Zusammenfassung EBA/GL/2020/02 – Leitlinien zu gesetzlichen Moratorien und Moratorien ohne Gesetzesform für Darlehenszahlungen vor dem Hintergrund der COVID-19-Krise

Die Guideline bezieht sich auf die Anwendung der Ausfalldefinition gem. Art. 178 und Art 47b der Verordnung (EU) Nr. 575/2013. Die Guideline ist ab dem 02.04.2020 gültig.

1.      Behandlung von Zahlungsmoratorien

In Sinne der GL sind allgemeine Moratorien gemeint, die dem jeweiligen nationalem Recht genügen, und/ oder die zusammen mit anderen Behörden geplant und durchgeführt werden. Der springende Punkt ist dabei, dass sich das Moratorium nicht auf einzelne Schuldner, sondern auf Schuldnergruppen bezieht und das Moratorium nicht ausschließlich auf Kreditnehmer verwendet wird, welche vor der Corona-Krise schon im Zahlungsverzug waren. Dabei ist es unerheblich ob bei einer breiten Schuldnergruppe (z.B. schlechtes Rating) lediglich ein einzelner Schuldner das Moratorium in Anspruch nimmt oder alle. Die GL konkretisiert obiges in 5 kumulativ zu erfüllenden Bedingungen.

2.     Einstufung als „Stundung“

Wird solch ein allgemeines Zahlungsmoratorium in Anspruch genommen, soll dies nicht dazu führen, die Risikoposition als Stundungsmaßnahme zu klassifizieren. Eine Ausnahme bildet der Fall, dass die Risikoposition schon zuvor als Stundungsmaßnahme unterliegend eingestuft wurde. Dies betrifft insb. Art. 47b und Art. 178 Abs. 3 b der Verordnung (EU) Nr. 575/2013.

Bei einem neuen Kredit an Schuldnern, die das allg. Zahlungsmoratorium in Anspruch nehmen, muss dies nicht dazu führen, eine Risikoposition als Stundungsmaßnahme zu klassifizieren. Die Einstufung soll jedoch im Einzelfall geprüft werden.

3.     Anwendung der Ausfalldefinition auf Risikopositionen, die Zahlungsmoratorien unterliegen

Erfüllt ein allgemeines Zahlungsmoratorien die oben genannten Voraussetzungen, sind die Past-Due Zählungen gemäß EBA/GL/2016/07 (16-18) angepasst, dann sollen die Tage, die das Moratorium hinzugibt hinzugerechnet werden (Siehe Beispiel). Die Beurteilung, ob der Schuldner doch noch in Zahlungsschwierigkeiten kommt, soll durch das Institut weiterhin durchgeführt werden. Bei manuellen Auswertungen sollen die Kreditnehmer priorisiert behandelt werden, welche durch Covid-19 am stärksten betroffen sind. Nach Auslaufen des Moratoriums sollen die Schuldner geprüft werden, welche kurz danach in Zahlungsschwierigkeiten geraten oder auf die Stundungsmaßnahmen angefordert werden. Stehen dem Schuldner zusätzliche Maßnahmen (z.B. seitens der Behörden) zu so sind diese für die Ausfallswahrscheinlichkeit zu betrachten. Dies gilt unabhängig von etwaigen Garantieleistungen Dritter oder andere Risikominimierende Formen (Anm. d. Autors CDS). [1]

4.     Dokumentation und Mitteilungen

Wird ein Moratorium ohne Gesetzesform angewendet so sollen diese den nationalen Behörden angezeigt werden. Entsprechende (ab wann, Auswahlkriterien, Anzahl und Summe der Risikopositionswerte, Bedingungen für Moratorium und Verteilung der Schuldner/ Risikopositionen auf Ratingstufen). [Es werden Anforderungen für die nationalen Behörden genannt]. Institute müssen jederzeit Informationen zur eindeutigen Identifikation der Schuldner für die das Moratorium angeboten bzw. angewandt wurde. Ebenso auf die Beträge die ausgesetzt, aufgeschoben oder verringert wurden sowie die wirtschaftlichen Verluste aus den Moratorien.

 

Gerne tauschen wir uns persönlich mit Ihnen aus. Sprechen Sie uns gerne an.

Stephan Lutz

Telefon    +49 69 9585 2697

Mobil       +49 151 146 23538

stephan.x.lutz@pwc.com

Nadine Mbenda

Telefon    +49 69 9585 3377

Mobil       +49 151 142 81926

nadine.mbenda@pwc.com

 Christian Heine

Telefon    +49 69 9585 6618

Mobil       +49 151 105 06202

christian.heine@pwc.com

[1] Artikel 178 Schuldnerausfall: Der Ausfall eines bestimmten Schuldners gilt als gegeben, wenn einer oder beide der folgenden Fälle eingetreten sind:

(1) […] b) eine wesentliche Verbindlichkeit des Schuldners gegenüber dem Institut, seinem Mutterunternehmen oder einem seiner Tochterunternehmen ist mehr als 90 Tage überfällig. Die zuständigen Behörden dürfen für durch Wohnimmobilien oder für durch Gewerbeimmobilien von KMU besicherte Risikopositionen der Risikopositionsklasse „Mengengeschäft“ und für Risikopositionen gegenüber öffentlichen Stellen den Zeitraum von 90 Tagen durch 180 Tage ersetzen. Der Zeitraum von 180 Tagen gilt nicht für die Zwecke des Artikels 36 Absatz 1 Buchstabe m oder des Artikels 127. […]

(2) Für die Zwecke von Absatz 1 Buchstabe b gilt Folgendes: […] e) die Institute verfügen über schriftlich niedergelegte Grundsätze für die Zählung von Verzugstagen, insbesondere für das Zurücksetzen („Re-ageing“) der Kreditfazilitäten und die Gewährung von Verlängerungen, Änderungen oder Zahlungsaufschüben, Erneuerungen und die Verrechnung bestehender Konten. Diese Grundsätze werden im Zeitverlauf konsistent angewandt und stehen mit dem internen Risikomanagement und dem internen Entscheidungsprozess des Instituts in Einklang.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

/* */