Kontrahentenrisiko: SA-CCR ersetzt CEM und SM

Zur Messung des Counterparty Credit Risk Exposures bei Derivatetransaktionen bestanden bislang im Wesentlichen zwei Verfahren – „Current Exposure Method“ (CEM) und „Standardised Method“ (SM). Verschiedene Kritikpunkte, u.a. fehlende Differenzierung zwischen margined und unmargined Transaktionen oder die unzureichende Abbildung der Volatilität für Stresszeiträume, haben nunmehr zu einer Überarbeitung der bisherigen Methodik geführt.

In diesem Zuge hat der Baseler Ausschuss ein neues Verfahren „Standardised Approach for Measuring Counterparty Credit Risk Exposure“ (SA-CCR) entwickelt und damit die bisherigen Verfahren CEM und SM ersetzt.

Bestimmung des Credit Risk Exposures über Replacementkosten und Potential Future Exposure

Die Ermittlung des Counterparty Credit Risk Exposure (EAD) erfolgt künftig unter Berücksichtigung eines Skalierungsfaktors (Alpha), der vom Ausschuss auf 1,4 normiert wurde, sowie über die Replacementkosten (RC) und das Potential Future Exposure (PFE)

EAD = Alpha x (RC + PFE)

Replacementkosten bei Transaktionen mit und ohne Margin Zahlung

Die Replacementkosten repräsentieren dabei den nicht-gedeckten bzw. nicht-besicherten Teil der Risikoposition, sprich den gegenwärtigen Marktwert der Transaktionen eines Netting Sets unter Berücksichtigung von bestehenden Sicherheiten.

Sofern allerdings mit Margin-Zahlungen unterlegte Transaktionen bewertet werden, sind zusätzlich zu den Replacementkosten die Faktoren „Independent Collateral Amount“ (ICA) und „Net Independent Collateral Amount“ (NICA) zu berücksichtigen. ICA steht dabei für den Sicherheitenwert im Falle des Ausfalls der Gegenpartei, unabhängig vom Wert der Transaktion, zuzüglich des initial margin collaterals. NICA ist als zusätzliche Sicherheit der Gegenpartei abzüglich weiterer eigener Sicherheiten zu verstehen.

Potential Future Exposure

Das PFE beschreibt die potentielle zukünftige Marktwertänderung der aktuellen Risikoposition bis zum Zeitpunkt der Fälligkeit und somit den möglicherweise zusätzlich entstehenden Verlust. Das PFE beinhaltet zum einen die Berechnung einer Add-on Komponente je Assetklasse innerhalb eines Netting Sets sowie zum anderen die Ermittlung eines „Multiplier“ [0;1], der die Berücksichtigung einer Übersicherung oder eines negativen Marktwertes für die jeweilige Transaktion in einem Netting Set ermöglicht.

Diversifikationseffekte werden insgesamt nicht berücksichtigt.

Der Standardised Approach for Measuring Counterparty Credit Risk wird zum 1. Januar 2017 in Kraft treten, die Übernahme in europäisches bzw. nationales Recht vorausgesetzt.

Weitere Details, u.a. auch Beispielrechnungen zur Ermittlung des EAD für Portfolios aus Zinsderivaten, Commodities, Kreditderivaten, sowie weiteren Portfoliokombinationen, können direkt dem Papier des Baseler Ausschuss entnommen werden – siehe dazu: Finaler Standard BIS

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