FinTechs – Herausforderungen und Möglichkeiten

Technologiegetriebene Start-ups „FinTechs“ setzen an verschiedenen Stellen der Wertschöpfungskette an, um sich auch bei den Geschäften und Kunden der traditionellen Finanzbranche zu etablieren. Zwar hat die etablierte Finanzbranche das Internet schon frühzeitig als Vertriebskanal für sich entdeckt, z.B. das Online Banking, doch der digitale Wandel geht noch sehr viel weiter. So versucht die Finanzbranche derzeit den teilweise späten Start in die digitale Zukunft, z.B. durch die Anpassung der Geschäftsmodelle und Dienstleistungsangebote, aufzuholen.

Was sind FinTechs und wie agieren sie?

FinTechs – häufig IT-Start-ups – ermöglichen die Bereitstellung von Financial Services durch entsprechende potenziell disruptive Technologien. In jüngster Zeit hat sich die Anzahl der FinTechs rasant von gezählten 40 im Jahr 2013 auf über 140 im Jahr 2014 entwickelt[1]. Die traditionelle Finanzbranche sah den Markteintritt zunächst vermehrt als kurzfristigen Trend, anstatt diese Start-ups als ernsthafte Gefahr zu betrachten. Doch diese Unternehmen müssen im Zeitalter der Digitalisierung und Automatisierung als zunehmende Konkurrenz der Kreditinstitute wahrgenommen werden und es sollte dem Wandel adäquat begegnet werden.

Die Geschäftsmodelle der FinTechs etablieren sich insbesondere in den Bereichen Zahlungstransaktionen, persönliches Finanzmanagement, Asset & Wealth Management, Kreditvergabe und Versicherungen – dies sind auch primäre Ertragssäulen der klassischen Finanzbranche.

So hat beispielsweise eine Berliner Firma eine „App“ im Bereich Zahlungstransaktionen entwickelt mit der angemeldete Kunden bis zu 100 Euro pro Monat von Handy zu Handy überweisen können. Jede Überweisung kostet den Absender 10 Cent, das Empfangen von Geld ist kostenfrei. Das System selbst hat keine Banklizenz. Die Zahlungen wickelt eine Bank ab.

Ein weiteres Beispiel, im Bereich persönliches Finanzmanagement, bildet eine Firma aus dem Siegerland ab. Dieses Unternehmen bietet angemeldeten Kunden kostenlos die Möglichkeit Konten bei verschiedenen Banken über entsprechende Schnittstellen auf einer Plattform zu verwalten. Diese Online-Services beinhalten u.a. Überweisungen, Daueraufträge und Kontostände. Grafische Aufbereitungen helfen zudem eine Übersicht über die Einnahmen und Ausgaben zu behalten, ohne das mühsame Führen eines Haushaltsbuches. Die Plattform verfügt über keine Banklizenz.

Im Bereich Asset & Wealth Management macht es beispielsweise eine Frankfurter Firma möglich mit drei „Mausklicks“ Geld einfach anzulegen. Die persönlichen Sparziele der Kunden sollen in den Mittelpunkt gestellt werden und ein intelligentes Kontrollsystem hilft, die Ziele auch tatsächlich zu erreichen. Zur Depotführung und Transaktionsabwicklung kooperiert die Firma wiederum mit einer Bank.

Auch im Bereich der Kreditvergabe haben sich bereits diverse FinTechs unter Nutzung der Vorteile der Informationstechnologien etabliert. Eine Düsseldorfer Firma gilt beispielsweise als einer der größten deutschen Marktplätze für Kredite von Privat an Privat. Das Angebot richtet sich vor allem an Selbständige, Freiberufler oder Arbeitnehmer in der Probezeit, die von Banken oft anhand von bankintern definierten Kriterien von der Kreditvergabe ausgeschlossen werden. Es werden Kredite im Umfang von 1.000 bis 25.000 Euro über die Plattform vergeben, ohne dass der Kreditnehmer nähere Angaben zur Firma bzw. Person geben muss. Das von der Firma durchgeführte Kreditnehmerrating basiert dabei auf Schufa- und Verhaltensdaten. Das tägliche Volumen der vermittelten Kredite liegt seit Februar 2015 gemäß eigener Angaben bei rund einer Million Euro. Für die Kreditabwicklung kooperiert die Firma mit einer Bank.

Eine Berliner GmbH offeriert Versicherungsleistungen – Kunden können über die Plattform der GmbH mit nur wenigen Klicks eine Produktversicherung für mobile und stationäre Elektronik, Möbel, Brillen und Fahrräder im Internet abschließen. Für den Online-Abschluss einer Versicherung genügen die Eingabe der E-Mail-Adresse und eine einzige Angabe zum Produkt. Für die Schadensabwicklung können Versicherungsnehmer eine Beschädigung oder einen Verlust des jeweiligen Versicherungsobjektes rund um die Uhr online melden. Die Gesellschaft sorgt nach der Schadensmeldung für die Reparatur, den Ersatz oder die Erstattung. Diese Versicherungsprodukte stellt die GmbH in Zusammenarbeit mit namhaften Versicherungen unabhängig zur Verfügung.

 

FinTechs_im_Überblick

 

Antworten der Finanzbranche

Einige Häuser der Finanzbranche versuchen den Veränderungen zu begegnen, indem sie ihren Umsatz insbesondere durch die Erschließung von neuen Produkten und neuen Märkten im digitalen Bereich ausbauen. Hierfür haben sich im Wesentlichen folgende nicht immer trennscharfe Strategievarianten entwickelt, die teilweise auch parallel verfolgt werden:

  1. Entwicklung eigener digitaler Angebote
  2. Investition in Fintechs
  3. Kooperation mit Fintechs an verschiedenen Stellen entlang der Wertschöpfungskette.

FinTechs wachsen in einem atemberaubenden Tempo und dringen vermehrt auch in klassische Segmente der Finanzbranche ein. Die traditionelle Finanzbranche muss sich bei der Meisterung der Herausforderungen durch die digitale FinTech-Welt beeilen, um von diesen nicht irgendwann verdrängt zu werden. Gleichzeitig müssen die FinTech-Unternehmen im Rahmen der Zusammenarbeit und Kooperation mit der etablierten Finanzbranche darauf achten, ihren technologischen Wissensvorsprung sowie ihre existierenden Kundenbeziehungen behalten und ausbauen zu können.

Was können wir für sie tun?

PwC hat vielfältigste Erfahrungen im Zusammenhang mit der Digitalisierung von Finanzdienstleistungen gesammelt. Neben der klassischen Dienstleistung einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft wie beispielsweise die Prüfung der Jahresabschlüsse, führen wir vielfältigste Beratungsprojekte durch. Wir unterstützen u.a. bei: aufsichtsrechtlichen Fragestellungen, Abstimmungen mit der Aufsicht, bei Fragen zur Unternehmensbewertung, der Investoren- und Kooperationspartnervermittlung, bei der Entwicklung als auch Programmierung von IT Strukturen für unsere digitalen Lösungen und von Werkzeugen in der Cloud. Das Zusammenspiel unserer Erfahrungen aus der etablierten Finanzbranche und bei FinTechs nutzen wir auch, um beim digitalen Wandel zu unterstützen, z.B. im Rahmen der Entwicklung von Digitalisierungsstrategien.

 

Bei Rückfragen stehen wir gerne zur Verfügung.

Goetz von Kalm

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Matthias Eisert

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[1] http://www.paymentandbanking.com (Stand 12. August 2015)

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