SREP-Serie (Teil 4): Beurteilung der Kreditrisiken

Entsprechend der am 19. Dezember 2014 von der EBA veröffentlichten SREP Richtlinie sind Kredit- und Kontrahentenrisiken als Teil des Risikoprofils von Instituten durch die zuständigen Aufsichtsbehörden zu beurteilen. Dies umfasst neben einer Einschätzung und Evaluierung des inhärenten Kreditrisikos auch das Kreditrisikomanagement. Das übergeordnete Ziel besteht in der risikogerechten Darstellung der Kreditrisiken, um frühzeitig mögliche Risikounterschätzungen auf Einzelinstitutsebene zu identifizieren und etwaigen Handlungsbedarf zu adressieren.

Als primäre Herausforderung für die Institute ist, neben der Etablierung eines angemessenen Portfolioanalyseprozesses, die Sicherstellung der Richtigkeit, Granularität und zeitnahen Bereitstellung der Kreditrisikodaten zu nennen.

Im Zuge der Erfüllung der SREP Richtlinie führen die Aufsichtsbehörden auch eine Beurteilung der Kredit- und Kontrahentenrisiken als Bestandteil der Risikobeurteilung durch. Die Beurteilung sollte dabei in zwei Stufen erfolgen. In einem ersten Schritt bestimmen die Aufsichtsbehörden das inhärente Risiko, während in einem zweiten Schritt das Kreditrisikomanagement und das interne Kontrollsystem bewertet werden.

Inhärentes Kreditrisiko

Die Bestimmung des inhärenten Risikos wird sich dabei in verschiedene Teilschritte gliedern, die insbesondere auf eine Analyse des Portfolios abzielen, um letztlich eine erste Risikoeinschätzung vorzunehmen. Die wesentlichen Bestandteile stellen sich wie folgt dar:

Preliminary Assessment

Die Aufsichtsbehörden sind angehalten eine Identifizierung der wesentlichen Kreditrisikoursachen und -treiber durchzuführen, insbesondere durch Einsicht in die relevanten Strategiepapiere sowie Analyse der historischen Entwicklung der Ausfallraten und der Portfolioperformance.

Art und Zusammensetzung des Kreditportfolios

Über die Analyse des Portfolios sind durch die Aufsichtsbehörde die wesentlichen Risikofaktoren zu erheben, wobei ein besonderes Augenmerk auf bestimmte Risikoarten gelegt werden soll – u.a. Konzentrations[1], Adressenausfall-, Länder- und Wechselkursrisiken sowie Risiken aus der Besicherung. Ebenfalls Teil der Analyse werden auch Ausprägungen wie Gegenpartei- und Erfüllungsrisiken speziell im Hinblick auf Derivate und Finanzinstrumente sowie Risiken aus Verbriefungen und/oder Spezialfinanzierungen sein.

Bonitätsbeurteilung des Portfolios

Als Bestandteil der Portfolioanalyse haben die Aufsichtsbehörden auch die Qualität des Portfolios zu beurteilen, insbesondere auch in Bezug auf die Gliederung in Performing, Non-Performing und Forborne. Die Entwicklung der einzelnen Risikoklassen im Zeitverlauf sowie deren Wachstumsraten spielen sowohl in der Portfoliobewertung als auch in Bezug auf die Würdigung der bestehenden Risikovorsorge eine signifikante Rolle. In diesem Zusammenhang werden ebenfalls verschiedene Kategorien möglicher Konzentrationsrisiken und deren korrelierende Entwicklungen in Stressszenarien durch die Aufsichtsbehörden überprüft. Die Ergebnisse sollten zudem mit dem kommunizierten Risikoappetit des Instituts abgestimmt werden.

Realisierbarkeit und Qualität von Kreditrisikominderungstechniken

Bei der Bestimmung des inhärenten Kreditrisikos sollten die Aufsichtsbehörden immer auch die für das Institut verfügbaren Kreditsicherheiten analysieren und entsprechend deren Qualität bzw. Verfügbarkeit beurteilen. Neben dem Umfang an Sicherheiten und den historischen Recovery Rates sollte durch die Aufsichtsbehörden auch die Realisierbarkeit und Wertstabilität überprüft werden.

Beurteilung der Risikovorsorge bzw. der Wertberichtigungen

Auf Basis der Ergebnisse aus der Beurteilung des inhärenten Risikos sollten die Aufsichtsbehörden zusätzlich die Höhe der gebildeten Risikovorsorge und Wertberichtigung auf das Portfolio hinterfragen.

Beurteilung von Kreditrisikomanagement und -Kontrollen

Nachdem die Aufsichtsbehörden ein ausreichendes Verständnis über das inhärente Risiko des Instituts erlangt haben, sind diese angehalten sich ein umfassendes Bild über das vorhandene Kreditrisikomanagement[2] und die entsprechenden Kontrollen zu verschaffen.

Die Aufsichtsbehörden haben sicherzustellen, dass Kreditrisikostrategie und -appetit ausreichend klar formuliert und konsistent zu Geschäftsmodell, Marktumfeld und gesamthafter Risikostrategie bzw. -appetit sind. Ferner sollten Aufsichtsbehörden im Rahmen ihrer Beurteilung die Besicherungsstrategie und den Konjunkturzyklus berücksichtigen.

Organisatorische Rahmenwerke sowie Richtlinien und Anweisungen sind unter Berücksichtigung der Komplexität des Instituts ausreichend detailliert darzustellen und Verantwortlichkeiten sind zu definieren. Insgesamt ist dabei auch auf die Funktionstrennung von sogenannten „Risk Takers“ und „Risk Managers“ zu achten.

Im Kreditrisikomanagement (Identifizierung, Messung, Überwachung und Reporting) haben die Aufsichtsbehörden insbesondere darauf zu achten, dass alle bilanziellen und außerbilanziellen Positionen mit einbezogen werden und die genutzten Systeme die notwendigen Daten ausreichend granular abbilden können. Darüber hinaus haben die Aufsichtsbehörden die den Stresstests zugrundeliegenden Annahmen und Risikofaktoren sowie die Frequenz der Durchführung kritisch zu würdigen.

Abschließend ist durch die Aufsichtsbehörden auch das kreditrisikobezogene interne Kontrollrahmenwerk zu beurteilen. Die EBA legt den Schwerpunkt insbesondere auf das Limitsystem, welches entsprechend aus der Risikostrategie und dem Risikoappetit abgeleitet sein sollte, sowie die Interne Revision.

Die Anforderungen an das Kredit- und Kontrahentenrisikomanagement der Banken wurden bereits grundsätzlich in den „Mindestanforderungen an das Risikomanagement“ (MaRisk 2012)[3] adressiert. Jedoch konkretisiert die EBA über die SREP Richtlinie, welche Bestandteile aus ihrer Sicht für eine Beurteilung der Kredit- und Kontrahentenrisiken einzubeziehen sind, und welche besonderen Schwerpunkte die europäische Bankenaufsicht hinsichtlich einzubeziehender Einzelrisiken sowie kritisch zu würdigender Methoden sieht.

Mit der fokussierten Beurteilung der Kreditrisiken ergeben sich Handlungsempfehlungen für die durch die EZB beaufsichtigten Institute

Mit der SREP Richtlinie konkretisiert die europäische Bankenaufsicht in erster Linie ihre Erwartungshaltung an die Aufsichtsbehörden bei der Beurteilung von Kreditrisiken. Allerdings lassen sich im Umkehrschluss auch die folgenden Handlungsempfehlungen für betroffene Institute ableiten:

  • Umsetzung eigener Portfolioanalyse-Prozesse zur frühzeitigen Identifizierung von (negativen) Veränderungen auf das eigene Portfolio und Risikoprofil
  • Überprüfung der eingesetzten Systeme und Methoden zur Risikomessung und deren Eignung in Bezug auf Größe, Art, Umfang, Zusammensetzung und Komplexität der kreditrisikorelevanten Aktivitäten
  • Sicherstellung der Richtigkeit, Granularität und zeitnahen Bereitstellung der Kreditrisikodaten als primäre Herausforderung für die Institute

SREP (Teil 4)

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[1] CRD IV – Directive 2013/36/EU on access to the activity of credit institutions and the prudential supervision of credit institutions and investment firms (Veröffentlichung: 26. Juni 2013)

[2] Im Einklang mit: CRR – Regulation (EU) 575/2013 on prudential requirements for credit institutions and investment firms (Veröffentlichung: 26. Juni 2013) und CRD IV – Directive 2013/36/EU on access to the activity of credit institutions and the prudential supervision of credit institutions and investment firms (Veröffentlichung: 26. Juni 2013)

[3] BTO 1 Kreditgeschäft; BTO 1.2 Anforderungen an die Prozesse im Kreditgeschäft; BTO 1.2.5 Behandlung von Problemkrediten; BTO 1.2.6 Risikovorsorge; BTO 1.3 Verfahren zur Früherkennung von Risiken; BTO 1.4 Risikoklassifizierungsverfahren; BTR 1 Adressenausfallrisiken

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