Social Scoring: Neue Möglichkeiten durch die Digitalisierung

Was sagt Ihr Facebookprofil über Ihre Kreditwürdigkeit aus? Wahrscheinlich mehr als Sie denken. Neben bekannten Ratingverfahren von Banken, der Schufa und von Creditreform können auch Daten aus sozialen Netzwerken zur Bonitätsprüfung von natürlichen und/oder juristischen Personen herangezogen werden. Schließlich gibt es kaum noch Menschen ohne Profil in den sozialen Netzwerken.

Wie funktioniert Social Scoring?

Gängige Quellen zur Analyse natürlicher Personen sind u.a. Facebook, Twitter, LinkedIn und Xing. Dazu können einerseits die öffentlich verfügbaren Daten genutzt werden, um das Scoring durchzuführen, andererseits findet auch ein sog. Opt-in Verfahren, bei dem der Kreditnehmer vorab seine Zustimmung dahingehend gibt, dass auch private Teile seiner Daten aus sozialen Netzwerken analysiert werden, praktische Anwendung. Faktoren wie die Anzahl der Freunde bzw. Follower, Bilder und Kommentare werden herangezogen, um sich ein Bild über den Kreditnehmer zu machen. Als zusätzliches Mittel lässt sich die Analyse der Metadaten (Anzahl der Posts, Uhrzeit der Aktivität, etc.) und der Digital Footprint, welcher u.a. angibt mit welchem Endgerät im Internet gesurft wird, heranziehen. Auch Widersprüche in Angaben werden analysiert. Beispielsweise könnte ausgewertet werden, wenn eine Person angibt als Bankberater zu arbeiten, sich aber den Eintragungen nach werktags mit seinem Mobiltelefon von 9:00-18:00 Uhr in einem Kaufhaus ohne Bankfiliale aufhält. Karrierenetzwerke wie Xing oder LinkedIn werden unter anderem dazu genutzt die berufliche Laufbahn und gesammelten Fähigkeiten zu analysieren und für Bonitätseinschätzungen heranzuziehen.

Zur Analyse von juristischen Personen lassen sich die oben genannten Eigenschaften in doppelter Hinsicht nutzen. So kann sowohl die Firma selbst, als auch der Unternehmer bzw. das Management persönlich untersucht werden. Bei den Unternehmen können über die bereits genannten Quellen hinaus, auch Transaktionsdaten oder Kundenreviews aus Vertriebsplattformen wie Amazon und Ebay genutzt werden. Ferner können auch öffentlich zugängliche Daten und Auswertungen der firmeneigenen Internetseite z.B. die Anzahl der Seitenaufrufe ausgewertet werden. Die genannten Parameter lassen sich nahezu beliebig erweitern, um valide statistische Ergebnisse über Aspekte der Bonität des Kreditnehmers zu erhalten.

Der Markt für Social Scoring

Die ersten Social Scoring-Unternehmen wurden Ende des letzten Jahrzehnts gegründet. Mittlerweile füllt sich der Markt stetig mit weiteren Anbietern, was nicht zuletzt an dem großen Wachstumspotential in dem Bereich liegt. Bei den verschiedenen Anbietern sind auch unterschiedliche Geschäftsmodelle zu beobachten. Während einige Betreiber des Social Scoring ihren Bewertungsalgorithmus zur Implementierung in fremde Firmen anbieten, um deren Kreditscoring-Prozess zu verbessern, führen andere das Scoring und die Kreditvergabe aus einer Hand durch. Social Scoring kann damit zum einen in Ergänzung zu bestehenden Ratingverfahren durch ein präziseres Kreditscorings führen als auch als alleiniges Kriterium zur Kreditvergabe dienen. Von letzterem profitieren insbesondere diejenigen, die bisher aufgrund mangelnder vorliegender Informationen keinen Kredit erhalten haben z.B. weil keine entsprechende Schufa/Creditreform Auskunft abrufbar ist.

Zu beobachten ist in den letzten Jahren auch eine große Wachstumsdynamik. Beispielsweise hat ein in Deutschland gegründetes und in vielen europäischen Ländern tätiges Unternehmen innerhalb von drei Jahren seit seiner Gründung akkumuliert Kredite in Höhe von knapp EUR 90 Mio. vergeben. Über den Zeitraum ergab sich eine durchschnittliche monatliche Wachstumsrate von 20% und der angestrebte Umsatz für 2015 lag bei EUR 60 Mio.

Eine weitere börsennotierte europäische Firma, die Mikrokredite auch mit Hilfe von Social Scoring über das Mobiltelefon vergibt, erreichte im März 2015 zwei Millionen registrierte Nutzer. Sie erzielte im Jahr 2014 einen Umsatz von ca. EUR 70 Mio. und hatte im September stichtagsbezogen vergebene Kredite von über EUR 90 Mio. im Bestand.

Das Wachstumspotential lässt sich noch an weiteren Beispielen verdeutlichen, wie etwa einer amerikanischen Firma, welche Kredite auf der Grundlage von Social Scoring an Kleinunternehmer vergibt. Sie verkündete im Oktober 2015, dass sie täglich Kredite in Gesamthöhe von durchschnittlich USD 5 Mio. vergibt. Außerdem wurde jüngst ein Ableger gegründet, welcher Kredite an Privatpersonen vergibt.

Eine weitere Firma, die mittlerweile in den USA, Kanada und Australien Kleinkredite an natürliche und juristische Personen mittels Bonitätsbewertungen, die auch auf Social Scoring-Daten beruhen, vergab im Jahr 2015 Kredite in einer Gesamthöhe von 1,9 Mrd. Dollar.

Das ersichtliche Potential lässt in der Branche viele vergleichbare Firmen in allen Teilen der Welt aufkommen.

Was können wir für Sie tun?

PwC hat vielfältige Erfahrungen mit Ratingverfahren gesammelt. Neben der Optimierung bestehender Ratingverfahren z.B. durch die Ergänzung zusätzlicher Social Scoring Parameter, implementieren wir für neue Märkte und Kundengruppen auch neue bzw. zusätzliche Ratingverfahren. Sie profitieren mit PwC an ihrer Seite nicht nur von jahrzehntelanger Erfahrung im Bereich von Ratingverfahren und den dazugehörigen Prozessen und internen Kontrollen sondern auch von unserer rechtlicher und aufsichtsrechtlichen Expertise, die beim Social Scoring insbesondere im Bereich des Datenschutzes einen hohen Stellenwert einnimmt.

Bei Rückfragen stehen wir gerne zur Verfügung.

 

Goetz von Kalm

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