemessenheit der durchgeführten Stresstests sowie die Verantwortung des Leitungsorgans des Instituts.

Bemerkenswert ist darüber hinaus der Punkt, dass die Aufsicht eine erneute Stresstestdurchführung verlangen kann, sofern ein Mangel bei der Gestaltung der von den Instituten verwendeten Szenarien oder Annahmen festgestellt wird. Die Pflicht zur Neuberechnung kann sich dabei sowohl auf den kompletten Stresstest oder auch auf bestimmte Teile des Stresstestprogramms beziehen.

Zusammenspiel aufsichtlicher Stresstests und der P2G-Kapitalanforderungen

Die EBA legt im vorliegenden Konsultationsentwurf darüber hinaus fest, dass die Festlegung der P2G auf Basis des adversen Szenarios des aufsichtlichen Stresstests der EBA bzw. eines vergleichbaren systemweiten Stresstests erfolgen soll. Die Angemessenheit des bestehenden P2G-Niveaus sollte dabei von der Aufsicht neu beurteilt und ggf. angepasst werden, wenn die Ergebnisse neuer aufsichtlicher Stresstests verfügbar sind. Eine Veröffentlichung der P2G seitens der Institute wird von der EBA grundsätzlich nicht erwartet.

Wie aktuell schon im EZB-SREP (aber anders als im BaFin-SREP) ist die P2G-Kapitalanforderung vollständig durch hartes Kernkapital (CET1) zu erfüllen. Die Aufsicht sollte dabei eine Verrechnung mit dem Kapitalerhaltungspuffer sowie – in seltenen Fällen – mit dem antizyklischen Kapitalpuffer vornehmen. Eine Verrechnung mit den systemischen Risikopuffern ist nicht vorgesehen.

Sie ergänzt, dass zu den quantitativen Merkmalen der Angemessenheit der Stresstestkonzeption auch gehört, ob das Institut die TSCR im adversen Szenario für mindestens zwei Jahre nicht unterschreitet.

Der EBA-Konsultationsentwurf ergänzt zudem Verfahren für den Fall, dass die Ergebnisse von Stresstests zur Unterschreitung von anwendbaren Eigenkapitalanforderungen führen. Dazu gehört in erster Linie die Erstellung eines geeigneten Kapitalplans durch die betroffenen Institute.

Fazit

Das EBA-Konsultationspapier konkretisiert die bereits im April 2017 vorgelegte Roadmap zur Weiterentwicklung des SREP. Insgesamt steht das Thema Stresstesting dabei deutlich stärker im Fokus der Aufsicht, als dies bisher der Fall gewesen ist. Zu unterscheiden ist dabei zwischen den Anforderungen an die institutsinternen Stresstests, welche im Rahmen der Beurteilung der Governance des Instituts zukünftig eine wichtigere Rolle als bisher spielen werden und dem Zusammenspiel zwischen aufsichtlichen Stresstests und der Festlegung der P2G.

In Bezug auf die institutsinternen Stresstests verweisen wir insbesondere auf das gleichzeitig mit Veröffentlichung des EBA-SREP-Konsultationspapiers veröffentlichten EBA-Konsultationspapier zum institutsinternen Stresstesting (EBA/CP/2017/17), welches wir im Rahmen dieses Blogs noch gesondert kommentieren werden.

Insgesamt erwarten wir jedoch eine deutliche Verschärfung der Stresstestanforderungen – sowohl aufsichtlich als auch institutsintern. Dies wird für viele Banken eine organisatorische und prozessuale Herausforderung darstellen und über die Festlegung der P2G auch zu erhöhten Erwartungen der Aufsicht an die Kapitalausstattung der Banken führen.

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