EZB veröffentlicht finale Fassung der Leitfäden zu ICAAP und ILAAP

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat die für das zweite Halbjahr 2018 erwarteten Endfassungen der ICAAP- und ILAAP-Leitfäden am 9. November 2018 veröffentlicht.

Im Vergleich zu den Entwürfen (vgl. Blogeintrag vom 12. März 2018) wurden vor allem die Begrifflichkeiten geschärft und inhaltliche Klarstellung getroffen. Dies hat beispielsweise dazu geführt, dass sich die Bezeichnung der Grundsätze in der deutschen Übersetzung leicht verändert hat.

Übergreifend betont die EZB, dass die Darstellungen in den Leitfäden lediglich als Ausgangsbasis für den aufsichtlichen Dialog mit den Kreditinstituten verstanden werden dürfen und damit auch keine umfassende und abschließende Betrachtung sämtlicher Aspekte in ICAAP und ILAAP darstellen können. Die Verantwortung für die Umsetzung verbleibt bei den Instituten, die den Grundsatz der Proportionalität nicht zu Lasten der Wirksamkeit des ICAAPs bzw. des ILAAPs auslegen dürfen.

Im Folgenden stellen wir die wesentlichen Konkretisierungen und Ergänzungen in den Grundsätzen jeweils für ICAAP und ILAAP dar:

Grundsatz 1 – Das Leitungsorgan ist für eine solide Governance des ICAAP verantwortlich / Das Leitungsorgan ist für eine solide Governance des ILAAP verantwortlich

Die hohe Bedeutung der Governance inkl. der Dokumentation der entsprechenden Regelungen wird nochmals hervorgehoben. So soll aus der internen Governance u.a. hervorgehen, dass die zentralen Elemente des ICAAP und des ILAAP durch das Leitungsorgan genehmigt werden. Außerdem wurde ergänzt, dass die Institute über angemessene Leitlinien und Verfahren zur internen Überprüfung und Validierung verfügen müssen. So soll z.B. für den ICAAP und für den ILAAP im Rahmen eines „Backtesting“ überprüft werden, ob die internen Prozesse sowie die gewählten Methoden und Annahmen zu soliden Ergebnissen geführt haben. Die EZB erläutert, dass die Überprüfung des ICAAP und des ILAAP je nach Art des überprüften Aspekts qualitativ als auch quantitativ erfolgen kann. Die Ergebnisse dieser Überprüfung sollen sorgfältig ausgewertet, dokumentiert und dem Leitungsorgan vorgelegt werden. Die interne Überprüfung soll unter Einhaltung der Funktionstrennung durch die drei Verteidigungslinien entsprechend ihrer Aufgaben und Zuständigkeiten vorgenommen werden (Vgl. EBA-Leitlinien zur Internen Governance EBA/GL/2017/11).

Grundsatz 2 – Der ICAAP ist integraler Bestandteil des Gesamtsteuerungsrahmens / Der ILAAP ist integraler Bestandteil des Gesamtsteuerungsrahmens

Der Grundsatz verweist auf die Konsistenz und Kohärenz zwischen ICAAP bzw. ILAAP und den Sanierungsplänen und spricht von einer „Gesamtarchitektur“, die sich in der Arbeitsweise des Instituts sowie der Dokumentation widerspiegelt und für die das Leitungsorgan verantwortlich ist. Alle Elemente sollen Teil desselben Risikomanagement-Rahmens sein und damit z.B. Schwellenwerte, Frühwarnsystem und Indikatoren untereinander und damit auch zum Sanierungsplan abgestimmt sein. Der ICAAP bzw. ILAAP sollte die Kapital- bzw. Liquiditätsausstattung so steuern, dass die im Sanierungsplan festgelegten Schwellenwerte für Kapitalindikatoren und Liquiditätsindikatoren stets um eine ordentliche Sicherheitsmarge („prudent margin“) übertroffen werden.

Die EZB hat das Zusammenspiel zwischen ICAAP und Sanierungsplan am Beispiel 2.1 verdeutlicht. Sollte ein Institut sowohl im ICAAP als auch im Sanierungsplan von den gleichen Maßnahmen ausgehen, so kann durch die Doppelbetrachtung die Gesamtsanierungskapazität überschätzt werden. Ein weiterer Zusammenhang ergibt sich beim Reverse Stresstest. Dieser soll im ICAAP und im ILAAP als Ausgangspunkt für die Entwicklung von Szenarien im Sanierungsplan in Erwägung gezogen werden.

Grundsatz 3 – Der ICAAP trägt wesentlich zum Fortbestand der Institute bei, indem er die Angemessenheit ihrer Kapitalausstattung aus verschiedenen Perspektiven sicherstellt / Der ILAAP trägt wesentlich zum Fortbestand der Institute bei, indem er die Angemessenheit ihrer Liquiditätsausstattung aus verschiedenen Perspektiven sicherstellt

Die EZB stellt für den ICAAP und den ILAAP dar, dass in der normativen Perspektive allen regulatorischen und aufsichtlichen Kapital- und Liquiditätsanforderungen und – vorgaben sowie sonstigen externen finanziellen Zwängen mittelfristig stets Rechnung getragen werden soll. Grundannahme sowohl der normativen als auch der ökonomischen Perspektive ist die Fortführung des Instituts.

Sowohl für den Kapital- (ICAAP) als auch den Liquiditäts- und Refinanzierungsplan (ILAAP) soll für die normative interne Perspektive eine Planung mindestens für die nächsten 3 Jahre erarbeitet werden. Dabei sollen alle relevanten Informationen aus den ökonomischen Perspektiven, die sich in der Kapital- und Liquiditätsplanung niederschlagen, Berücksichtigung finden. So soll beispielsweise in der Kapitalplanung auch die Höhe der künftigen Säule-2-Kapital-Anforderungen (P2R) und Empfehlungen (P2G) berücksichtigt werden und zwar als „extern bestimmter Wert“ mindestens in Höhe des aktuellen Wertes – es sei denn es liegen anderweitige Informationen vor.

Für den ICAAP wurden die Ausführungen zur ökonomischen Perspektive umfassend erweitert. So wird dargestellt, dass die Ergebnisse der Betrachtung nicht von Vorschriften der Rechnungslegung bzw. des Aufsichtsrechts abhängig sind – Ziel ist es den „wirtschaftlichen Wert“ sowohl für das Kapital als auch die Risiken zu betrachten. Die Risikobetrachtung findet in dieser Perspektive zeitpunktbezogen statt. In der Darstellung im Leitfaden wurden alle drei Beispiele zum ICAAP erheblich erweitert. So wird beispielsweise ausgeführt, dass Managementpuffer sich zwischen Instituten erheblich unterscheiden und innerhalb eines Szenarios mit der Zeit variieren können. Ein adverses Szenario kann marktweite oder idiosynkratrische Belastungen darstellen.

Grundsatz 4 – Alle wesentlichen Risiken werden im ICAAP identifiziert und berücksichtigt /Alle wesentlichen Risiken werden im ILAAP identifiziert und berücksichtigt

Sowohl für den ICAAP- als auch für den ILAAP wird präzisiert, dass das Risikoinventar bzw. das Risikouniversum in der Verantwortung der Institute liegt und damit die Darstellung in den beiden Leitfäden nicht abschließend ist.

Grundsatz 5 – Das interne Kapital ist von hoher Qualität und eindeutig definiert / Die internen Liquiditätspuffer sind von hoher Qualität und klar definiert; die stabilen internen Refinanzierungsquellen sind klar definiert

Sowohl für den ICAAP als auch für den ILAAP wird nochmal betont, dass sowohl das Kapital bzw. der Liquiditätspuffer von hoher Qualität sowie eindeutig definiert sind.

Für den ICAAP wird konkretisiert, welche Anpassungen nötig sind, um das Kapital mit dem Konzept des wirtschaftlichen Wertes in Einklang zu bringen. Die EZB erwartet, dass in der Regel sämtliche Bilanzpositionen, die unter der Annahme der Fortführung des Instituts nicht zur Verlustdeckung zur Verfügung stehen (einschließlich Tier 2-Kapitalinstrumente und latente Steueransprüche), von den regulatorischen Eigenmitteln abgezogen werden (siehe Beispiel 5.1). Für das Konzept des wirtschaftlichen Wertes sieht die EZB keine bestimmte Methodik vor, sondern spricht von einer „Orientierung“.

Beim ILAAP liegt die Betonung auf einer umsichtig und konservativ ermittelten Liquiditätsausstattung.

Grundsatz 6 – Die Risikoquantifizierungsmethoden im ICAAP sind angemessen und konsistent und werden unabhängig validiert / Die Risikoquantifizierungsmethoden im ILAAP sind angemessen und konsistent und werden unabhängig validiert

Die Risikoquantifizierung für ICAAP und ILAAP soll konservativ sein.

Anhand des ICAAPs wird ausgeführt, dass für verschiedene Zielsetzungen unterschiedliche Konservativitätsgrade Anwendung finden können – beispielsweise bei der Risikomessung abweichend von der Preiskalkulation.

Neu in den Darstellungen zum ILAAP ist, dass der Grad der Konservativität erhöht werden muss, sofern Unsicherheiten in den Risikoquantifizierungsmethoden vorliegen. Dieses Prinzip war beim ICAAP vorher schon kodifiziert.

Grundsatz 6 konkretisiert daneben, was die EZB unter „interner Validierung“ versteht. Es bedeutet nicht, dass die Validierung selbst durch das Institut durchgeführt werden muss, sondern dass die Verantwortung für die Durchführung und die Ergebnisse bei der Bank verbleibt.

Grundsatz 7 – Regelmäßige Stresstests sollen die Angemessenheit der Kapitalausstattung unter adversen Bedingungen sicherstellen / Regelmäßige Stresstests sollen die Angemessenheit der Liquiditätsausstattung unter adversen Bedingungen sicherstellen

Sowohl für den ICAAP als auch für den ILAAP gilt, dass die Institute Ihren wesentlichen Anfälligkeiten bei der Festlegung der Stresstest-Szenarien Rechnung tragen sollen.

Die EZB erwartet bei den Stresstestaktivitäten im Rahmender ökonomischen Perspektive im ICAAP allerdings kein mehrjähriges Szenario nach Grundsatz 3. Außerdem müssen nicht dieselben Stresstest-Szenarien in den beiden Perspektiven Anwendung finden. Die ökonomische und die normative Perspektive sollen einander informieren, was allerdings nicht bedeutet, dass Projektionen eins-zu-eins wiederholt werden.

Für den ILAAP wird nun ausgeführt, dass die normative Perspektive im Stresstestprogramm z.B. dadurch abgedeckt wird, dass die Auswirkungen der jeweiligen Stresstestergebnisse auf die auf die Entwicklung der aufsichtsrechtlichen Quoten (z.B. die LCR) analysiert werden.

Fazit

Mit der finalen Veröffentlichung der sieben Grundsätze zum ICAAP und ILAAP verfolgt die EZB den eingeschlagenen Weg weiter. Sie bleibt in weiten Teilen bei der allgemeinen und übergreifenden Darstellung Ihrer Zeile und Forderungen, auch wenn im Vergleich zum Entwurf zahlreiche hilfreiche Ergänzungen insb. mit den Beispielen eingearbeitet wurden.

Damit steht den Instituten einerseits ein gewisser Ermessensspielraum zur Verfügung, andererseits bleibt eine gewisse Unsicherheit im Hinblick auf die Erfüllung der Erwartungen der Aufsicht.

Um Ihnen einen kompakten und umfassenden Überblick zum ICAAP und ILAAP zu geben, haben wir ein neues Poster für Sie erstellt: „Die sieben Grundsätze zum ICAAP & ILAAP auf einen Blick!“

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