Ergänzung zum EZB-Leitfaden für non-performing loans (NPLs)

Die EZB hat am 4. Oktober 2017 eine Konsultation zur Ergänzung ihres am 20. März 2017 veröffentlichten Leitfadens zum Umgang mit notleidenden Krediten (non-performing loans bzw. „NPLs“) gestartet. Darin beschreibt die EZB die aufsichtlichen Erwartungen an die direkt von ihr beaufsichtigten Institute (systemrelevante Institute bzw. „SIs“) hinsichtlich eines Mindestmaßes an aufsichtlicher Risikovorsorge für neue NPLs, also Kredite, die gemäß der Definition der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde (EBA) ab dem 1. Januar 2018 als notleidend eingestuft werden. Die Konsultationsphase endet am 8. Dezember 2017. Am 30. November hatte die EZB eine öffentliche Anhörung zu diesem Thema durchgeführt. Zudem stellt die EZB bis zum Ende des ersten Quartals 2018 weitere Maßnahmen sowie angemessene Übergangsregelungen für den Umgang mit aktuellen NPL-Beständen vor[1].

Nachfolgend beschreiben wir kurz die Inhalte dieser Ergänzung. Einen Gesamtüberblick über die Inhalte des EZB-Leitfadens zu diesem Thema erhalten Sie in unserem Risk-Blogbeitrag „EZB-Leitfaden für non-performing loans (NPLs)“ vom 4. Mai 2017. Zudem werden wir in Kürze einen weiteren Blogbeitrag zur aktuellen Diskussion hinsichtlich NPLs veröffentlichen.

 

Einführung eines „aufsichtlichen Risikovorsorge-Backstops“

 Die EZB beschreibt ihre Mindestanforderung an eine ausreichende aufsichtliche Risikovorsorge für notleidende Risikopositionen (Non-Performing Exposures / NPEs) anhand eines so genannten „Backstops“. Dieser soll das Kreditausfallrisiko aus NPEs durch eine vollständige Deckung auffangen.

Der Risikovorsorge-Backstop setzt sich zusammen aus der Differenz zwischen dem erwarteten Verlust (Expected Loss bzw. „EL“) und der Summe sämtlicher Wertberichti­gungen die nach den anzuwendenden Rechnungslegungsvorschriften angesetzt werden zuzüglich der vom Institut vorgenommenen Eigenmittelabzüge vom harten Kernkapital (Common Equity Tier 1 bzw. „CET1“) gemäß Artikel 3 der CRR[2].

Die EZB erwartet für neue NPLs eine vollständige Abdeckung des unbesicherten Teils bereits zwei Jahre nach deren Identifikation.

Für besicherte notleidende Engagements ist nach sieben Jahren eine vollständige Abdeckung der gesamten Risikoposition vorzunehmen. Hierbei soll eine graduelle Abdeckung erfolgen, so dass es zu keiner sprunghaften Zuführung der Risikovorsorgen kommt.

 

Welche Sicherheiten akzeptiert die EZB für neue NPLs?

Als Kreditsicherheiten für die Kategorisierung von besicherten, teilweise besicherten und unbesicherten NPLs akzeptiert die EZB alle Arten von Immobiliensicherheiten (Bewertung sollte gemäß Kapitel 7 des EZB-Leitfadens zum Umgang mit NPLs erfolgen) sowie andere Sicherheiten, welche die Kriterien für Kreditrisikominderung der CRR (Teil 3, Titel II, Kapitel 4, CRR) erfüllen.

Liegen keine der genannten Sicherheitenarten vor, wird das Kreditengagement als vollständig unbesichert eingestuft. Risikopositionen gelten im Rahmen des Risikovorsorge-Backstops als vollständig besichert, wenn die genannten Sicherheiten den Kreditrahmen des Schuldners, unabhängig davon wieviel bereits in Anspruch genommen wurde, übersteigen. Bis auf jederzeit fristlos kündbare Kreditrahmen, die noch nicht in Anspruch genommen wurden, berücksichtigt der Backstop alle Kreditfazilitäten.

Nicht so einfach ist die Kategorisierung für neue NPLs, wenn zwar anerkennungsfähige Sicherheiten vorliegen, diese aber nicht den Wert des Kreditrahmens übersteigen. SIs müssen dann die Risikoposition in einen besicherten Teil und einen unbesicherten Teil aufspalten. Dies könnte vor allem hinsichtlich der kontinuierlichen Überprüfung der Sicherheiten im Zeitablauf und das damit einhergehende Verwertungsrisiko zu Abweichungen im Risikovorsorge-Backstop führen und stellt auf jeden Fall eine Herausforderung dar.

 

Zusätzliche Melde- und Offenlegungspflichten für SIs

Die EZB erwartet von den signifikanten Instituten, dass sie mindestens einmal im Jahr ihr zuständiges Aufsichtsteam (Joint Supervisory Team bzw. „JST“) über die Einhaltung des Risikovorsorge-Backstops informieren. Dies beinhaltet die Offenlegung der Deckungsgrade im NPL-Portfolio – sortiert nach Zeitspanne bzw. Vintage (Zeitraum, über den das Engagement als notleidend eingestuft ist) sowie die Erläuterung und Begründung eventueller Abweichungen in einem so genannten „Comply-or-explain-Prozess“.

Toleriert werden Abweichungen vom Backstop, wenn einerseits die Anwendung des Risikovorsorge-Backstops für bestimmte Risikopositionen oder Portfolios nicht begründet ist. Dies ist z.B. der Fall, wenn ein Schuldner durch regelmäßige Teilzahlungen einem großen Teil seiner ursprünglich vereinbarten Tilgungsverpflichtungen nachkommt. Ein anderer Fall liegt vor, wenn durch die Anwendung des Risikovorsorge-Backstops zusammen mit den Eigenmittelanforderungen für das Kreditrisiko (Bestandteil der Säule 1 des Basler Rahmenwerks) eine Überdeckung der Risikoposition stattfinden würde.

Im Anschluss an den Comply-or-explain-Prozess erfolgt eine aufsichtliche Beurteilung anhand von Vor-Ort-Prüfungen oder Überprüfungen durch die JSTs mit einer anschließenden Berücksichtigung der Ergebnisse im aufsichtlichen Überprüfungs- und Bewertungsprozess (Supervisory Review and Evaluation Process bzw. „SREP“).

Die EZB macht in ihrer Ergänzung nochmals deutlich, dass hieraus aufsichtliche Maßnahmen folgen können, sofern sich die Institute nicht an die neuen Regelungen halten.

 

Fazit und aktuelle Herausforderungen

 Die aufsichtliche Risikovorsorge stellt zusätzlich zu den bereits bestehenden Anforderungen der EZB, die sie in ihrem „Leitfaden für Banken zu notleidenden Krediten“ formuliert hat, eine neue Anforderung für SIs dar, die wegen ihrer Umsetzungsfristen umgehend berücksichtigt werden sollte.

Insbesondere die Bestimmung und Bewertung von Kreditsicherheiten sind wesentliche Aspekte für die Anwendung des Risikovorsorge-Backstops, mit denen sich signifikante Institute auseinander setzen müssen.

Damit einhergehend steht im Jahr 2018 auch die IFRS 9-Umstellung bei den Instituten an, zu der die EZB bereits in 2017 Thematic Reviews durchgeführt hat um zu prüfen inwiefern die signifikanten Institute auf die Einführung der IFRS 9-Anforderungen vorbereitet sind. Die frühzeitige Bildung von Risikovorsorge für notleidende Kreditengagements ist ein Ziel der Aufsicht, da in der letzten Finanzkrise Risikovorsorgen unzureichend und zu spät gebildet wurden[3].

Aus den genannten Punkten können sich Abweichungen zwischen der von der EZB geforderten aufsichtlichen Risikovorsorge zur buchhalterischen Risikovorsorge ergeben, die für den Comply-and Explain-Prozess dokumentiert werden sollten.

Daraus ergibt sich u.a. folgender zusätzlicher Handlungsbedarf für signifikante Institute:

  • Bestandsaufnahmen und Analyse bestehender Kredit-Portfolien hinsichtlich Zeitspannen, Deckungsgrad und Sicherheitenbestand inklusive Identifizierung neuer NPLs gemäß EZB-Definition
  • Implementierung des Risikovorsorge-Backstops unter Berücksichtigung der IFRS 9 Rechnungslegung, CRR-Anforderungen sowie kompatibler Datensysteme
  • Modell- und Prozessentwicklung (insbesondere Expected Credit Loss (ECL)-Modell) und Identifizierung von Anpassungsbedarf
  • Vorbereitung des Comply-and-Explain-Prozesses unter Berücksichtigung der IFRS 9 Implementierung
  • Überprüfung und Anpassung der NPL-Strategie einschließlich Pläne für den Abbau von NPL-Portfolien

Hierbei unterstützen wir Sie gerne mit unserem Know-How.

Haben Sie weitere Fragen oder Interesse, sich zu dem Thema auszutauschen? Wir stehen Ihnen gerne zur Verfügung.

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[1] Vgl. EZB-Pressemitteilung: EZB ergänzt ihren NPL-Leitfaden für Banken (04. Oktober 2017)

[2] Vgl. EZB-Konsultation: Ergänzung zum EZB-Leitfaden für Banken zu notleidenden Krediten: Aufsichtlicher Risikovorsorge-Backstop für notleidende Risikopositionen (04. Oktober 2017)

[3] Vgl. EZB-Newsletter: Supervisory expectations on the implementation of IFRS 9 (15. Februar 2017)

 

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