Überblick zur EBA Opinion zu CVA

Am 25. Februar 2015 hat die European Banking Authority (EBA) ihren Report on Credit Valuation Adjustment (CVA) und die darauf basierende Opinion on CVA risk (EBA/Op/2015/02) veröffentlicht.


Hintergrund


Das Credit Valuation Adjustment (CVA) ist ein Bewertungsabschlag für OTC-Derivate und gibt an, wie groß die Wertminderung des risikofreien Fair Values eines Derivats durch den potentiellen Ausfall des Kontrahenten ist. Die CRR sieht vor, dass das Risiko der Erhöhung des CVA durch Änderungen des Credit Spreads des Kontrahenten (CVA Risiko), mit Eigenmitteln zu unterlegen ist. Um dieses Risiko zu quantifizieren ist die so genannte CVA Risk Capital Charge zu berechnen. Dieser Betrag kann entweder nach dem Standardansatz oder dem Advanced Approach berechnet werden.

In der Vergangenheit wurde oft kritisiert, dass die Berechnung der CVA Risk Capital Charge zu konservativ sei und nicht die internen CVA Risiken der Institute widerspiegelt. So sei beispielsweise die Berechnung nicht mit den Ergebnissen der bankinternen CVA Pricing Modelle konsistent.

Die EBA ist durch Artikel 456 (2) CRR mandatiert worden, den Eigenmittelbedarf aus CVA Risiken zu überwachen und hierüber an die Europäische Kommission zu berichten. Der Bericht sollte insbesondere folgende Themen untersuchen:

  • Die Betrachtung des CVA Risikos als separates Risiko oder als integrierte Komponente des Markt-Risiko Rahmenwerks
  • Den Anwendungsbereich der CVA Risk Charge unter Einbezug der Ausnahmen in Artikel 482 CRR
  • Anerkennungsfähige Hedges
  • Die Berechnung der Kapitalanforderungen für CVA Risiken.

Dieser Bericht der EBA liegt nun vor. Neben der Erstellung des Berichts hat die EBA zum einen die Anwendung von CVA Risk Charges bei sog. Non-financial Counterparties (NFCs) in Drittländern untersucht und zum anderen eine Datenerhebung in Q2-Q3 2014 bei europäischen Banken, die über ein umfangreiches Derivateportfolio verfügen, durchgeführt. Als Ergebnis dieser Tätigkeiten hat die EBA 16 Empfehlungen zu den oben genannten Themen formuliert:

 

 a) Empfehlungen zur separaten versus integrierten Betrachtung des CVA Risikos


Das derzeitige CVA Risk Charge-Rahmenwerk bildet eine alleinstehende Eigenkapitalforderung, die nur die CVA Variabilität aus dem Credit Spread-Risiko berücksichtigt. Die EBA empfiehlt, dass die Europäische Kommission bei ihrer grundsätzlichen Prüfung der Risikoabbildung des Handelsbuchs u.a. Möglichkeiten zur Eingliederung des CVA-Risikos in das Marktrisiko Rahmenwerk entwickelt. Die Eingliederung des CVA Risikos in das Marktpreisrisiko berücksichtigt, dass das CVA mittlerweile generell als Adjustment für den Fair Value von Derivaten behandelt wird. So hat sich auch die Ermittlung des CVA Adjustments – nicht zuletzt durch die Vorschriften der Prudent Valuation – deutlich vereinheitlicht. Hedges, die im Rahmen des Marktpreisrisikos verwendet werden, sollen dabei als anerkennungsfähige Hedges zulässig sein. Institute, die einen Advanced Approach verwenden, sollen ihre internen CVA-Pricing-Modelle auch für das CVA-Risiko einsetzen dürfen. Hierzu ist allerdings eine Genehmigung erforderlich, die an qualitative und quantitative Voraussetzungen gebunden ist.

 

b) Empfehlungen zum Anwendungsbereich


Sechs Empfehlungen betreffen den Anwendungsbereich der CVA Risk Charge. So sollen u.a. börsengehandelte Derivate in den Anwendungsbereich aufgenommen werden.

Ein wesentlicher Punkt der Empfehlungen betrifft die Ausnahmeregelungen zur CVA Risk Capital Charge der EU, die in der CRR geregelt sind. Bisher dürfen nach Artikel 382 (3) CRR Geschäfte, die über ein Clearingmember abgeschlossen werden, sowohl beim Clearingmember als auch beim Kunden von der CVA Risk Capital Charge ausgenommen werden. Artikel 382 (4) CRR nennt weitere Ausnahmen, die sich insbesondere auf Non Financial Counterparties (NFCs) und gruppeninterne Geschäfte beziehen.

Die Analyse der EBA hat gezeigt, dass ein Großteil des CVA Risikos der an der Erhebung beteiligten Banken auf NFCs entfällt, für die jedoch kein CVA Risk Charge zu bilden ist.

Die EBA empfiehlt daher, dass sämtliche Ausnahmen der EU erneut überprüft werden, da die CVA Risiken, die von durch die EU freigestellten Kontrahenten erzeugt werden, wesentlich sein können und „prudent“ erfasst werden sollten. Weiterhin empfiehlt die EBA, dass jährlich überwacht werden soll, welche Auswirkungen die Ausnahmen von der CVA Risk Charge haben. Für den SREP (Supervisory Review and Evaluation Process) sollen Regelungen entwickelt werden, wann exzessive CVA Risiken vorliegen und wie diese bewertet werden. Die Überarbeitung der Ausnahmeregelungen des Artikels 382 (3) CRR sollte aber nach Auffassung der EBA so erfolgen, dass auch zukünftig ein indirektes Clearing vorteilhafter ist als der Abschluss von bilateralen Handelsgeschäften.

 

c) Empfehlungen zu anerkennungsfähigen Hedges


Bezüglich anerkennungsfähiger Hedges empfiehlt die EBA, dass unter dem Standardansatz nur noch Single Name CDS, CLN und Indizes als Hedges anerkannt werden sollen. Im Advanced Approach dagegen sollen alle Kreditderivate aus dem entsprechenden Anwendungsbereich des Marktrisikos unter Ausschluss der Instrumente aus Artikel 386 (2) CRR anerkannt werden.

 

d) Empfehlungen zur Berechnung der CVA Risk Charge


Sieben Empfehlungen betreffen die Berechnung der jeweiligen Kapitalanforderung.

Dabei empfiehlt die EBA unter anderem, für solche Kontrahenten, für die keine geeignete Zeitreihe der Credit Spreads existiert, einen alternativen Ansatz zur Proxy Spread Methode zuzulassen, der auf einer fundamentalen Analyse des Kreditrisikos beruht. Die Voraussetzung hierfür sind, dass das Fehlen der Zeitreihe nachgewiesen werden kann sowie das Vorliegen einer entsprechenden Dokumentation. Die EBA stellt in diesem Zusammenhang auch noch einmal klar, dass die CRR keine einheitliche Proxy Spread Methode für Marktpreisrisiko und CVA Risiko fordert.

Sofern der Zeitraum, welcher der Berechnung des Stressed VaR zugrunde liegt, keine Daten aus dem Zeitraum der Finanzmarktkrise (Q2 2008 bis Q2 2009) enthält, sollte der Multiplikator für das Stressed VaR auf einen Wert größer als 3 gesetzt werden.

 

e) Weitere Empfehlungen


Es gibt bereits existierende Vorschriften, inwieweit NFCs, die in der EU ansässig sind, in der CVA Risk Charge zu berücksichtigen sind, bzw. ob diese ausgeschlossen werden dürfen. Die EBA empfiehlt, diese Vorschriften auch auf NFCs in Drittländern auszuweiten.

 

Fazit


Die Integration des CVA-Risikos in das Marktpreisrisiko sowie die Ausweitung des Anwendungsbereichs der CVA-Risk Capital Charge unter Verzicht auf derzeit bestehende Ausnahmeregelungen stellen die größten Änderungen im Rahmen dieser Empfehlungen dar. Dies gilt insbesondere dann, wenn die Ausweitung des Anwendungsbereichs zu einer deutlichen Erhöhung der CVA-Risk Capital Charge führt

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