Verfahren zur Festlegung eines SREP-Kapitalzuschlags bei weniger bedeutenden Instituten

BaFin und Deutsche Bundesbank haben die Grundzüge des nationalen SREP bekannt gegeben, der sich in Teilen deutlich von dem von der EZB praktizierten Verfahren unterscheidet. Basierend auf dieser nationalen Methodik wird die BaFin im Juni damit beginnen, an einen ersten Teil der direkt unter ihrer Aufsicht stehenden Institute Anhörungsschreiben zur Festlegung einer SREP-Kapitalquote zu versenden. Insgesamt werden die Anhörungsschreiben in drei Tranchen über einen Zeitraum von drei Jahren versendet werden.

Bis 2018 werden alle deutschen Institute eine SREP-Kapitalquote erhalten

Von den mehr als 1600 weiterhin von der BaFin direkt beaufsichtigten Institute werden ca. 330 Institute im Juni 2016 von der BaFin ein Anhörungsschreiben mit Bekanntgabe des fortan für sie maßgeblichen SREP-Zuschlags (Säule 1-Plus-Zuschlag) erhalten. Der SREP-Zuschlag für die anderen, direkt national beaufsichtigten Institute soll im Laufe der Jahre 2017 und 2018 festgelegt werden. Eine grundsätzliche Verpflichtung zur Veröffentlichung der individuellen SREP-Quote ist derzeit nicht geplant.

Die Auswahl der ersten Tranche von Instituten, die einen SREP-Zuschlag erhalten, wurde anhand der durch die EZB eingestuften LSIs mit hoher Priorität, auf Basis der internen Risikoeinstufung der deutschen Aufsichtsbehörden sowie basierend auf den Ergebnissen der im Jahre 2015 vorgenommenen Niedrigzinsumfrage vorgenommen. Ergänzend wurden weitere Ausschluss- und Einschlusskriterien herangezogen, um so explizit eine Stigmatisierung der Institute der ersten Tranche von Instituten mit SREP-Zuschlag zu vermeiden.

Der SREP-Zuschlag soll für eine Dauer von maximal drei Jahren festgelegt werden. Zur SREP-Einstufung will sich die BaFin im Wesentlichen an bereits vorliegenden Informationen orientieren (z.B. aus dem Meldewesen) und vorerst keine neuen Informationsanforderungen an die Institute stellen.

Nach derzeitigen Kenntnisstand arbeitet auch die EZB an einem SREP für LSIs, welcher ab 2018 einheitliche Anwendung finden soll. Der nationale SREP wird somit wahrscheinlich bis zur Ablösung nur als Zwischenlösung für die deutschen nicht direkt von der EZB beaufsichtigen Institute sowie die nationale Aufsicht dienen.

Nationale Methodik zur Festlegung des SREP-Zuschlags

Auch das von BaFin und Deutsche Bundesbank ausgearbeitete Konzept eines SREP für die nicht direkt von der EZB beaufsichtigten Institute beruht auf den Leitlinien der EBA. Methodische Grundlage der Kapitalfestsetzung ist wie beim SREP der EZB für die bedeutenden Institute der Säule 1-Plus-Ansatz. Im Gegensatz zum EZB-SREP soll nach Darstellung der BaFin der nationale SREP jedoch deutlich transparenter ausgestaltet werden und insbesondere auch die Nachvollziehbarkeit der Berechnung des SREP-Kapitalzuschlags möglich sein.

Der SREP Kapitalzuschlag wird demnach aus zwei Komponenten bestehen:

  • Die erste Komponente ist der Risikoteil. Hier wird das Zinsänderungsrisiko im Bankbuch auf Basis des Basler Zinsschocks (dabei ist der Risiko-Anteil des Zinsschocks, d.h. ca. die Hälfte der negativen Barwertänderung, mit Kapital zu unterlegen) sowie weitere wesentliche Risiken auf Basis des Risikotragfähigkeits­konzepts des Instituts betrachtet. Gegebenenfalls werden hier noch weitere, bankindividuelle Kapitalzuschläge für weitere institutsspezifische, wesentliche Risiken und/oder Governance-, Kontroll- oder Modellschwächen berücksichtigt. Der Vollständigkeit halber sei hier auch erwähnt, dass die BaFin im 2. Halbjahr 2016 für diejenigen Institute, für die die Aufsicht im Jahr 2016 keinen SREP-Zuschlag festgelegt haben wird, eine Allgemeinverfügung zur Kapitalunterlegung der Zinsänderungsrisiken im Anlagebuch bekannt geben wird.
  • Die zweite Komponente ist der Stressteil, welcher auf den Ergebnissen zur 2015 durchgeführten Umfrage zum Niedrigzinsumfeld basiert. Die in diesem Kontext relevanten Stressszenarien sind der positive Zinsschock (+ 200 BP), der zweite Kreditrisiko-Stresstest (angenommene Veränderung der Ausfallwahrscheinlichkeiten um 155% und Wertabschlag bei den Sicherheiten um 20%) sowie der Marktrisiko-Stresstest. Der Risikoteil des SREP-Zuschlags ist eine harte Kapitalanforderung, die jederzeit einzuhalten ist. Der Stressteil ist eine weiche Kapitalanforderung, die gemäß den Aussagen der Aufsicht den Charakter einer Frühwarnschwelle hat. Eine Unterschreitung ist daher möglich, soll aber im Gegenzug zu einer Erhöhung der Aufsichtsintensität führen.

SREP Kapitalfestsetzung

Der Bucket-Ansatz zur Festsetzung der Kapitalanforderungen

Der vorgeschlagene Bucket-Ansatz soll sowohl bei der Festlegung der „harten“ Kapital­anforderungen aus dem Risikoteil als auch bei Festlegung der „weichen“ Kapitalanforde­rungen aus dem Stressteil zum Einsatz kommen. Ziel der deutschen Aufsicht war es, eine weitgehend automatisierte und damit transparente Berechnungssystematik zur Festlegung des SREP-Zuschlags zu entwickeln.

Die grundsätzliche Funktionsweise des Bucket-Ansatzes für den Risikoteil beruht auf einer Einstufung der beurteilten Institute in einer zweidimensionalen Matrix, in der von der Aufsicht neben der (quantitativen) Risikohöhe das (qualitative) Risikomanage­ment bzw. Risikocontrolling der betrachteten Risikoart beurteilt wird; d.h. es erfolgt eine aufsichtliche Beurteilung der Qualität der Methoden, Prozesse und Governance im Risikomanagement bezogen auf die jeweilige Risikoart. Grundlage dieser Beurteilung wird in erster Linie der ICAAP sein. Hier rückt insbesondere auch die Funktion des ICAAP als Steuerungs- und Überwachungsinstrument in den Vordergrund, welche deutlich über den klassischen Begriff des Risikotragfähigkeitskonzepts hinausgeht.

Der Bucket-Ansatz für den Stressteil betrachtet den GuV-Effekt der ausgewählten Stress­szenarien aus der Niedrigzinsumfrage in Relation zu den risikogewichteten Aktiva des Instituts.

Ausblick

Die vorangegangen Betrachtungen zeigen, dass die Entwicklung eines nationalen Konzepts zum SREP und hier insbesondere die Methodik zur individuellen Kapitalfestsetzung weit fortgeschritten sind. Auch wenn BaFin und Deutsche Bundesbank grundsätzlich aktuell keine unmittelbar neuen Informationsanforderungen mit ihrem SREP-Konzept verknüpfen, ist angesichts der Themen, die im aufsichtlichen Fokus stehen, mittelfristig doch mit zum Teil signifikanten Änderungen der aufsichtsrechtlichen Rahmenbedingungen und – darauf basierend – einer veränderten Erwartungshaltung der Aufsicht zur rechnen.

In diesem Zusammenhang kristallisieren sich derzeit insbesondere zwei große Themenblöcke heraus:

  • Risikotragfähigkeitskonzepte

Die institutsindividuelle Ausgestaltung des Risikotragfähigkeitskonzeptes, die verwendeten Methoden und insbesondere die damit zusammenhängende Governance und Prozesse sind die wesentliche Grundlage zur Beurteilung der Höhe weiterer Risiken in den Instituten sowie insbesondere auch zur Beurteilung der Qualität des damit zusammenhängenden Risikomanagements.

Die bisher in Deutschland praktizierten Verfahren sind im europäischen Kontext in die Kritik geraten und lassen sich darüber hinaus nur teilweise auf den von der Aufsicht verwendeten Säule 1-Plus-Ansatz überleiten. Daher soll es ab Herbst 2016 auf nationaler Ebene erste Verlautbarungen zur zukünftigen Ausgestaltung der Risikotragfähigkeit und Berücksichtigung der SREP-Kapitalzuschläge und Ergebnisse geben. Aktuell soll der SREP-Zuschlag in der RTF als regulatorische Nebenbedingung berücksichtigt werden, wobei dies aber im Normalfall nicht dazu führen soll, dass Institute nicht mehr risikotragfähig sind.

  • Zinsänderungsrisiken im Anlagebuch

Sowohl auf nationaler Ebene (SREP-Zuschlag sowie Allgemeinverfügung der BaFin) als auch auf internationaler Ebene (Papier des Basler Ausschusses zum Zins­änderungs­risiko im Anlagebuch vom 21. April 2016) steigen die Erwartungen an das Management und die Unterlegung des Zinsänderungsrisikos. So ist hier auch anzunehmen, dass die Aufsicht in 2017 in diesem Zusammenhang eine neue Niedrigzinsumfrage initiieren wird.

Haben Sie weitere Fragen oder sehen Sie Diskussionsbedarf? Wir stehen Ihnen hierbei gern zur Seite.

WP Matthias Eisert

Telefon    +49 69 9585 2269

Mobil       +49 160 895 3260

matthias.eisert@de.pwc.com

Alexander Kottmann

Telefon    +49 30 2636 5018

Mobil       +49 170 473 8250

alexander.kottmann@de.pwc.com

WP Dieter Lienland

Telefon    +49 211 981 4929

Mobil       +49 171 553 2631

dieter.lienland@de.pwc.com

Sebastian Ehlert

Telefon    +49 40 6378 2445

Mobil       +49 151 1483 6275

sebastian.ehlert@de.pwc.com

 

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

/* */